9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2018 - Religion

Stefan Laurin porträtiert bei den Salonkolumnisten Lamya Kaddor, die Gründerin des "Liberal Islamischen Bundes" - und stellt eine der Hauptfragen bezüglich solcher Verbände: Wen repräsentieren diese bei Politikern so beliebten Figuren eigentlich? "Die Mitgliederzahlen sind nicht nur beim LIB ernüchternd, der nicht über die Größe eines kleinen Tischtennisvereins hinauskommt. Der Zentralrat mit seinen 21 Mitgliederorganisationen vertritt gerade einmal gut 20.000 Gläubige. Auch da stellt sich die Frage, warum Mayzek ein wichtiger Ansprechpartner für Medien und Politik ist - 20.000 Mitglieder, die hat auch der Turngau Südoberfranken und sein Vorstandsmitglied Edi Stark ist nie in Talkshows zu sehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.01.2018 - Religion

"Dem deutschen Weg steht seine härteste Bewährungsprobe wohl noch bevor", tremoliert die Unterzeile des Artikels. Aber die Bewährungsprobe beschreibt der Rechtsprofessor Hans Michael Heinig auf der Gegenwartsseite der FAZ kaum, wenn er unter dem Titel "Säkular, aber nicht säkularistisch" das Verhältnis zwischen Staat und Kirchen in Deutschland als die beste aller hierzulande möglichen Welten beschreibt, inklusive Lehrerin mit Kopftuch: "Wo Islamkritiker zum Beleg ihrer Position eine Sure zitieren, ohne sich für entstehungsgeschichtliche und textliche Kontexte oder die tatsächlichen sozialen Praktiken zu interessieren, hat der religiös-weltanschaulich neutrale Staat auf solche Remedur zu verzichten. Wo der Stammtisch 'den' Islam zu einer politischen Ideologie erklärt, die generell nicht unter die Religionsfreiheit falle, handhabt der religiös-weltanschaulich neutrale Staat freiheitsgewährende Begriffe wie die durch Artikel 4 Absatz 2 des Grundgesetzes geschützte 'Religionsausübung' in der gebotenen Unparteilichkeit, ergo in Offenheit für unterschiedliche religiöse Selbstverständnisse."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.01.2018 - Religion

Kritik an Religion wird auch in deutschen Medien inzwischen als "Rassismus" angesehen. Einige Zuschauer waren irritiert, dass die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri die Bilder über die neuesten Proteste im Iran mit Kopftuch kommentiert. Das muss sie tun, wenn sie dort arbeiten will, ist ihre nachvollziehbare Begründung. Aber was wäre, wenn sie es freiwillig trüge, fragt in Spiegel online die Journalistin und Sprecherin einer Orghanisation für "Vielfalt", Ferda Ataman - und kommt mit dem Rassismus-Vorwurf: "Noch einmal fürs Protokoll: Ein paar Zuschauer verlangen, eine Frau vom Dienst abzuziehen, um gegen die Unterdrückung der Frau vorzugehen. Das ist das perfide an der Debatte über das Kopftuch: dass sich hier oft antimuslimischer Rassismus mit Sexismus paart. Und ja: Eine Journalistin mit Kopftuch im deutschen Fernsehen abschaffen zu wollen, hat - gelinde gesagt - rassistische Züge."

Die Kirchen hofieren die Islamverbände, schreibt Necla Kelek bei main-spitze.de, und sie tun es aus Eigeninteresse: "Die Kirchenvertreter erhoffen sich offenbar von der Unterstützung eines konservativen Islamverständnisses eine Aufwertung des religiösen Lebens in Deutschland. Sie selbst sind mit ihrem Selbstverständnis der Kirchen als Milieuverein mehr oder weniger gescheitert und leiden unter Mitgliederschwund. Sie erhoffen sich offenbar durch die Unterstützung der Muslime eine spirituelle Renaissance und auf der politischen Ebene an Gewicht zu gewinnen. Dabei verwischt die Trennung von Staat und Kirche zumindest in den politischen Positionen immer weiter."

Nina Apin porträtiert für die taz die beiden ehemaligen "Regensburger Domspatzen" Magnus Meier und Koljar Wlazik, die über Gewalt und sexuellen Missbrauch an der ehrwürdigen Institution berichten: "'Das war keine Schule, sondern die Hölle. Ein Kinder-KZ', sagt Meier. Der sadistisch und pädophil veranlagte Präfekt Johann Meier, ein ehemaliger Wehrmachtsoffizier, quälte die Kinder mit militärischem Drill, Prügelritualen und sexueller Gewalt, die bis zur Vergewaltigung ging. Die Kinder waren im System gefangen, hatten kaum Kontakt zur Außenwelt, unter den Schülern herrschte eine brutale Hackordnung. 'Wir waren verroht wie die Tiere', sagt Magnus Meier."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.01.2018 - Religion

