9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
10.02.2024. Im Guardian denkt Daniel Levin über eine Konföderation zwischen Israelis und Palästinensern nach. In der FR glaubt Frank Sieren an eine neue Ära in China, in der eine wirtschaftliche Bürgerbewegung mehr mitbestimmt. Es sind "Phantomschmerzen" über den Verlust von Großungarn, der die Ungarn weiter auf Viktor Orban setzen lässt, glaubt Richard Swartz in der NZZ. Bei muslimischem Antisemitismus schaut die Bundesregierung lieber weg, ärgert sich Güner Yasemin Balci, Integrationsbeauftragte in Neukölln, in der SZ. Und der Standard skizziert die Hetzjagd auf Alexandra Föderl-Schmid.
09.02.2024. Die Ruhrbarone und die taz erinnern die Anti-Rechts-Demonstranten: "Nie wieder ist jetzt" schließt auch den Kampf gegen Antisemitismus mit ein. Auf Spon beklagt Ece Temelkuran derweil eine "Ausgrenzung der dunkleren Gesichter" bei den Demos. Die FAZ ruft jenen, die Deutschland boykottieren wollen, zu: Nicht Palästinenser, sondern Juden werden in der deutschen Hauptstadt krankenhausreif geprügelt. Zeit Online erkennt in der arabischen Berichterstattung über den Nahostkonflikt einen ideologischen Riss. Der Guardian diskutiert über ein AfD-Verbot. Und die Zeitungen verabschieden sich von Alfred Grosser.
08.02.2024. Die Zeit erzählt, wie in Russland per neuem Bildungsgesetz schon die Allerjüngsten indoktriniert werden. Ebenfalls in der Zeit erklären die polnischen Intellektuellen Karolina Wigura und Jarosław Kuisz, warum "Souveränität" für Polen etwas anderes bedeutet als für Deutschland. Die SZ glaubt, dass man in Ostdeutschland mehr Mut braucht, um gegen die AfD zu protestieren. Vor Nayib Bukele, der jüngst die Grundrechte in El Salvador aushebelte, ist niemand sicher, konstatiert die NZZ. Alfred Grosser ist gestorben, meldet Le Monde.
07.02.2024. Im Guardian fordert Timothy Garton Ash Europa auf, über atomare Aufrüstung nachzudenken. Die taz ermahnt die Linke, an einer Israel-Kritik zu arbeiten, die ohne Antisemitismus auskommt. TikTok ist ein Nährboden für Judenhass und Terrorpropaganda, entnimmt die FAZ einem Report der Bildungsstätte Anne Frank. Die Welt sorgt sich um das Betriebsklima in der SZ. Die SZ fürchtet derweil, dass Benjamin Netanjahu eine "schleichende" neue Nakba plant.
06.02.2024. Wer die Palästinenser von "deutscher Schuld" befreien will, hat die Geschichte nicht verstanden, sagt der Historiker Moshe Zimmermann in der FR. Die Jüdische Allgemeine erkennt Gemeinsamkeiten zwischen AfD und dem Bündnis Sahra Wagenknecht, vor allem wenn es um den Holocaust oder Russland geht. Antisemitische Straftaten von Muslimen werden vom Bundeskriminalamt häufig Rechtsextremisten zugeordnet, schreibt die NZZ. In Russland lebt der Leninismus weiter, fürchtet Richard Herzinger im Perlentaucher. Wenn die Boomer gehen, kommt die Kehrwoche zurück, glaubt Heinz Bude in der Welt.
05.02.2024. Europa hätte auch ganz allein die Mittel, sich Russland entgegenzustellen, mahnt der Osteuropahistoriker Martin Schulze Wessel in der FAZ, es muss nur wollen. Glaubt man der FAS, ist Deutschland aber nur bedingt abwehrbereit. Die SZ fragt, was das AfD-Programm zum Thema Frauen zu bieten hat und wendet sich mit Grausen ab. Die Abhöraktion gegen die eigene Redaktion war total richtig, insistiert die SZ in eigener Sache. In Berlin kam es laut Jüdischer Allgemeiner zu einer antisemitischen Attacke gegen einen Studenten. In Zeit Online spricht Jewgenija Kara-Mursa über die drakonischen Haftbedingungen ihres Mannes Wladimir Kara-Mursa.
03.02.2024. Scharf prangert Zeruya Shalev in der SZ die Mitverantwortung der Regierung Netanjahu am Möglichwerden des 7. Oktober an. Die taz staunt, wie leicht gerade die Kulturszene auf quasi faschistische Narrative hereinfällt. 54books lotet die Krise des Kulturjournalismus aus. Der Medieninsider deckt auf: Wer bei der Süddeutschen arbeitet, arbeitet bei Big Brother, auch die "Reporter ohne Grenzen" sind bestürzt.
02.02.2024. Alle sind erleichtert, dass Viktor Orban vor der EU kleinbeigeben musste: die hat hier erfolgreich ihre Stärke demonstriert, meint die FAZ. Orban wurde klar, dass er sonst niemanden hat, freut sich die SZ. Sofi Oksanen prangert die sexualisierte Gewalt der russischen Armee an: bis vor ein paar Jahren wollte ihr auch in Deutschland niemand zuhören, erzählt sie der Zeit. Michail Schischkin erklärt in der Welt, warum man Russland vor Putin retten muss. Die Debatte um Umverteilung wird leider wieder mal von rechts bestimmt, konstatiert Linus Westheuser auf Zeit Online.
01.02.2024. Die Zeit der Geheimbündelei ist vorbei. In ihren neuesten Schriften tritt die extreme Rechte offen und aggressiv an, beobachtet die Zeit. Die Parole "From the River to the Sea" ist "nicht per se" antisemitisch, findet geschichtedergegenwart.ch. FAZ und taz diskutieren über die Proteste gegen die AfD und die Frage, was sie mit der Partei machen. Russland schikaniert Regimegegner nun auch noch mit der Enteignung von Besitztümern, berichtet die NZZ.
31.01.2024. Der 7. Oktober dominiert nach wie vor die Debatten. Und er stellt auch das Gedenken an den Holocaust in ein neues Licht, meinen Josef Schuster in der Jüdischen Allgemeinen und Rachel Salamander in ihrer Rede zum Moses-Mendelssohn-Preis. Auch die Nähe der auch von Deutschland finanzierten UNRWA zur Hamas ist weiter Debattenthema. Atlantic prangert die totalitären Fantasien von Techno-Königen wie Mark Zuckerberg und Elon Musk an.