9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
Februar 2026
10.02.2026. Die taz erklärt, was "Deathonomics" ist: das Putinsche Wirtschaftssystem, das die Konjunktur mit toten Rekruten heizt. taz und FAZ wundern sich nicht wenig über die Norweger, die sich doch recht intensiv von Jeffrey Epstein bezirzen ließen. Den Ostdeutschen ginge es heute besser, wenn die Jewish Claims Conference keine Entschädigungsforderungen gestellt hätte, meint der Berliner-Zeitung-Verleger Holger Friedrich laut Jüdischer Zeitung. In der SZ rät Literaturwissenschaftler Steffen Martus mit Blick auf Trump Feuer mit Feuer zu bekämpfen.
09.02.2026. In der SZ markiert Gary Marcus die Grenzen der Künstlichen Intelligenz. Die taz untersucht das pathologische Verhältnis der westlichen Linken zum Mullah-Regime im Iran. Die taz hat es auch hingekriegt, dass in Oldenburg ein Museum umbenannt wird. In der FAZ fragt der Jurist Uwe Volkmann, ob Demokraten die Schmittsche Freund-Feind-Unterscheidung auf die AfD anwenden sollten. In der SZ macht die Schriftstellerin Shida Bazyar nochmal das Ausmaß der Gewalt gegen iranische Protestierende deutlich.
07.02.2026. Europa muss sich wappnen, rät der Politikwissenschaftler Robert Kagan im SZ-Interview, es wird sonst von den drei neuen Raubtierimperien zerfleischt. Der Meinungsforscher Lew Gudkow erklärt in der FAS, warum die Russen in Umfragen angeben, zufrieden mit ihrem Land zu sein, aber eigentlich nur Angst haben. Die Schriftstellerin Judith Schalansky hat in ihrer Dankesrede zum Lessing-Preis, die die FAZ abdruckt, angesichts mächtiger Algorithmen wenig Hoffnung für die Philosophie. Der Medienwissenschaftler Martin Andree fordert in der FAS: Das Internet muss wieder uns allen gehören!
06.02.2026. Warum verschwindet das Thema Ukraine immer mehr aus den Schlagzeilen, fragt die SZ. Die Epstein Files sorgen nach wie vor für viel Aufsehen: Warum sind viele Opfer in den geleakten Dokumenten sichtbar, fragen Tagesspiegel und SZ. taz und FAZ erzählen, wie Jeff Bezos die Washington Post zerstört. In der FAZ erklärt Marion Ackermann von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, warum sie nun auch das Museum Europäischer Kulturen ins Humboldt-Forum aufnehmen will.
05.02.2026. Im Iran haben die geistlichen Führer wohl mehr als 30.000 Menschen umgebracht - Die SZ kommt auf die Massaker zurück und auf die Verzweiflung, die jetzt in der iranischen Bevölkerung herrschen muss. Nützt die Veröffentlichung der Epstein-Files vor allem Donald Trump, fragt ebenfalls die SZ. Der noch in Moskau lebende Autor Andrei Kolesnikow schildert in der NZZ den wohl trübsten Winter in der Stadt seit langem. Die FAZ meint: Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche reicht nicht aus - der Staat sei aufgefordert, "sein Wächteramt auch gegenüber Volljährigen auszuüben ".
04.02.2026. Die Ukraine erfriert! In der FAZ rufen die Historiker Karl Schlögel und Gerd Koenen zu einer konzertierten Hilfsaktion auf. Trumps Außenpolitik folgt guter alter amerikanischer Tradition, meint in der FR der deutsch-amerikanische Philosoph Christian Lotz. Wenn den Spaniern Juan Carlos I. zur Demokratie verhalf, warum sollte Reza Pahlavi das nicht im Iran können, fragt in der Welt die Autorin Sineb el Masrar. In der FAZ kritisiert der Historiker Jan Grabowski scharf die deutschen Holocaustforscher Andrea Löw und Stephan Lehnstaedt, die ihre polnischen Kollegen im Stich gelassen hätten.
03.02.2026. Fast verzweifelt klingt der Ruf von Sergei Gerasimow in der NZZ. Kümmert es uns eigentlich, dass in der Ukraine Tausende Kinder umgekommen sind oder von den Russen deportiert wurden? Nach 56 Jahren scheint geklärt zu sein, wer den Brandanschlag auf das jüdische Altersheim in München begangen hat - ein Kleinkrimineller und rasender Antisemit, berichtet die taz mit Bezug auf den Spiegel. Marko Martin erinnert bei libmod.de an den Ideenhistoriker Fritz Stern, der die Demokratiefeindlichkeit bei Rechten und Linken früh benannte.
02.02.2026. Minus 20 Grad in Kiew, und keine Heizung, kein Strom, kein Wasser. Gegen wen führt Putin eigentlich seinen Krieg, fragt die Schriftstellerin Iryna Tsilyk in der FAZ. Trocknet die Finanzströme des Terrors aus, ruft Navid Kermani in der SZ - mit Blick auf den Sohn von Khamenei, der offenbar in Frankfurt ein Hilton-Hotel besitzt. Bei jacobin.de erklärt der Linkspartei-Politiker Ahmed Abed, wie er es als Bürgermeister von Neukölln halten will.