9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2017 - Medien

Es ist ja schön und gut, dass sich Mark Zuckerberg in seinem vieldiskutierten Manifest (unsere Resümees) starke Medien wünscht, nur sind es Firmen wie Facebook und Google, die die Zeitungen ihres traditionellen Geschäftsmodells beraubt haben, indem sie den Anzeigenmarkt neu organisierten. Das ist zwar an sich nicht böse, findet Steven Waldman in der New York Times. Aber die Giganten könnten sich ja wenigstens bewegt fühlen, über ihre Stiftungen etwas an den investigativen und lokalen Journalismus zurückzugeben: "Wenn die Chefs dieser Firmen nur ein Prozent ihrer Gewinne für fünf Jahre für diese Sache festlegen, könnte sich lokaler Journalismus in Amerika fürs nächste Jahrhundert vorbereiten. Das wären 4,4 Milliarden Dollar, genug  um einen Fonds für lokalen Journalismus zu schaffen. Das Einkommen aus Zinsen betrüge 200 Millionen Dollar im Jahr, mehr als 15 mal so viel wie das aktuelle Stiftungsaufkommen für investigativen Journalismus - und genug für 50 investigative Journalisten in jedem Staat oder die Technikkosten von gemeinnützigen Medien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2017 - Medien

Der Computerlinguist Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz versucht in Zeit online Journalisten die Angst vor Künstlicher Intelligenz zu nehmen. Im Journalismus könne "KI lediglich die Kernkompetenzen unterstützen, aber nicht kreativ ersetzen. Recherchieren, analysieren, schreiben, redigieren gehören dazu. KI liefert Komponenten und Wissenswerkzeuge, unterstützt bei Datenauswertung und Datenaufbereitung. Stichwort digitale Kuratierung... Das Zusammenfassen von Texten hilft, die Relevanz von Inhalten schneller beurteilen zu können. Das automatische Glossar hilft, die Verwendung von Begriffen für sich, aber auch in der Redaktion zu harmonisieren. Das automatische Hyperlinking verbindet Texte mit Quellen und Begriffe mit Beispielen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2017 - Medien

In der Türkei ist der Welt-Korrespondent Deniz Yücel verhaftet worden, meldet seine Zeitung. Laut seinen Anwälten werde gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, wegen Terrorpropaganda und wegen Datenmissbrauchs ermittelt. In anderen Ländern nennt man das schlicht Journalismus: "Yücel hatte zwei Artikel über gehackte Mails geschrieben, die vom Konto von Energieminister Berat Albayrak stammen sollen - der zugleich Erdogans Schwiegersohn ist. Gehackt haben will das Mailkonto eine Gruppe namens Redhack, die in der Türkei als Terrororganisation gilt. Yücels Artikel befassten sich nicht mit Albayraks Privatleben, sondern mit Politik. Und der Journalist hatte sich nicht selber Zugang zu den Mails verschafft: Im ersten Artikel im Oktober zitierte er regierungskritische türkische Medien, die darüber schrieben. Im zweiten Bericht vom Dezember berief er sich auf Wikileaks. Die Organisation hatte die gesammelten Mails zuvor online gestellt."
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Stichwörter: Türkei, Deniz Yücel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.02.2017 - Medien

Sehr im Sinne der Printunternehmen resümieren Matthew Karnitschnig and Chris Spillane in politico.eu (das zum Teil dem Hauptlobbyisten Springer Verlag gehört) die europäischen Debatten um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage: "In den vier Jahren von 2010 bis 2014 sind die Printeinnahmen europäischer Zeitungen und Magazine um 14 Milliarden Euro zurückgegangen, konstatiert eine Studie des Marktforschers PwC. Die digitalen Einnahmen sind in dieser Zeit um 4 Milliarden Euro angestiegen, so dass ein Loch von 10 Millarden Dollar in der Bilanz bleibt. Es wird erwartet, dass diese Lücke in den kommenden Jahren wieter aufspringt. Teil des Problems ist, dass Verleger über Jahre den Inhalt, den sie nun zu schützen suchen, kostenlos hergaben." (Nein, das Problem ist, dass sie dies die ganze Zeit behaupten, obwohl es nicht stimmt, und dass sie das eigentliche Problem, den Verlust der Rubrikenanzeigen, nicht benennen!)

