9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2018 - Medien

Hilja Müller porträtiert für die taz die philippinische Journalistin Maria Ressa, die für ihre Berichterstattung über den Drogenkrieg von Präsident Rodrigo Duterte den Knight International Journalism Award erhalten hat und daraufhin prompt mit Steuernachforderungen für ihr Magazin Rappler konfrontiert wurde. Die Philippinen, so Müller, sind für Journalisten eines der gefährlichsten Länder der Welt: "Dutzende Reporter sind in den vergangenen Jahren ermordet worden, weil sie dunkle Machenschaften oder politische Kungeleien der Reichen und Mächtigen aufzudecken versuchten. Die Anschläge verlaufen immer nach dem gleichen Muster: Unbekannte Vermummte geben von Motorrädern aus Schüsse ab und verschwinden ebenso schnell, wie sie aufgetaucht sind. Die Aufklärungsrate dieser Auftragsmorde ist beschämend gering."
Stichwörter: Philippinen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2018 - Medien

CNN erhebt Klage gegen das Weiße Haus, nachdem Präsident Donald Trump angeordnet hatte, dass dem Reporter Jim Acosta die Akkreditierung entzogen wird (unsere Resümees). In einem Statement begründet der Sender seinen Schritt. Das Argument der Trump-Sprecherin Sarah Sanders, dass CNN eine Menge weiterer Reporter mit Akkreditierung habe, will CNN nicht gelten lassen; "Für viele Journalisten und Verteidiger der Meinungsfreiheit ist das nicht der Punkt. Ein Statement der correspondents' association spiegelt die Meinung vieler Journalisten wider: Der Präsident 'sollte es nicht als seine Sache betrachten, die Frauen und Männer auszuwählen, die über ihn berichten dürfen'."

Auch das New York Magazine und Quartz werden eine Paywall hochziehen. Joshua Benton stellt im Nieman Lab die bange Frage, wie viele Paywalls die Leser sich wohl werden leisten wollen. Bei der Washington Post habe es funktioniert. Aber "nur 16 Prozent der Amerikaner sagen, dass sie willens seien, für Online-News zu bezahlen. Wird, wer zuerst die Times oder die Post abonniert, noch einen zweiten, dritten, vierten Dienst abonnieren? Vor allem wenn der zweite oder dritte Dienst genau so viel oder mehr kostet wie die überregionale Lieblingszeitung?"

Oh Gott, die Öffentlich-Rechtlichen expandieren mit ihren Schmonzetten. Michael Hanfeld untersucht in der FAZ die neue Kooperation zwischen den Sendern und der Telekom, die alte Inhalte der Sender in ihrer neuen App Magenta TV anbieten wird. Auch mit Sky kooperiere man ja bereits, so die Sender: "Wie das aussieht, wissen Kunden mit den entsprechenden Abos längst. Pay-Kanäle wie Romance TV (bei Sky) oder der Heimatkanal aus dem Hause Mainstream Media könnten ohne öffentlich-rechtliche Filme und Serien gar nicht existieren. Bei Romance TV laufen die Rosamunde-Pilcher-Filme des ZDF und die Herzschmerzkomödien der ARD nonstop."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2018 - Medien

Der Guardian hat sich anders als die meisten anderen großen Medien entschieden, seine Inhalte nicht hinter einer Paywall wegzuschließen und hat statt dessen vor drei Jahren ein Modell freiwilliger Unterstützung durch die Leser eingerichtet - und es funktoiniert, schreibt Chefredakteurin Katherine Viner in einer Art Brief an die Leser: "Heute bekannt geben zu können, dass wir in den letzten drei Jahren von mehr als einer Million Lesern weltweit finanzielle Unterstützung erhalten haben, ist solch ein wichtiger Schritt. Dies Modell der Finanzierung durch freiwillige Abos des Guardian, des Observer und des Guardian Weekly funktioniert. Und das heißt, dass der Guardian nach drei Jahren auf dem Weg zum sicheren Bestand ist."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2018 - Medien

