9punkt - Die Debattenrundschau
Heute ändern sich die Spielregeln
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.06.2024. In der NZZ wirft der Soziologe Gilles Kepel Europa vor, den Islamismus zu lange toleriert zu haben. In der FAZ hat der Menschenrechtler Oleg Orlow den Glauben an die russische Zivilgesellschaft noch nicht verloren: Immerhin leisten noch mehr Menschen Widerstand als zu spätsowjetischen Zeiten. Der Kapitalismus ist Schuld, dass sich die progressive Linke als Opfer sieht, meint Eva Illouz in der SZ. Ebenfalls in der FAZ denkt der Demokratieforscher Torben Lütjen über die polarisierte USA nach. FR und SZ gratulieren Jürgen Habermas zum 95.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
18.06.2024
finden Sie hier
Ideen
Lucien Scherrer besucht für die NZZ in Paris den Soziologen Gilles Kepel, der aus dem Fenster seines Büros in der École Normale Supérieure auf das propalästinensische Zeltlager in der Rue d'Ulm geblickt hat, bevor die Polizei das Lager räumte. Kepel hat gerade seine Autobiografie "Prophète en son pays" und ein Buch zum Hamas-Massaker am 7. Oktober, "Holocaustes. Israël, Gaza et la guerre contre l'Occident", veröffentlicht. Er kann das woke schwarz-weiß-Denken nicht ausstehen, ist aber auch ein scharfer Kritiker der Regierung Netanjahu, der er vorwirft, die Hamas gepäppelt zu haben und in Gaza einen Holocaust zu veranstalten. Am meisten Sorgen macht ihm jedoch die Situation in Europa im allgemeinen und Frankreich im besonderen, wo die Islamisten viel zu lange toleriert worden seien: "Man hätte deutlich machen können, dass sich die islamische Welt nicht auf den Islamismus beschränkt. Dass es modernistische Philosophen wie Ibn Rushd gibt, die von den Religiösen verdrängt wurden im islamischen Raum. In einigen Büchern habe ich erklärt, dass Europa eine Chance hatte, eine andere muslimische Welt aufblühen zu lassen, die nicht von Diktatoren und von Imamen kontrolliert wird. Das war illusorisch: Unsere Politiker haben es vorgezogen, die Islamisten gewähren zu lassen, die hier anders als in arabischen Staaten alle Freiheiten besitzen. Heute ist es einfacher, in Frankreich Islamist zu sein als in Saudiarabien. Hier gab es Wissensdefizite, eine Ausgrenzung dessen, was Leute wie ich gemacht haben. Dafür hat man Leute wie François Burgat gefördert, die Forschung zum Islamismus als islamophob betrachten."
Außerdem: In der Welt sieht Ayaan Hirsi Ali den Westen auf dem Weg in die Unterwerfung.
Auch Marlene Knobloch (SZ) ist nach Paris gereist. Sie hat Eva Illouz besucht und mit ihr über die Irrwege der heutigen Linken gesprochen. Illouz betont die antidemokratischen Tendenzen im linken Diskurs, die sie vor allem an Judith Butlers radikalem Diskurs festmacht, und kritisiert, dass sich die Linke den Logiken des Kapitalismus unterworfen und damit ihre utopische Kraft verloren habe: "Für sie habe die progressive Linke zu lang darauf beharrt, als Opfer gesehen zu werden. Und die Gleichheit in allen Bereichen zu suchen. Warum arbeiten gerade so viele Kräfte gegeneinander? Warum hat man bei jedem Konflikt gerade das Gefühl, am Ende bleiben nur Verlierer? Illouz hat sofort eine fast altmodisch marxistische Antwort: Der Kapitalismus. Verwundetsein zahle sich in der heutigen Gesellschaft aus. 'Die viralsten Posts sind die wütendsten, die, in denen man sich verwundet zeigt. Wunden sind eine eindrucksvolle Ware.'"