In einem zweiten Artikel stellen die Autoren die wichtigsten Einflussagenten beim Copyright-Thema in Brüssel vor.

In der SZ berichtet Kathrin Hollmer über Dienste wie Blendle, Piqd oder reprtagen.fm (aber nicht den Perlentaucher), die Lesern längere Artikel empfehlen: "Das Kuratieren von Artikeln ist derweil in den vergangenen Jahren zum Geschäftsmodell geworden. Start-ups wie Blendle, Piqd und Pocketstory geben in Newslettern und auf ihren Websites personalisierte Leseempfehlungen samt Begründungen. Finanziert werden sie durch Einzelverkäufe von Paid-Content-Artikeln, Abo-Modelle oder Mitgliedschaften. Wie sehr sich das lohnt, darüber kann man nur spekulieren, denn konkrete Zahlen nennen die Portale nicht."

Ähnlich sieht es Christian Nürnberger bei kress.de, der zwar einerseits in einem rätselhaften Satz behauptet: "Soviel Pressefreiheit wie in Deutschland war in diesem Land noch nie." Aber andrerseits angesichts der gefährdeten Geschäftsmodelle ein Umdenken, auch in der Politik, fordert: "ich höre keinen Bundeskanzler und keinen Bundespräsidenten sagen, dass Qualität Geld kostet, journalistische Qualität für den Bestand der Demokratie lebenswichtig ist und darum von Bürgern irgendwie bezahlt werden muss, notfalls durch Steuern. Sehr viele stolze Journalisten schreien auf, wenn sie das hören. Öffentlich-rechtlich subventioniert werden möchten sie auf keinen Fall. Im Gegenteil, sie möchten auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen am liebsten abschaffen und geben sich der Illusion hin, dass sich schon genügend Leute finden werden, die bereit sind, ihnen ihre Leitartikel, Reportagen, Feuilletons einzeln abzukaufen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2017 - Medien

Im Gespräch mit Marco Bertolaso vom Deutschalndfunk plädiert Günter Wallraff gegen Facebook und für ein  Schulfach "Medienkompetenz": "Da müssen junge Lehrer rein, die computeraffin sind, und die müssen Jugendlichen erst mal zeigen, wie man das Internet wirklich nutzt und Wahnwelten, Fake News unterscheidet von seriösen Nachrichten, auch wieder Zeitung lesen lernen, und zwar vielleicht durch Geschenk-Abos. Vielleicht brauchen wir auch öffentlich-rechtliche Printmedien. Weil wenn das alles weg ist, dann haben wir demnächst auch Politiker à la Trump, die über solche Medien überhaupt gesellschaftsfähig gemacht werden. Ich sehe da höchsten Handlungsbedarf."
Stichwörter: Günter Wallraff

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.02.2017 - Medien

Der MDR gründet das Medienportal Medien360G, offenbar ein weiterer Versuch einer "Public Private Partnership", denn laut Björn Czieslik in turi2 soll das Portal "neben eigenen Beiträgen auch Inhalten von Kooperationspartnern wie dem NDR-Medienmagazin Zapp und Übermedien einen weiteren Ausspielweg bieten will. Das Portal soll einen 'neugierigen Blick auf die sich stetig verändernde Medienwelt werfen' und Orientierung in der digitalen Medienvielfalt leisten, sagt Boris Lochthofen, Direktor des MDR-Landesfunkhauses Thüringen." Bisher hat das Portal, das gestalterisch den Charme eines Behördenwartesaals ausstrahlt, nicht mal einen RSS-Feed und darum wenig Chancen, vom Perlentaucher wahrgenommen zu werden.

