9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.12.2017 - Medien

Hinter der  Debatte über die "Presseähnlichkeit" von Online-Inhalten der Öffentlich-Rechtlichen versteckt sich eine andere Frage, meint Leonhard Dobusch, der im Fernsehrat des ZDF setzt, in seiner Netzpolitik-Kolumne: "Presse im Internet ist ein multimedialer Mix aus Text, Bild, Video- und Audiomaterialien. Presseähnlichkeit als Kriterium hat sich damit überlebt. Vielmehr geht es um die Grundsatzfrage, ob es beitragsfinanzierten Journalismus online geben soll oder nicht. Wenn das mit 'Ja' beantwortet ist, stellt sich nur noch die Frage, ob dieser im Gegenzug werbefrei sein sollte - was er in Deutschland auch weitgehend ist." Und das heißt, dass die Sender ungehindert im Netz expandieren können sollten?

Außerdem: In der NZZ erklärt Stefan Mey, wie Medien das Darknet nutzen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2017 - Medien

Die Presse in Südafrika hat keinen sehr guten Ruf, reißerische, schlecht recherchierte und sich bei der Regierung anbiedernde Texte sind eher die Regel als die Ausnahme, schreibt Viola Schenz in der NZZ und empfiehlt statt dessen zwei Webseiten, die sich dem investigativen Journalismus verschrieben haben: Das vor zehn Jahren von dem Johannesburger James Myburgh gegründete Politicsweb und der 2009 von einem gebürtigen Jugoslawen gegründete The Daily Maverick: Man darf sie "für ihren Einsatz und für ihren Idealismus bewundern, sie bestreiten einen einsamen Frontkampf. Südafrikas Medien gehörten weltweit zu den am stärksten konzentrierten, bestätigt eine Studie der Columbia Business School: Vier große Medienhäuser teilen sich die gut 20 Tageszeitungen und knapp 30 Wochenzeitungen auf, und diese Medienhäuser wiederum befinden sich teilweise in der Hand von halbstaatlichen Industriekonglomeraten. Diese nehmen, auf Druck ihres Miteigentümers ANC, Einfluss auf redaktionelle Inhalte und über Werbung und Sponsoring auf das Redaktionsbudget."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.12.2017 - Medien

(Via turi2) Der bekannte Medienjournalist Kai-Hinrich Renner geißelt im Abendblatt das "große Ärgernis"  Landesmedienanstalten, die offiziell dazu da sind, die Privatsender zu überwachen, aber meist nichts weiter tun, als der von Alexander Kluge mit gehaltenen Firma DCTP die Aufträge zu verlängern: "Für die Sender sind die Landesmedienanstalten letztlich Papiertiger. Wenn ihnen die Entscheidungen der für sie zuständigen Anstalt nicht passen, wechseln sie einfach zur nächsten. So meldete sich beispielsweise Sat.1 nach dem Ärger mit der rheinland-pfälzischen LMK einfach bei der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein an."

Außerdem: Daniel Bouhs meldet in der taz, dass der WDR dem Druck der Verleger nachgibt und auf seiner Website weniger Texte präsentieren will.
Stichwörter: Landesmedienanstalten

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2017 - Medien

Nicht nur in der Schweiz drohen die Öffentlich-Rechtlichen Sender durch eine Volksabstimmung unter die Räder zu kommen. Götz Hamann erzählt in der Zeit, dass die öffentlich-rechtlichen Systeme überall in Europa unter Druck stehen: "Und insofern ist es keine Spinnerei mehr zu fragen: Könnte dem Öffentlich-Rechtlichen der Lebensfaden reißen?" Immerhin stellt er Verunsicherung bei den Sendern fest: "Noch vor ein paar Jahren war es nahezu unmöglich, mit den Intendanten überhaupt zu streiten. Voller Dünkel verwiesen sie auf ihren 'Auftrag', und selbst einfache Mitarbeiter von ARD und ZDF reagierten auf Kritik, als wolle man sie der Unzucht mit der Jungfrau Maria bezichtigen."

Nun könnte im EU-Parlament doch nochmal über die Frage abgestimmt werden, ob Fernsehinhalte in der EU grenzüberschreitend in den Mediatheken zu sehen sein sollen. Bisher ist diese Idee am vehementen Widerstand der Produzenten gescheiterten, für das Kleinklein der europäischen Lizenzvergabe zum Geschäftsmodell gehört, schreibt Thomas Kirchner in der SZ: "Der Streit wird hochemotional ausgefochten, teilweise quer durch die Parteien. In einigen Fraktionen wurde die Abstimmung frei gegeben, darum ist der Ausgang des Votums unvorhersehbar."

Außerdem: Einen "Blitz fascista" prangert La Repubblica in einem großen, viel retweeteten Webaufmacher an: Eine Gruppe von Neofaschisten marschierte vor der Zeitung auf, erklärte ihr den Krieg auf und machte mit Feuerwerkskörpern Spektakel. Angesichts der Umstände, wie der SPD-Politiker Marc Jan Eumann  zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt LMK gewählt wurde (nämliich in einem äußerst undurchsichtigen Verfahren) und einiger bodenloser Antworten, die Eumann einer Reporterin des Deutschlandunks gab, beklagt Stefan Niggemeier in den Uebermedien den "Irrsinn des Landesmedienanstaltentums".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2017 - Medien

