9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.07.2018 - Medien

Nick Cohen hat neulich in NYRB Daily die BBC scharf angegriffen, weil sie russische Machenschaften vor dem Breixit nicht genug abgebildet habe (unser Resümee). Nun legt er nach und antwortet auf eine Reaktion der BBC (die in seinem Artikel zitiert ist): "Ich sage nicht, dass es eine Verschwörung gibt. Die BBC-Journalisten, mit denen ich spreche, legen etwas weniger Finsteres aber Weitergehendes nahe: eine Angst vor den Konsequenzen ehrlicher Berichte. Die BBC lässt Britannien im Stich, weil sie Angst hat, das man ihr nachsagt, das Votum der Bevölkerung in Frage zu stellen. Angst tötet den BBC-Journalismus."
Stichwörter: BBC

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2018 - Medien

Kleiner Sturm im Wasserglas der hiesigen Medien- und Honoratiorenlandschaft: Der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz lehnt einen Preis der Ludwig-Erhard-Stiftung ab, weil deren Vorsitzender Roland Tichy mit Tichys Einblick ein angeblich rechtspopulistisches Medium betreibe. Das Blog selbst, bezeichnet sich als "liberal-konservativ". Aber Detlef Esslinger von der SZ weiß sich mit Merz einig: "Unter jedem Beitrag wirbt Tichys Einblick um finanzielle Unterstützung für 'diese Form des Journalismus'. Aber was für ein Journalismus soll das sein: Irgendwelche Autoren sitzen an ihren Laptops, sparen sich die Recherche und schreiben Texte, in denen sie sich von einem Ressentiment zum nächsten hangeln und mit Demokratie und Rechtsstaat spielen." In der FAZ berichtet  Philip Plickert.

Alexander Wallasch spießt bei Tichys Einblick eine Widerstands-Arie des des Spiegel-online-Kolumnisten Georg Diez auf: "Widerstand ist eine Geisteshaltung, die man einüben kann, Widerstand ist etwas, das man in sich trägt und auf einen wartet", seufzte der, nachdem er eine Lesung über Widerständler im Berliner Dom besucht hatte. "Es ist exakt diese Unernsthaftigkeit, diese kindliche Spielerei in kurzer Hose mit Holzgewehr, die den Blick in das Seelenleben des Autors freigibt", schreibt Wallasch dazu.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.07.2018 - Medien

Wolfgang Michal legt auf seinem Blog einen ausführlichen Denkanstoß zur Zensurdebatte vor. Zensur geht faktisch nicht nur vom Staat, sondern auch von Medien und sozialen Netzen aus, schreibt er: "Die gegenwärtige Zensurdebatte müsste daher viel stärker auf die inneren Abhängigkeitsverhältnisse eingehen: bei den Medien auf das Abhängigkeitsverhältnis der journalistischen Mitarbeiter zu ihren jeweiligen Chefredaktionen und Verlagen, bei den sozialen Netzwerken auf das Abhängigkeitsverhältnis der Nutzer zu ihren Diensteanbietern und deren Löschtrupps. Denn nicht nur die 'äußere Zensur', die durch Straf- und Schutzgesetze festgelegt wird, bedarf einer Kritik, auch die 'innere Zensur', die sich aus Abhängigkeitsverhältnissen ergibt. Das ist schon deshalb erforderlich, weil innere und äußere Zensur bisweilen auf undurchsichtige Art kooperieren."
Stichwörter: Zensur

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2018 - Medien

Alice Schwarzer wendet sich auf emma.de gegen den von Laura Lucas bei den Uebermedien vorgebrachten Vorwurf, dass Emma beziehungsweise die Leserschaft der Emma rechts seien (unser Resümee) - eine solche Konstruktion komme nur zustande, weil man Dissidentinnen des Islams wie Necla Kelek oder Seyran Ates schlicht mal der Rechten zurechnet. "Bisher ist Emma leider eine der raren Stimmen in diesem Land, die kritisch über den Missbrauch des Islam und die Lage der Frauen in den islamischen Communitys und Ländern berichten - was schon aus Solidarität mit den demokratischen MuslimInnen geboten ist. Denn sie sind die ersten Opfer der Fundamentalisten; diese rechten Islamisten, mit denen weite Teile der westlichen Linken seit nun bald vierzig Jahren so fatal sympathisieren."

