Wie kommt es, dass in der westlichen Öffentlichkeit
immer wieder Israel zum Ausbund des Bösen gemacht wird,
fragt der
New-York-Times-Kolumnist Bret Stephens in einer indirekten Antwort auf seinen Kollegen Nicholas Kristof, der den Israelis ohne haltbare Belege vorwarf, sie würden Hunde abrichten, um palästinensische Gefangene zu vergewaltigen (unsere
Resümees).
Gerüchte über Israel schaden den Palästinensern mehr als den Israelis, so Stephens, da die realen Gewaltverhältnisse kaum mehr ausreichend analysiert würden. "Den größten Schaden erleiden jedoch
die westlichen Institutionen, insbesondere jene, die mit der Verbreitung unbequemer Wahrheiten betraut sind. Das gilt nicht nur für den Journalismus, sondern auch für einst bewunderte Organisationen wie
Amnesty International und
Human Rights Watch, die sich in den letzten Jahrzehnten zu Fabriken für antiisraelische Schmähreden gewandelt haben… Ähnlich verhält es sich mit weiten Teilen der Wissenschaft, in der die durch die Angriffe vom 7. Oktober geschürte antiisraelische Wut sowohl ein Symptom des allgemeinen intellektuellen Verfalls … Wie kommt es, dass der Hass auf ein Land den Hassenden letztlich mehr Schaden zufügt als den Gehassten?"
Ninve Ermagan
besucht für die
NZZ in Berlin die Frauenrechtlerin und Imamin
Seyran Ateş, die seit zwanzig Jahren, seit ein rechtsextremer Türke ihr in den Kopf schoss,
unter Personenschutz lebt: "Ein normales Leben führt Seyran Ateş schon lange nicht mehr. Einkäufe übernehmen Familienangehörige, Pakete bestellt sie unter fremden Namen, ihre Familie hält sie aus der Öffentlichkeit heraus, und wer sie treffen will, kommt zu ihr. Sie dreht den Kopf, schaut in ihre Wohnung. 'Ich bin eine sehr häusliche Person", sagt die Imamin - sie lebe schließlich wie unter Hausarrest. ... Ist der
Preis für ihre Islamkritik zu hoch? Der Gedanke, alles hinter sich zu lassen, hat Ateş durchaus beschäftigt - Namensänderung, Umzug in ein Land ohne islamische Präsenz, ein kleiner Ort, unauffälliges Leben, Unsichtbarkeit als letzter Ausweg. Doch endgültig durchgesetzt habe er sich nie."
Am Sonntag finden in Las Vegas die ersten "
Enhanced Games" statt.
Doping und andere Maßnahmen zur Verbesserung der Körper sind ausdrücklich erlaubt. Diese Art transhumanistische Träume sind nichts Neues, schreibt
Ines Geipel in der
FAZ: "Auch
Leo Trotzki, Revolutionär der ersten Stunde und Stalins großer Widersacher, wollte im Zuge der sowjetischen Heroenkultur keinen Stein auf dem anderen lassen. Auch bei ihm war es höchste Zeit für eine 'radikale Revision - der Natur wie des Menschen'. 'Das Leben, selbst das rein physiologische, wird kollektiv-experimentell werden', gab er vor. Trotzkis Bemächtigungsidee? 'Einen höheren gesellschaftlich-biologischen Typus zu erschaffen, einen - wenn man so will -
Übermenschen.'"
Gerade ist die 29. Auflage des
Rechtschreib-Duden erschienen, aber hat dieser einst als Autorität angestaunte "gelbe Ziegel" angesichts einer sich in Lichtgeschwindigkeit ändernden Sprachwirklichkeit überhaupt noch Sinn, fragt Katja Scholtz in der
FAZ: "Werden sich '
nerdig', '
Vibe' und '
Framing' im Duden halten? Wird es sich gelohnt haben, 'Klimakleber' in die neue Auflage aufzunehmen, nachdem die Letzte Generation (die sich mittlerweile Neue Generation nennt) das Festkleben im öffentlichen Raum als Haupttaktik aufgegeben hat? Und wer trauert im Gegenzug '
bedünken' hinterher? Denn es werden ja nicht nur Wörter hinzugefügt - in der letzten Auflage etwa 3000 -, sondern auch gestrichen (zuletzt etwa 200)."