9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2017 - Medien

Die Ministerpräsidenten der Länder haben über die Öffentlich-Rechtlichen getagt. Für die Sender ist es gut gelaufen, berichtet Zeit online mit Agenturen - die Sender dürfen ihre Inhalte künftig länger im Internet zeigen: "Die Sieben-Tage-Regel nach der Onlineangebote, wie der 'Tatort', nach sieben Tagen von der Webseite genommen werden müssen, soll mit der Rundfunkreform fallen. 'Wir wollen das auflockern und verändern' sagte die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer. Sie steht der Rundfunkkommission der Länder vor. Die Rundfunkkomission ist außerdem unzufrieden mit den Sparbemühungen der Sender."

FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld hämmert den Sendern aber in einem ersten Kommentar vorsorglich schon mal ein, dss die Inhalte der Sender im Netz auf keinen Fall "presseähnlich" sein dürfen. Eine andere Wahrheit über die gestrigen Verhandlungen benennt Frank-Thomas Wenzel in der FR: "Die Ministerpräsidenten der Länder haben konkrete Beschlüsse zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vertagt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.10.2017 - Medien

Heute tagen die Ministerpräsidenten der Länder über die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen und deren Sparvorschläge: Pro-Sieben-Sat-1-Vorstand Conrad Albert wiederholt im Interview mit Caspar Busse von der SZ seine Forderung, etwas von den Gebühren der Öffentlich-Rechtlichen abzubekommen: "Der Inhalt zählt! Daher sind wir davon überzeugt, dass relevante Inhalte gefördert und finanziert werden sollten - und zwar unabhängig davon, wer sie sendet oder produziert - und nicht einzelne Sender oder Institutionen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.10.2017 - Medien

Die Ministerpräsidenten der Länder sprechen heute und morgen über die Struktur der öffentlich-rechtlichen Sender. Diese haben einen Sparplan vorgelegt, der verspricht, bis 2028 "bis zu" 200 Millionen Euro jährlich (bei einem Etat von acht Milliarden Euro jährlich) sparen zu wollen. In der Welt stellt Christian Meier die verschiedenen Positionen zur Zukunft der Sender vor.

In der taz tritt ihnen Jürn Kruse zur Seite und verteidigt sie gegen den Vorschlag des Staatskanzleichefs in Sachsen-Anhalt Rainer Robra, die ARD und die "Tagesschau" gleich mit abzuschaffen: "Denn was will Robra? Er will, dass der Rundfunkbeitrag von derzeit 17,50 Euro stabil bleibt oder bestenfalls sogar sinkt. Punkt. Doch glaubt er wirklich, dass dadurch die Akzeptanz (die vermutlich nicht ganz so gering ist, wie es ein paar Facebookposts suggerieren) steigt, wenn er ihnen gleichzeitig das Erste und die 'Tagesschau'-App und was weiß ich noch alles wegnimmt? Glaubt er wirklich, dass der, der zwanghaft 'Zwangsgebühr' brüllt, plötzlich verstummt, wenn diese 'Zwangsgebühr' auf 16,37 Euro sinkt? Oder gar auf 13 Euro?"

In der FR findet Daland Segler die Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen zwar ziemlich überzogen, aber die "parteipolitische Färbung" ihrer Vertreter findet er doch problematisch und "sie haben im Hauptabendprogramm den Eskapismus (vor allem mittels Sport) zum Programmprinzip erhoben und schieben die wichtigen Dokumentarfilme in die Nacht. Da sollte wirklich etwas geschehen." Und bei tagesschau.de verteidigt "Tagesschau"-Chef Kai Gniffke die "Tagesschau" überraschenderweise.

