9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.08.2017 - Medien

In der FAZ zeichnet Rainer Meyer den Skandal um das Memo des Google-Mitarbeiters James Damore nach, dem in einem Medienhype immer wieder Sexismus vorgeworfen wurde (mehr hier), bis endlich mal jemand das Memo wirklich las: "Unter Führung von The Atlantic tauchten unangenehme Fragen nach den Stellen im Memo auf, die all die weitreichenden Unterstellungen belegen sollten. The Federalist dokumentierte, wie CNN die eigenen Beiträge umschrieb und die Bezeichnung 'anti-diversity' strich - offensichtlich, weil Damore nicht nur gegen seinen Arbeitgeber, sondern auch gegen die Medien klagen kann."
Stichwörter: James Damore

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.08.2017 - Medien

Stuktur oder Wandel? Der Welt-Essay von Perlentaucher Thierry Chervel über die deutschen Medien im Zeitalter der Digitalisierung - ratlos! - steht inzwischen online.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2017 - Medien

Perlentaucher Thierry Chervel fragt in der Welt, wie sich die deutsche Öffentlichkeit angesichts von Medienkrise und Digitalisierung neu organiseren sollte. Denn der jetzige Zustand wird nicht mehr so lange haltbar sein: "Die Zeitungen leisten zwar noch jenen 'öffentlichen Dienst' als vierte Gewalt, dessen sie sich gern rühmen, aber die wirtschaftliche Basis dafür ist ihnen abhanden gekommen. Mit Mühe halten sie bei reduziertem Inhalt und zugleich erhöhten Preisen die Fassade hoch. Ihnen gegenüber steht mit roten Bäckchen wie aus einer Apfelsaftreklame der Sechziger der zwangsernährte öffentlich-rechtliche Wonneproppen. Und beide haben ein Problem mit ihrem alternden Publikum."

René Martens geht in der taz nochmal den Vorwürfen gegen eine Arte-Dokumentation der französischen Autorin Anne Paq über den Gaza-Streifen nach und kann den Antisemitismusverdacht (der in der taz neulich noch unter dem Titel "Programmdirektor Schuster" kritisiert wurde, mehr hier) nur bestätigen: "2008 schrieb Paq auf Electronic Intifada: 'We internationals working in Palestine, what are we fighting for?' Sollte dies ein 'pseudopalästinensischer Staat' sein, wie ihn sich die Palästinensische Autonomiebehörde vorstelle, sei das 'kein würdiger Kampf'. Klingt nach Flugblatt. In einer Antwort auf eine taz-Anfrage, warum Arte eine Autorin engagiert hat, die für eine mit Terrorismus sympathisierende Website schreibt, verweist Sprecher Michel Kreß auf das Renommee Paqs."

Außerdem: Empört berichtet Jürg Altwegg in der FAZ über den digitalen Zeitungskiosk des französischen Telekomunternehmens SFR, wo alle Zeitungen für 20 Euro monatlich zu lesen sind, wo doch allein das digitale Abo von Libération schon 17 Euro kostet.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2017 - Medien

Ist da nicht irgendetwas problematisch, fragt in der taz Benjamin Weber mit Blick auf Stephan Holthoff-Pförtner, den neuen NRW-Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien: "Nach wie vor ist Holthoff-Pförtner mit 17 Prozent Miteigentümer der Funke Mediengruppe - einem der wichtigsten Medienkonzerne des Landes. Allein in NRW gehören zwölf Radiosender und vier Tageszeitungen (wie die WAZ) zum Essener Unternehmen (Jahresumsatz 2015: 1,3 Mrd. Euro). Die Rheinische Post schreibt, die Anteile des Ministers seien 250 Millionen wert. Kann ein solcher Minister unabhängig politische Entscheidungen treffen?"

In der NZZ beklagt Stefan Betschon den fehlenden Technikjournalismus im deutschsprachigen Raum. Anspruchsvolle lange Texte, die neue Technikentwicklungen erklären und es dem Leser so erlauben mitzureden bei neuen Technologien, gibt es praktisch nicht. Selbst in Amerika werde das langsam spürbar, aber da tut sich wenigstens was: "Ende 2013 schrieb die amerikanische Wirtschaftsjournalistin Jessica E. Lessin: 'Technology news needs a reboot', die Technik-Berichterstattung brauche einen Neustart. ... Lessin, die sich als Journalistin des Wall Street Journal (WSJ) Meriten erworben hat, stemmt sich gegen das Möglichst-schnell-möglichst-viel-Prinzip. Die von ihr gegründete News-Site The Information verspricht eigenständige, 'deeply-reported' Geschichten, die nur gegen Entgelt gelesen werden können. Lessin ist nicht die Einzige, die die Online-Berichterstattung im Themenbereich Technik als reformbedürftig betrachtete. Auch andere amerikanische Journalisten verspürten zwischen 2011 und 2014 den Drang, die Technik-Berichterstattung neu zu erfinden. Walt Mossberg und Kara Swisher (ehemals WSJ) gründeten Recode.net (seit 2015 Teil von Vox Media), Joshua Topolsky (ehemals Engadget) lancierte Theverge.com. Zu den Innovationen von The Verge gehört das Genre Long Form, das Platz schafft für weitschweifige Reportagen."  