Stefan Koldehoff wirbt bei dlf.de um Verständnis dafür, dass Medien die Geschichte der in einer Höhle eingeschlossenen thailändischen Kinder mit solcher Ausführlichkeit widerspiegeln, während die Flüchtlingsschicksale - so der häufige Vorwurf in den sozialen Medien - kaum beleuchtet werden. Auch Medien lieben Geschichten, die sich als Drama darstellen lassen, mit Helden und Bangen um einen positiven Ausgang so Kodehoff. Die Flüchtlingstragödie bietet so etwas nicht: "Es gibt keine Gesichter, keine Geschichten, keine Bilder - höchstens dann einmal, wenn der Körper eines kleinen Jungen wie des zweijährigen Aylan Kurdi mit rotem Hemd, blauer Hose und Kinderschuhen tot an einen Strand gespült wird. Für diese Kinder gibt es, anders als für die in der Höhle, nicht einmal Hoffnung, denn zum Thema werden sie meist erst, wenn und weil ihr kurzes Leben bereits zu Ende ist. Die Helden, die sie vor dem Tod retten wollen, dürfen mit ihren Schiffen viele Häfen nicht mehr anlaufen. Wenn sie es doch tun, riskieren sie Geldstrafen oder Haft: Europa 2018."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.07.2018 - Medien

Der Medienforscher Leonhard Dobusch, Mitglied im Fernsehrat des ZDF (worüber er bei Netzpolitik eine Kolumne schreibt) erklärt im Interview mit Philipp Bovermann bei sueddeutsche.de, warum er eine Art öffentlich-rechtliches Youtube will, in das einerseits alle Mediatheken eingehen, aber auch Nutzer Inhalte hochladen können - die anders, als er es Youtube vorwirft, nicht nach Sensationswert gelistet würden: "Wie würde dagegen ein öffentlich-rechtlicher Algorithmus die Inhalte sortieren, um eine demokratische, auf dem Prinzip der Vielfalt beruhende Öffentlichkeit zu gestalten? Dieser Frage könnte sich eine 'Internet-Intendanz' widmen." 500 Millionen Euro soll das kosten, so Dobusch, wobei "drei Viertel dieser Mittel ausgeschüttet werden an gemeinnützige Medieninnovation und an Produzenten von öffentlich-rechtlichen Inhalten aus dem Netz. Zum Beispiel, um hochwertige Blogs zu fördern oder Podcasts, die das Angebot des Deutschlandfunks im Netz ergänzen würden."

Teresa Sickert von Dlf Kultur lässt sich von dem amerikanischen Journalismusprofessor Jay Rosen im Interview bestätigen, wie wichtig und brillant die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland sind: "Wenn jetzt in Deutschland, Österreich, Großbritannien oder Australien bestimmte Parteien ihre Pläne durchsetzen können, wird der öffentliche Rundfunk auch hier geschwächt werden. Dann kann man herausfinden, ob die deutsche Demokratie stark genug ist, diesen Attacken zu widerstehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.07.2018 - Medien

In der NZZ verfolgt Rolf Hürzeler etwas perplex, dass der Besitzer der britischen Boulevardzeitung Daily Mail, Jonathan Harmsworth Rothermere, den chauvinistischen Chefredakteur Paul Dacre entlässt, der die Briten erfolgreich zum Brexit gepeitscht hat - und ihn durch den liberalen Georgie Greig ersetzt: "Über die Gründe für diese Rochade lässt sich rätseln: Dacre steht im Pensionsalter, wichtiger aber ist, dass sein radikaler Anti-EU-Kurs im bürgerlichen Establishment zusehends an Rückhalt verliert. Die Wirtschaft fürchtet die Folgen eines 'harten' Brexit ohne freien Marktzugang in Europa. Kommt dazu, dass Rothermere ein europhiler Liberaler ist und manche Lektüre der Mail wohl nur schwer verdauen konnte." Aber: Nichts für ungut!
Stichwörter: Daily Mail, Brexit

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.07.2018 - Medien

(Via turi2) im Gespräch mit Kai-Hinrich Renner im Hamburger Abendblatt fordert die RTL-Chefin Anke Schäferkordt, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender wieder auf "Information, Kultur und Bildung" konzentrieren: "Wenn Sie sehen, dass derzeit Modelle diskutiert werden, die durch eine Indexierung den Anstalten Budgetsicherheit gibt und es ihnen weitgehend überlässt, was sie mit diesem Geld machen, haben wir ein Problem. In den letzten zwanzig Jahren ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk immer mehr in Gebiete vorgedrungen, in denen die Privaten zu Hause sind."

