9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Gesellschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.10.2022 - Gesellschaft

Das Interesse am Stierkampf lässt in Spanien deutlich nach, berichtet Reiner Wandler in der taz, der für seinen Artikel auch mit dem Wirtschaftsprofessor Vicente Royuela, einem Lobbyisten des Stierkampfs, gesprochen hat: "War früher die Begeisterung für den Stierkampf in allen politischen Lagern anzutreffen, hat sich heute fast ausschließlich die politische Rechte und extreme Rechte die Verteidigung des Spektakels auf die Fahne geschrieben. Neben der Religion, der Einheit Spaniens, der Monarchie und der traditionellen Familie ist für sie der Stierkampf ein Element dessen, was Spanien ausmacht. 'Dass der Stierkampf immer mehr mit einer bestimmten Idee von Spanien gleichgesetzt wird, schadet ihm', ist sich Royuela sicher. (...) Wie stark diese Politisierung mittlerweile fortgeschritten ist, zeigt eine Umfrage, die die Onlinezeitung El Plural veröffentlichte. 46,7 Prozent würden den Stierkampf gerne verbieten, 18,6 Prozent wollen ihn erhalten und 34,7 Prozent sind nicht für den Stierkampf, aber auch nicht für ein Verbot."
Stichwörter: Stierkampf, Spanien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.10.2022 - Gesellschaft

Antje Lang-Lendorff singt in der taz eine Hymne auf einen Alltagsgegenstand, der in diesen schwierigen Zeiten wieder zu Ehren kommt: "Ausgerechnet Wladimir Putin, der sich als harter Mann inszeniert, verhilft der Wärmflasche nun zu neuem Ansehen. Plötzlich steht sie für Durchhaltevermögen. Für Widerstand. Hat man sie auf dem Schoß, kann die Gasheizung ruhig aus bleiben. Es schlüpft sich auch viel leichter unter eine kühle Bettdecke, wenn dort irgendwo die warme Flasche wartet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2022 - Gesellschaft

Die Schauspielerin Sibel Kekilli erzählt in der Zeit, wie kompliziert das in ihrer Familie mit dem Kopftuch war, warum sie das Kopftuch eigentlich erst mit 18 zulassen würde, und warum ihr die Bevormundung durch westliche Feministinnen, die das Kopftuch für eine Selbstermächtigung halten, auf die Nerven geht: "Wenn mir deutsche Frauen aus der bürgerlichen Mitte erklären wollen, dass Kopftuchtragen dasselbe sei, wie wenn man ein Kettchen mit Kreuz um den Hals trage, dann macht mich das wütend. Weil der Vergleich nicht stimmt. Denn das Kopftuch ist ein sexualisiertes Symbol, das Kreuz hingegen nicht."

Die Integration muslimischer Bevölkerungen hat in Europa eigentlich nirgends funktioniert, weder im laizistischen Frankreich, noch im multikulturellen Großbritannien, noch in Deutschland, wo man den Kopf in den Sand steckte, sagt der Migrationsforscher Ruud Koopmans im Interview mit Benedict Neff und Lucien Scherrer in der NZZ. Er plädiert für eine gesteuerte Migration, wie in Kanada, damit sie "beiden Seiten Gewinn bringt: Die europäischen Länder erhalten mehr Leute, die sie brauchen und integrieren können, Arbeitsmigranten mehr Möglichkeiten und echte Flüchtlinge mehr Schutz. ... Das geht nicht ohne Kooperation mit Drittstaaten außerhalb Europas. Zuerst müssen wir uns fragen, was wir diesen Ländern anbieten können. Zum Beispiel legale Wege für Wirtschaftsmigration oder die Aufnahme von Flüchtlingskontingenten. Es gibt zwar mit Ländern wie Marokko bereits Rücknahmeabkommen, aber die Umsetzung klappt meistens nicht. Wenn aber ein Land oder auch die ganze EU den Marokkanern sagt, wir geben jedes Jahr so und so vielen Bürgern ein Arbeitsvisum, dafür müsst ihr abgewiesene Asylbewerber zurücknehmen, wäre das eine Grundlage." Auch Asylverfahren möchte Koopmans künftig in Drittstaaten durchführen.