Außerdem: Bei Spiegel online fragt Sascha Lobo, wie Medien dem Vertrauensverlust begegnen sollen. In der NZZ schreibt Gemma Pörzken über die stets intrikate Bezieung zwischen Terrorismus und Medien.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2017 - Medien

Selbst in Europa können Journalisten, die wegen Korruption recherchieren, durch Autobomben getötet werden, wie jetzt der Tod der maltesischen Bloggerin Daphne Caruana Galizia zeigt. Die Agenturen berichten (hier in Zeit online): "International bekannt wurde Galizias Name im Zuge der Recherche zu den Panama Papers: Durch ihre Berichte hatte die 53-Jährige erreicht, dass Regierungschef Joseph Muscat vorgezogene Neuwahlen ausrief. Unter anderem steht seine Frau im Verdacht, Bestechungsgelder auf geheimen Konten in Panama versteckt zu haben." Politico.eu hatte jüngst ein kleines Porträt über die Bloggerin gebracht. Juliette Garside berichtet im Guardian, dass Caruana Galizias jüngste Recherchen vom Verkauf von maltesischen Pässen an reiche Menschen aus Ländern wie Aserbaidschan handelten. Hier der Nachruf in der Times of Malta.

Die Fernsehsender möchten online ihnen zuliefernde Produzenten künftig gern genauso behandeln wie Zeitungen ihnen zuliefernde freie Autoren. Das lässt sich einem Bericht von Christian Meier in der Welt entnehmen. Freie Autoren verlieren durch buy-out-Verträge oftmals alle Rechte an ihren Texte für ein einmaliges Honorar. Ähnlich soll es künftig auch Produzenten ergehen, jedenfalls nach dem Willen von ARD und ZDF, die die 7-Tage-Frist in ihren Mediatheken abschaffen wollen: "'Wenn aber die Verweilzeiten von Serien und Filmen in Mediatheken von ARD und ZDF verlängert werden, ohne dass vertragliche Möglichkeiten für die Produzenten geschaffen werden, ihr eigenes finanzielles Engagement zurückzuverdienen, dann wird es eben künftig keine unternehmerischen Produzenten in Deutschland geben', warnt Christoph Palmer im Gespräch mit der Welt. 'Video-on-Demand explodiert geradezu - und an diesem Markt müssen und wollen wir partizipieren, sonst werden wir enteignet.'"

Deshalb erhöhen die Produzenten auch ihren Lobbydruck auf die EU, wo man den Zugang zu europäischen Fernsehproduktionen für europäische Nutzer harmonisieren möchte - bisher verdienen die Produzenten (und viele Rechtsanwälte) daran, dass die Rechte Land für Land vergeben werden. Jörg Seewald macht sich diese Forderungen in der FAZ zu eigen und zitiert Conrad Albert, den Medienvorstand der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe: "Nach Ansicht von Conrad Albert steht bei einer vollständigen Rechtefreigabe nicht nur die Existenz von Deutschlands Kreativen auf dem Spiel, sondern auch ein Abomodell wie jenes, mit dem er seine Gruppe Maxdome finanziert. Deshalb hat Albert einen wütenden Brief verfasst, in dem sogar der Begriff 'globale Internet-Imperialisten' vorkommt."

Im "Tatort" von Sonntag thematisiert Dominik Graf die Ereignisse von Stammheim im Jahr 1977 - und scheint nicht auszuschließen, dass die Terroristen sich nicht selbst umbrachten, sondern ermordet wurden. Dagegen protestiert Stefan Aust in der Bild-Zeitung - und auch Wolfgang Kraushaar hatte sich schon am Sonntag im FAZ.Net vehement gegen diese These ausgesprochen. Bestürzend ist die Stellungnahme der Sender, die Michael Hanfeld in der FAZ zitiert: "Der 'Tatort' beziehe 'Position, ohne sich für eine Deutungsvariante zu entscheiden, was in der Nacht von Stammheim am 17. Oktober 1977 in den Zellen von Ensslin, Baader, Raspe und Möller passiert ist. Der Krimi erzählt auch auf allen anderen Handlungsebenen das Phänomen, dass es schwer zu entscheiden ist, was wann passiert ist. Das ist schwer auszuhalten - und so schafft der Tatort wieder einmal Gesprächswert über den Sonntagabend hinaus.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2017 - Medien

In der SZ berichtet Klaus Ott über den neuesten Stand bei der Affäre um das Institut für Rundfunktechnik der öffentlich-rechtlichen Sender, dem beinahe 100 bis 200 Millionen Euro veruntreut worden wären (unser Resümee). Der jetzt laufende Prozess könnte weitere Pannen enthüllen, so Ott. "Das IRT wird von den Anstalten kräftig subventioniert, was wohl gar nicht nötig wäre, hätte sich das Institut nicht im Millionenschlaf befunden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.10.2017 - Medien

