9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.10.2018 - Ideen

In einem taz-Artikel beschreiben die Soziologen Stephan Lessenich und Martin Kronauer den alten "stillschweigenden Gesellschaftsvertrag" der Bundesrepublik - die Arbeitnehmer akzeptieren den Kapitalismus, dafür lässt man sie wirtschaftlich partizipieren und schützt den eigenen Wirtschaftsraum -, der sich durch Globalisierung und Versagen der Eliten aufgelöst habe, ohne dass ein neuer an seine Stelle getreten sei. Folge: "Das Wahlvolk ist im Binnenverhältnis auf Protest gebürstet. Zugleich verhält es sich im Außenverhältnis zunehmend aggressiv, weil nennenswerte Teile der Bevölkerung den effektiven Schutz des nationalen Sozialraums vor dem Elend der Welt nicht mehr gewährleistet sehen. Die politischen Eliten wiederum reagieren mit einer erratischen Mischung aus Wirtschaftshörigkeit und Publikumsbeschimpfung, fiskalischer Austerität und selektivem Protektionismus, geschwollener Weltoffenheitsrhetorik in Sonntagsreden und knallharter Festungsmentalität im Tagesgeschäft." Es brauche aber einen neuen Gesellschaftsvertrag, einen, einen, "der so realistisch ist, die Unhaltbarkeit des alten Gesellschaftsvertrags als soziale Tatsache anzuerkennen".

Gefürchteter oder tatsächlicher Statusverlust führt die Leute ins Ressentiment, sagt der Soziologe Wilhelm Heitmeyer in einem Gespräch mit Christian Schröder vom Tagesspiegel. Das gelte etwa für Alexander Gauland, der sich als konservativer Christdemokrat marginalisiert gefühlt habe: "Man kann sich in die Resignation oder in die Depression verabschieden. Gauland entschied sich für die Radikalisierung und für die Anerkennung in einer neuen Bezugsgruppe. Das funktioniert auch in Gruppen, etwa wenn Ostdeutsche sich mit Flüchtlingen vergleichen und glauben, dass ihre Lebensleistung nicht anerkannt wird, wo doch die Flüchtlinge noch keine Lebensleistung erbracht hätten und dann auch noch Geld oder Wohnungen bekämen. Eine Folge: Man wertet sich selbst auf, indem man andere abwertet oder diskriminiert."

Andrea Heinz nimmt im Standard die Postmoderne in Schutz gegen den unter anderem von Albrecht Koschorke vorgebrachten Vorwurf, sie habe mit ihrem "anything goes" auch den Fake News der Rechten Tür und Tor geöffnet (unser Resümee): Die Relativierungen der Postmoderne kann man nicht einfach rückgängig machen, meint Heinz. "Postmodern heißt eben auch das: Eine Gesellschaft muss ihre Gewissheiten immer wieder neu aushandeln. Sie muss aushalten, dass sich nichts für alle Zeiten festschreiben lässt. Und sie muss die Geschichten dazu immer wieder neu erzählen. Das ist etwas, was derzeit weder die Wissenschaft noch die (linke) Politik besonders gut kann."

In einem NZZ-Gespräch über den Terrorismus macht der in den USA lebende britische Autor Martin Amis Religion verantwortlich für die größten Übel unserer Zeit. Aber er wünscht sich auch eine Diskussion, die an diesem Punkt - etwas ist von übel - nicht stehen bleibt. "Ich saß einmal in einem Radiointerview über Saul Bellow. Die Fragestellerin war Feministin. Sie sagte: 'Es gibt Frauenfeindlichkeit in Bellows Werken.' Anstatt dass ich ihn verteidigt und mich darauf hinausgeredet hätte, dass es eine große Bandbreite von Frauenfiguren bei Bellow gebe, gestand ich es zu und fragte: 'Und jetzt? Wenn ich auf ihre Prämisse eingehe, was folgt daraus?' Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Es gibt zerstörerische, impulsive Anwandlungen von Frauenfeindlichkeit in jedem Mann. In Bellows Fall hat das viel mit dem Judentum, dem Patriarchat und Tausenden kleiner anderer Verbote zu tun. Aber die Diskussion hört nicht an diesem Punkt auf, sie sollte weitergeführt werden: Was hat das Ganze ausgelöst? Diese Schwächen einfach nur zu verurteilen, bringt einen nicht weiter, sondern füttert die eigene Selbstgerechtigkeit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2018 - Ideen

Arno Widmann versucht in der FR nach Lektüre einiger neuer und älterer Bücher eine Art Phänomenologie der Mauern und der Grenzen: "Die effektivsten Grenzen allerdings sind die, für die einem erst die Augen geöffnet werden müssen. Nicht weil man sie nicht sieht, sondern weil man es vorzieht, sie nicht zu sehen. Zum Beispiel die, die Harvey Weinstein um sich zog. Sexuelle Belästigung spielt sich oft in aller Öffentlichkeit ab. Aber ohne #MeToo munkelte man allenfalls über die Täter, ging aber nicht gegen sie vor. Die Grenze ist hier die Mauer des Schweigens, die die Macht um sich errichtet."
Stichwörter: #metoo

