9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2019 - Religion

Religionen sind bei aller Unschärfe des Begriffs nicht als Phänomene zu begreifen, denen es in irgendeiner Weise um "Frieden" geht, schreibt der Historiker Wolfgang Reinhard auf der Gegenwart-Seite der FAZ. Und das gilt auch für die eigentlich so friedfertigen Christen: "Weil sich alle Völker immer für besser als die anderen halten, hatte sich daraus historisch ein besonders penetrantes, weil doppeltes Überlegenheitsbewusstsein der Christen ergeben. Auf der einen Seite verachteten sie wie die antiken Griechen und Römer immer noch den Rest der Welt als Barbaren. Auf der anderen Seite verachteten sie wie die Juden und die Muslime als Bekenner monotheistischer Religionen den Rest der Welt als Ungläubige. Auf diese Weise verknüpften die Christen beides zu besonders brisanter Arroganz."
Stichwörter: Christentum

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2019 - Religion

Die Landesschüler*innenvertretung Rheinland-Pfalz hat neulich einen konfessionsübergreifenden Ethik- und Religionsunterricht gefordert und damit erbitterte Gegenreaktionen ausgelöst, berichtet Daniela Wakonigg bei hpd.de: "Dass sich die Kirchen gegen die Forderung der Landeschüler*innenvertretung aussprechen würden, war wenig verwunderlich, dient der konfessionelle Religionsunterricht doch vor allem der kindlichen Prägung auf eine bestimmte Religion. Sozusagen eine Förderung des kirchlichen Nachwuchses auf staatliche Kosten. Überraschend jedoch war die ebenfalls eindeutig negative Reaktion von Politik und staatlichen Organen. " Das mag mit einem Satz in der Verfassung des Bundeslands zu tun haben, der Wakonigg doch erstaunt: "'Die öffentlichen Grund-, Haupt- und Sonderschulen sind christliche Gemeinschaftsschulen', heißt es bisher in Artikel 29 der rheinland-pfälzischen Landesverfassung."
Stichwörter: Religionsunterricht

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.11.2019 - Religion

Fabian Goldmann unterhält sich in der taz mit dem Islamwissenschaftler Farid Hafez, der für einen der türkischen Regierung nahestehenden Thinktank (der keinen Einfluss auf ihn hat, wie er beteuert) eine Studie über "Islamophobie" Europa herausgebracht hat  (hier als pdf-Dokument). Hier werden auch Dissidenten des Islam als "islamophob" angeprangert, etwa weil sie Islamverbände kritisieren, die Regierungen nahestehen. Über Seyran Ateş sagt Hafez: "Seyran Ateş hat eine europäische Bürgerinitiative ins Leben gerufen, in der sie, ähnlich wie im McCarthyismus, eine Liste von autorisierten religiösen muslimischen Einrichtungen haben will. Davon soll abhängen, welche Einrichtungen Fördergelder bekommen. Ich halte das für eine enorm autoritäre Maßnahme, die darauf abzielt, dass bestimmte Islamausformungen akzeptiert und andere kriminalisiert werden."
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Stichwörter: Ates, Seyran, Islamophobie

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.10.2019 - Religion

Die Empfehlung der Amazonas-Synode, ständige Diakone in Amazonien zu Priestern zu weihen und den Zölibat somit zu öffnen, könnte eine kleine Revolution in der katholischen Kirche auslösen, glaubt Raoul Löbbert auf Zeit Online: "Schließlich mangelt es nicht nur im südamerikanischen Dschungel an Geistlichen. In Deutschland etwa wurden im Jahr 2018 nur 60 Priester geweiht - im Jahr 1962 waren es fast zehnmal so viel. Zudem wird seit dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals im Jahr 2010 immer wieder darüber diskutiert, ob der Pflichtzölibat als Risikofaktor für sexuellen Missbrauch zu bewerten ist. So ergab eine von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie etwa im vergangenen Jahr, dass verheiratete Diakone wesentlich seltener zu Tätern werden als Geistliche." Es hängt jetzt von Franziskus ab, schreibt auch der Theologe Jan-Heiner Tück in der NZZ: "Er hat den Bischöfen geraten, 'mutige Vorstöße' vorzulegen. Das haben sie getan."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.10.2019 - Religion

Ist der Islam vereinbar mit dem Rechtsstaat? Der im Februar gestorbene Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde bezweifelte das, wie Martin Rhonheimer vor einigen Wochen in der NZZ erklärte (unser Resümee). "Die Konjunktur der Böckenförde-Rezeption ist an sich ein Alarmsignal. Sie lenkt den Fokus weg von verantwortlicher Religionspolitik, hin zu einer unheilvollen Diskussion über angeblich vorhandene oder nicht vorhandene kulturelle und religiöse Dispositionen", antwortet heute Amir Dziri, Professor für Islamische Studien in Freiburg, in der NZZ. "Liberale und autoritäre Grundeinstellungen sind globale Phänomene und daher gerade nicht kulturspezifisch. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sich auch innerhalb von Gesellschaften mit muslimischer Mehrheit eklatante Unterschiede auftun. Die Annahme, Muslime seien durch ihre religiöse Zugehörigkeit auf ein bestimmtes Verständnis von Staat und Gesellschaft festgelegt, widerspricht aller geschichtlichen und aktuellen Wirklichkeit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2019 - Religion

