9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.08.2023. Sollte man die AfD verbieten? in einigen Bundesländern erfüllt sie die Kriterien, meint die FAZ. Die SZ fürchtet: die AfD sucht kulturelle Hegemonie. Der Fall Fabian Wolff ist Wirklichkeit ein Fall Zeit, meint Cicero, und er ist abgründiger als die Relotius-Affäre. Anetta Kahane analysiert in der FR das DDR-Erbe in Wolffs Diskurs. Die NZZ berichtet, wie sich Putin mit einer Ausstellung afrikanischer Kunst als Postkolonialist profilieren will. Die FAS spricht mit Ingke Brodersen, die ein Buch über "Judenhäuser" geschrieben hat.
05.08.2023. Pazifismus muss man sich leisten können, sagt Herta Müller im Welt-Interview, in dem sie Merkels Entspannungspolitik kritisiert: "Putin hat sich nie versteckt". Im Perlentaucher warnt Richard Herzinger westliche Regierungen vor einem faulen Kompromiss. Die Affäre Fabian Wolff rührt deshalb so auf, "weil sie ans Herz einer zurzeit weitverbreiteten Ideologie rührt, der Identitätspolitik", meint die Welt. Und zwischen den Zeit-Redaktionen in Hamburg und Berlin scheint eine Weltreise zu liegen, glaubt der Spiegel. In der FAS erklärt der Kulturwissenschaftler Dennis Meyhoff Brink, weshalb auch Migranten Korane verbrennen.
04.08.2023. In Buxtehude wurde einer Kindergärtnerin gekündigt, weil sie aus der Kirche ausgetreten ist - für hpd.de Gelegenheit, das kirchliche Arbeitsrecht zu beleuchten. In der Zeit erläutert die Verfassungsrechtlerin Suzie Navot die etwas unfertige Verfassungsordnung Israels. Ahmad Mansour gewinnt jetzt gegen die Verleumdungskampagne der britischen Website Hyphen wohl auch juristisch, berichtet die NZZ. Ralf Heimann hat in der MDR-Kolumne "Altpapier" ein gewisses Verständnis dafür, dass die Zeit an Fabian Wolffs jüdische Identität glaubte. In der NZZ beharrt Hamed Abdel-Samad: Der Staat darf die Meinungsfreiheit nicht einschränken, in der Hoffnung, die Gefühle der Muslime zu schützen.
03.08.2023. Maria Kolesnikowa ist verschwunden. Ihre Famile hat zuletzt im Februar 2023 von ihr gehört, berichtet die Zeit - das Lukaschenko-Regime rächt sich mit sadistischer Lust an Oppositionellen. Wozu brauchte die Zeit einen "Faktencheck" zu Fabian Wolff, fragen FAZ, Perlentaucher und NZZ: Was hier fehlt, ist eine Erklärung über die eigenen Motive. Die Zeit stellt den "Marcel Reich-Ranicki der digitalen Gegenwart" vor. Sie ist eine Tiktokerin.
02.08.2023. Zeit online bringt nun nach intensivem Schweigen über den Fall Fabian Wolff einen Faktencheck zu seinem Monster-Artikel. Man habe ihm alles glauben können, heißt es darin, wenn auch nur "mit gutem Willen". Im Tagesspiegel äußert sich Wolff selbst, aber nicht zu den aggressiven Positionen, die er unter seinem identitätspolitischen Schutzschirm so genussvoll vertreten hatte. Mirna Funk wehrt sich auf Instagram gegen den Vorwurf, sie haben Wolff Helen R.'s Tod in die Schuhe schieben wollen. Außerdem: Die FAZ bringt ein Dossier über bröckelnde "Brandmauern" in Westeuropa.
01.08.2023. In der FAZ erzählt Mirna Funk, wie die ehemalige Freundin von Fabian Wolff als antisemitisch abgestempelt wurde, als sie Zweifel an der jüdischen Identität Wolffs äußerte. Die SZ warnt vor einer Rückkehr des "deutschen Problems" angesichts der Forderung der AfD, die EU aufzulösen. In der NZZ beschreibt die Menschenrechtlerin und Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakowa, wie Russland in eine "faschistoide Diktatur" gerutscht ist. In Israel haben die Demonstranten Angst vor der Einführung einer "neuen Moral" durch die Regierung, erklärt der Historiker Tom Segev in der FR.
31.07.2023. Putin sucht nicht nach einem Ausweg aus seinem katastrophalen Krieg, sondern bereitet sich im Gegenteil intensiv auf seine Ausweitung vor, schreibt der Politologe Alexander Gabuev in der Financial Times. Unterdessen expandieren Putins wichtigste Bündnispartner im Westen, die Rechtsextremen. Die Gefahr dabei ist nicht ein neuer Faschismus, sondern die Normalisierung rechtsextremer Diskurse, meint Kenan Malik im Observer. Can Dündar zeigt in Zeit online am türkischen Beispiel , wie eine solche Normalisierung funktioniert. Ebendort analysiert Meron Mendel den Casus Fabian Wolff.
29.07.2023. Mariupol ist zerbombt und von der Bevölkerung verlassen. Sonja Margolina erzählt in der NZZ, wie Putin die Stadt als Potemkinsches Dorf wieder aufbauen will. "Depubliziert": Fabian Wolff existiert nicht mehr, zumindest nicht als Autor de Süddeutschen Zeitung bei sueddeutsche.de, hat die Jüdische Allgemeine herausgefunden. Das Ruhr Museum Essen zeigt eine Ausstellung über die Ruhrbesetzung 1923 bis 1925. Die FAZ erzählt wie die extreme Rechte hier ihr Instrumentarium schärfte.
28.07.2023. Die Politologin Natascha Strobl warnt in der SZ davor, die Bedeutung der AfD "ins Unermessliche" zu überhöhen. Die FAZ zieht Bilanz nach einem Jahr RBB-Skandal: Leute aus der zweiten Reihe müssen es jetzt richten. "Fabian Wolff ist eigentlich der Antisemit, der er nicht sein will", sagt die Historikerin Barbara Steiner in der Jüdischen Allgemeinen. Ebendort antwortet Michael Wolffsohn auf Eva Menasse.
27.07.2023. SZ-Autor Ronen Steinke besucht den Verfassungsblogger Maximilian Steinbeis, der mit einem Projekt herausfinden will, wie Rechtsextreme den Staat aushebeln wollen - aber bringt er sie damit nicht auf Ideen? Timothy Garton Ash warnt die deutsche Politik bei t-online.de: Mit "weiter so" geht's nur weiter bergab. Güner Balci erklärt in der Zeit, warum die Vielfalt im Neuköllner Columbiabad unbedingt geschützt werden muss.