9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2026 - Kulturmarkt

Nach 21 Jahren tritt der Direktor der Frankfurter Buchmesse Juergen Boos ab und macht Platz für Joachim Kaufmann, der vom Hamburger Carlsen-Verlag kommt. Andreas Platthaus skizziert im Leitartikel der FAZ, was sich unter einem neuen Direktor alles ändern wird und sollte. Die Hallenbelegung wird beispielsweise geändert: "Publikumsträchtige Verlage sollen in die Erdgeschosse, um Besucherströme besser lenken zu können. Die Folge: Angestammte Plätze gehen verloren, eine Zweiklassengesellschaft entsteht. Nicht beseitigt wurde das unzeitgemäße Fachbesucherprivileg. Viel leichter wären Massen zu bewältigen, wenn sie sich auf alle fünf Tage verteilten. Aber dann könnte man nicht mehr sündteure Eintrittspreise vom Fachpublikum verlangen - das aber ohnehin spärlicher kommt. Kaufmann will stattdessen für normale Besucher abseits des Messegeländes mehr Literaturevents bieten - obwohl Frankfurt dieses Erfolgsrezept der Konkurrenz in Leipzig bereits kräftig kopiert hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2025 - Kulturmarkt

Klaus Farins Verlag Hirnkost, spezialisiert auf Dokumente aus Subkulturen und ausgewählte Science-Fiction, muss Insolvenz beantragen. 2024 konnte eine Spendenaktion den engagierten Kleinverlag noch retten - eine weitere Aktion scheint jedoch aussichtslos, schreibt Farin im Verlagsnewsletter. Er ist nicht der einzige, dem das Aus droht, wie er schreibt: "In den neunziger Jahren gab es noch über 6.000 unabhängige Verlage in Deutschland - heute sind es nur noch knapp 3.000. Doch zwei Prozent dieser Verlage - Konzerne wie Random House/Bertelsmann und Bastei Lübbe oder Holtzbrinck bei den Fachverlagen - erwirtschaften zwei Drittel des Umsatzes. Romance, TikTok-gefeaturete Young/New Adults und biographische Promi-Bücher sind die Krisengewinnler, unabhängig davon, ob sie von KI oder menschlichen Ghostwritern verfasst wurden. Monat für Monat geben Independentverlage auf, einige wenige 'retten' sich als Imprints in die Arme großer Konzerne. .... Ähnlich schlecht geht es dem Buchhandel. Auch hier hat sich die Zahl der unabhängigen, oft familiengeführten Unternehmen halbiert. Heute gibt es nur noch rund 2.600 kleine, unabhängige Buchhandlungen, doch 80 Prozent des Umsatzes wird in den zehn größten Ketten erzielt. Mindestens 20 Buchhandlungen sind allein in 2025 eingegangen, einige wurden von Thalia geschluckt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.11.2025 - Kulturmarkt

Michael Wurmitzer möchte im Standard wissen, weshalb es immer häufiger zu Lieferengpässen bei wichtigen Titeln kommt, wie jüngst etwa bei Dorothee Elmigers Roman "Die Holländerinnen", der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Die Druckereien geben vor allem den Verlagen die Schuld, erfährt Wurmitzer von Stefan Thomes, bei der deutschen Druckerei GGP Leiter des Marktbereichs Buch: "Erstens agieren Verlage heute 'deutlich risikoaverser' als früher. Wo einst eine Erstauflage 50.000 Exemplaren ausmachte, erteilen Verlage jetzt häufig fünf Aufträge à 10.000 Stück, sagt Thomes. Damit entgeht ein Verlag zwar der Gefahr, auf großen Mengen sitzenzubleiben. Denn der Mittelbau an Titeln, die nie zum Bestseller werden, rutscht heute angesichts von sinkenden Leserzahlen einerseits und Booktok sowie Hypes andererseits zunehmend ab. Es mag auch mit der Verlagerung der Käufe vom beratenden Handel hin zu Bestsellerlisten erstellenden Onlineplattformen zu tun haben, dass sie immer weniger Kundschaft finden. Bücher, die nicht verkauft werden, verursachen aber neben Druck- auch Lagerkosten." Thomes wünscht sich auch mehr Vorausschau bei den Verlagen.
Stichwörter: Verlage, Österreich

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.10.2025 - Kulturmarkt

Helmut Richter, langjähriger Geschäftsführer der "Sozialistischen Verlagsauslieferung" (Sova), ist bereits Anfang Oktober im Alter von 74 Jahren gestorben, berichtet Karl Piberhofer im Börsenblatt. Die Sova war eine Institution in der alternativen Bruchbranche, die sich nach der 68er-Bewegung gebildet hatte: "Die Entstehung und Entwicklung der Frauen-, Schwulen- und Lesben-, der Umwelt-, der Menschenrechts- und Solidaritätsbewegungen (oft mit eigenen Verlagen und Buchhandlungen) lässt sich an der Geschichte des linken Buchhandels ebenso nachvollziehen wie die Veränderung der Wissenschaftskultur, der Ausbildung, der Öffentlichkeit sowie die der politischen Kultur oder des Alltagslebens dieses Landes."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.10.2025 - Kulturmarkt

Im SZ-Interview mit Marie Schmidt weisen die Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs, scheidende Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und ihr Nachfolger, der Verleger Sebastian Guggolz, daraufhin, dass sogenannte New-Romance-Bücher immer wichtiger für den Umsatz von Verlagen werden. "Diese Genres haben auch Menschen von Netflix und vom Streaming wieder zurückgeholt zum Lesen, weil sie für Pageturner stehen, die die Leute genießen. Dass es bestimmte literarische Titel schwerer haben, liegt auch daran, dass sich durch besagte Konzentrationsprozesse die Zahl der im Handel, aber auch in den Medien gut sichtbaren Bücher reduziert. Das bringt wiederum die Verlage dazu, Marketingbudgets vor allem in potenzielle Bestseller zu investieren, die früher womöglich auch für die sogenannte Midlist da gewesen wären. Ich glaube aber nicht, dass daran der Young-Adult-Trend schuld ist." Die Einkünfte aus diesem Segment ermöglicht es den Verlagen aber auch, in "anspruchsvolle Literatur" zu investieren, konstatieren beide.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.10.2025 - Kulturmarkt