Im Blog der NYRB sieht Michael Massing Donald Trump und CNN in einer sehr unguten Ko-Anhängigkeit. Ökonomisch beschert der Präsident dem Sender einen Goldregen, dafür revanchieren sich die Journalisten mit endlosem Draufhauen: "More generally, the network's coverage seemed uninformative, repetitive, and nakedly partisan. Apart from a some perfunctory I'm-here-in-red-state-America-to-speak-with-the-locals dispatches, it featured few in-depth reports on developments on the ground. Instead, it offered talking heads reciting familiar talking points. With immigration and related questions of national identity having become so salient both in America and throughout the world, I was surprised at how little genuine interest CNN showed in it."

Im NZZ-Interview erzählt die Bloggerin Manya Koetse, was sich auf Weibo so tut, dem chinesischen Pendant zu Twitter. Politik spielt kaum eine Rolle, die Leute bewegen Telenovelas, süße Roboter oder Tyrannen im Zug: "Man ist dankbar, im sicheren China zu leben und nicht im unsicheren Europa. Generell kann man feststellen, dass Europa sehr langsam in der digitalen Transformation und sehr international ausgerichtet ist. China dagegen ist sehr schnell in der Transformation und sehr auf China ausgerichtet."
Stichwörter: Cnn, Trump, Donald

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.11.2018 - Medien

Suzanne Moore bekennt im Guardian Entsetzen über die Pressekonferenz, in der Donald Trump, den CNN-Journalisten Jim Acosta fast schon tätlich angriff. Das Entsetzen gilt allerdings vor allem der werten Kollegenschaft, die der Szene mucksmäuschenstill beiwohnte: "Es wird Zeit, dass das amerikanische Pressekorps gegen den Präsidenten aufsteht", schreibt sie: "Was für Leute sitzen herum und gucken zu, wie ein Kollege schikaniert wird? Leute in einem Job mit schlechtem Status, die Angst vorm Boss haben? Leute mit geringer Selbstachtung, die denken, dass sie ohnehin nichts tun können? Feiglinge? Vielleicht. Auf diese Weise wird der Aggressor bestätigt und kann seinen Kampf weiter führen. Ich würde nicht sagen, dass mein Beruf voller Leute mit geringer Selbstachtung ist, die sich schnell ducken. Ich denke an all die mutigen Reporter da draußen. Ich weiß, dass die meisten Schreiber Egomanen sind. Wie erklären wir also das Verhalten der gesamten Presse bei Donald Trumps Pressekonferenz?"

Ganz anderes sieht es der SZ-Korrespondent Hubert Wetzel, der Acosta Selbstinszenierung vorwirft: "Jim Acosta bot sich für eine solche Strafaktion geradezu an. Der 47-Jährige, dessen Vater einst aus Kuba in die USA geflohen war, hat es zu seinem Markenzeichen gemacht, Trump bei Pressekonferenzen herauszufordern. Er stellt dabei oft Fragen, die eigentlich keine echten Fragen sind, sondern als Fragen formulierte Vorwürfe oder Anschuldigungen."

Auch die Washington-Post-Kolumnistin Margaret Sullivan sieht Acosta als einen aggressiven Journalisten, was Trump aber nicht das Recht gebe, ihm die Akkreditierung zu entziehen. Wie sollte die Presse reagieren? "Ein Boykott oder Blackout widerspricht der Idee, dass Journalisten nun mal da sind, das Publikum zu informieren und würde die Pressekonfernzen seinen schlimmsten Schönschreibern überlassen. Nein, es braucht mehr: CNN sollte Trump auf der Grundlage des ersten Verfassungszusatzes verklagen."

