9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.06.2024. Ist Sahra Wagenknecht eine Linke, eine Rechte? In Zeit online versenkt sich Anne Rabe in dies menschliche Vexierbild. In den Niederlanden unterwerfen sich die ersten Hochschulen Europas den Vorgaben von BDS, berichtet die taz. In Frankreich träumen Linke laut Le Monde angesichts des Neuwahlcoups von Emmanuel Macron von einer neuen "Volksfront". Gambia will sich "nicht länger von der westlichen Philosophie diktieren lassen was wir tun sollen" und Genitalverstümmelung wieder zulassen, berichtet die NZZ.
10.06.2024. Diese Katastrophe muss jetzt verkraftet werden. Viele Staaten in Europa haben bei den EU-Wahlen einen Tritt mit dem Hufeisen bekommen. Deutlich ist das in Deutschland vor allem in den Neuen Ländern: In Sachsen haben Rechtsextreme und Populisten 49 Prozent. In Sachsen-Anhalt kommen die Parteien der Ampel zusammen auf so, naja, 14 Prozent. In Frankreich haben Rechtspopulisten und -extreme 37 Prozent, Linksextreme 10 Prozent, und Macron löst das Parlament auf. Unterdessen feiert die Hamas einen Propagandasieg nach der Befreiung von vier Geiseln durch Israel.
08.06.2024. Das Verhältnis zwischen Orient und Okzident wird sich auch innerhalb der westlichen Demokratien entscheiden, schreibt Michael Kleeberg in der FAZ. In der FAS bestätigt Güner Yasemin Balci: Islamistische Bewegungen wurden auch in Deutschland zu lange ignoriert. taz und Zeit Online wundern sich darüber, wie gut sich deutsche Politiker mit rechten Regierungen verstehen. Jetzt drehen die Kritiker des Berliner Schlosses völlig durch, seufzt die Welt angesichts der neuen Initiative "Schlossaneignung". Die FAZ empfiehlt Claudia Roth ein bisschen mehr Mut zum Streit.
07.06.2024. Die Direktoren von Berliner NS-Erinnerungsorten fordern die Berliner Universitäten auf, Antisemitismus auf ihrem Campus zu benennen. Der Westen ist so bedroht wie selten zuvor, auch von innen, warnt Heinrich August Winkler in der SZ. ZeitOnline erinnert Europas Konservative, die mit den Rechten anbändeln, derweil an die Geschichte. Der Vorsitzende der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon fordert die Abschaffung des "Gotteslästerungsparagrafen". In der NZZ gibt Dmitri Bykow die Hoffnung auf ein Ende des russischen Faschismus in den 2030er Jahren nicht auf.
06.06.2024. In der Zeit verteidigt sich Claudia Roth und hält die Vorwürfe gegen ihr neues Konzept für Erinnerungskultur für absurd. Zeit Online ruft hingegen: Die deutsche Erinnerungskultur ist kein Instrument, bei dem man beliebig Module umstecken kann! Die AfD fordert in ihrem Wahlprogramm eine "Einheitskultur" und weiß dabei nicht zu sagen, was deutsche Kultur überhaupt ist, kritisiert die SZ. In der FAZ äußert sich Philippe Lazzarini zu den Vorwürfen gegen die UNRWA.
05.06.2024. "Wir erleben jetzt die Selbstabschaffung des Westens", sagt Michael Wolffsohn in der Berliner Zeitung mit Blick auf die antisemitischen Proteste. Im Tagesspiegel nennt der Historiker Moshe Zimmermann den Boykott israelischer Universitäten und Akademiker "nicht unbedingt antisemitisch", die SZ schildert derweil das Ausmaß des Boykotts. In der FAZ erinnert Dieter Lenzen, ehemals Präsident der FU, die Universitäten an ihre Rechtspflichten. Die NZZ setzt nach den Wahlen in Indien leise Hoffnung auf die gestärkte Opposition.
04.06.2024. taz und FAZ porträtieren die neue mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum, die von ihrem Vorgänger López Obrador das Problem der Gewalt erbt. Vergesst Belarus nicht, ruft fast verzweifelt Natalia Pinchuk, die Ehefrau des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Ales Bjaljazki, in der FR. Gäbe es an den deutschen Unis Lehrstühle zur Geschichte der DDR und des Kommunismus, dann hätten wir auch weniger "DDR-Kitschbücher" wie die von Katja Hoyer und Jenny Erpenbeck, verspricht Ilko-Sascha Kowalczuk in der FAZ. In der SZ erinnert Julian Nida-Rümelin an das Subsidiaritätsprinzip.
03.06.2024. In der FAZ lehrt Herta Müller die Pro-Palästina-Demonstranten eine Redewendung aus dem Iran: Israel braucht seine Waffen, um seine Bevölkerung zu schützen. Und die Hamas braucht ihre Bevölkerung, um ihre Waffen zu schützen. In der NZZ fragt die indische Politikwissenschaftlerin Manali Kumar: Wie demokratisch ist Indien noch? Die FAZ sucht eine Religion namens Hinduismus und findet sie nicht. Die SZ beobachtet den Personenkult um Narendra Modi. Die taz warnt: Die Anti-Klimabewegung könnte das neue Europaparlament aggressiv dominieren.
01.06.2024. In der FAZ betrachtet Ahmad Mansour mit Sorge, wie antijüdische Narrative wieder salonfähig werden - radikale Islamisten wissen das für sich zu nutzen, warnt er. In der FAS ruft Thomas Meyer indes dazu auf, wieder zu einer produktiven Gesprächskultur zurückzufinden. Leander Scholz sieht den Erfolg der Identitätspolitik in der NZZ als Folge des Scheiterns eines westlichen Universalismus. Zeit Online fragt, warum man der Ukraine erst jetzt erlaubt, westliche Waffen auf russischem Gebiet zu benutzen. Die SZ hält ein Plädoyer für Europa.
31.05.2024. "Schuldig in allen Anklagepunkten" - in New York wurde ein historisches Urteil gegen Donald Trump gefällt, aber die New York Times macht keine Hoffnung, dass er auf eine Kandidatur verzichtet. Endlich kursiert ein prominent unterzeichneter und internationaler Aufruf gegen BDS an Universitäten, wir zitieren. In der NZZ zeichnet Michi Strausfeld ein trauriges Bild von der Lage in Argentinien. Und die SZ beleuchtet Mexiko, wo zwei Frauen für die Präsidentschaftswahlen kandidieren. Die taz fordert einen Gedenkort für den Völkermord an den Herero und Nama in Hamburg.