Im Atlantic analysiert Alexis C. Madrigal in einer detaillierten Recherche, wie Facebook mit seinen News Feed die amerikanische Öffentlichkeit während des Wahlkampfs gelentk hat. Die New York Times hat sich derweil neue Richtlinien gegeben, die ihre Journalisten zu mehr Neutralität in den Sozialen Medien verpflichten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2017 - Medien

"Die Angst geht um in der Falkenstraße", titelt die linke Zürcher Wochenzeitung Woz in einem langen Artikel über die NZZ. Von Druck der Rechtspopulisten auf die Redaktion schreibt Kaspar Surber. Die ehemalige Redakteurin Brigitte Hürlimann wird mit dem Begriff der "Säuberungswelle" zitiert. Sonst redet so gut wie niemand, außer der ehemaligen Feuilletonkoresspondentin Sieglinde Geisel. Im Feuilleton wolle ohnehin niemand reden, weil die Ehefrau des Chefredakteurs Eric Gujer, Claudia Schwartz, dort Redaktionsmitglied sei. Zur schlechten Stimmung trägt natürlich auch die ökonomische Situation bei: "Die Umwälzung zeigt sich im Impressum. Nimmt man ein Verzeichnis der MitarbeiterInnen vom Frühling 2015, als Eric Gujer Chefredaktor wurde, und eines vom Herbst 2017, wird deutlich: Bei der Neuen Zürcher Zeitung wird gerade das Personal ausgewechselt. In nur zweieinhalb Jahren hat rund die Hälfte der Inlandredaktion die Zeitung verlassen, das Gleiche gilt für das Feuilleton. Bei einigen Personalwechseln handelt es sich um Pensionierungen, bei der Großzahl aber um Entlassungen oder Kündigungen durch die MitarbeiterInnen. Die letzte prominente Entlassung im Feuilleton war die von Uwe Justus Wenzel, der während mehr als zwanzig Jahren für die Geisteswissenschaften zuständig war."

Schon vor einiger Zeit hat das Magazin persoenlich.com über die Kündigung Wenzels berichtet. Gehen mussten laut persoenlich.com auch die Kulturkorrespondenten Andrea Köhler (New York), Marc Zitzmann (Paris) und Joachim Güntner (Deutschland).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2017 - Medien

Stinkbeleidigt antwortet die ARD (ganz anstaltsmäßig unsigniert) auf den Spiegel-Titel, der die Öffentlich-Rechtlichen alles in allem recht zahm kritisierte: "Es ist nicht das erste Mal, dass Printjournalisten der Ansicht sind, ihnen gehöre publizistisch das Internet. Doch das Netz ist konvergent, ein Schmelztiegel aller Kommunikationsgattungen, Text, Foto, Grafik, Video, Audio, Foren und ein Tummelplatz für Fake News und Hasskommentare. Jeder kann sich heute im Netz überall informieren - oder manipulieren lassen." Aber nur einer ist automatisch finanziert!

Stefan Koldehoff spricht im Deutschlandfunk die Schwäche des Spiegel-Artikels an: "Überhaupt klingt der Text der vier Kolleginnen und Kollegen für Spiegel-Verhältnisse seltsam unentschieden. Statt eigener Argumentation: Verlegerpräsident Döpfner. Der hat übrigens mindestens so viel politischen Einfluss, wie nun den öffentlich-rechtlichen Sendern unterstellt wird."

Welt-Redakteur Christian Meier inspiziert den von der Politik geforderten Sparplan der Öffentlich-Rechtlichen, der ihn  nicht beeindruckt (die ARD will bis 2028 588 Millionen Euro sparen, bei Jahreseinnahmen von 5,6 Milliarden Euro): "Es ist nachvollziehbar, dass man sich in den Anstalten nicht selbst beschneiden will. Doch um das öffentlich-rechtliche System für viele Generationen bestandsfest zu bauen, braucht es mittelfristig einen Befreiungsschlag. Das könnte beispielsweise eine weitgehende Annäherung oder gar Fusion von ARD und ZDF sein - was gerne als populistische Forderung abgetan wird. Doch niemand würde heute noch auf die Idee kommen, es brauche zwei getrennte Anstalten, um den Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen sinnvoll zu erfüllen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2017 - Medien