In sechs Bundesländern gibt es bisher Islamischen Religionsunterricht an Schulen. Durch seine bloße Existenz fühlten sich viele Muslime und Musliminnen akzeptiert und gewertschätzt, lernt Joachim Wagner aus den Evaluationsberichten. Sehr schön. Noch besser hätte er aber gefunden, wenn der Unterricht auch in entgegengesetzter Richtung gefruchtet hätte, wie er in der Welt schreibt: "Hier ist für die Schulen noch viel Aufklärung zu leisten. Das gilt auch für den Absolutheits- und Überlegenheitsanspruch des Islam. In Niedersachsen meint immer noch ein knappes Drittel (30 Prozent) der türkischen Jugendlichen, dass der 'Islam die einzig wahre Religion ist' und 'alle anderen Religionen weniger wert sind'. In NRW fanden sogar 87 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf weiterführenden Schulen, dass der Islam die 'wahre Religion' ist, und 98 Prozent, dass 'Allah der einzige Gott ist'. Verantwortlich für dieses fest gefügte Religionsbild ist vermutlich die religiöse Erziehung im Elternhaus und in den Koranschulen. Eine Hoffnung bei der Einführung des IRU war, durch ihn Koranschulen das Wasser abzugraben. Sie hat sich nicht erfüllt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2019 - Religion

250 Millionen Euro gab der Bund für die Luther-Dekade, allein 520.000 Euro gingen an ein "Luther-Pop-Oratorium", das das ZDF übertrug, schreibt Gisa Bodenstein bei hpd.de unter Bezug auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage bei dem Portal FragDenStaat: "Insgesamt war das Lutherjahr zwar alles andere als erfolgreich, wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter dem wenig schmeichelhaften Titel 'Luther ist die Pleite des Jahres' analysierte, jedoch kann Erfolg an dieser Stelle kein Maßstab für die Förderungswürdigkeit sein. Es geht hier nämlich um etwas ganz Anderes: Martin Luther ist der - wenn auch nicht vorsätzliche - Gründervater der Evangelischen Kirche. Und es ist sehr wohl ein innerkirchliches Ereignis, das Jubiläum seines angeblichen Thesenanschlages oder seine Übersetzung der Bibel zu feiern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2019 - Religion

Vor einem Monat beschrieben die Historiker Heiko Heinisch und Nina Scholz in der FAZ den islamistischen "Marsch durch die Institutionen", alleine das Netzwerk der Muslimbruderschaft bestehe aus über zweihundert Organisationen. (Unser Resümee) Die eigentliche Gefahr sei der Salafismus, entgegnet nun der Jurist Rudolf Steinberg ebenfalls in der FAZ, der die Muslimbrüder verteidigt: "Die Aufzählung irgendwelcher Einrichtungen der Muslimbrüder in Europa ersetzt nicht klare Angaben, an welchen Stellen konkret die Muslimbrüder institutionell auf dem Vormarsch seien. Haben sie erfolgreich politische Parteien gegründet, sitzen sie in Parlamenten oder wenigstens Gemeindevertretungen, dringen sie als Lehrer in die Schulen, als Richter in die Gerichte oder auch als Journalisten in die Redaktionen?"
Stichwörter: Muslimbruderschaft

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.10.2019 - Religion

Der Theologe Jan-Heiner Tück beschreibt in der NZZ, wie schwer sich die katholische Kirche nach dem Missbrauchsskandal mit Reformen tut: "Die katholische Kirche ist als Weltkirche von einer Gleichzeitigkeit ungleichzeitiger Denkweisen geprägt. Nicht nur in Afrika denkt, tickt und fühlt man anders als in Deutschland, das ist schon in Polen und Kroatien so. Hinzu kommt die Polarisierung der deutschen Ortskirche. Während manche Akteure bereits zum Ungehorsam aufrufen, sprechen andere vom 'Missbrauch des Missbrauchs' und wittern Traditionsverrat. Tatsächlich könnte das Pochen auf universalkirchliche Rückbindung auch eine Immunisierungsstrategie sein, Reformen einfach auszusitzen. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2019 - Religion

Es ist falsch, "Islamismus" mit Gewalt zu assoziieren, schreiben die Historiker Heiko Heinisch und Nina Scholz in der FAZ, im Gegenteil: der  "legalistische" Islamismus, der Gewalt nur taktisch in Erwägung zieht, sei in seinem "Marsch durch die Institutionen" mit antidemokratischer Agenda viel effizienter: "Die ersten Schritte des politischen Islams in Europa blieben der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. Selbst als in den neunziger Jahren ein islamistisches Gründungsfieber ausbrach, interessierten sich weder Politik noch Medien dafür. Heute verfügt der politische Islam über ein dichtes Netzwerk an Organisationen, Unterorganisationen und Moscheen. Allein das Netzwerk der Muslimbruderschaft besteht nach Schätzungen derzeit aus über zweihundert Organisationen, zahlreichen Bildungseinrichtungen und unzähligen Moscheen in Europa, Tendenz steigend."