9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Konsequent außerhalb

20.09.2023. Nicht die Asylbewerber sind das Problem, sondern die extreme Rechte, die mit dem Thema ihr Süppchen kocht, meinen taz und SZ. In der Jüdischen Allgemeinen beteuert Hubert Aiwanger sein Engagement für die Jüdische Gemeinde und kritisiert ein weiteres Mal die Süddeutsche Zeitung. Das Konzentrationslager auf der Haifischinsel war nicht Auschwitz, aber ein Schritt auf dem Weg dorthin, sagt die Hannoveraner Archäologin Katja Lembke in der taz. In Zeit online verteidigt Philipp Sarasin Michel Foucault gegen den Vorwurf, er sei nicht links. Der Corriere trauert um Gianni Vattimo.

Nicht die erwünschten Effekte

19.09.2023. Die taz fragt: Warum sind wir über Giorgia Meloni erschrocken, die Italiener aber nicht? In der FAZ erinnert Thomas von Steinaecker  an die goldene Zeit des Radios und stellt uns Zwerge dann auf die Schultern der Riesen: Bald gibt's nur noch eine Kritik pro Buch. In der Welt erklärt Philipp Peyman Engel von der Jüdischen Allgemeinen, warum er nicht mit der AfD redet. Die Hagia Sophia ist wieder ein Ort für die Gläubigen, hält diesen aber kaum stand, berichtet der Tagesspiegel. Qantara beschreibt die üble Menschenrechtslage in Ägypten.

Das Schreiben, diese große Erfindung

18.09.2023. In der FAZ warnt der Soziologe Oliver Nachtwey vor einer "Liste Wagenknecht", die rinks und lechts nur vermischen und damit der Rechten in die Hände spielen werde. In der SZ verbindet die Ethikerin und Theologin Anna Puzio ihr Seelenheil mit Künstlicher Intelligenz. Frankreich streitet laut Le Monde über eine Rechtschreibreform. Die FR erzählt, wie die Linke sich 1848 gegen den Parlamentarismus zusammenrottete, damit Schleswig deutsch wird.

Menschen, die sagen, was die Mehrheit verschweigt

16.09.2023. Anna Politkowskaja hatte schon vor zwanzig Jahren über den Putinismus aufgeklärt. Ihre Tochter Vera versucht in der taz zu verstehen, warum die westliche Politik nicht auf sie hörte. Wenn die hannoveranische SPD Gerhard Schröder feiert, dann feiert sie auch seine Russland-Politik, so die FAZ. Das iranische Volk wird den Mullahs die Straße nicht mehr überlassen, hofft Amir Hassan Cheheltan ebenfalls in der FAZ. Der Tagesspiegel erklärt, wie sich das Regime dennoch stabilisiert. taz und FAS versuchen zu verstehen, wie es war, in der DDR jüdisch zu sein. Im Perlentaucher fragt Lacy Kornitzer, wie wir die AfD möglich machen.

Das Mittel des Aufschreis

15.09.2023. Seit einem Jahr kämpfen iranische Frauen todesmutig um ihre Rechte. Wo bleibt eigentlich Ihre "feministische Außenpolitik", Frau Baerbock, fragt Norbert  Röttgen in der taz. Karl Schlögel ist nach Charkiw gereist und berichtet für die Welt.  Es dürfte schwierig werden, der AfD eine Parteistiftung vorzuenthalten, fürchtet die taz, nachdem sie ein für die Bundesregierung angefertigtes Gutachten gelesen hat. Sind die Münchner Olympia-Attentäter mit Hilfe deutscher Behörden freigepresst worden, fragt die SZ. Im Freitag unterhalten sich Bernd Stegemann und Mithu Sanyal über Identität. Zum Fall Constantin Schreiber gibt es sehr unterschiedliche Kommentare.

Dieser postfaschistische Komödiantenstadl

14.09.2023. Constantin Schreiber hat sich in einigen Büchern kritisch mit dem Islam auseinandergesetzt. Nach Drohungen und einem Tortenattentat, sagt er in der Zeit: "Ich werde mich zu allem, was mit dem Islam auch nur im Entferntesten zu tun hat, nicht mehr äußern." Müssen sich die Deutschen wirklich um alles selber kümmern, sogar um ihre Entnazifizierung, fragt ein entnervter Maxim Biller ebenfalls in der Zeit. Die AfD-Politikerin Alice Weidel sagt, sie sei nicht queer. Die FAZ gibt ihr recht. Der Journalist Axel Brüggemann hat sich kritisch über den SWR geäußert - und verliert seine SWR-Kolumne.

Die Mykologische Gesellschaft schlug Alarm

13.09.2023. Am 16. September jährt sich der Todestag Dschina Mahsa Aminis. Und die taz verrät, woran die Mullahs am wenigsten glaubten: an den Märtyrerkult. Die einfachsten Akte werden im Iran zu Freiheitsbeweisen, führt die Autorin Fariba Vafi im Tagesspiegel aus: Führt jemand seinen Hund spazieren, so fordert er Respekt für sein Haustier. Wo die Angst wächst, da wächst, äh, die Esoterik auch, schreibt Tillmann Bendikowski in der SZ. Wie populistisch ist die Entgegensetzung von "Volk" und "Eliten" fragen FAZ und Ruhrbarone.

Die Chinesen pflegen die Silberrücken

12.09.2023. In Deutschland läuft es schlecht? Da müssten Sie mal nach Frankreich, Kanada, Estland oder Finnland gucken, meint die FAZ. Naja, und in Nigeria läuft es auch nicht so gut, ergänzt hpd.de. Optimistisch sein darf eigentlich nur die Generation Z, die reichste Generation, die es jemals in Deutschland gegeben hat, findet die Welt. Die Welt recherchiert auch zu dubiosen Kontakten zwischen der CSU und China. Aber China ist nur eines von fünf Imperien, die hoffen, den versagenden Westen zu besiegen, fürchtet Bernard-Henri Lévy.

Wo ist hier der Sinn für Dringlichkeit?

11.09.2023. In der NZZ warnt der Charlie-Hebdo-Anwalt Richard Malka vor einem Blasphemiegesetz, wie es in Dänemark diskutiert wird: Religiöser Respekt hat keine Grenzen. In Spon versucht uns Biograf Walter Isaacson Genie und Marotten Elon Musks zu erklären. Die taz schlägt der Linken vor, es doch mal mit humaner Realpolitik zu probieren. Die Berliner Zeitung erzählt, wie die Rückgabe von Benin-Bronzen zu einem Machtkampf in Nigeria führt. FAZ und FR erinnern an den Militärputsch in Chile vor fünfzig Jahren.

Augenblicke, in denen die Realität auch wirklich ist

09.09.2023. "Als Russe wird man mit Gewalt gestopft wie eine französische Gans", schreibt Boris Schumatsky, der in der FAS den Zusammenhang von Gewalt und "Heimatliebe" schildert. In der NZZ schreibt Asli Erdogan über die Schmerzen des Exils. Seit Corona ist das Grundvertrauen in unsere Welt zerstört, diagnostiziert Hartmut Rosa in der SZ. Und bei vielen AfD-Wählern führt das zu einer "nihilistischen Wut", meint der Soziologe Philipp Rhein in der taz. Mit der Titanic steckt das nächste linke Medium in der Krise, den rechten Blättern geht's dagegen prächtig, warnt die taz.