9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

April 2014

Da kommt schon ein Torpedo

30.04.2014. In der huffpo.fr erklärt die Femen-Aktivistin Inna Schevchenko, warum sie Angst hat vor den Faschisten in der Ukraine - wegen Putin. In der Zeit streiten Mely Kiyak und Michail Schischkin mit Außenminister Steinmeier über Russland. Die Zeit will nicht immer über Google jammern, sondern was tun, während die Software-Pionierin  Shoshana Zuboff in der FAZ Mathias Döpfner nur zustimmen kann. Der Tagesspiegel staunt über Michel Houellebecqs Vorschläge zur Reform der Demokratie in Frankreich.

Dreitausend Typen von Bakterien

29.04.2014. Tim Judah ist im NYRBlog  entsetzt über das Ausmaß des Hasses in der Ostukraine. Klaus von Dohnanyi rät in der FAZ: Einfach machen lassen. Astolphe de Custine analysiert in der SZ Russlands Strategie. Und Robert Littell malt bei nonfiction.fr Russlands Schwäche aus. Die NZZ protestiert gegen die Abschaffung des Bargelds. Stefan Niggemeier und Wolfgang Michal machen sich in ihren Blogs Gedanken über lokale Berichterstattung.

Die Droge der universellen Vernetzung

28.04.2014. Das kalte sowjetische Grauen packt die Autorin Elena Chizhova in der NZZ angesichts all der Putin-Groupies in Russland. Karl Schlögel bekennt dagegen in der Welt sein Entsetzen über die westlichen Putinisten in hiesigen Talkshows. In der taz fragen Micha Brumlik und Hajo Funke angesichts staatlicher Verstrickungen um das Zwickauer Mordtrio, ob wir inzwischen im "deep state" angelangt sind. Die FAZ wirft einen Blick auf die europäischen Krisenländer Italien und Frankreich.

Frauen in Pink mit Stöcken

26.04.2014. huffpo.fr hat einige neue Bücher zum Genozid von Ruanda gelesen. Amana Fontanella-Khan spricht in der Welt über die indische Frauengruppe "Gulabi Gang". Die NZZ feiert das das erotische Potenzial des Spargels.In der SZ sieht Franziska Augstein einen Fernsehfilm über die Spiegel-Affäre zumindest zum Teil als "Blödsinn". Der New Yorker hat Angst vor Putins Angst vorm Internet.

Schlussstrich ist noch lange nicht

25.04.2014. Empörung in den USA über die Abschaffung der Netzneutralität - damit habe Barack Obama ein Wahlversprechen gebrochen, meint der New Yorker. Der Beck-Verlag wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe beim Buch "Große Seeschlachten", bisher gebe es kaum Belege für diese Behauptung, sagt Beck-Lektor Ulrich Nolte im Interview mit dem Dradio Kultur. In der taz beklagt Philosoph Étienne Balibar die Schwäche der europäischen Linken. Anders als Wladimir Putin glaubt, ist das Internet keine Erfindung der CIA, meint Slate.fr.

Ausschließlich technische Details

24.04.2014. Die Welt geißelt die deutsche Fixiertheit auf Russland und die Ignoranz gegenüber den kleineren Ländern Osteuropas. Nach Enthüllungen über Arne Karstens und Olaf B. Raders  Buch "Große Seeschlachten" stellt sich die Frage: Wieviel darf man aus der Wikipedia abkupfern, ohne es zu erwähnen? Netzwertig studiert die niederländische Medienplattform Blendle, die es einfach macht, kostenpflichtige Inhalte im Netz anzubieten. In der FAZ nimmt Jaron Lanier dem Springer-Chef Mathias Döpfner zwar nicht seine Angst vor Google, wohl aber seine Hoffnung auf Rettung durch den Staat.

Andere Formen der Kommunikation

23.04.2014. Auch ein Jahr  nach Einführung der Homoehe ist  nicht die Sintflut über Frankreich hereingebrochen, konstatiert die huffpo.fr. Was ist aus unserer Liebe zu Lateinamerika geworden, fragt die Welt. Peter Schneider und Heinrich August Winkler versuchen in Welt und IP die Russland-Versteher zu verstehen. In der FAZ rät Harald Welzer zur Abkehr vom Internet. Und die Briten zerstreiten sich laut SZ über die Frage, ob sie ein christliches Land seien.

Die Substanz der Frage

22.04.2014. Die Welt sucht nach dem Kern deutscher Russophilie. In der FAS bekennt der ukrainsiche Autor Serhij Zhadan seine Fassungslosigkeit über den Lauf der Ereignisse. Im Guardian antwortet Edward Snowden auf Kritik an seinem Auftritt bei Putin - und betont, dass er seine Fragen an Putin so gestellt hat, dass Putin lügen musste. Techdirt beschreibt russische Überwachungspraktiken. Und warum will der Bayerische Rundfunk ausgerechnet seine Klassikwelle ins Internet verbannen, fragt die SZ.