Modemarken und -magazine behaupteten eine Zeit lang, ihnen würden dicke Mannequins so gut gefallen wie dünne. Aber das war immer schon Heuchelei, die sich nie in den Klamotten widerspiegelte, die in den LVMH-Boutiquen an der Stange hängen, konstatiert Sophie Passmann in der Zeit: "Der vermeintliche Spaß an körperlicher Diversität war so was wie ein Hobby des Kapitalismus, eine weitere Spielart der Idee, dass man mehr Leute zum Kaufen eines Produkts animieren kann, wenn man mehr Leute repräsentiert. Die Behauptung eines Paradigmenwechsels läuft bereits jetzt langsam, aber sicher aus."

Wie kommt es, dass in Ländern wie Italien oder Frankreich ausgerechnet Frauen die extreme Rechte anführen. Wird da etwa ein Mutterkult getrieben, fragt Thea Dorn in der Zeit: "So betrachtet ist es kein Wunder, dass nun Italien, das in Europa schon immer führend darin gewesen ist, Mamakratie und Machokultur zu vereinen, als erstes Land in Europa eine Regierungschefin bekommen dürfte, die eine chauvinistisch-machistische Partei anführt und gleichzeitig die Übermama gibt."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.09.2022 - Gesellschaft

Sehr kritisch setzt sich die Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert auf den Wissenschaftsseiten der FAZ mit einer Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zur Neudefinition der Suizidhilfe aus - sie wurde gegen den erbitterten Widerstand von Lobbyisten aus den Kirchen und der Palliativmedizin bekanntlich vom Bundesverfassungsgericht als rechtens erklärt. Das Papier des 24-köpfigen Ethikrats, in dem fünf Theologen sitzen, ziele vor allem darauf, die "Beendigung des Lebens durch eine suizidale Handlung möglichst zu vermeiden". "Präventionsverantwortung und die Warnung vor gesellschaftlich mitverschuldeter Suizidalität", so Schöne-Seifert, seien die Hauptzielrichtung des Papiers: "Kein einziges Wort dazu, dass es echten moralischen Fortschritt bedeutet, wenn suizidwillige Patienten Verständnis, Hilfe und nicht nur zähneknirschenden Respekt für ihre Entscheidungen erhalten und im Voraus darauf bauen können. Kein Wort auch dazu, dass es aus bestimmter Perspektive sehr gute subjektive Gründe für Suizidentscheidungen geben kann, die mit den veränderten Bedingungen unseres Erlebens von Krankheit und Alter zu tun haben."

Was lässt sich daraus lernen, dass einige der wichtigsten Gestalten der europäischen Rechten Frauen sind? Vor allem, "dass auch diese, ob sie es will oder nicht, Teil der Moderne ist", meint Alan Posener in der Welt. "Indem etwa Marine Le Pen mit dem traditionellen Antisemitismus des Front National brach - und sogar ihren Vater hinauswarf, der daran festhalten wollte - und stattdessen die Muslime ins Visier nahm, wurde plötzlich ein Männertypus zum Feind, der - in dem Zerrbild, das von ihm gezeichnet wird - zusammen mit dem Geschlechter- und Familienmodell der rückschrittlichen Elemente des Islam viele Ideale der traditionellen Rechten verkörpert. Das ist zwar nicht merkwürdiger als das Verhalten vieler Linker, deren Befürwortung der Zuwanderung und Ablehnung eines angeblichen westlichen Kulturimperialismus zu einer absurden Verteidigung vormoderner und antimoderner Ideologien und Verhältnisse im Namen des Multikulturalismus oder des Postkolonialismus führt. Aber es zeigt auch, dass rechts und links, fortschrittlich und reaktionär, ja feministisch und antifeministisch zunehmend ihren Wert als Kategorien zur Beschreibung politischer Positionen verlieren."