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2018 - Ideen

Roman Bucheli resümiert in der NZZ die feierliche Rede von Aleida und Jan Assmann für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Er ist  außerordentlich beeindruckt von der nüchternen Sachlichkeit, mit der beide auf die "politischen Brandstifter" antworteten: "Die Grundlage gemeinsamer Interessen könne immer nur ein 'kulturelles Gedächtnis' sein, das Ergebnis lebendiger und permanenter Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart sei: 'Deshalb entsteht Identität nicht durch Leugnen, Ignorieren oder Vergessen, sondern braucht ein Erinnern, das Zurechnungsfähigkeit und Verantwortung ermöglicht.' Sie traten damit entschieden einer Geschichtsvergessenheit entgegen, die nicht nur in Deutschland einen bornierten Nationalismus befördert. Ihr Engagement für die Res publica, für das Gemeinsame der Menschen, stellten sie unter ein Motto von Karl Jaspers, einem ihrer illustren Vorgänger als Preisträger: 'Wahr ist, was uns verbindet!'"

An diesem Punkt der Assmann-Rede ist Ulrich Gutmair in der taz allerdings skeptisch: "So wichtig die Erinnerung an die deutschen Verbrechen ist, so gewagt erscheinen die Idee ihres befreienden Charakters und die Vorstellung des Teilens. Ob 'wir' uns durch Erinnerung an die Verbrechen der Altvorderen 'befreien' können, ist nicht ausgemacht - zumal offen bleibt, wovon. Und es stellt sich die Frage, ob die Nachkommen der Täter mit den Nachkommen der Opfer diese Erinnerung teilen können, ohne dass ein Rest des eben nicht gemeinsam Teilbaren bliebe."

Patrick Bahners staunt in der FAZ über die Zweistimmigkeit der Rede, die Jan und Aleida Assmann abwechselnd sprachen: "Sie ließ die Wörter fugenlos aufeinander folgen, schlug eine Höhe an, die sie ohne Variation durchhielt, erzeugte Intensität durch Verdichtung. Auch er sprach mit Nachdruck, ließ indes die Sätze ausschwingen, betonte jedes zweite Wort, wie um die Herkunft feierlicher Prosa aus der durch Gebundenheit eingängigen Rede der Dichter zu betonen: ein großväterlicher Urtyp des Erzählers, auf äußerste Verständlichkeit bedacht."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2018 - Ideen

Die NZZ übernimmt aus Foreign Affaires Francis Fukuyamas vieldiskutierten Artikel zur destruktiven Macht von Identitätspolitik, die er bei der Linken ebenso wie bei der Rechten sieht. Am Beispiel von Barack Obamas Afforcable Care Act etwa zeigt er, wie ein politisches Projekt, das allen Amerikanern zugute kommen sollte, von den Gegnern zu einer Angelegenheit eines schwarzen Präsidenten umgemünzt wurde. Der europäische Linke dagegen wirft er den Multikulturalismus vor, der Assimilation unmöglich mache: "Demokratische Gesellschaften zersplittern in Segmente mit immer enger gefassten Identitäten, was die Möglichkeiten gesamtgesellschaftlicher Erwägungen und kollektiven Handelns zunehmend bedroht. Eine solche Entwicklung führt unweigerlich zum Kollaps und zum Scheitern des Staates. Wenn die liberalen Demokratien es nicht schaffen, die Menschenwürde wieder universaler zu begreifen, verdammen sie sich selbst - und die Welt - zu ständigem Konflikt." Die Lösung sieht Fukuyama allerdings nicht in der Abkehr von jeglicher Identitätsidee: "Vielmehr gilt es, größere und einheitlichere nationale Identitäten zu definieren, welche die Mannigfaltigkeit liberaler demokratischer Gesellschaften berücksichtigen."

"Wenn es um Feminismus geht, so erscheint es mir als Frau, haben die Deutungshoheit immer die anderen - und nie bin ich gut genug. Ich muss damit rechnen, auf offenem Feld zerpflückt und bloßgestellt zu werden", klagt die Publizistin Caroline Rosales im 10-nach-8-Blog auf Zeit online. Und während die Feministinnen Erbsen zählen, besetzten die Rechten den Feminismusbegriff. Geht's noch? "Warum werden wir in unserer ewigen Diskussionstoleranz nie konkret? Warum gründet niemand eine feministische Partei? Warum setzen wir uns nicht alle flächendeckend für die Abschaffung des Paragraphen 219a ein, der ein Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche bedeutet? Warum finden wir nicht Kompromisse untereinander und konzentrieren uns darauf, die Motive der Rechtsnationalen zu zerpflücken? ... Wenn wir nicht klar formulieren, was wir für unsere Zukunft wollen, Bündnisse schließen und den feministischen Bullshit von rechten Rednerinnen entlarven, entmachten wir uns selbst."