Ulrike Simon berichtet in horizont.net vom neuesten Prozess zwischen VG Media und Google um das neue Leistungsschutzrecht. Der Prozess fand allerdings gerade mal beim Landgericht Berlin statt und hat also noch ein paar Instanzen vor sich. Der Richter kritisierte das Gesetz zunächst Mal als "sehr schlecht gemacht", es enthalte "sehr viele Unschärfen und Ungenauigkeiten". Die in der VG Media zusammengeschlossenen Medien hatten sich laut Simon Auskunft über die Höhe der Einnahmen von Google in Deutschland erhofft, "doch stattdessen wurde erneut darüber diskutiert, was das Gesetz meint, wenn darin von 'einzelnen Wörtern' oder 'kleinsten Textausschnitten' die Rede ist, und auch darüber, ob der Gesetzgeber beabsichtigte, Verlagen zu einer Vergütung zu verhelfen oder vielmehr die Funktionsfähigkeit von Suchmaschinen zu erhalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.02.2017 - Medien

Das Spiegel-Cover - Donald Trump köpft die Freiheitsstatue mit blutigem Schwert - macht viel von sich reden. Gezeichnet wurde es von dem aus Kuba stammende Künstler Edel Rodriguez, der 1980 als politischer Flüchtling in die USA gekommen war , erläutert Malte Göbel in der taz. In der Washington Post zitiert Cllum Borchers den Künstler: "Es ist eine Köpfung der Demokratie, die Köpfung eines heiligen Symbols', sagt Rodriguez, denn die Freiheitsstatue stelle die Vereinigten Staaten dar, die die Immigranten willkommen heiße. 'Und klar, zuletzt war es der 'Islamische Staat' der mit Köpfungen assoziiert war, da ist ein Vergleich... Beide Seiten sind Extremisten, darum vergleiche ich sie.'"

Göbel ist in der taz nicht einverstanden mit dem Cover: "Wie will der Spiegel aufmachen, wenn die Lage in den USA weiter eskaliert? (...) Ihren Kopf verloren hat sie ja schon. Und der Spiegel seinen offensichtlich auch." Auch Jochim Güntner sieht das Cover in der NZZ kritisch: "Es geht nicht ums Dürfen. Es geht um die publizistische Kultur und darum, ob der Spiegel gut beraten ist, mit plumpen Botschaften zur Vergiftung des politischen Denkens beizutragen." Güntner zieht das weniger brachiale Cover des New Yorker mit der verlöschenden Fackel der Freiheit vor. Streng auch Detlef Essinger in der SZ: "Wer sein Publikum mit Klötzen wie IS und Hitler zustellt, der hat keine Kapazitäten mehr, um sich gegen Trumps Bausteine zu wappnen. Er geht dessen Medientricks immer von Neuem auf den Leim. Gleichsetzungen und Dämonisierungen erleichtern ihm sogar das Handwerk." Mehr bei der Berliner Zeitung.
Stichwörter: Der Spiegel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.02.2017 - Medien

Mit der Aktion "Kein Geld für Rechts" versucht der Werbestratege Gerald Hensel, rechtsgerichteten Onlinemedien das werbefinanzierte Standbein wegzuschlagen. Henryk Broder, der auf dem betroffenen Blog Die Achse des Guten schreibt, verglich die Aktion mit den Boykottaufrufen der Nazis gegen jüdische Geschäfte. In der NZZ fasst Joachim Güntner die Debatte zusammen und plädiert gegen den Einsatz von Werbeanzeigen als Waffe: "Es kann kein allgemeingültiges Prinzip sein, Organe, deren Meinungen einem nicht passen, vernichten zu wollen, statt ihnen mit Gegenmeinungen zu begegnen. Dem menschenfeindlichen Extremismus die Existenzgrundlage zu entziehen, ist Sache des Rechtsstaats. Der Bürger kann und sollte Stellung beziehen - im Idealfall auf zivilisierte Weise. Das würde schon reichen."

