9punkt - Die Debattenrundschau

Liu Xiaobo besser nicht erwähnen

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.12.2017. In Spiegel online erklärt die Politologin Katika Kühnreich, wie das chinesische Punktesystem für Wohlverhalten funktionieren wird. In der SZ spricht Linus Neumann vom Chaos Computer Club über die Gefahren von Staatstrojanern und Gesichtserkennung.  In der Welt fürchtet Henryk Broder, dass die Islamisierung Deutschlands kaum mehr aufzuhalten ist. Und die taz hat herausgefunden: "In Deutschland ist es wahrscheinlicher, als Leiche in einem TV-Krimi mitzuspielen, als ermordet zu werden.
Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.12.2017 finden Sie hier

Überwachung

Die Politologin Katika Kühnreich spricht im Interview mit Angela Gruber von Spiegel online über den chinesischen Plan, jedem Bürger ein Punktekonto zu geben, das sein Wohlverhalten widerspiegelt. Die Chinesen sind an solche Bewertungssysteme etwa schon von dem Sesame-Konto des Online-Riesen Alibaba gewöhnt: "In den persönlichen Sesame-Punktestand fließen zum Beispiel auch Daten von Gerichten und bestimmte Schuldnerregister mit ein. Sesame Credit ist außerdem mit dem größten Online-Datingportal Chinas verknüpft, Baihe... Nutzer des Datingportals können im Profil anzeigen lassen, wie viele Sesame-Punkte sie wert sind. Das ist sehr beliebt - bei Chinesen, die einen hohen Punktestand haben. Der Heiratsmarkt in dem Land ist hart umkämpft, es gibt deutlich mehr junge Männer als Frauen."

Kühnreich hat beim 34. Chaos Communication Congress in Leipzig zum Thema gesprochen. Jannis Brühl resümiert ihren Vortrag bei sueddeutsche.de. Und im Tagesspiegel ergänzt Til Knipper: "Die Wirtschaftsleistung des Landes im riesigen China-Social-Network loben gibt Pluspunkte, Bücher von regimekritischen Exilchinesen empfehlen Minuspunkte. Wer mit Leuten Kontakt pflegt, die einen niedrigen Wert haben, wertet den eigenen Score herunter. Die Punktzahl wiederum entscheidet, wer einen guten Job bekommt und ob die Kinder auf eine gute Schule dürfen."

Im SZ-Interview mit Hakan Tanriverdi spricht Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs, über die Gefahren von Staatstrojanern und Gesichtserkennung: "Mit dem neuen eID-Gesetz ist beschlossene Sache, dass es in Deutschland eine zentrale Biometrie-Datenbank geben wird. Alle Bilder, die wir für Pässe abgeben, kann man darüber abfragen. In dieser Situation entscheidet sich die Bundesregierung auch noch dazu, Kameras mit Gesichtserkennung auszustatten. Wir werden offline genauso verfolgt wie online anhand der Daten, die über unsere Aktivitäten gesammelt werden. Es gibt damit schlicht keinen Raum mehr, in dem wir nicht überwacht werden." Für Zeitonline hat sich Patrick Beuth beim 34C3 Vorträge zum Thema "Künstliche Intelligenz" angehört.
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