Jenny Erpenbeck

Kairos

Roman
Cover: Kairos
Penguin Verlag, München 2021
ISBN 9783328600855
Gebunden, 384 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Die neunzehnjährige Katharina und Hans, ein verheirateter Mann Mitte fünfzig, begegnen sich Ende der achtziger Jahre in Ostberlin, zufällig, und kommen für die nächsten Jahre nicht voneinander los. Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR und des Umbruchs nach 1989 erzählt Jenny Erpenbeck von den Abgründen des Glücks - vom Weg zweier Liebender im Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Lüge, von Obsession und Gewalt, Hass und Hoffnung. Alles in ihrem Leben verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Die Grenze ist immer nur ein Augenblick.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2021

Rezensentin Elena Witzeck kann nur staunen, wie es Jenny Erpenbeck gelingt, die Wendegeschichte in einer Beziehung zwischen einer jungen Frau aus der DDR, die sich zur Setzerin ausbilden lässt, und einem viel älteren Schriftsteller sich niederschlagen zu lassen. Autobiografisches fließt in die Geschichte mit ein, ahnt Witzeck, aber wie Erpenbeck das Ostberlin der Vorwendezeit atmosphärisch einfängt und wie sie eine bekannte Beziehungskonstellation mit frischen Bildern ausgestaltet, das ist von allgemeiner Gültigkeit, findet Witzeck.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.09.2021

"Ästhetisch hochreflektiert" und aufregend komponiert nennt Rezensent Helmut Böttiger Jenny Erpenbecks Roman "Kairos", der vom Untergang der DDR und einer amour fou in den gehobenen Ost-Berliner Kulturkreisen erzählt. Der Rezensent folgt den privilegierten Liebenden, einem Heiner-Müller-artigen Schriftsteller und seiner jungen Geliebten, ins Weinlokal Ganymed, in die Akademie der Wissenschaften und in ein Moskau der "glühenden Liebesfarben". Dennoch scheint Böttiger auf Distanz zu bleiben: Auch wenn ihm einleuchtet, dass Erpenbeck ein Milieu schildert, das Gründe hatte, gegenüber der BRD auf Distanz zu bleiben, vermisst er doch einen Blick auf jene "48,1 Prozent", die 1990 die Allianz für Deutschland wählten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.08.2021

Rezensentin Judith von Sternburg nennt es "verstörend", dass Jenny Erpenbecks Roman nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht. In "Kairos" beschreibt die Autorin immerhin naheliegend und imposant, wie Sternburg erklärt, die später toxisch werdende Beziehung des fünfzigjährigen Sozialisten Hans mit der zwanzigjährigen Studentin Katharina und die sich langsam verändernde Situation im strauchelnden Staat DDR, für - abgesehen von Hans - niemand mehr eintreten kann. Erpenbeck hält dabei vor allem auf politischer Ebene Abstand, den die Rezensentin nötig findet, um genau hinschauen zu können. Auch den Ton der Autorin, den Sternburg als kühl, stark, distanziert und dennoch tiefblickend, findet sie treffend. Dass die Handlung fiktiv ist, könne man beinahe nicht glauben, was der Rezensentin zufolge auch an den vielen vorkommenden Menschen liege, die ohne Zweifel existiert haben. "Kairos" ist für für Sternburg ein großer Roman, der niemanden beschuldigen möchte, sondern lediglich das "Eingeständnis von Komplexität" fordert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.08.2021

Rezensentin Maike Albath erkennt in Jenny Erpenbecks neuem Roman über die vergangene Liebe einer jungen Frau zu einem älteren Mann eine Erzählung von der "existenziellen Verlorenheit" einer Generation. Dass die Zeit zwischen 1986 und 1992 von der Protagonistin memoriert wird und Ostberliner Orte und prominente Kulturschaffende mit Klarnamen erscheinen, findet Albath anregend. Indem die Autorin sich mit der Zeitgeschichte auseinandersetzt, weitet sich der Horizont der Beziehungsgeschichte, findet die Rezensentin.