Acosta ist nicht der Held, als der er erscheint, meint Emily Maitlis in der BBC. Als die Szene geschah, hatte er seine Frage schon gestellt, nun monopolisierte er das Mikrofon und setzte  zu weiteren Fragen an: "Was in diesem Raum geschah, war nicht der ultimative Kampf für die Pressefreiheit. Es ging hier nicht darum, Leib und Leben gegen ein Regime zu riskieren, in dem es keine  Meinungsfreiheit gibt. Das war ein Kerl, der in einem Raum voller Kollegen saß, die alle auch Fragen stellen wollten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2018 - Medien

FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld kann den Schaum vorm Mund mal wieder nicht bremsen. Die SPD-Justiziministerin Katarina Barley hat sich ausgerechnet auf einem Zeitungsverlegerkongress schüchtern gegen ein Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse ausgesprochen: "Damit legt ausgerechnet die Vertreterin der Bundesregierung, die das Leistungsschutzrecht in Deutschland beschlossen hat, die Axt an eine gleichgelagerte Lösung für die EU, die im Europäischen Parlament nach einem harten Kampf inklusive eines von Lobbyvertretern der Digitalkonzerne gesteuerten Shitstorms (der an dieser Stelle in allen Einzelheiten dargelegt wurde) ausgehandelt worden ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.11.2018 - Medien

Im Guardian denkt Paul Chadwick über neueste Wendungen im Kampf zwischen religiöser Empfindlichkeit und freier Rede nach: Im erzkatholischen Irland hat man gerade per Volksabstimmung den Blasphemieparagrafen abgeschafft. In Pakistan wurde eine Christin vom Vorwurf der Gotteslästerung freigesprochen, ein Urteil, für das die Richter beträchtliche Risiken eingingen. In Europa dagegen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gerade ein Urteil österreichischer Gerichte bestätigt, die eine Frau wegen "Herabwürdigung religiöser Lehren" zu einer Geldstrafe verurteilt hatten. Die Frau hatte in einem Seminar indirekt den Propheten Mohammed als pädophil bezeichnet (mehr zu dem Urteil bei Juris). Chadwick findet dieses Urteil erstaunlich: "In der Vergangenheit war ein ausdrücklicher Grund für Blasphemiedelikte, Aufstachelungen zu begrenzen und den Frieden zu wahren. Ein Seminar mit 30 selbstgewählten Teilnehmern erscheint nicht als potentieller Mob. Kein Massenpublikum von Muslimen war dem ausgesetzt, was die Angeklagte sagte. An dem Seminar nahm verdeckt auch eine Journalistin teil. Ihr Arbeitgeber, ein vom Gericht als N bezeichnetes Wochenblatt, informierte den Staatsanwalt. Journalisten arbeiten manchmal auf mysteriöse Weise."

"Was also tun, in Zeiten, in den vor allem in strukturschwachen Regionen die Tageszeitungen verschwinden", fragt Lorenz Matzat bei Medium.com in einem breiteren Hintergrundartikel über den immer kümmerlicheren Lokaljournalismus in Deutschland. "Das Schwinden des klassischen Lokaljournalismus wäre insgesamt kein großes Drama, wäre in den letzten 15 Jahren im Internet eine Alternative erwachsen. .. Zwar finden sich Ansätze neuer Formen - etwa Bürgerjournalismus und Lokalblogger - doch keiner davon hat sich flächendeckend und nachhaltig etabliert noch die grundlegende Frage geklärt: Wie lässt sich das finanzieren?"

Interessante "Zahl des Tages", die turi2 aus einem Bericht von Werben & Verkaufen übernimmt: "Gigantische 25,4 Milliarden Euro verdient Google in einem Quartal mit Werbung und damit mehr als die gesamte deutsche Medienwirtschaft in einem Jahr, schreibt Werben & Verkaufen. Auch Facebook kommt in nur drei Monaten schon fast auf den prognostizierten Werbeumsatz der deutschen Medienwirtschaft heran, der 2018 bei 20,5 Mrd Euro liegen soll." Da allerdings neulich gemeldet wurde, dass Google im letzten Quartal einen Nettogewinn von 9,2 Millarden Dollar erwirtschaftet hat (hier in der FAZ), ist nicht ganz klar, was mit "Verdienen" gemeint ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.11.2018 - Medien