Der katholisch fundamentalistische und rechtsextreme französische Tycoon Vincent Bolloré hat neben vielen anderen Häusern jetzt auch den renommierten Buchverlag Fayard unter seine Herrschaft gebracht, wo von nun ab rechtsextreme Poitiker ihre Bücher veröffentlichen, berichtet Marc Zitzmann in der FAZ. Chefin ist dort jetzt die berüchtigte Verlegerin Lise Boëll - renommierte Autoren und Mitarbeiter verlassen den Verlag in Scharen. "Bolloré bringt Fayard mit denselben Methoden auf Linie, mit denen er zuvor den Radiosender Europe 1, den Fernsehkanal CNews und das Sonntagsblatt Le Journal du dimanche gleichgeschaltet hatte. Er wendet die hierzulande sattsam bekannte 'stratégie du putois' an, die daran besteht, den betreffenden Mitarbeitern als Chef ein 'Stinktier' vor die Nase zu setzen, um all jene wegzuekeln, bei denen die neue olfaktorische Signatur des Hauses Übelkeit erzeugt."
Stichwörter: Bollore, Vincent

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.10.2025 - Kulturmarkt

Die Buchmesse beginnt. Im Börsenverein der Buchhandels wechselt die Leitung. Karin Schmidt-Friderichs tritt turnusgemäß ab, es folgt der Kleinverleger Sebastian Guggolz. Ein Zeichen, findet Andreas Platthaus im Leitartikel der FAZ zur Lage der Branche. Die Kleinverlage übernehmen inhaltlich immer mehr die Arbeit größerer Häuser - und können doch immer seltener eigenständig existieren. Dass der Berenbeg Verlag schließt, ist ebenfalls ein Zeichen. Andere Probleme kommen hinzu. Der Gewinner des Deutschen Buchpreises, Dorothee Elmigers Roman "Die Holländerinnen", "ist seit Wochen nicht lieferbar, weil es selbst einem vergleichsweise so großen Verlag wie Hanser nicht gelingt, Nachauflagen drucken zu lassen. Das ist geschäftsschädigend für den Buchhandel, dem der Trubel um die Preisverleihung gewöhnlich sichere Umsätze garantiert. Mit der Buchherstellungsinfrastruktur liegt also erkennbar etwas im Argen. Auch das wird die diesjährige Buchmesse umtreiben." Mehr über den Buchpreis im heutigen Efeu.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.08.2025 - Kulturmarkt

Dank Genres wie "Young Adult" oder "Romantasy" lesen junge Menschen wieder mehr - damit das so bleibt, müssen Bücher bezahlbar werden, schreibt Jonas Kähler, der in der taz den Beschluss der dänischen Regierung, die Mehrwertsteuer auf Bücher abzuschaffen, lobt. Zudem müsse es weiterhin Orte des "physischen Entdeckens" geben, aber: "Die Zahl der Buchhandlungen sank von rund 7.600 im Jahr 2000 auf 4.500 im Jahr 2025. Knapp 2.000 öffentliche Bibliotheken mussten in den vergangenen 15 Jahren schließen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2025 - Kulturmarkt

Das Buch will einfach nicht sterben, egal, wie oft es tot gesagt wird, schreibt die SZ. So sei es vor allem die Altersgruppe der 15-26jährigen, die den Buchmarkt beleben. Dabei scheint der Inhalt aber weniger relevant. "Denn die visuell herausstechende Buchgestaltung wird auch in anderen Marktsegmenten als Mittel erkannt, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. 'Vor ein paar Jahren waren ja noch Foto-Buchcover im Trend. Leise Cover, die sehr laut sagen: Hallo, ich bin Literatur', erzählt Tanja Raich, die sich als Programmleiterin für Literatur und Kinderbücher in dem kleinen, österreichischem Verlag Leykam schon lange Gedanken über eine ausgefallene Gestaltung ihrer Bücher macht. Leise sollen sie jedenfalls nicht herüberkommen. Raich schwärmt am Telefon vom strukturierten UV-Lack in Lippenstift-Optik auf dem Cover des neuen Romans 'Hotel Love' ihrer Autorin Petra Piuk und von anderen Überraschungseffekten: 'Meine Hoffnung ist: Wenn wir das Buch wieder sexy machen, wird es auch wieder relevanter', schließt Raich. Auch wenn der Trend natürlich die Gefahr birgt, dass es zwischen so vielen auffälligen Büchern schwieriger wird herauszustechen."
Stichwörter: Buchmarkt, Booktok, Buchcover

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.08.2025 - Kulturmarkt

Das Raubkopieren kehrt zurück, berichtet Martin Seng in der FAS: "Allein 2023 wurden auf Seiten für illegale Downloads etwa 104 Milliarden Suchen nach Serien registriert, bei Filmen waren es knapp 30 Milliarden. Parallel dazu verzeichnen die Streaminganbieter einen drastischen Rückgang der Abozahlen. Disney+ etwa zählte 2019 innerhalb von zwölf Monaten einen Zuwachs von 87 Millionen Abonnenten und Ende 2022 über 164 Millionen zahlende Kunden. Doch nun liegt deren Zahl konstant bei 126 Millionen - ein Debakel für das auf Wachstum ausgelegte Geschäftsmodell."