Meldungen über sexuellen Missbrauch in religiösen Stiftungen, die immer mehr Einfluss auf das türkische Bildungssystem bekommen, schockieren die Türkei (wenn sie von den Medien nicht gleich wieder unterdrückt werden), berichtet Bülent Mümay in seiner FAZ-Kolumne. Und nebenbei feiert die religiöse Heuchelei weiterhin fröhliche Urständ: "AKP-Mitglieder in der für Radio- und Fernsehsendungen zuständigen staatlichen Institution forderten eine Strafe für eine Tanzaufführung von Mädchen zwischen sieben und elf Jahren in Shorts mit folgender Begründung: 'Das reizt die Leute auf.' Den letzten Punkt unter die Woche der Scham setzte dann wieder einmal Ankara. Die staatliche Religionsbehörde erklärte, mit neun Jahren seien Mädchen heiratsfähig!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.01.2018 - Religion

Der Pastor der Berliner Gedächtniskirche, Martin Germer, verteidigt im Gespräch mit Claudius Prösser in der taz, dass er einen Abgesandten der umstrittenen "Neu-Köllner Begegnungsstätte" zum Gedenken an das Weihnachtsmarkt-Attentat eingeladen hat: "Engagierte Muslime aus arabischen Kontexten leben in einer komplizierten Welt. Dass da jemand auch mal etwas sagt oder tut, was er hinterher als Fehler bezeichnet oder hinter das man ein Fragezeichen setzen kann, wird kaum zu vermeiden sein. Aber kann die Konsequenz sein, dass wir mit Muslimen, die sich für das gute Miteinander in unserer Gesellschaft und den Dialog mit anderen Religionen aussprechen, nicht mehr reden?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2017 - Religion

Ganz eindeutig spricht sich der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt von den Grünen im Interview mit Jan Thomsen von der Berliner Zeitung für eine Aufhebung des Neutralitätsgebots an Berliner Schulen aus: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts auch in Berlin umgesetzt wird. Die sagt eindeutig, dass pauschale Kopftuchverbote verfassungswidrig sind, weil sie das Recht auf freie Berufswahl und eine pluralistisch verstandene Religionsfreiheit unzulässig einschränken. Eingreifen darf man nur im konkreten Fall einer Störung des Schulfriedens. Ich bin der Meinung, dass wir es in der multireligiösen Stadt Berlin aushalten sollten, wenn an den Schulen junge Frauen mit Kopftuch unterrichten."

Volker Beck, ebenfalls von den Grünen, sieht es genauso:

Unser Vorschlag zur Güte: Alle Berliner Lehrerinnen sollten künftig mit Kopftuch lehren. Als Hommage an den Gedanken der Vielfalt sollte es aber als Regenbogen gestaltet sein.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.12.2017 - Religion

Angesichts geschützter Weihnachtsmärkte und einzelner juristischer Fälle, etwa den des Mannheimer Verwaltungsgerichtshofs, der einem Syrer, der eine deutsche Frau geheiratet und bei seiner Einbürgerung eine in Syrien geschlossene Ehe nicht angegeben hatte, nicht die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt hatte, warnt Henryk M. Broder in der Welt vor einer fortschreitenden Islamisierung: "Gehört der Islam zu Deutschland, gehört auch die Islamisierung dazu. Beides gibt es nur im Doppelpack. Das Weihnachtsfest ist nicht bedroht. Es wird weiter gefeiert werden. Bedroht ist eine säkulare Ordnung, in der Religion Privatsache ist und das Recht auf freie Religionsausübung ebenso garantiert wird wie das Recht auf Religionskritik. Das gibt es im Islam nicht."

Der rot-rot-grüne Senat in Berlin hat dem Humanistischen Verband, größte Vereinigung von Gottlosen, den Status der Körperschaft öffentlichen Rechts verliehen und damit den Kirchen rechtlich gleichgestellt, meldet Maritta Adam-Tkalec in der Berliner Zeitung. Ein revolutionärer Schritt, meint sie, denn so erhalte erstmals in der Geschichte des Landes Berlin eine Weltanschauungsgemeinschaft diesen privilegierten Status: "Nun muss man hoffen, dass die frisch bewehrten Humanisten ihre Energie statt in alberne, potenzielle Mitglieder abschreckende Binnen-Unterstrich-Schreib-Moden in reale Fortschritte investieren. Ein zentrales Projekt muss das Erlangen von Sitz und Stimme im Rundfunkrat Berlin-Brandenburg sein - im Grunde ist es angesichts des gesellschaftlichen Wandels schon lange ein Skandal, dass zwar Kirchensendungen ausgestrahlt werden, aber die Ethik der Humanisten keinen eigenen Platz hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.12.2017 - Religion