Jürgen Habermas wird 95 Jahre alt. Die Feuilletons (und wir) gratulieren. In der FR verneigt sich Arno Widmann vor dem Geist und der Vitalität des Philosophen: "Zu seinem neunzigsten Geburtstag beschenkte Habermas sich und ich weiß nicht wie viele Leser mit den zwei Bänden von 'Auch eine Geschichte der Philosophie'. 2300 Seiten haben die Erörterungen zur Evolution des abendländischen - 'okzidentalen', schreibt Habermas - Verhältnisses von Glauben und Wissen. In seinem Vorwort erklärt er, dass er eigentlich auch hätte eingehen müssen auf die immer wieder sich einstellende Differenz zwischen jenen, die in Philosophie und Sozialwissenschaften von den Intentionen der einzelnen Subjekte ausgehen, und jenen, für die die 'intersubjektiv geteilten Symbol- und Regelsysteme' an erster Stelle stehen - 'dafür aber reichen meine Kräfte nicht aus'. Der Leser lächelt. Schließlich weiß er, dass noch 2282 von Habermas geschriebene Seiten auf ihn warten. Dafür reichten seine Kräfte!"
In der SZ gratuliert Reinhard Merkel seinem Kollegen. Und im Interview spricht der Kulturhistoriker Philipp Felsch, der gerade ein Buch über Jürgen Habermas geschrieben hat, über das politische Denken des Philosophen. Habermas finde es beunruhigend, dass ein von Carl Schmitt geprägter "Begriff wie Feindschaft" die öffentlichen Debatten über den Krieg in der Ukraine und die deutsche Politik bestimmt und damit Kriegsbegeisterung schürt. Naiv sei Habermas nicht, meint Felsch, Krieg sei auch für den Philosophen in bestimmten Situationen unvermeidlich, aber nur als Polizei-Aktion, wie beispielsweise 1999 im Kosovo: "Es geht nicht um die Bekämpfung eines Feindes, sondern um die Bestrafung eines Verbrechers, eines Akteurs also, der gegen die universalen Normen des Völkerrechts verstoßen hat. Für Carl Schmitt, den berüchtigten 'Kronjuristen des Dritten Reichs', wäre das unvorstellbar gewesen. Bei Schmitt ist Feindschaft die grundlegende politische Idee."
Außerdem: In der Welt sieht Ayaan Hirsi Ali den Westen auf dem Weg in die Unterwerfung.
Auch Marlene Knobloch (SZ) ist nach Paris gereist. Sie hat Eva Illouz besucht und mit ihr über die Irrwege der heutigen Linken gesprochen. Illouz betont die antidemokratischen Tendenzen im linken Diskurs, die sie vor allem an Judith Butlers radikalem Diskurs festmacht, und kritisiert, dass sich die Linke den Logiken des Kapitalismus unterworfen und damit ihre utopische Kraft verloren habe: "Für sie habe die progressive Linke zu lang darauf beharrt, als Opfer gesehen zu werden. Und die Gleichheit in allen Bereichen zu suchen. Warum arbeiten gerade so viele Kräfte gegeneinander? Warum hat man bei jedem Konflikt gerade das Gefühl, am Ende bleiben nur Verlierer? Illouz hat sofort eine fast altmodisch marxistische Antwort: Der Kapitalismus. Verwundetsein zahle sich in der heutigen Gesellschaft aus. 'Die viralsten Posts sind die wütendsten, die, in denen man sich verwundet zeigt. Wunden sind eine eindrucksvolle Ware.'"
Jürgen Habermas wird 95 Jahre alt. Die Feuilletons (und wir) gratulieren. In der FR verneigt sich Arno Widmann vor dem Geist und der Vitalität des Philosophen: "Zu seinem neunzigsten Geburtstag beschenkte Habermas sich und ich weiß nicht wie viele Leser mit den zwei Bänden von 'Auch eine Geschichte der Philosophie'. 2300 Seiten haben die Erörterungen zur Evolution des abendländischen - 'okzidentalen', schreibt Habermas - Verhältnisses von Glauben und Wissen. In seinem Vorwort erklärt er, dass er eigentlich auch hätte eingehen müssen auf die immer wieder sich einstellende Differenz zwischen jenen, die in Philosophie und Sozialwissenschaften von den Intentionen der einzelnen Subjekte ausgehen, und jenen, für die die 'intersubjektiv geteilten Symbol- und Regelsysteme' an erster Stelle stehen - 'dafür aber reichen meine Kräfte nicht aus'. Der Leser lächelt. Schließlich weiß er, dass noch 2282 von Habermas geschriebene Seiten auf ihn warten. Dafür reichten seine Kräfte!"