Eine große Geschichte der New York Times über gravierende sexuelle Belästigungen durch den Film-Tycoon Harvey Weinstein erregt seit einigen Tagen Aufsehen. In dem Hollywood-Blog thewrap.com gratuliert Sharon Waxman der New York Times zu der Story, macht aber darauf aufmerksam, dass sie selbst schon 2004 zu den Behauptungen recherchierte und ihr Artikel als kleine Meldung in den Innenseiten versteckt wurde: "Ich musste kichern, als ich Jim Rutenbergs scheinheiligen Kommentar über die 'Ermöglicher in den Medien' las, die diese Story Jahrzehnte lang unter dem Deckel hielten. 'Bis jetzt', ereifert er sich, 'war kein journalistisches Medieum fähig oder auch willig, die Details festzunageln und zu publizieren.' Das stimmt, Jim - inklusive der New York Times."

Weinstein ist inzwischen aus seiner eigenen Firma gefeuert worden berichten Agenturen (hier bei Spiegel online). In der FAZ berichtet Verena Lueken über das Thema.

In der Welt schreibt Thomas Schmid den Nachruf auf die Politologin Sylke Tempel, die bei dem Sturm letzte Woche in Berlin von einem Baum erschlagen wurde und erinnert dabei an einen Artikel in der Internationalen Politik, in dem sie gerade die Unvollkommenheit der Demokratie verteidigte: "Die unvergleichliche Stärke der Demokratie liege darin, dass sie von der Einsicht ausgeht, dass der Mensch weder gänzlich gut noch gänzlich schlecht, sondern ein fehlerhaftes Wesen sei: 'Er irrt, und zwar beständig. Für dieses fehlbare Wesen ist ein System angebracht, das Kontrolle vorsieht und Korrektur erlaubt.' Nicht perfekt zu sein, sei die Stärke der Demokratie - aber auch ihre Schwäche, die dann zutage tritt, wenn die unendlichen Mühen der Konsensbildung gescheut werden. Sylke Tempel verstand es, das alte ABC der Demokratie so zu buchstabieren, dass es ganz frisch wirkte." In der taz schreibt Silke Mertins.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.10.2017 - Medien

Gestern Mittag brachte die BZ Berlin die sehr traurige Nachricht, dass die Publizistin Sylke Tempel, Herausgeberin der Zeitschrift Internationale Politik, beim Sturm Xavier am Donnerstag ums Leben gekommen ist. Shimon Stein, ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland würdigt Tempel in einem Nachruf im Tagesspiegel. Bei den Salonkolumnisten schreibt Hannes Stein und in der Welt (hier) Richard Herzinger.

Über die Reportage von Spiegel-Reporter Markus Feldenkirchen zum Wahlkampf von Martin Schulz ist viel geredet worden. Bettina Gaus meint in der taz, dass sie besser hätte nie erscheinen sollen - denn hier wäre eine Grenze der Vertraulichkeit überschritten, die auch eine Medien-Demokratie besser respektieren solle: "Martin Schulz hat, wie wir jetzt wissen, schon lange gewusst, dass er die Wahl verlieren würde. Was im Hinblick auf seine analytischen Fähigkeiten durchaus beruhigend ist. Die Botschaft, die bleiben wird, lautet jedoch: Schulz hat sein Publikum angelogen, als er in Hallen und auf Marktplätzen von einem Sieg geredet hat, an den er selbst nicht mehr glaubte. Langfristig wird ihm das nicht nutzen."

Während der Spiegel einen Titel über den Machtfaktor Öffentlich-Rechtliche bringt, wehrt sich tagesschau.de ausgerechnet im "Faktenfinder" gegen den Begriff des "Staatsfunks". Staatsferne sei in Wahrheit der innerste Kern der Anstalten, schreibt Jonas Schreijäg. Und "Für mehr Unabhängigkeit soll in Deutschland auch die Finanzierung sorgen. Im Gegensatz zu anderen Staaten werden ARD, ZDF und Deutschlandradio nicht aus dem Staatshaushalt finanziert, sondern über den Rundfunkbeitrag (früher GEZ), den jeder Haushalt in Deutschland zahlen muss."
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