Der Kampf gegen Fake News wird nicht auf Facebook, sondern im Klassenzimmer gewonnen, meint der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski im Tagesspiegel. Es brauche eine Medienbildung, die Schüler "befähigt, souverän zwischen dem zu unterscheiden, was wahr und falsch, was wichtig und belanglos ist. Didaktisierungen sind ohne viel Technik vorstellbar und können mit der guten alten Interpretationsübung beginnen: Welche dieser Meldungen sind falsch und warum? Welche Beiträge im Kommentarteil gehen völlig am Argument des Artikels vorbei? Das übergeordnete Erkenntnisziel aber muss ein Verständnis dafür sein, wie die neuen Medien scheinbar unaufhaltsam unsere Gesellschaft verändern."

Nachdem Trump und Brexit der New York Times und dem Guardian beträchtliche Leserzuwächse beschert haben (siehe unser 9Punkt von gestern), hofft nun auch die taz von der schlechten Weltlage zu profitieren, bekennt Andreas Bull: "Für das Verfolgen dramatischer Ereignisse genügt den Lesewilligen zunehmend der schnelle Blick ins Internet. Und zum schnöden Nachrichtenkonsum mag das ja auch ausreichen. Aber das politische und gesellschaftliche Klima ist 2017 ein anderes geworden. Es ist höchste Zeit zu intervenieren. Im März wird im Saarland ein neuer Landtag gewählt und in den Niederlanden ein neues Parlament. Im Mai sind Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sowie Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Im September schließlich Bundestagswahlen. Und nicht zu vergessen: Donald Trump sitzt im Weißen Haus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.02.2017 - Medien

Trump rettet die New York Times, wenn auch kaum absichtlich, meldet Alexander Becker in Meedia. Die Zahl der zahlenden Online-Leser wächst sprunghaft: "In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres überzeugten die New Yorker 276.000 Neukunden. Im dritten Quartal waren es noch 116.000 und im Q2 lediglich 51.000. Insgesamt kommt die NYT nun auf rund 1,6 Millionen digital-only Abonnenten." Ähnliche Auswirkungen scheint der Brexit auf den Guardian zu haben. Laut Digiday ist die Zahl der "zahlenden Mitlgieder" von 15.000 auf 200.000 gestiegen.

Das Zeit-Magazin stellt eine große Reportage von Özlem Topçu über die türkische Zeitung Cumhuriyet online: "Der Druck auf ihre Mitarbeiter lässt nicht nach. Er steigt mit jedem Tag. Auch finanziell: Kaum eine Firma traut sich noch, Anzeigen zu schalten. Die Republik ist mittlerweile das einzige Printmedium von Belang, das kritischen Journalismus macht. Es heißt, dass die AKP-Regierung von Präsident Erdoğan mittlerweile 70 Prozent der Medien direkt kontrolliere."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.02.2017 - Medien

Der Begriff "Fake News" dient als Passepartout zur Erklärung aller nicht so ohne weiteres erklärbaren Ereignisse. Jacob L. Nelson stellt nun in der Columbia Journlism Review eine erste systematische medienwissenschaftliche Untersuchung zum Thema vor. Die Ergebnisse erstaunen: "Erstens ist das Publikum für Fake News klein verglichen zum Publikum realer Nachrichten - zehn mal so klein im Durchschnitt... Auch haben wir herausgefunden, dass das Fake-News-Publikum nicht in einer Filterblase lebt. Besucher von Fake-News-Medien besuchten Medien mit realen Nachrichten genaus so oft wie die Nutzer realer Nachrichten. Manchmal besuchten die Fake-News-Nutzer die realen News-Seiten sogar häufiger: Zum Beispiel besuchten 56 Prozent der Nutzer von Infowar im Oktober die New York Times, während nur 40 Prozent der Washington-Post-Nutzer dies taten."
Stichwörter: Fake News
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