Fritjof Küchemann wünscht sich - ausgerechnet! - in der FAZ eine differenzierte Diskussion über das Lesen im digitalen Wandel: "Auf die Frage, was eine informierte Debatte über Lesen und Digitalisierung am dringendsten brauche, lautet eine Antwort aus der Forschung: die Entwicklung und Vermittlung von Strategien der Selbstkontrolle - für Kinder wie für Erwachsene."

Wenn morgen vormittag die Gedächtnisforscher Jan und Aleida Assmann in der Paulskirche den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegennehmen, wird wohl mancher an die Rede denken, mit der Martin Walser eben dort vor 20 Jahren "seine Selbstentpflichtung aus dem von ihm inzwischen nachgerade verachteten 'Erinnerungsdienst'" bekannt gab. Der Historiker Norbert Frei jedenfalls sieht in der SZ die Walser-Rede bis heute nachwirken, auch wenn Walser und der entsetzte Ignatz Bubis Wochen später einige versöhnlichere Worte tauschten: "Halbwegs einig zeigten sich die Kontrahenten damals - Helmut Kohl war gerade abgewählt, Rot-Grün frisch an der Macht, die Bonner Republik auf dem Weg nach Berlin -, dass die Sprache des Erinnerns einer 'Erneuerung' bedürfe. Zwei Jahrzehnte später wirkt diese Diagnose wie ein vorzeitiges Signal aus ferner Vergangenheit. Jetzt gilt es, das Erreichte zu verteidigen: gegen Forderungen nach einer 'erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad' und gegen ein neurechtes Begriffsrecycling ('Denkmal der Schande'), das sich bis heute bei Martin Walsers fataler Paulskirchenrede zu bedienen weiß."

Die Verleihung des Friedenspreises an die Assmanns ist ein gutes Signal, freut sich Micha Brumlik in der taz, der die beiden Preisträger würdigt: Hier "werden zwei innigst miteinander kooperierende Intellektuelle geehrt, die wie nur wenige andere lebenslang für Moral, politische Verantwortung und humanes Engagement eingestanden sind - radikal gegen jede Form nationalistisch bornierten Denkens".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2018 - Ideen

Am Sonntag werden Aleida und Jan Assmann mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt. Zurecht, meint Thomas Ribi in der NZZ, denn: "Die Assmanns haben die deutsche Erinnerungskultur entscheidend mitgeprägt. Wo es um die Erinnerung an den Nationalsozialismus geht, handeln sie nicht als Wissenschafter, sondern als engagierte Bürger: In den neunziger Jahren sammelte Aleida Assmann Unterschriften für das Holocaustmahnmal in Berlin. Und vor wenigen Monaten bezog sie in einem Interview Stellung gegen die vonseiten der AfD erhobene Forderung nach einer 'erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad'. 'Wir haben eine Errungenschaft zu verteidigen', hielt sie entgegen. Natürlich brauche ein Land ein positives Selbstbewusstsein. Nur: Schweigen sei keine Option. Selbstbewusstsein heiße auch, sich Rechenschaft über die eigene Geschichte abzulegen und Verantwortung für historische Verbrechen zu übernehmen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2018 - Ideen

Selbstkritik in allen Ehren, doch der Konstanzer Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke hält in der NZZ wenig davon , dass sich die liberale Eliten jetzt angesichts populistischer Verwerfungen selbst geißeln. An der progressiven Agenda liege es bestimmt nicht, dass überall auf der Welt eine neue ökonomische Brutalität herrsche. Und überhaupt Eliten: "Worauf läuft das Verächtlichmachen politischer, diplomatischer und bürokratischer Professionalität, laufen die Verhöhnung wissenschaftlicher Expertise, die pauschale Verdächtigung gerade der seriösen Medien, die Aufkündigung mühsam ausgehandelter internationaler Vertragswerke hinaus, wenn nicht auf die Schwächung der Problemlösungsfähigkeit von Politik? Wer aber soll die Probleme sachgerecht lösen, wenn nicht die dafür ausgebildeten Funktions- und Verwaltungseliten? In welchem anderen Tätigkeitsfeld käme man auf die Idee, die Steuerung des gesamten Systems stattdessen egomanen Clowns und Verschwörungstheoretikern zu überlassen? Wenn die politischen Eliten in vielen Ländern derzeit eine schlechte Figur machen, dann hat auch das vorrangig strukturelle Ursachen. Sie werden zerrissen zwischen den nationalen Arenen, innerhalb deren sie sich verantworten müssen, und den rasant wachsenden globalen Abhängigkeiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2018 - Ideen

Gar nicht so schmale Überschneidungen zwischen manchen sehr linken und sehr rechten Diskursen findet Marko Martin in einem Essay bei den Salonkolumnisten: "Was dem einen sein binnen-homogen gedachtes 'Multikulti' und ein mikroskopisch immer weiter ausdifferenzierter Minderheiten-Status, ist dem anderen sein ebenso homogener 'Ethnopluralismus' - und beide sind einig in der Ablehnung eines Menschenrechts-Universalismus, der als starrer westlicher Dominanz-Mechanismus denunziert wird."