Die "No Billag"-Initiative gegen die Rundfunkgebühren in der Schweiz hat zur Zeit eine Zustimmungsrate von über 50 Prozent, berichtet Charlotte Theile in der SZ. Abgestimmt wird im März 2018. Die Schweizer zahlen 450 Franken jährlich, was etwa 390 Euro entspricht. Selbst die rechtspopulistische SVP ist sich allerdings uneins, ob sie die Initiative unterstützen, so Theile. Mit schuld an der Misere: "ein Apparat von Journalisten, die mit einer solch geballten Kritik kaum umgehen können und zunehmend nervös auf die Sendungen verweisen, die einst zur DNA der Schweiz gehören: Die 'Tagesschau'. Die Regionalsendungen, draußen auf dem Land (SRF bi de Lüt). Die Volksmusik."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2017 - Medien

Wenig Positives sieht Hans Demmel, Chef des Privatsenders n-tv, in den Plänen für eine Strukturreform der öffentlich-rechtlichen Sender. Besonders ärgert ihn die Ausweitung der Internetpräsenz und die Werbung in den Öffentlich-Rechtlichen, erklärt er im Interview mit der FR. "Wir stellen immer wieder fest, dass viele dieser Entscheidungen getroffen werden ohne das Verständnis dafür, dass man einen Wirtschaftsraum beeinflusst.  ... Wie heißt es so schön? Die Werbung sei der Preis dafür, dass der Rundfunkbeitrag sozialverträglich sei. Was auch immer das bedeuten mag. Wir reden von 300 Millionen, die auf die acht Milliarden Euro Beiträge drauf kommen. Das ist eine Summe, die man auch über Sparen reinbekommen könnte. Das übrigens auch im Interesse der Kollegen von ARD und ZDF: Eine deutliche Werbereduzierung kann das öffentlich-rechtliche Auftragsprofil schärfen, in dem es die Kommerzialisierungszwänge bei ihnen reduziert. Sie sind das Grundübel der Fehlentwicklungen im öffentlich-rechtlichen System."

Im Interview mit der FAZ warnt Rai­ner Ro­bra, Chef der Staats­kanz­lei von Sach­sen-An­halt, die Öffentlich-Rechtlichen, auf eine Beitragserhöhung 2021 zu setzen. In allen Landtagen wachse der Unmut über immer weiter wachsenden Geldbedarf der Sender. "Im Os­ten tritt allerdings bei vie­len Bür­gern der Ein­druck hin­zu, dass die öffent­lich-recht­li­chen An­stal­ten die Le­bens­wirk­lich­keit in ih­ren Län­dern nicht ab­bil­den. Vie­le Bür­ger fra­gen sich, war­um sie für ein Sys­tem zah­len sol­len, das sie nur sel­ten zur Kennt­nis nimmt und wenn, dann ne­ga­tiv. Zu­dem sind im Os­ten die Ein­kom­men nied­ri­ger. Die Bür­ger sind im Privat­le­ben wie in der Po­li­tik dar­an ge­wöhnt, dass hart gespart wer­den muss. Die Leu­te ver­ste­hen nicht, war­um das bei den Sen­dern an­ders sein soll."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.12.2017 - Medien

Mit reichlich schnöder Begründung stellt Gruner + Jahr die Website des Art-Magazins (die wir im Perlentaucher gern zitiert haben) ein, meldet turi2 mit Bezug auf die Medienjournalistin Ulrike Simon. "Sie hört auf den Fluren, die Seite sei nicht profitabel, da sie Dienstleistungen teuer bei Schwesterfirmen einkaufen müsse. G+J selbst begründet, der Verlag wolle nur 'reichweitenstarke werbefinanzierte journalistische Angebote' betreiben - da reichten die 200.000 Unique User nicht aus." Von der Website soll eine bloße Abonnieranleitung bleiben, ein Rückfall in die frühen nuller Jahre des Internets.
Stichwörter: Art, Art-Magazin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.11.2017 - Medien

Die Süddeutsche Zeitung hat ihrer Zeitung eine 16-seitige Propaganda für das Xi Jinping-China beigelegt, die von China sicherlich ganz gut bezahlt wurde. Auf Proteste von Menschenrechtlern antwortet die Zeitung, man sei halt für Meinungsfreiheit, berichtet Andreas Lorenz in der taz: "Chinas Propagandabehörden konzentrieren sich längst nicht mehr nur darauf, die eigene Bevölkerung zu überzeugen. In diesen - für chinesische und ausländische Journalisten angesichts von Repression und Zensur - schwierigen Zeiten nutzen die Behörden alle Formen des modernen Marketings, um ihre Botschaft in die Welt zu bringen. Dabei finden sie willige Partner, die sich dafür bezahlen lassen. Nicht nur die SZ versorgt die Kunden mit der Eigenwerbung des offiziellen China, sondern unter anderem auch die Washington Post, der britische Daily Telegraph und der französische Figaro."
Stichwörter: Süddeutsche Zeitung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2017 - Medien

Erfreut nimmt Michael Hanfeld in der FAZ zur Kenntnis, dass der WDR und andere Sender Konzertübertragungen von Roger Waters, einem prominenten Verfechter der Israel-Boykottkampagne BDS, abgesagt haben: "Roger Waters setzt ... selbst Künstler unter Druck, nicht in Israel aufzutreten. Zuletzt verwahrte sich der Schriftsteller und Musiker Nick Cave gegen diese Drangsalierung, die darin gipfelte, dass er seine dieser Tage stattfindenden Konzerte in Tel Aviv absagen sollte. Er hätte sich wie ein 'Feigling gefühlt', sagte Cave in einem Interview, wäre er nicht in Tel Aviv aufgetreten."
Stichwörter: Roger Waters, Nick Cave

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2017 - Medien

Der WDR ist kritisiert worden, weil er eine Veranstaltung mit dem antiisraelischen Musiker Roger Waters plante (unser Resümee) - die der Sender nun gekündigt hat, wie turi2 meldet.
Stichwörter: Roger Waters, BDS-Kampagne
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