9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.01.2024. Die Russen verhalten sich wie Sklaven, die die Größe ihres Herren anbeten, notiert ein deprimierter Michail Schischkin im Gespräch mit der Welt. Was bei den Demos gegen die AfD viel zu wenig zur Sprache kam, ist, wer der eigentliche Pate des Rechtsextremismus in Europa ist, nämlich Wladimir Putin, meint Richard Herzinger in seinem Blog. In Polen werden jetzt auch die superrepressiven Abtreibungsgesetze der Kaczynski-Regierung geschleift, freut sich hpd.de.
29.01.2024. Die Welt notiert, wie sehr die Hamas davon profitiert, im Gegensatz zu Israel die Menschenrechtskonvention nicht unterzeichnet zu haben. Deutsche Menschenrechtler haben Strafanzeige gegen protürkische Milizenführer in Syrien erstattet, die sich mittels gezielter Vertreibungen, Folterungen und Erpressung bereichern, berichtet die taz. Netzpolitik bedauert den Abgang des Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber.
27.01.2024. Wir sind verdammt dazu, mit der Hamas zu verhandeln, sagt David Grossman in der FAS. Derweil warnt der Internationale Gerichtshof vor einem Völkermord in Gaza - der Hamas gefällt das, weiß die Welt. Ebenfalls in der FAS fragt Michel Friedman, ob die "oft beschworene Erinnerungskultur" in Deutschland überhaupt stattfindet. Der Kampf gegen Antisemitismus im deutschen Kulturbetrieb werde immer "woker", klagt Deniz Yücel in der Welt. In der FR skizziert der Historiker Jens-Christian Wagner, wie die AfD das Tabu bricht, als Nazi zu gelten. Die Hürden für ein AfD-Verbot sind niedriger als angenommen, meint der der Verfassungsrechtler Andreas Fischer-Lescano in der taz.
26.01.2024. In der Welt fürchtet der Politikwissenschaftler Asiem El Difraoui die Entstehung dschihadistischer Emirate in der Sahelzone. In Italien ist der Antisemitismus so stark geworden, dass man das Erinnern am Holocaust-Gedenktag lieber den Nichtjuden überlassen möchte, berichtet die FAZ. Der Tagesspiegel zählt die zerstörten Kulturstätten in Gaza. Der Dlf berichtet, wie bei den Corona-Hilfen in der Kulturbranche getrickst wurde. In der SZ konstatiert der Soziologe Hartmut Rosa eine Ablehnung der Leitmedien auch im akademischen Milieu.
25.01.2024. Zeit und SZ lernen in Polen, wie schwierig es ist, ein illiberales System mit legalen Mitteln zurückzu bauen. Bei Spon warnt Sascha Lobo davor, Rechte und Konservative in einen Topf zu werfen. Die Linke braucht einen Plan, erkennt der Journalist Vincent Bevins, der über erfolgreiche Demonstrationen hinaus reicht. Im Tagesspiegel begrüßt Meron Mendel das vorzeitige Aus für die Berliner Antidiskriminierungsklausel, fordert aber mehr Widerstand gegen BDS in den Kulturinstitutionen.
24.01.2024. Im Spiegel fordert Aleida Assmann, die Erinnerung an die Nakba in der deutschen Erinnerungskultur zu verankern. Im Guardian skizziert Timothy Garton Ash, wie schwierig es für Donald Tusk ist, die Demokratie in Polen wiederherzustellen. Demokratien sind "uns nicht von Natur aus gegeben", meint indes Timothy Snyder, der auf Zeit Online daran erinnert, dass wir auch an die Rechtsstaatlichkeit glauben müssen. Ebenfalls auf Zeit Online fragt Vanessa Vu, warum so wenige Stimmen von Migranten bei den Anti-AfD-Protesten zu hören waren. FAZ und taz denken weiterhin über Für und Wider der Antidiskriminierungsklausel nach.
23.01.2024. Die Proteste am Wochenende galten nicht nur der AfD, sondern dem Rechtsruck, sagt Luisa Neubauer in der taz. Der "Antifaschismus" der Proteste ist wohlfeil, meint Thomas Schmid in der Welt. Der Berliner Kultursenator Joe Chialo lässt die Antidiskriminierungsklausel fallen, melden die Zeitungen. In der FAZ schreibt Dan Diner über die Gründung Israels. In der FR erklärt Christoph Menke, warum die Hamas nicht von Freiheit reden kann.
22.01.2024. "Da hat sich etwas ein Ventil gesucht", resümiert die taz nach den riesigen Demos am Wochenende, aber was genau? Viel kommt darauf an, wie lange Xi Jinping und Putin noch leben, sagt Russlandexperte Alexander Gabujew in der NZZ: je länger, desto enger die russisch-chinesische Freundschaft. Fania Oz-Salzberger zeichnet auf Twitter einen radikalen Stimmungsumschwung in Israel nach dem 7. Oktober nach. Joe Biden reagiert auf Twitter humorvoll auf Donald Trumps Aussetzer.
20.01.2024. Die Bilder aus Hamburg und anderen Städten sind beeindruckend: Endlich wird gegen Rechtsextremismus demonstriert, freut sich die taz: "Es geht um die Frage, auf welcher Seite man steht." Auch der Rabbiner Pinchas Goldschmid, der aus Moskau emigriert ist und den Karlspreis bekommen wird, bekennt laut der Jüdischen Allgemeinen seinen Stolz, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Viel diskutiert wird über das neue deutsche Staatsbürgerschaftsrecht - die FAZ ist kritisch, der Tagesspiegel freut sich. Und Joschka Fischer redet in der Augsburger Allgemeinen Klartext über Israel und über Deutschland.
19.01.2024. In der SZ prangert eine desillusionierte Eva Illouz die Beschönigungen linker Autorinnen wie Judith Butler an. In Debatte um Migration und Klimawandel wird der Elefant im Raum meist beschwiegen, meint Daniele Dell'Agli im Perlentaucher: die Demografie. Miriam Rürup im Tagesspiegel und Ronen Steinke in der Jüdischen Allgemeinen plädieren für ein Verbot der AfD. In der Welt gratuliert Viktor Jerofejew dem "Pionier der kommunistischen Dummheit" Wladimir Iljitsch Lenin zum hundertsten Todestag.