In einem großen
Artikel für
Le Monde resümiert Nicolas Truong den Stand der Affäre um das
Verlagshaus Grasset. Der erzreaktionäre Tycoon Vincent Bolloré hat es tatsächlich geschafft, einen Großteil des Medien- und Verlagswesens an sich zu reißen, und das in Frankreich, wo der Markt
ohnehin viel konzentrierter ist als in Deutschland. Wenige unabhängige Verlage verbleiben, konstatiert Truong, der auch mit der Verlagskennerin und Philosophin
Laëtitia Riss gesprochen hat. Und "viele historische Verlage haben Schwierigkeiten, Käufer zu finden. Die 1938 gegründeten
Editions Corti, in deren Programm insbesondere die großen Werke des Romanciers Julien Gracq und des Philosophen Gaston Bachelard zu finden sind, 'wurde von zwei Generationen von Autoren und Verlegern übernommen, um die Kontinuität in Ermangelung einer
familiären Nachfolge zu ermöglichen', freut sich die Philosophin, die in diesem Beispiel ein Vorbild sieht."
Ganz anders als in Deutschland hat die populistische bis extreme Rechte in Frankreich durch Bolloré eine
furchterregende Durchschlagskraft erhalten,
konstatiert auch Laurent Joffrin in
librejournal.fr. Bolloré gehört zum Beispiel auch
Canal Plus, einst ein sehr renommierter Kabel- und Privatsender und Kofinanzier sehr vieler französischer Filme. "Auf den Spuren seines Besitzers kündigt der Chef von Canal Plus, Maxime Saada, an, dass er die von 600 Filmschaffenden gestartete Petition gegen den Einfluss der Bolloré-Gruppe
als schwarze Liste nutzen werde. Es komme nicht mehr in Frage, mit diesen unverschämten Leuten zusammenzuarbeiten, die die Frechheit besitzen, den Kreuzzug des großen Zampanos zu kritisieren, obwohl sie von seiner Großzügigkeit profitieren. Das ist der intellektuelle Terrorismus von
Canal Bolloré..."
"Was das bei der Wucht von Canal Plus
für das französische Kino heißt, lässt sich noch gar nicht abschätzen", schreibt Oliver Meiler in der
SZ. Die Unterzeichner hatten Bollorés "Expansionsstrategie" als "
katholisch und rechtsextrem" kritisiert. "Und nun? Für die Petitionäre ist Bollorés 'frontale' Reaktion nur ein weiterer Beleg dafür, wie er
mit denen umgehe, die ihn kritisierten, die politisch anders denken würden als er." Weitere
Hintergründe im
Standard.
In der in
Libération veröffentlichten Petition der Filmleute heißt es: "Die Abwicklung des (für Filmförderung zuständigen, d.Red.)
Centre national du cinéma und des öffentlichen Rundfunks ist Teil des Programms des Rassemblement national. Wollen wir das Risiko eingehen, dass morgen
nur noch Propagandafilme im Dienste einer Ideologie finanziert werden? Der Kulturkampf, von dem überall die Rede ist, bezeichnet nicht bloß eine Auseinandersetzung zwischen Ideen. Wenn wir das französische Kino in die Hände eines rechtsextremen Chefs geben, riskieren wir nicht nur eine Vereinheitlichung der Filme, sondern auch eine
faschistische Kontrolle über das kollektive Bewusstsein."
Es gibt ein Pendant zu Bolloré auf der Linken, den Geschäftsmann
Matthieu Pigasse. Ihn portätieren Thierry Keller und Jérémy Chicheportiche in der Zeitschrift
Franc Tireur. Pigasse möchte die französische Linke um Jean-Luc Mélenchon an die Macht bringen. Sein Imperium ist längst nicht so groß wie das seines Widersachers. Mit
Les Inrockuptibles und
Radio Nova besitzt er aber Medien, die
von der Jugend konsumiert werden: "Seit er davon träumt, den Elysée-Palast für die Linke zu erobern, setzt der Bankier voll und ganz auf die '
Free Palestine'-
Karte, selbst wenn er dafür alle Comedians rekrutieren muss, die in Sachen Antisemitismus höchst fragwürdig sind, um die Einschaltquoten von
Radio Nova anzukurbeln. Er verkündet stolz, dass der Sender dadurch innerhalb eines Jahres 900.000 Hörer gewonnen hat, aber ist das wirklich so beruhigend für den Zustand der Jugend und des Landes? Das kümmert ihn nicht.
Er will gewinnen: Hörer, Geld und die Präsidentschaftswahlen."