9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Nervöse Stimmung

26.07.2023. In der Welt kritisiert der Philosoph Arnd Pollmann das Schweigen Deutschlands zur Lieferung von Streumunition an die Ukraine. Die taz berichtet von sehr müden Ukrainern beim Kongress der "Anarchistischen Internationale", die Belehrungen satt haben, ob und wie sie sich verteidigen dürfen. Die FR beobachtet, wie Überwachung den sozialen Raum der Städte vernichtet. In der taz erklärt der israelische Veteran Yiftach Golob, warum die Justizreform die Start-up-Nation Israel bedroht.

Lügen und Geheimnisse

25.07.2023. In der FAZ fragt sich David Grossman, ob der Streit um die umstrittene Justizreform in Israel endlich die Illusionen in Israel zum Platzen bringen kann. Die Welt fragt sich, warum die Regierung eigentlich von Bonn nach Berlin gezogen ist, wenn sie in Berlin den Ostdeutschen auch nicht näher kommt? Jetzt hat also auch der Westen sein Sascha Arschloch, notieren die Ruhrbarone mit Blick auf Fabian Wolff. Große Aufregung um das Sommerinterview von Friedrich Merz: Er zündelt, warnt die taz. Interaktionen mit der AfD in Kommunalparlamenten gibts schon seit Jahren, auch von Seiten der SPD, erinnert der Soziologe David Begrich im Tagesspiegel.

Das Publikum gehört immer mit dazu

24.07.2023. Auch innerhalb Russlands nimmt Gewalt zu, konstatieren taz und FAZ - Opfer sind Homosexuelle und Frauen. Im Tagesspiegel fordert der Politologe Andreas Umland nach der Kündigung des Getreideabkommens eine vom Westen durchzusetzende Flugverbotszone über der Ukraine. taz und FAZ erinnern an die "Bombenbrandschrumpfleichen" in Hamburg nach dem "Feuersturm" vor achtzig Jahren.

Aufs Äußerste instrumentalisierte Identität

22.07.2023. Überall wird gerätselt, warum die AfD so stark ist. Es liegt an Corona, meint der Soziologe  Klaus Hurrelmann in der SZ. Die AfD-Wähler sind nur unzufrieden mit den anderen Parteien, meint Hubertus Knabe in der FAZ. Wenn man mit ihren Wählern redet, und zwar kräftig, verschwindet die Partei, empfiehlt der sächsische Landrat Dirk Neubauer in der taz. In der FAZ rät die EU-Politikerin Francesca Bria zu einem europäischen Twitter. In der NZZ warnt Michi Strausfeld vor dem chinesischen Einfluss in Lateinamerika.

Aus freien Stücken und voller Überzeugung

21.07.2023. Der Ukraine-Krieg kam nicht aus dem Nichts: Deutschland, Europa, der Westen wussten genau, mit wem sie es bei Putin zu tun haben, schreibt Bernd Rheinberg bei den Salonkolumnisten. 9.000 amerikanische Autoren protestieren in einem offenen Brief an die Fürsten der Tech-Konzerne gegen Künstliche Intelligenz, berichtet unter anderem die FAZ. Verästelungen des blühenden illegalen Antikenhandels reichen laut taz bis in die vornehmsten Kulturinstitute. Und bei der Debatte um Fabian Wolff wird gefragt, warum Zeit online dem Autor überhaupt so viel Raum gab.

Antidot gegen das Dingfeste

20.07.2023. Eva Menasse rechnet in der Zeit mit den Holocaust-fixierten Deutschen und der partikularistischen jüdischen Gemeinde ab - und BDS, hat sie von linken Israelis, die nach Berlin emigrierten, gelernt, ist die friedliche Alternative zur Hamas. Fabian Wolffs Geschichte ist schrecklich und tragisch, findet Sebastian Leber im Tagesspiegel, nur schade, dass er in seinem ausufernden Zeit-Text kein Wort darüber verliert, "was er mit seinen provokanten politischen Äußerungen angerichtet hat". Hat Egon Bahr mit den reaktionärsten Betonköpfen in Moskau konspiriert, um die Bürgerbewegungen in Osteuropa und dann gar die Wiedervereinigung zu sabotieren? Gerhart Baum says so!

Das vermutete Empörungspotenzial

19.07.2023. In der taz plädiert Georg Seeßlen für eine Ökologie des Denkens. Der Guardian würde gern den Vorwurf des "Ausverkaufs" wiederbeleben, um die Popmusik zu revitalisieren. Die FAZ fragt sich, ob die Spanierinnen am Sonntag zur Wahl gehen werden, die von allen Parteien im Stich gelassen wurden. NZZ und Jüdische Allgemeine widmen sich dem Phänomen des "richtigen" Juden Fabian Wolff, der ein falscher war. Hpd fragt, wie lange der Staat noch die Kirchensteuer einziehen will.

Wir sind froh, dass Sie glücklich sind

18.07.2023. Der Tagesspiegel erzählt eine Geschichte der sowjetischen und russischen Giftmorde. Die Jüdische Allgemeine empört sich über den "Hochstapler" Fabian Wolff. In der NZZ  warnt Ayaan Hirsi Ali vor Woken, die einen eigenen Gottesstaat errichten wollten. Die FAZ erkennt auf einer Plantage in Florida, wie der Kampf gegen Wokeismus die Geschichte verfälschen kann. Der neue nigerianische Präsident Bola Tinubu hat Oba Ewuare II. zur Rückgewinnung der Benin-Bronzen beglückwünscht und will ihn beim Bau eines Palastmuseums unterstützen, meldet die Berliner Zeitung.

Speerspitze einer revolutionären Idee

17.07.2023. Er sei mit dem sprichwörtlichen gepackten Koffer unterm Bett aufgewachsen, hatte der bekannte jüdische Intellektuelle Fabian Wolff vor zwei Jahren in einem langen Zeit-Online-Essay geschrieben, der die deutsche Linke seinerzeit begeisterte, dabei gab es nur ein  Problem: Wolff ist ein Goj, wie er wiederum ausufernd in Zeit online darlegt. Die "Letzte Generation" hat mit der basisdemokratischen Geschichte von Umweltbewegungen nichts zu tun, sagt die Psychologin Maria-Christina Nimmerfroh in der FAS, sondern im Gegenteil: sie funktioniert strikt hierarchisch. Nützen Sanktionen eher den Sanktionierten, fragt die NZZ.

Nicht explizit menschenfeindlich

15.07.2023. In der NZZ warnt der Historiker Rasim Marz vor neuen ethnischen Konflikten und der Machtausbreitung der Türkei auf dem Balkan. Die SZ ist nach den Urteilen zur Friedrich-Affäre entsetzt über die Auffassung der Gerichte vom Pressekodex. "Seit wann entscheidet der Hehler oder der Dieb, was mit dem Gut passiert?", winkt Claudia Roth in der FR Kritik an der Rückgabe der Benin-Bronzen ab. SZ und ZeitOnline hätten sich vom Rat der deutschen Rechtschreibung eine Entscheidung in Sachen Gendern gewünscht, die den Kulturkampf endlich beendet.