Fact-Checking, also das Nachprüfen von Tatsachenbehauptungen, ist ein wichtiges Instrument im Kampf gegen Fake News. Aber es hat auch seine Schattenseiten, erklärt der Kommunikationswissenschaftler Christian Hoffmann, der mehrere Studien zum Thema durchforstet hat, in der NZZ: "Wie fehlbar Journalisten in der Erstellung von Fact-Checks sind, zeigt ... das 'Fact Check Review' der politisch unabhängigen Plattform RealClearPolitics. Diese Analyse dokumentiert, wie häufig Journalisten dazu neigen, nicht etwa Fakten, sondern bloße Meinungsäußerungen einem Fact-Check zu unterziehen. Der Fact-Check gleicht dann einem Kommentar im falschen Gewand. Nicht minder problematisch ist der Agenda-Setting-Charakter des Fact-Checking, also die Frage, welche Äußerungen einem Fact-Check unterzogen werden - und welche nicht. Alleine durch die Selektion der Berichtigungsobjekte kann der Eindruck erweckt werden, eine Seite eines Diskurses neige in besonderem Maße zur Unwahrheit."
Stichwörter: Fact Checking

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.11.2018 - Medien

"Spiegel, Stern und Zeit nehmen ihre Entscheidung zurück, aus den heftbezogenen Auflagenmeldungen auszusteigen", meldet Horizont.net. In einer Erklärung der Medien heißt es: "Wir hören damit auf das laute und kritische Echo aus dem Markt und von unseren Kunden und entschuldigen uns für die Verwirrung. Es stand für uns immer außer Frage, dass transparente und neutral gemessene Leistungswerte sehr wichtig sind." Die Entscheidung, die IVW-Zahlen nicht mehr zu melden (unser Resümee), war auf heftige Kritik in der Werbebranche gestoßen. Der New York Times geht's unterdessen mit ihren digitalen Abos prächtig, meldet Joshua Benton in niemanlab.org. Die Zeitung meldet 600 Millionen Dollar jährliche Einnahmen aus Digitalabos.

In Berlin betreiben von Russland finanzierte Onlinekanäle wie "Redfish" oder "In the Now" eine neue Art von Propaganda über Facebook - englischsprachig, vorgeblich links und kosmopolitisch, oft Falschmeldungen verbreitend und ohne Russlandkritik versuchen sie liberale Demokratien zu schwächen (mehr hier), schreibt Thorsten Schmitz, der vergeblich versuchte, ein Interview mit den Machern zu führen, auf der Medienseite der SZ. Ingo Mannteufel, Leiter der Russisch-Redaktion der Deutschen Welle, erklärt Schmitz diese Form von"Info-Aktivismus": "Es handle sich um eine 'hybride Kriegsführung'. Mit den Videos sollten demnach westliche Gesellschaften 'polarisiert und gespalten und die Konsensfähigkeit demokratischer Gesellschaften paralysiert werden'. Juristisch ist man dagegen machtlos. Die Plattformen genießen das deutsche Recht auf freie Meinungsäußerung - und die unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Verbreitung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.10.2018 - Medien

Diese Meldung wird in der Branche als eine kleine Sensation einschlagen: "Spiegel, Stern, Focus und Zeit wollen ab 2019 keine heftbezogenen Auflagen mehr veröffentlichen", meldet Andreas Grieß unter Bezug auf horizont.net in turi2: "Kurz hintereinander hätten die vier Verlage der Wochentitel der IVW entsprechende Kündigungen eingereicht. Künftig wollen sich die Titel auf Quartalszahlen beschränken. Sie begründen, die Veröffentlichungen brächten keinen Mehrwert, sorgten aber regelmäßig für Negativschlagzeilen. Agenturen und Werbekunden kritisieren die Entscheidung." Die Zahlen werden von der IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) gemessen und gelten als der objektivste Gradmesser der Auflage.