Stahlhartes Gehäuse

19.04.2014. In der Welt erklärt Sofi Oksanen, warum die russischen Minderheiten in den Anrainerstaaten zu Russland nicht als Argument für Annexionen dienen dürfen. War Edward Snowdens Auftritt in Putins Propagandashow seiner Abhängigkeit von Putin geschuldet? Ausgerechnet die Washington Post findet, dass er seine Würde verloren habe. Und wer Germaine Tillons Brief an die Gestapo liest, den Slate.fr veröffentlicht, versteht, warum ihre sterblichen Überreste ins Panthéon überführt werden.

Das Vibrato des Seins

17.04.2014. Mathias Döpfners Angst-vor-Google-Artikel stößt im Netz auf eher amüsierte Reaktionen. Zeit.de meldet: Google macht jetzt Kontaktlinsen, damit man Google Glass nicht mehr erkennt. Techdirt bringt eine Hommage auf Tom Lehrer und seine Meinung zum Urheberrecht. Die Welt staunt über einen nationalbolschewistischen Hybrid namens "russisches Eurasien". Die SZ besichtigt das umgebaute Studio der Tagesschau. Neu: Mit Ganzkörpermoderatoren. Die FAZ ergründet die Rolle François Mitterrands beim Genozid von Ruanda.

Der Frühling verfrostet

16.04.2014. In der FAZ bekennt Mathias Döpfner seine Angst vor Google. Nicht ohne Argumente - aber wollen wir uns die Demokratie wirklich von Kim Jong Un erklären lassen, fragt Netzwertig dazu. Die EU hatte keinen Feind - nun hat sie einen, meint Jean-Dominique Giuliani in La Règle du Jeu. In Le Monde äußert Boualem Sansal starke Zweifel an der realen Existenz Algeriens. In der NZZ rechnet Hector Abád mit Hugo Chavez ab.

Wo Gewalt wieder ein Ideal ist

15.04.2014. In der FAZ erlebt Swetlana Alexijewitsch die Rückkehr des roten Menschen. Slate fürchtet, dass Europas Sonne lange nicht über der Ukraine scheinen wird. Techcrunch fragt, was Google und Facebook mit Drohnen wollen. Die SZ will nicht an digitale Kultur glauben, höchstens an digitale Geschäftsmodelle. Die NZZ stellt allerdings Eutopia vor, ein Online-Magazin für europäische Debatten. Und Glenn Greenwald, für dessen NSA-Berichte der Guardian jetzt den Pulitzer Preis bekommen hat, will vor dem Untersuchungsausschuss aussagen, wie er auf Zeit Online erklärt.

Chaos, Angst und Desinformation

14.04.2014. Im Tagesspiegel erklärt Glenn Greenwald, warum Edward Snowden vor dem Untersuchungsausschuss erscheinen muss. Die SZ beschreibt, wie Russland die Ukraine von Osten her aufrollt. Die FAZ vernimmt den neuen Moskauer Hurrapatriotismus. Die taz möchte in Bezug auf Kinderpornografie und Pressefreiheit gern wissen, was eine Bloßstellung ist und wer darüber entscheidet. In der NZZ beklagt Fernando Savater das noch immer auf Spanien lastende Erbe Francos.

Die bloße Simulation eines Menschen

12.04.2014. Schock über Heartbleed: Jimmy Wales und viele andere fragen, ob uns die NSA über zwei Jahre Kriminellen auslieferte. In der NZZ wird über Martin Heidegger gestritten. In der Welt trennt Cemens J. Setz den Kopf vom Körper und entwickelt Szenarien für die künftige Bestrafung von Kapitalverbrechen. In Le Monde fordert Arno Klarsfeld die Öffnung der französischen Archive aus der Zeit des Völkermords in Ruanda. Und Hans-Christoph Buch glaubt in der FR an das demokratische Potenzial Russlands.

Auf der Gruselskala bis 10 ist es die 11

11.04.2014. Im Fall des mutmaßlichen Raubkunst-Gemäldes im Büro von Hermann Parzinger offenbart sich ein Mangel an Sensibilität, meint der Tagesspiegel. Ina Hartwig warnt im Perlentaucher vor einem zensierten Blick aufs Kind. Ein Leck in der Sicherheitssoftware "OpenSSL" versetzt die Welt in Alarmbereitschaft. Und Florian Coulmas berichtet in der NZZ von Kenchu-zokan, Japans neuem Nationalsport: China verabscheuen und Südkorea hassen.

Ein weiterer kleiner Tyrann

10.04.2014. Cornelius Gurlitt erhält seine Bilder zurück, aber Hermann Parzinger hängt das Kokoschka-Gemälde in seinem Büro wegen Raubkunstverdachts vorsorglich ab, meldet der Tagesspiegel. In der Welt erklärt Natalja Kljutscharjowa anhand von Dostojewski die russische Psyche. Mit dem SWR-Sinfonieorchester steht die Zukunft der Musikkultur auf dem Spiel, appelliert die FAZ. Die taz fragt, warum eigentlich Clemens Binninger den Vorsitz im NSA-Ausschuss übernommen hat.