In der SZ gratuliert Reinhard Merkel seinem Kollegen. Und im Interview spricht der Kulturhistoriker Philipp Felsch, der gerade ein Buch über Jürgen Habermas geschrieben hat, über das politische Denken des Philosophen. Habermas finde es beunruhigend, dass ein von Carl Schmitt geprägter "Begriff wie Feindschaft" die öffentlichen Debatten über den Krieg in der Ukraine und die deutsche Politik bestimmt und damit Kriegsbegeisterung schürt. Naiv sei Habermas nicht, meint Felsch, Krieg sei auch für den Philosophen in bestimmten Situationen unvermeidlich, aber nur als Polizei-Aktion, wie beispielsweise 1999 im Kosovo: "Es geht nicht um die Bekämpfung eines Feindes, sondern um die Bestrafung eines Verbrechers, eines Akteurs also, der gegen die universalen Normen des Völkerrechts verstoßen hat. Für Carl Schmitt, den berüchtigten 'Kronjuristen des Dritten Reichs', wäre das unvorstellbar gewesen. Bei Schmitt ist Feindschaft die grundlegende politische Idee."
Politik
In der FAZ denkt der Demokratieforscher Torben Lütjen mit Blick auf die USA darüber nach, ob der Begriff der Polarisierung noch geeignet ist, die Kluft zwischen Demokraten und Republikanern zu beschreiben. Er zieht aber in jedem Fall die Spaltung dem "großen Konsens der Fünfziger- und Sechzigerjahre" vor, denn der "verdankte sich schließlich der Tatsache, dass beide Parteien in überparteilicher Harmonie nichts taten, um die faktische Rassentrennung im Süden der USA zu überwinden. Erst als der liberale Flügel der Demokraten sich innerparteilich durchsetzte und diese große Schande Amerikas ins Visier nahm, zerbrach der Konsens, der eben nicht gesund, sondern faul war. In der Folge sortierten sich die Parteien neu, wechselte der konservative Süden die Seiten und begann, republikanisch zu wählen. Erst jetzt unterschieden sich beide Parteien weltanschaulich deutlich, und 'race' wurde zur entscheidenden Konfliktlinie der amerikanischen Politik. Dies war der erste und entscheidende Schritt zur Polarisierung der Gegenwart: Und wer wollte ihn heute, um einer falsch verstandenen Harmonie willen, rückgängig machen?"
Derweil zeichnet der amerikanische, in Berlin lebende Journalist Paul Hockenos in der taz den Rechtsruck der Republikaner seit Ronald Reagan bis zu ihrer finalen "Selbstzerstörung" durch Trump nach: "In den 1990er Jahren beschleunigte sich der Rechtsruck der Republikaner, es setzte sich eine Logik durch, die es den Rechten in der Partei ermöglichte, sich gegenseitig in ihrer Radikalität zu übertreffen. Gemäßigte Kollegen mussten sich gegen den Vorwurf wehren, liberale Kompromissler zu sein; die Treue zu einer immer extremeren Ideologie wurde zur Nagelprobe des Republikanismus. Von Reagan bis zur Tea-Party-Bewegung der späten 2000er Jahre schlug ein 'aufrührerischer Konservatismus' Wurzeln. Laut Kritiker Fintan O'Toole wurde der 'gewalttätige Hass auf die Regierung zu einer Regierungsagenda'. Der heimtückische Rassismus, der die Partei der Oberschicht lange Zeit begleitet hatte, spiegelte sich in der Verunglimpfung jeglicher Sozialpolitik, der Affirmative Action, der fortschrittlichen Wohnungs- und Bildungspolitik und den Kompromissen mit den Demokraten durch die radikale Basis wider. Die Illusion der Republikaner, so O'Toole, war, dass sie diesen Aufstand an der Basis kontrollieren könnten."