Bleibt die Frage, warum es der Linken so schlecht geht. Sie vernachlässige die Dialektik, ihre einstige Stärke, denkt sich in der NZZ der Schriftsteller Artur Becker: "Diese setzt stets ein kritisches Denken gegenüber der Wirklichkeit voraus... 'Links' kann nicht länger bedeuten, dass man Stalin oder Mao gut findet. Oder dass man das Sowjetimperium bewundert, zumal die Linke gegen jede Form von Imperialismus ist. Es kann auch nicht heißen, dass man sich mit dem Kapitalismus arrangiert, um dann den Weg der Wokeness zu bestreiten. Nach wie vor bedeutet 'links', dass man den Kapitalismus mit seinen Ausbeutungsverhältnissen in die Schranken weisen muss." Kurz: "Die Linke müsste wieder skeptischer werden gegenüber Wahrheiten, Entzauberungen, dem scheinbar genauen, anerkannten Wissen und Definieren von Dingen, Subjekten und Objekten. Deren permanente Überprüfung ist das, was sie weiterbringt.

In der Welt beschreibt Jacob Hayner, wie metoo-Aktivistinnen wie der Verein Themis oder Sarah Waterfeld, die den Fall des ehemaligen Volksbühnenchefs Klaus Dörr betrieben hat, die Medien als Racheinstrument benutzen. Beispiel Dörr: Ihm waren von mehreren Mitarbeiterinnen Übergriffe vorgeworfen worden, die vor Gericht keinen Bestand hatten. Seinen Job - und seinen Ruf - ist Dörr trotzdem los. Und die Medien, allen voran die taz, haben dabei eine wichtige Rolle gespielt: "Will man den als Schädiger Wahrgenommenen schädigen, bietet die heutige Verfassung der Medien beste Voraussetzungen, allein durch Reichweite und Geschwindigkeit der Verbreitung. Soziale Netzwerke werden zu asozialen Hetzwerken. In den etablierten Medien gefällt man sich in der Rolle der Fürsprecher von 'Betroffenen'. Das schmeichelt nicht nur dem heroischen Selbstbild, sondern verringert die kritische Distanz zum Medienbetrieb selbst, der eher einer gruppentherapeutischen Sitzung hochgradiger Narzissten und Gladiatorenarena ambitionierter Karrieristen gleicht als einem Hort frommer Sittlichkeit. Ob das nun die beste Anlaufstelle bei sexueller Belästigung oder Machtmissbrauch ist?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2022 - Gesellschaft

"Es reicht", ruft Michael Wolfssohn in der Berliner Zeitung. "Genug des Antisemitismus, ob ausdrücklich gegen 'die' Juden oder 'nur' verkleidet als Antiisraelismus beziehungsweise Antizionismus. ... Anschauungsunterricht über den Antisemitismus der Fachidioten lieferten dieses Jahr die Kasseler Documenta sowie die Beiträge auf und im Vorfeld der Karlsruher Tagung des Ökumenischen Kirchenrates. Es waren nicht die ersten und gewiss nicht die letzten Belege für den im vornehmlich linken und links'liberalen' deutschen sowie internationalen 'Wissens-' und Kulturmilieu hegemonialen Antisemitismus, der sich als Israelkritik maskiert. Warum, dies muss kurz erklärt werden, ist Antiisraelismus zugleich Antisemitismus und nicht eben nur Israelkritik? Israelkritik richtet sich, wie in und zwischen Demokratien legitim und notwendig, gegen bestimmte Personen, Parteien, Institutionen oder Koalitionen in Israel. Antiisraelismus beziehungsweise Antizionismus richtet sich gegen die Existenz des jüdischen Staates."

