Absurderweise ist der
Antisemitismus in Deutschland seit dem 7. Oktober gestiegen. "Propalästinensisch" scheint für viele Antisemitismus mit einzubeziehen. Die Organisation
Democ e. V. untersuchte jetzt für eine Studie "
Kundgebungen, bei denen es zu antisemitischen Vorfällen kam",
berichtet in der
taz Uta Schleiermacher. "Die Studie zeigt, wie die Demos die Grenzen des Sagbaren verschieben. In den untersuchten Protestmilieus hätten sich antisemitische Narrative und Deutungen inzwischen etabliert." So seien Netzwerke entstanden, die antisemitische Narrative prägen. "Als Beispiel nennt die Studie etwa die
PFLP, die Volksfront zu Befreiung Palästinas, die am Massaker vom 7. Oktober beteiligt war. Über Unterstützerstrukturen und nahestehende Aktivisten mobilisiere die PFLP zu Protesten - etwa über das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee (
VPNK), in dem PFLP- und Hamas-nahe Akteure zusammenwirkten. Die EU hat die PFLP als terroristische Vereinigung eingestuft. So sei in Berlin
Ibrahim Ibrahim, ein Vertreter des VPNK und PFLP-naher Aktivist, als Redner bei einer Veranstaltung von Amnesty International und bei einem Fest von Die Linke Neukölln aufgetreten. Solche Auftritte 'erhöhten die Anschlussfähigkeit' und den 'Zugang zu jüngeren aktivistischen Milieus'. Auf diese Weise würden antisemitische und israelfeindliche Narrative auch in Teile der
Klimaproteste und der
feministischen Bewegung getragen."
Die Linke in Berlin verweist gern auf ihren 5-Punkte-Plan gegen Antisemitismus. "Allerdings taugt der Text weniger zur Klärung des innerparteilichen Verhältnisses zum israelbezogenen Antisemitismus: Ein Programm, das über
Hakenkreuze spricht, aber das
rote Hamas-
Dreieck oder 'Yallah Intifada'-Rufe mit keiner Silbe erwähnt, vermeidet die Brüskierung der eigenen Szene und wirkt deshalb auch nach außen halbherzig",
meinen Tom David Uhlig und Niklas Lelle in der
taz. "Das rote Dreieck ist das zentrale Symbol antisemitischer Feindmarkierung geworden, nachdem die Hamas es während des Massakers vom 7. Oktober nutzte, um
Ziele zu kennzeichnen. Intifada bedeutet nicht einfach nur 'Aufstand', sondern bezeichnet historische
Terrorwellen gegen israelische Zivilisten, etwa mit Bombenanschlägen auf Diskotheken oder Linienbusse. Auf Demonstrationen, zu denen insbesondere auch die Bezirksverbände Neukölln und Wedding aufgerufen haben, sind diese Symbole allgegenwärtig." Auch die Amadeu Antonio Stiftung bestätigt einen Anstieg antisemitischer Vorfälle an
deutschen Universitäten,
berichtet in der
taz Clara Dünkler: Antisemitische Vorfälle würden an den Unis oft "als Normalität akzeptiert".
In der
SZ denkt
Steven Guttmann, jüdischer Rechtsanwalt und Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in München, über eine Begegnung mit einer fremden Frau nach, die auf der Straße seine Meinung zur
Siedlergewalt in Israel wissen wollte, als sie seine Kippa sah: "Ich bin Münchner, Deutscher, Jude und Zionist. Ich fühle mich Israel verbunden. Aber meine private Meinung dazu schulde ich einer Fremden auf der Straße nicht. Seither frage ich mich: Welche Antwort hätte die Frau eigentlich zufriedengestellt? 'Ja, schlimm, diese Siedler. Ich distanziere mich davon, als
deutscher Jude ohne israelischen Pass'? Wäre das der Satz, mit dem ich mich hätte freikaufen können von einer Schuld, die ich nie hatte? Gefragt war nach meiner Meinung. Akzeptabel schien aber nur eine Distanzierung. Als müsste ich erst
eine Erklärung abgeben, um unbehelligt in meiner Stadt stehen zu dürfen. Was, wenn ich schlicht nicht mit einer Wildfremden auf der Straße über ein Thema reden will, bei dem die einzige Verbindung, die sie zwischen mir und 'den Siedlern' sah, darin bestand, dass wir Juden sind?"
Im Gespräch mit der
FR beklagt Carolin Emcke wiederum fehlende Solidarität mit der palästinensischen Seite: "Von Bundespräsident Steinmeier bis zum damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck wurden Menschen mit 'arabischen Wurzeln' aufgefordert, sich von der Hamas zu distanzieren. Sie wurden
kollektiv verdächtigt und das hält bis heute an. Kaum jemand fand richtige Worte oder Gesten der Empathie, kaum jemand wollte sich leidenschaftlich einsetzen für die Rechte von Palästinensern - als sei das irgendwie anrüchig, als wäre Anteilnahme mit palästinensischem Schmerz und das Einstehen für ihre Menschen- und Bürgerrechte nur um den Preis fehlender Anteilnahme mit jüdischen Menschen zu haben."
Bei
Zeit Online berichtet Dirk Peitz über einen vermutlichen
Fall von Gruppenvergewaltigung an der US-Elite-Uni Cornell: Mehrere Studenten sollen eine Kommilitonin über mehrere Stunden lang vergewaltigt und unter anderem andere in einem Gruppen-Chat zum Mitmachen aufgefordert haben. Das Ereignis fand vor etwa zwei Jahren statt, nun erhob die betroffene Studentin eine Zivilklage. Damals gab es Disziplinarmaßnahmen gegen einige der mutmaßlichen Täter, nur zwei von ihnen wurden der Uni verwiesen, resümiert Peitz, strafrechtlich verfolgt wurde der Fall nicht: "Die Soziologin Elizabeth Armstrong, die an der University of Michigan zu
sexuellen Übergriffen im Umfeld von College-Partys forscht, sagt, bereits in der Mitgliederauswahl werde in den Fraternities der Nährboden für Exzesse geschaffen. Aufgenommen werde, wer jede Menge Alkohol besorgen und die attraktivsten Frauen dazu bringen könne, auf den 'hochriskanten' Partys zu erscheinen. Sie überrasche es daher nicht, dass im Fall an der Cornell University mutmaßlich keiner einschritt. 'Ein Whistleblower zu sein, bedeutet, die gesamte Bruderschaft zu verraten', sagt sie."