Derweil zeichnet der amerikanische, in Berlin lebende Journalist Paul Hockenos in der taz den Rechtsruck der Republikaner seit Ronald Reagan bis zu ihrer finalen "Selbstzerstörung" durch Trump nach: "In den 1990er Jahren beschleunigte sich der Rechtsruck der Republikaner, es setzte sich eine Logik durch, die es den Rechten in der Partei ermöglichte, sich gegenseitig in ihrer Radikalität zu übertreffen. Gemäßigte Kollegen mussten sich gegen den Vorwurf wehren, liberale Kompromissler zu sein; die Treue zu einer immer extremeren Ideologie wurde zur Nagelprobe des Republikanismus. Von Reagan bis zur Tea-Party-Bewegung der späten 2000er Jahre schlug ein 'aufrührerischer Konservatismus' Wurzeln. Laut Kritiker Fintan O'Toole wurde der 'gewalttätige Hass auf die Regierung zu einer Regierungsagenda'. Der heimtückische Rassismus, der die Partei der Oberschicht lange Zeit begleitet hatte, spiegelte sich in der Verunglimpfung jeglicher Sozialpolitik, der Affirmative Action, der fortschrittlichen Wohnungs- und Bildungspolitik und den Kompromissen mit den Demokraten durch die radikale Basis wider. Die Illusion der Republikaner, so O'Toole, war, dass sie diesen Aufstand an der Basis kontrollieren könnten."
Europa
Die Hoffnung, dass in Russland eine Veränderung in Gang kommt, wenn der "Diktator abtritt oder die Eliten sich spalten", will der zu zweieinhalb Jahren Straflager verurteilte Menschenrechtler Oleg Orlow im FAZ-Gespräch mit dem russischen Exiljournalisten Philipp Dzyadko nicht aufgeben. Ganz hat er den Glauben in den russischen Widerstand auch noch nicht verloren: "Die Leute werden genötigt, sich konformistisch zu verhalten. Andernfalls bringt man sich in Gefahr - das war in der spätsowjetischen Zeit genauso wie heute. In der Stalin-Ära ging es um mehr, man musste mit dem Regime verschmelzen, um zu überleben. Und in Putins Russland ist es heute - noch - nicht so wie in Ramsan Kadyrows Tschetschenien, wo man pausenlos seine Unterstützung für das Regime zum Ausdruck bringen muss. Doch in der späten Sowjetunion gab es feste Spielregeln. Heute ändern sich die Regeln ständig zum Schlechteren. Dafür leisten mehr Leute Widerstand. Wir sind zahlreicher als die Dissidentenbewegung. Und man muss nicht mehr heimlich Samisdat- und Tamisdat-Texte weitergeben."
Im Gespräch mit der taz wirft Luisa Neubauer nicht nur Opposition und FDP "antiökologischen Populismus" vor, sondern bezichtigt auch die Medien "evidenzlose, ausgedachte Thesen" zu verbreiten, etwa wenn mit Blick auf die Europawahl behauptet werde, die Jugend interessiere sich nicht mehr für Klimaschutz: "Die Qualität demokratischer Prozesse bestimmt ganz massiv, wie erfolgreich wir in Sachen Klimaschutz sein werden. Klimaschutz und Demokratieschutz überhaupt auseinander zu denken, ist ein großer Fehler." Sie wünschte, die Medien würden sich verpflichten, "die Klimarealität mit ins Zentrum des eigenen Schaffens zu stellen. ... Man würde anfangen, konsequent zu intervenieren, wenn die Politik Klimaleugnung oder -verdrängung verbreitet. Man würde aufhören, eine Realität zu simulieren, in der das Klima auf uns wartet, wenn wir gerade keine Zeit haben."