Harry Nutt fragt sich in der Berliner Zeitung, warum die Demonstrantinnen im Iran im Westen so wenig Unterstützung finden. Vielleicht liegt es daran, dass hierzulande "der Lesart, das Kopftuch als einschüchterndes Zeichen der Unterdrückung der Frau zu betrachten, zuletzt immer häufiger entgegengehalten wurde, dass leichtfertig die freie Wahl der Frauen ignoriert werde, es selbstbewusst als Ausdruck des Glaubens zu tragen. Nicht selten wurden die Auseinandersetzungen symbolisch aufgeladen zu rechthaberischen Schaukämpfen, frei von wechselseitigen Vereinfachungen waren sie nie. Allzu selten jedenfalls trugen sie jener alltäglichen Praxis Rechnung, die der Umgang mit einem Stück Stoff bedeutet. ... Von außen bleibt kaum mehr als das Signal, die Menschen nicht vergessen zu haben. Umso wichtiger wäre da nun ein Zeichen der Solidarität jener Muslime, die in Gesellschaften leben, in denen Religionsfreiheit gelebt werden kann. Mit Kopftuch und ohne."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2022 - Gesellschaft

Beim Sex drücken Schweigen und Passivität keine Zustimmung aus, erinnert in der NZZ Agota Lavoyer, Expertin für sexualisierte Gewalt und Opferberatung, anlässlich der anstehenden Reform des Schweizer Sexualstrafrechts. Sie lehnt die bislang favorisierte Vetolösung ab, wonach von einer Zustimmung ausgegangen wird, die das Opfer aktiv - zum Beispiel mit einem "Nein" - hätte widerlegen müssen: "Anders gesagt: Der Mann hat das Recht auf Sex, solange die Frau nicht Nein sagt. Mit der Vetolösung würden wir genau diese überholten Rollenbilder in Bezug auf Sexualität und Intimität weiter zementieren und sexuelle Handlungen ohne Einwilligung als Sex definieren. Mit der Zustimmungslösung hingegen würde klar zum Ausdruck gebracht, dass Sexualität nicht mehr ein Gut ist, das man nutzen kann, solange niemand widerspricht, sondern dass man sich der Zustimmung der Partnerin beziehungsweise des Partners versichern muss. Es wäre klar: Passivität und Schweigen sind keine Zustimmung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.09.2022 - Gesellschaft

Bis zum Aufstieg von Tinder waren Online-Dates was für Nieten und Männer aus dem Internet gefährlich. Zehn Jahre nach den ersten Swipes seufzt Anna Goldenberg in der taz über die Dating-App, die es cool machte, auf der Suche zu sein: "Es gab keinen guten Grund, es nicht mit dir zu versuchen. Wer streikte, war faul. Wer niemanden fand, musste mehr suchen. Kurz, die Freiheit hatte einen Preis. Wir merkten viel zu spät, dass wir süchtig waren, und zwar nach der Hoffnung, die du uns gabst. Wir installierten dich mit dem Ziel, dich bald wieder zu löschen, wenn wir erst gefunden hatten, was wir suchten. Aber was war das? ... Auf uns selbstoptimierte Millennials folgt die Generation Z, die zwar kein Einwählinternet mehr kennt, dafür aber besser darin ist, sich von gesellschaftlichen Ansprüchen zu trennen, mit denen sie nichts anfangen kann. Und siehe da, liebes Tinder, sie finden dich gar nicht so toll."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2022 - Gesellschaft

Jean-Luc Godard hat den assistierten Suizid gewählt um zu sterben. Darüber lohnt es sich nachzudenken, schreibt Gereon Asmuth in der taz: "Zufälligerweise starb Godard in dem Sommer, in dem auch der deutsche Bundestag sich anschickt, der Sterbehilfe eine neue gesetzliche Grundlage zu geben. In der Debatte wird hart darum gerungen, was es heißt, in Würde selbstbestimmt zu sterben. Zu dürfen. Zu können. Ob es angesichts der Endgültigkeit dieser Entscheidung nicht angebracht ist, die Hürde noch viel höher zu legen. Eine Beratung zwingend vorzuschreiben. Oder den Weg so weit wie möglich frei zu machen für diejenigen, die gehen wollen. Gerade weil diese Debatte so schwerfällt, gerade weil sie abstrakt kaum zu führen ist, ist es umso wichtiger, dass über prominente Beispiele wie jetzt bei Jean-Luc Godard geredet wird."
Stichwörter: Sterbehilfe, Godard, Jean-Luc