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.08.2017 - Medien

Israel will den arabischen Nachrichtensender al-Dschasira verbieten, berichtet Gil Yaron in der Welt. Israels Kommunikationsminister Ayoub Kara beschuldigt den Sender, "Terror zu unterstützen", tatsächlich aber, glaubt Yaron, dass Israels Regierungschef sauer war über die Rolle, "die der Sender bei den jüngsten Ereignissen in Jerusalem spielte. Er ist überzeugt, dass er gewaltsame Proteste ermutigte und so letztlich dazu beitrug, dass Benjamin Netanjahu alle Sicherheitsmaßnahmen, die er nach einem Attentat am Tempelberg vor Ort installieren ließ, auf demütigende Weise wieder demontieren musste."
Stichwörter: Al Dschasira

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2017 - Medien

Anja Aronowsky Cronberg vom kritischen Modeblog Vestoj beklagt im Interview mit Anna Pfister vom Deutschlandfunk, dass der Modejournalismus zu einer reinen Jubelveranstaltung geworden ist: "Worüber Journalisten weniger reden, sind die üppigen Geschenke, die viele von uns Modejournalisten nach einem besonders positiven Artikel über eine bestimmte Marke geschenkt kriegen. Eine Handtasche zurückschicken wäre unhöflich, aber sie zu behalten, ist wie ein implizites Einverständnis, dass noch mehr positive Artikel folgen werden."

Außerdem: Die Diskussion um die Arte-Doku "Gaza - Ist das ein Leben?", gegen die unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert hatte (unsere Resümees), geht weiter. Unter anderem kritisierte der Zentralrat, dass die Autorin Anne Paq der antizionistischen Organisation Electronic Intifada nahe steht. Stefan Frank erläutert dazu auf  mena-watch.com: "Electronic Intifada steht ideologisch den säkularen antiisraelischen Terrororganisationen wie der Volksfront zur Befeiung Palästinas (PFLP) nahe. Die Palästinensische Autonomiebehörde hingegen wird als nicht militant genug abgelehnt. Anne Paq selbst schreibt dazu: 'Die Palästinensische Autonomiebehörde handelt mehr und mehr wie ein Handlanger der Israelis … Die Palästinensische Autonomiebehörde muss weg.'"
Stichwörter: Modejournalismus, Arte

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2017 - Medien

Die Zeit hat Mariam Laus Porträt des rechts-nationalen "Finis Germania"-Verlegers Götz Kubitschek online nachgereicht. Lau besuchte ihn auf seinem Rittergut in Sachsen-Anhalt und stellte fest, dass ihr die Atmosphäre dort irgendwie vertraut war: "Der Hausherr, Götz Kubitschek - Vordenker der Neuen Rechten, Aktivist, Offizier der Reserve - kommt, in schwarzem Hemd und Hose, die Holztreppe herunter und führt zur Begrüßung über die Wiese zu einem kleinen Gehege, in dem die Ziegen, Hasen und Hühner leben, denen sich das Abendbrot verdankt, das Besucher hier bei Kerzenlicht mit der Familie teilen. Das Vertraute ist die Kombination aus trotziger ländlicher Selbstversorgung, einer großen Bibliothek und aktivem, wenn möglich herrschaftsgefährdendem politischem Protest: jeder, der in den achtziger Jahren in bestimmten Häusern im Wendland gewesen ist, erkennt es wieder. Im Verlauf des Abends wird sich herausstellen, dass diese Ähnlichkeit kein Zufall ist."
Stichwörter: Götz Kubitschek

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.08.2017 - Medien

Boas Ruh bringt in der NZZ Hintergründe zum Fact-Checking in Frankreich und Großbritannien.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.08.2017 - Medien

Hört auf die Terroristen zu psychologisieren und nehmt den Islamismus endlich ernst, ruft Alice Schwarzer in der Welt vor allem jenen FAZ-Kollegen zu, die immer wieder auf Persönlichkeit und Gesinnung der Täter abheben: "Hat man in Deutschland denn immer noch nicht begriffen, dass der Islamismus kein Staat und keine Organisation ist, sondern eine Ideologie, ein Geisteszustand? Die Islamisten, die zur Tat schreiten, haben immer auch persönliche Motive, aber sehr unterschiedliche Hintergründe. Nur eines eint sie alle: Sie nehmen ihre selbstgerechte Überheblichkeit gegenüber allen 'Nicht-Gläubigen' und vor allem gegen 'den Westen' zum Anlass beziehungsweise Vorwand, zur Tat zu schreiten."

Der Atlantic meldet, dass er seine Europaberichterstattung erheblich ausweiten will - und berichtet mit stolz über stark wachsende Nutzerzahlen mit inzwischen 42 Millionen Unique Visitors pro Monat (also unterschiedlichen Personen, die mindestens einmal in diesem Zeitraum vorbeischauen).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2017 - Medien

Im Interview mit der FAZ wundert sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, über den Sender Arte, der die Doku "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" wegen angeblicher Unausgewogenheit nicht senden wollte (unsere Resümees), aber kein Problem hatte mit der Unausgewogenheit der Reportage "Gaza: Ist das ein Leben?" (unser Resümee). Die Begründung des Senders: Der erste Film sei eine Dokumentation, der zweite eine Reportage, die per definitionem subjektiv sei. "Es ist auffällig, dass sich Arte stets auf sehr formale Begründungen bei der Beurteilung der Beiträge zurückzieht", kritisiert Schuster. "Einer inhaltlichen Auseinandersetzung ist der Sender in beiden Fällen, also bei der Judenhass-Doku und der Gaza-Reportage, ausgewichen. Warum sollte es nicht möglich sein, die Perspektive eines Protagonisten durch ein, zwei einordnende Sätze zu ergänzen? Auch eine authentische Wiedergabe einer persönlichen Sichtweise sollte für Zuschauer verständlich sein."
Stichwörter: Arte, Gaza, Josef Schuster
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