Im Gespräch mit der taz wirft Luisa Neubauer nicht nur Opposition und FDP "antiökologischen Populismus" vor, sondern bezichtigt auch die Medien "evidenzlose, ausgedachte Thesen" zu verbreiten, etwa wenn mit Blick auf die Europawahl behauptet werde, die Jugend interessiere sich nicht mehr für Klimaschutz: "Die Qualität demokratischer Prozesse bestimmt ganz massiv, wie erfolgreich wir in Sachen Klimaschutz sein werden. Klimaschutz und Demokratieschutz überhaupt auseinander zu denken, ist ein großer Fehler." Sie wünschte, die Medien würden sich verpflichten, "die Klimarealität mit ins Zentrum des eigenen Schaffens zu stellen. ... Man würde anfangen, konsequent zu intervenieren, wenn die Politik Klimaleugnung oder -verdrängung verbreitet. Man würde aufhören, eine Realität zu simulieren, in der das Klima auf uns wartet, wenn wir gerade keine Zeit haben."
Gesellschaft
Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat ihre Staatssekretärin Sabine Döring entlassen, weil diese mutmaßlich die Untersuchung der wissenschaftlichen Fördermittel für die Unterzeichner eines offenen Briefs beauftragt hat, die die Räumung der FU Berlin von propalästinensischen Besetzern kritisiert hatten. (Unsere Resümees) In der taz beschäftigt sich ein fünfköpfiges Redakteursteam mit dem Fall - und fragt, ob Döring nicht nur ein "Bauernopfer" ist: "Vor allem ... in der Wissenschaft hat Stark-Watzinger keinen allzu guten Stand: Ihre Versprechen beispielsweise an Nachwuchsforscher, die prekären Arbeitsbedingungen zu verbessern, konnte sie nicht wirklich einlösen. Im Gegenteil: In der Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ging sie vor allem auf die Wünsche der Hochschulen ein, die sich gegen zu viele Dauerstellen wehren. Dass Stark-Watzinger nun anscheinend Förderzusagen für Forscher abhängig von deren Meinungsäußerungen machen wollte, stößt dort natürlich auf besonders harsche Kritik".
In der NZZ warnt Oliver Maksan die Kritiker von Döring und Stark-Watzinger davor, zu überziehen. "Ein Prüfauftrag ist ein Prüfauftrag. Außer dem entstandenen Eindruck ist kein Schaden entstanden. Zudem drängt sich der Eindruck auf, dass in der akademischen und politischen Klasse mit zweierlei Maß gemessen wird. Geraldine Rauch, die Präsidentin der Technischen Universität, die eindeutig antisemitische Posts in den sozialen Netzwerken geliket hat, konnte sich jetzt mit viel Schlauheit im Amt halten. Eine Staatssekretärin hingegen, die möglicherweise im Übereifer gehandelt hat, muss gehen. Auch in der Bundesregierung häuften sich zuletzt kritikwürdige Anlässe, die aber ohne jegliche Konsequenzen blieben." Die Welt stellt die Wissenschaftlerin Döring vor und liest sich durch deren Twitteraccount.
Weitere Artikel: Thomas Thiel berichtet in der FAZ, wie sich vier hochrangige Mitglieder der Administration der Columbia-Universität während einer Diskussionsveranstaltung über jüdisches Leben auf dem Campus über die Veranstaltung lustig machten.
Der Soziologe Steffen Mau wirft für den Tagesspiegel einen Blick auf die Erinnerungen an die DDR in Ostdeutschland. Dort würde man sofort anerkennen, dass die DDR eine Diktatur war. Nur gebe es immer etwas zu verteidigen, was eben auch von der Geschichtsschreibung übernommen worden sei: "Viele denken so: Die DDR war eine Diktatur, aber eben nicht nur. Häufig möchten die Leute dieses Andere der DDR miterzählt bekommen und sichtbar gemacht sehen, diese vielen Grauschattierungen. Deshalb hat sich nun eine Art von Gegenerzählung entwickelt, die vielleicht die DDR ein bisschen rosaroter zeichnet, als sie eigentlich war. Das erklärt für mich auch den Erfolg der Bücher der Historikerin Katja Hoyer und des Germanisten Dirk Oschmann. Die sind für dieses Publikum geschrieben worden."