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.09.2022 - Gesellschaft

Alice Schwarzer wird im Dezember 80 Jahre alt. Morgen kommt ein Dokumentarfilm von Sabine Derflinger über sie in die Kinos. Im Interview mit der Berliner Zeitung zieht sie eine "insgesamt sehr positive" Bilanz ihres Lebens und spricht über die Veränderung des Feminismus, Abtreibung, Care-Arbeit, Transgender, den Islam und den Vorwurf, sie sei eine Rassistin: "Es ist nicht neu, dass es innerhalb des Feminismus verschiedene Strömungen gibt. Der hat ja kein Patent. Genauso wenig wie der Sozialismus. Das war auch schon vor 50 Jahren so. Es gab auch schon damals Feministinnen, die mich kritisierten. Das waren eigentlich dieselben selbst ernannten linken Feministinnen, die uns autonome Feministinnen kritisierten, weil wir angeblich die Klassenfrage ignorierten. Heute sind es Linksliberale, die mir vorwerfen, Rassistin zu sein. Beides entbehrt jeder faktischen Grundlage und ist in Bezug auf das, was jemand wie ich tut und schreibt, einfach grotesk. Außerdem: Wenn Männer politische Differenzen haben, ist das ein Disput - bei Frauen ist es Weiberzank. Es geht immer nur darum, Frauen zu spalten."
Stichwörter: Schwarzer, Alice, Feminismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.09.2022 - Gesellschaft

Auf Montagsdemos in Leipzig haben rechte und linke Gruppen einen "heißen Herbst" angekündigt, berichten in der taz Konrad Litschko und Rieke Wiemann. Eine "Querfront" hätten sie aber nicht gebildet, atmen die beiden erleichtert auf: "Beide Demonstrationen trennen Polizeigitter und Gleise, auf denen Straßenbahnen durchzuckeln. 'Es gibt keine Solidarität von rechts', halten Linke ein riesiges Banner den Rechtsextremen entgegen. Und auf der Bühne wird sich immer wieder von den Rechtsextremen distanziert. ... Auch die Abgrenzung zu Russlandfreunden in den Reihen der Linken funktioniert - zumindest auf der Bühne. Unisono verurteilen Pellmann, Schirdewan und Mohamed Ali den 'rechtswidrigen Angriffskrieg' Putins - in den Demoreihen sehen das indes nicht alle so, wie Gesprächen zu entnehmen ist. Und auch Pellmann betont: 'Viele Probleme sind auch hausgemacht.' Die Entlastungspakete der Bundesregierung seien keineswegs ausreichend, auch das dritte, 65 Milliarden Euro schwere Paket. Pellmann nennt es ein 'Entlastungspäckchen', Schirdewan hält es für 'Klein-Klein', Mohamed Ali schimpft, dass 300 Euro Einmalzahlung für Rentner:innen 'nicht mal für einen Monat' reichten."

In der NZZ setzt die Autorin Mithu Sanyal alles daran, ein wenig Frieden in identitätspolitische Debatten zu bringen: Lasst uns ein "diverseres Wir" denken, fordert sie - und darauf achten, wo struktureller Rassismus beginnt. Sanyal nennt ein paar Beispiele: In einer Studie in Deutschland in wurden Grundschulkinder gefragt: "Welche Vorurteile könnte man gegen Schwarze, Juden, Muslime usw. haben? Und: Was sind die Hauptstädte der Bundesländer? Und die Kinder konnten ausnahmslos die Vorurteile aufzählen - die natürlich kein Bestandteil des Curriculums sind -, aber nur die wenigsten kannten die deutschen Landeshauptstädte, welche Bestandteil des Curriculums sind. Und das ist ein Problem. Ebenso wie rassistisches Nichtwissen. So sind in der Medizin Krankheitssymptome nur auf weißer Haut erforscht."