500 Millionen Verdächtige

09.04.2014. Das Urteil des EuGH zur Vorratsdatenspeicherung wird trotz einiger Skepsis weithin begrüßt: ZeitOnline sieht darin den Startschuss für eine Debatte über die Freiheit im digitalen Zeitalter. BoingBoing bedankt sich bei Digital Rights Ireland und dem AK Vorrat Austria für die erfolgreichen Klagen. In der SZ berichtet außerdem Leoluca Orlando, dass Frauen jetzt auch in der Mafia aufsteigen. Die FAZ berichtet vom Nervenkrieg um Libération. Und die Welt fürchtet Windräder auf der Loreley.

Wenn schon bestrafen, dann richtig

08.04.2014. Aktuell: Der Europäische Gerichtshof hat die Vorratsdatenspeicherung gekippt, meldet Zeit Online. Der Datenschützer Peter Schaar stellt klar, dass Strafverfolgung auch ohne prima funktioniert. In der FAZ erklärt Victor Jerofejew, dass Russland vom Westen nicht gemocht, sondern verehrt und gefürchtet werden will. Und Peter Galison beschreibt, wie uns die Überwachung zu gehemmten Menschen macht. Die Welt beschreibt die schwierigen Rettung der Manuskripte von Timbuktu. Und der Kompromiss im Fall Gurlitt stößt auf nur wenig Skepsis, aber viel Zustimmung.

In Tausende Datensplitter zerlegt

07.04.2014. In Ungarn hat Victor Orban die Wahlen gewonnen, und die Philosophin Agnes Heller jede Hoffnung für das Land verloren. Aber die Oppostion hätte mit einem Sieg auch nichts anfangen können, tröstet die SZ. Zum Jahrestag des Völkermords in Ruanda zeigt die taz, wie genau deutsche Stellen über die Eskalation im Bilde waren. In der FR beklagt die Schriftstellerin Jagoda Marinic den faulen Kompromiss zum Doppelpass. Die FAZ informiert über neue Erfolge der Überwachungstechnologie in der Arbeitwelt.

Wenn man keine Angst hat, stimmt etwas nicht

05.04.2014. Die Werte der freien Wirtschaft sind mit jenen der freien Gesellschaft nicht automatisch identisch, stellt die Welt mit Blick auf deutsche Stimmen zur Krimkrise fest. Ab sofort sind die Snowden-Files in einer Online-Datenbank zugänglich. Der Antiterrorkrieg ist in Wirklichkeit ein Terrorzuchtprogramm, meint Jürgen Todenhöfer in der Berliner Zeitung. Der Mord an der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus löst weltweit Betroffenheit aus. Und die taz erinnert an den Genozid in Ruanda 1994.

Eine Geschichte des Wegschauens

04.04.2014. Die SZ hat in Ramstein ein Drohnennest entdeckt. Demnächst lernt die ganze Welt die Foltermethoden der CIA kennen, meldet die NYT. Warum bedauern die Deutschen immer nur die Opfer vergangener Völkermorde, fragt Cicero. In der taz feiert die FDP-Politikerin Nadja Hirsch das neue Internetgesetz der EU als Sieg für die Netzneutralität. Die FAZ ist sich da nicht so sicher. Die SZ fragt, seit wann die Ukraine als Staat zweiter Klasse gilt.

Maßnahmen zur Kaderrotation

03.04.2014. Aktualisiert: Auf zeit.de rechnet Boris Schumatsky mit deutschen Putinfreunden ab. Die Ukraine hat mit der sowjetischen Vergangenheit gebrochen, Russland leider noch nicht, schreibt Vladimir Sorokin in der Zeit. Der Internetunternehmer Robert M. Maier wirft Google in der FAZ vor, seine Suchergebnisse zugunsten eigener Dienste zu manipulieren. In der taz erzählt die Syrerin Rana al Nabki, wie sie zum ersten Mal in ihrem Dorf demonstrierte. In Eurozine fragt Agnieszka Holland, warum Politik und Medien sich nicht gegen das Gender-Mainstreaming der Katholischen Kirche wehren.

Unersättliches Interesse fürs Disparate

02.04.2014. In der NZZ beschreibt Alexander Etkind das russische System aus Gier, Angst und Betrug, das nebenbei den Westen korrumpiert. In der Welt plaudert Alexander Kluge aus, woran Jürgen Habermas schreibt. In FAZ und Spiegel Online fordert Sascha Lobo die Datenhoheit der Bürger zurück. Netzwertig sagt zum Abschied der deutschen sozialen Netze von VZ bis wkw leise Servus. Und Le Monde staunt darüber, wie Libération ihren neuen Chef begrüßt.

Stahl-Beton-Stein-Aluminium-Phalanx

01.04.2014. Nur weil ein Ukrainer russisch spricht, ist er längst nicht Russe, hält Manfred Sapper im Tagesspiegel fest. Stefan Niggemeier staunt über den Ethik-Code der Zeit, der kürzer ist als der von Zeit online. Die BBC stellt den 19-jährigen chinesischen Schwulen-Aktivisten Xiang Xiaohan vor. Wer hat diese grauenhaften Palmen vor diesen grässlichen, von Jan Kleihues verbrochenen Bau dieses überflüssigen BND gestellt?