2017 kamen bei den Öffentlich-Rechtlichen Erträge von 7,97 Millionen Euro zusammen, meldet Christian Meier in der Welt - und doch gibt es eine signifikante Zahl von Bürgern, die keinen Beitrag zahlen, deshalb soll es noch in diesem Jahr einen Datenabgleich mit den Einwohnermeldeämtern geben: "Ohne den Abgleich, so das Argument, sehe der Gesetzgeber die Gefahr, dass die Zahl der Wohnungen (die Wohnung ist der Maßstab für einen Beitrag), deren Bewohner nicht für ARD, ZDF und Deutschlandradio zahlen, zu stark ansteigt. Was wiederum zulasten der Allgemeinheit ginge. 'Beitragsgerechtigkeit' ist das Stichwort, das hier gerne fällt."

Außerdem: Der Zeitungsforscher Horst Röper konstatiert im Interview mit Sophia Krause vom Tagesspiegel eine immer stärkere Konzentration auf dem Zeitungsmarkt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2018 - Medien

In einem bemerkenswerten Blogbeitrag antwortet die Redaktion von Libération auf die Frage, warum sie "nur aus Weißen" bestehe, ein Vorwurf, der übrigens unter anderem nach dem Attentat auf Charlie hebdo auch von Ta-Nehisi Coates erhoben wurde. Interessant ist, wie der erste Impuls auf solche Fragen beschrieben wird. Der liege darin zu sagen, dass es "a priori Gründe gibt, diese Frage nicht zu beantworten. Der erste ist, dass Sie Ihre Kollegen nicht nach Hautfarbe sortieren wollen. Zweitens ist es kompliziert, notwendigerweise willkürlich, zu 'klassifizieren'. Was ist ein Weißer? Reicht ein koreanischer Großvater, um auf die Liste der 'Nicht-Weißen' gesetzt zu werden?" Dann gesteht der Beitrag aber selbstkritisch ein, dass Libération selbst bei der Kritik an der Besetzung von Ministerien genauso verfahren sei.... Naja, und dann fängt eben doch an zu klassifizieren. Da sind Nidam Abdi, Bouziane Daoudi. Aber die haben die Redaktion leider vor kurzem verlassen...
Stichwörter: Liberation, Rassismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.07.2018 - Medien

Laura Lucas geht für die uebermedien einem schlimmen Verdacht nach. Könnte es sein, dass Alice Schwarzers Emma "rechts" ist? Um ihre Gesinnungsprüfung wissenschaftlich zu untermauern, lässt Lucas die Twittergefolgschaft der Emma in bunten Wolkendiagrammen algorithmisch durchleuchten, die ihre Diagnose aber letztlich bestätigen. Ja, Emma ist "rechts", oder zumindest hat sie eine rechte Twitter-Gefolgschaft! Am Ende mahnt Lucas: "Die Autorinnen der Emma sollten sich bewusst sein, wem sie mit dieser Art der Berichterstattung in die Hände spielen. Sexualisierte Gewalt zu benennen, Täter zu benennen, ist wichtig. In Zeiten eines sich ausbreitenden Rassismus und der Islamfeindlichkeit ist es jedoch genauso wichtig, Stereotypen entgegen zu arbeiten, die Details anzuschauen."

Der österreichische Innenminister Herbert Kickl von der FPÖ hat investigativen Journalisten in der letzten Woche mit Verfolgung wegen Geheimnisverrats gedroht. Die Chefredakteure österreichischer Medien haben sich danach abgesprochen, parallel in ihren Blättern vor Angriffen auf die Presse- und Meinungsfreiheit zu  warnen, berichtet Peter in der SZ: "Für Esther Mitterstieler vom Magazin News 'stellt sich die Frage, ob wir jetzt ernsthaft Zuständen wie in Polen oder Ungarn entgegensehen.' Im Kurier konstatiert Helmut Brandstätter, 'Journalisten werden unverhohlen bedroht'. In der Presse warnt Rainer Nowak, 'Kickl spielt mit subtilen Drohungen und dem Feuer'. Martin Kotynek erklärt im Standard, 'eine freie Presse ist die Basis für eine starke Demokratie. Nach den Entwicklungen von vergangener Woche ist unklar, ob alle in der Regierung dieses Prinzip verstanden haben.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.06.2018 - Medien

In der taz schildert Anne Haeming die Schwierigkeiten der Medien beim Umgang mit der AfD. In der FAZ informiert Jürg Altwegg über die Neufassung des Auftrags öffentlich-rechtlicher Sender in der Schweiz nach dem glücklich überstandenen Referendum in der Frage.