Evelyn Finger, Religionsredakteurin der Zeit, kritisiert den evangelischen Pfarrer der Berliner Gedächtniskirche, Martin Germer, der immer wieder - und zuletzt beim Gedenken an den islamistischen Anschlag in Berlin - mit umstrittenen Abgesandten der "Neu-Köllner Begegnungsstätte" (NBS) und der Berliner Dar-as-Salam-Moschee kooperiert hat: "Dialog heißt mehr als nur miteinander zu reden. In Zeiten des militanten Fundamentalismus gehört dazu die klare Distanzierung von fundamentalistischer Theologie. Es genügen nicht Besuche und Freundschaftsfloskeln. Es gehören dazu kritische Fragen, es gehört dazu der Streit darüber, wo die Grenzen der Religionsfreiheit verlaufen. In diesem Streit haben sich die deutschen Kirchen noch zu wenig hervorgetan."  Die Sektenexpertin Sigrid Herrmann-Marschall hat in ihrem Blog mehfach über die NBS recherchiert (alle Links hier).

Philipp Peyman Engel, Redakteur der Jüdischen Allgemeinen, kritisiert gleichzeitig in einem Gastbeitrag in der Welt, dass sich Islamverbände in Deutschland kaum von den antisemitischen Ausschreitungen bei antiisraelischen Demos in den letzten Wochen distanziert haben.

Das Christentum ist keineswegs auf dem Rückzug, sondern im Gegenteil ein wichtiger Faktor im Erstarken der Religionen, das man nicht aus Eurozentrismus übersehen sollte, schreibt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf in der NZZ: "Viel europäische Borniertheit gegenüber ganz anderen Christentümern lässt sich auch mit Blick auf die Tausende von Pfingstkirchen in Afrika, Lateinamerika und Asien beobachten. Diese erst um 1900 entstandenen neoprotestantischen Glaubensgemeinschaften sind gegenwärtig die am schnellsten wachsende, dynamischste religiöse Kraft weltweit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.12.2017 - Religion

Helene Hegemann empfiehlt in der NZZ zur Neujustierung unseres Ökonomiebegriff den Potlatch statt eingeübter Geschenkrituale: "Beim 'Potlatch' will man mehr geben, als man gekriegt hat. Und zwar so lange, bis am Ende alles futsch ist." Denn, so hat sie es von ihrem Vater gelernt: "Weihnachten ist ein Fest, an dem aus Überfluss und Armut Liebe entsteht."

Weiteres: Heribert Prantl stilisiert in seinem Leitartikel in SZ recht modisch Maria zu einer Umstürzlerin, gar zu einer Pionierin von #MeToo (ohne sie allerdings auch zum Opfer eines Übergriffs zu erklären). In der FAZ erzählt Jesuitenpater Nikodemus Schnabel, warum er trotz allem gern unter den religiösen Hooligans von Jerusalem lebt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2017 - Religion

In der SZ skizziert Paul-Anton Krüger verschiedene Fälle der Strafverfolgung gegen Schriftsteller, Sängerinnen und Homosexuelle in Ägypten, denen Verstöße gegen konservative Moralvorstellungen und gegen Vaterlandsliebe vorgeworfen wird und die meist zu Haftstrafen verurteilt werden - mit Zustimmung von islamischen und christlichen Würdenträgern, so Krüger: "Der Großimam der Al-Ashar-Universität, Scheich Ahmed al-Tajjeb, von der ägyptischen Regierung als Vorreiter eines toleranten Islam vermarktet, im Bundestag und von Kanzlerin Angela Merkel als solcher hofiert, wetterte auf einer internationalen Konferenz gegen 'Aufrufe, Homosexualität als Menschenrecht zu erlauben'. Dies sei unverschämt und 'östlichen Männern völlig fremd'. Auch die Gleichberechtigung von Frauen sei abzulehnen. Die koptische Kirche unter Papst Tawadros II. ist in diesen Fragen nicht weniger reaktionär, große Teile der Gesellschaft allerdings ebenso. So oft die Ägypter auch über das Versagen der Behörden klagen: Wenn der Staat gegen Homosexuelle vorgeht, ist er sich des Beifalls sicher."

Es gibt keinen spezifisch muslimischen Antisemitismus, meint der Islamwissenschaftler Michael Kiefer in der FR in Antwort auf einen FR-Artikel Abdel-Hakim Ourghis: Der Antisemitismus sei "längst zu einem 'flexiblen Code' geworden, der ohne Probleme mit einer Vielzahl von Ideologiefragmenten oder religiösen Erzählungen verbunden werden kann. Anders formuliert: Heutige Antisemiten gebrauchen antisemitische Argumentationsmuster aus verschiedenen religiösen, kulturellen und historischen Kontexten, die in ihrer Neuanordnung oft inkohärent und widersprüchlich erscheinen. Den Erzählern ist die Herkunft der Stereotype oft nicht bekannt oder wird falsch verortet (zum Beispiel 'Die Juden haben unseren Propheten Mohammed umgebracht')."
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