In der NZZ warnt Oliver Maksan die Kritiker von Döring und Stark-Watzinger davor, zu überziehen. "Ein Prüfauftrag ist ein Prüfauftrag. Außer dem entstandenen Eindruck ist kein Schaden entstanden. Zudem drängt sich der Eindruck auf, dass in der akademischen und politischen Klasse mit zweierlei Maß gemessen wird. Geraldine Rauch, die Präsidentin der Technischen Universität, die eindeutig antisemitische Posts in den sozialen Netzwerken geliket hat, konnte sich jetzt mit viel Schlauheit im Amt halten. Eine Staatssekretärin hingegen, die möglicherweise im Übereifer gehandelt hat, muss gehen. Auch in der Bundesregierung häuften sich zuletzt kritikwürdige Anlässe, die aber ohne jegliche Konsequenzen blieben." Die Welt stellt die Wissenschaftlerin Döring vor und liest sich durch deren Twitteraccount.
Weitere Artikel: Thomas Thiel berichtet in der FAZ, wie sich vier hochrangige Mitglieder der Administration der Columbia-Universität während einer Diskussionsveranstaltung über jüdisches Leben auf dem Campus über die Veranstaltung lustig machten.
Der Soziologe Steffen Mau wirft für den Tagesspiegel einen Blick auf die Erinnerungen an die DDR in Ostdeutschland. Dort würde man sofort anerkennen, dass die DDR eine Diktatur war. Nur gebe es immer etwas zu verteidigen, was eben auch von der Geschichtsschreibung übernommen worden sei: "Viele denken so: Die DDR war eine Diktatur, aber eben nicht nur. Häufig möchten die Leute dieses Andere der DDR miterzählt bekommen und sichtbar gemacht sehen, diese vielen Grauschattierungen. Deshalb hat sich nun eine Art von Gegenerzählung entwickelt, die vielleicht die DDR ein bisschen rosaroter zeichnet, als sie eigentlich war. Das erklärt für mich auch den Erfolg der Bücher der Historikerin Katja Hoyer und des Germanisten Dirk Oschmann. Die sind für dieses Publikum geschrieben worden."
Kulturpolitik

Der Guardian berichtete bereits vor einer Woche (hier und mehr hier) über den Rückzug von Baillie Gifford. Die Boykottkampagne wurde kritisiert, allerdings nicht wegen ihrer Position zu Israel, sondern eher weil sie dem eigenen Aktivismus und den so verletzlichen Festivals schade.
Die Autorin Noreen Masud erzählt bei opendemocracy.net, wie sie sich entschied, nicht beim Hay Festival aufzutreten. Nebenbei und vielleicht eher unabsichtlich offenbart sie, wie Kampagnen wie die von "Fossil Free Books" funktionieren: Sie habe eine Mail von der Organisation bekommen, in der "wurde erklärt, dass Baillie Gifford auch das Hay Festival sponsert. 'Wir empfehlen, eine der folgenden Maßnahmen zu ergreifen', schrieben sie. 'Nehmen Sie an Ihrer Veranstaltung bei Hay teil, aber tun Sie dies mit Bedacht, indem Sie kreative Maßnahmen ergreifen ... oder sagen Sie Ihre Einladung ab und ziehen Sie Ihre Arbeit zurück ... Wenn Sie es vorziehen, dass wir Sie nicht mehr kontaktieren, teilen Sie uns dies bitte mit.' Der Absender, den ich von anderen Veranstaltungen her kannte, schrieb auch etwas Persönliches. 'Ich verstehe voll und ganz, dass jeder Autor das tun muss, was für ihn richtig ist <3.' Es war eine so freundliche E-Mail, und so verständnisvoll, was meine Entscheidungsfindung anging."
3 Kommentare