Im Gespräch mit Tania Martini in der taz will Chantal Mouffe, Fürsprecherin eines linken Populismus, rechtspopulistische nicht als rechtsextreme Parteien sehen: "Auch die FPÖ ist keine Neonazi-Partei. Natürlich sind einige rechtsextrem, aber die Art, diese Parteien zu stigmatisieren, ist eine Strategie, um sich selbst als gute Demokraten zu präsentieren und den Rechtspopulismus als moralische Krankheit abzutun. Die anderen für Rassisten, Sexisten und Homophobe zu halten ist eine einfache Strategie für die sogenannten guten Demokraten, um keine Selbstkritik üben zu müssen."

Zielstrebigkeit und Fleiß - alles schön und gut, aber in der wissenschaftlichen Forschung sollte man auch die Eingebung, den glücklichen Zufall (Serendipität) nicht unterschätzen, fordert der Autor Felix Philipp Ingold in der NZZ. "Serendipität hat wesentlich mit Exploration und Experiment zu tun. Es ist eine Suchbewegung ohne vorgegebenes Ziel oder Objekt, ein forschendes Nomadisieren in möglichen Welten (auch der des Traums) ohne fassbaren Fluchtpunkt und Horizont. 'Man probiert', berichtet Hans-Jörg Rheinberger aus seiner Laborerfahrung, 'man lässt sich auch ablenken, ist offen dafür, dass einem etwas zufällt.' Aus blindem Zufall kann solcherart ein produktiver Einfall werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.10.2018 - Ideen

Im Gewand eines Fakten-Checks verteidigt Markus Schär in der NZZ die biologistischen Thesen des kanadischen Sozialpsychologen Jordan Peterson, der im Namen des gesunden Menschenverstand und natürlich auch des Forschungsstands den ganzen Gender-Kram austreiben will: "Der klinische Psychologe mit 25.000 Stunden Einzeltherapie kann als Koryphäe gelten. Dass sich seine Arbeit bewährt, bezeugen Fälle, die er im Buch oder in Gesprächen erzählt, gerade mit Frauen, die er mehr Selbstbewusstsein lehrt."
Stichwörter: Peterson, Jordan

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.10.2018 - Ideen

Der Historiker Walter Laqueur ist vergangene Woche im Alter von 97 Jahren gestorben. In der Welt erinnert Jacques Schuster in einem sehr persönlichen Nachruf an einen bis zuletzt hellwachen Denker, der schon früh vor dem Terrorismus als "globalem Problem" warnte und an einen "Wanderer zwischen den Welten", "der in Washington zu Hause war, aber nie aufgegeben hatte, nach Deutschland zu schauen; einen, der seine früheren Landsleute kannte, der sie - trotz allem - schätzte und gleichzeitig mit mildem Pessimismus betrachtete. Die Deutschen neigen bis zur Fahrlässigkeit dazu, sich am Klang des eigenen Echos zu erfreuen. Menschen wie George Mosse, Fritz Stern, Peter Gay oder Walter Laqueur erinnerten sie zuweilen daran, wie gefährlich es ist, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Leider fehlen diese Menschen heute."
Stichwörter: Laqueur, Walter

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.10.2018 - Ideen

Ein universelles Recht auf Gastfreundschaft kann es nicht geben, widerspricht in der Zeit der Philosoph Burkhard Liebsch Etienne Balibar und plädiert stattdessen für Gastlichkeit - als humanitäre Selbstverständlichkeit. Gastlichkeit bedeutet laut Liebsch aber auch: "Wenn wir überhaupt ein (europäisches) Volk sind, dem das deutsche Parlament und die Regierung verpflichtet sind, dann nicht ohne die Achtung jedes Anderen als eines Fremden - nicht ohne die unteilbare Achtung, heißt das, die wir auch all jenen schulden, die ihr nicht gerecht werden, indem sie die in weiten Teilen Europas nach wie vor praktizierte Gastlichkeit missverstehen oder missbrauchen. Das schließt ausdrücklich auch diejenigen ein, die sich durch kulturelle, ethische und moralische Ignoranz auszeichnen oder den Rechtsstaat nicht achten."
Stichwörter: Balibar, Etienne