9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.05.2017 - Kulturpolitik

In Berlin, wo weniger Menschen an Gott glauben als in irgendeiner anderen deutschen Stadt, wird das Stadtschloss wieder aufgebaut. Und auf die Kuppel soll ein dickes goldenes Kreuz, weil da unter Kaiser Wilhelm schon eins war. Rüdiger Schaper macht im Tagesspiegel darauf aufmerksam, dass das Stadtschloss kein Stadtschloss mehr sein soll, sondern ein Humboldt-Forum: "Beide Forscher haben Gott nicht gebraucht, um die Welt zu erklären. Bei Alexander von Humboldt kommt Gott nicht vor. Auch bei seinem Bruder Wilhelm, dem preußischen Reformer, Diplomat, Sprachforscher - Universalgelehrter wie Alexander - spielt der Glaube keine Rolle. Die Humboldts waren von der Aufklärung, der Revolution, von den damals sich dynamisch entfaltenden Wissenschaften geprägt. Sie mussten Gott nicht einmal verneinen."

Monika Grütters, Bundeskulturministerin und Mitglied des Zentralkomitees der Katholiken, hat sich neulich in der Welt für das Kreuz eingesetzt und dabei nicht etwa historische, sondern "Leitkultur"-Argumente vorgebracht:  "Das Angebot eines offenen Hauses, wie es das Humboldt-Forum sein will, ist nur glaubwürdig, wenn wir uns unserer eigenen Wurzeln bewusst sind und sie auch zeigen."

In der FAZ erklärt ihr heute Andreas Kilb die historischen Hintergründe: Kapelle und Kreuz erinnerten bei ihrer Einweihung 1854 an "die in Blut erstickte bürgerliche Revolution von 1848. Das Kuppelkreuz war das Symbol ihrer Niederlage und der erzwungenen preußischen Kirchenunion. Genau genommen gehörte es nicht zur Fassade, sondern zur Funktion des Gebäudes: Es zeigte seine Nutzung als Gotteshaus an. Eine solche Nutzung ist im Humboldtforum nicht vorgesehen." Tatsächlich würde das Kreuz an dieser Stelle nicht an die Tradition des Christentum erinnern, sondern an die "Tradition der preußischen Staatskirche mit ihrer engen Verbindung von Kanzel und Bajonett".

Nikolaus Bernau bringt in der Berliner Zeitung einen gut belegten Hintergunrdbericht zur Kreuzdebatte und zitiert neben den religiös-kulturellen Argumenten von gläubigen Christen wie Grütters auch ein intellektuelles wie das der Gründungsintendanten des Humboldt-Forums. Sie behaupten "gegenüber der Berliner Zeitung: 'Das Kreuz muss wie die preußischen Adler an den Fassaden betrachtet werden, die keinen militärischen Bezug mehr bieten. Das sind Aspekte einer historischen Rekonstruktion, die somit ihrer Funktion enthoben sind.' Erst 'das Weglassen des Kreuzes wird dieses religiös politisieren.'" Wenn all die Symbole keine Bedeutung haben, kann man sich natürlich auch fragen, warum sie überhaupt wieder aufgebaut werden!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2017 - Kulturpolitik

In einem Grundsatzartikel über Sinn und Zweck auswärtiger Kulturpolitik macht Sonja Zekri in der SZ auf eine neue Initiative des Goethe-Instituts aufmerksam: "Mit dem Institut Français, Kollegen aus Schweden und den Niederlanden und einer türkischen Stiftung will das Goethe-Institut Kulturorte in der Türkei in Diyarbakır, Gaziantep, Izmir als sozusagen abhörfreie Foren der Begegnung aufbauen. Wo das deutsche Kulturinstitut und europäische Einrichtungen nicht rivalisieren, so der Plan, müsse man kooperieren und Angebote unter einem gemeinsamen Dach machen, als gesteuerte Europäisierung der Kulturpolitik."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2017 - Kulturpolitik

Nachdem ein Stifter dem Berliner Stadtschloss eine neue alte Kuppel spendiert hat, ist eine Debatte darüber entbrannt, ob auch das Kreuz wieder auf die Kuppel soll. In der Welt erinnert Lucas Wiegelmann die Kritiker daran, dass das Christentum - im Guten wie im Bösen - zu unserer Kultur gehört: "Auch wer mit Kirche und Christentum ausschließlich Kreuzzüge und Inquisitionsfolter verbindet, wird einsehen, dass es gar keinen Sinn hat, dieses Erbe tilgen zu wollen. Das Humboldt-Forum mag ein überparteiliches, überreligiöses, überweltanschauliches Museum werden. Ein Gebäude ohne Geschichte kann es niemals sein, und zu seiner Geschichte gehört nun einmal die christliche Religion."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2017 - Kulturpolitik

Während das Geld für die Fassaden des Berliner Stadtschlosses noch nicht beisammen ist, hat ein Einzelspender Millionen für die Rekonstruktion der Schlosskuppel samt Cherubim, Palmenzweigen und vergoldetem Kreuz bereitgestellt, meldet Jens Bisky in der SZ. Seinen Verdruss über die Ignoranz und Oberflächlichkeit dieser Entscheidung kann er nicht verhehlen: "Cherubim, Palmenzweige und Kreuz haben einmal etwas bedeutet. Nun werden sie aber über dem Riesenbau schweben wie ein allegorisierender Tafelaufsatz im bürgerlichen Haushalt. Sie verkünden einen vagen Anspruch und zugleich die Hoffnung, niemand würde je die Einlösung verlangen. Das ist prätentiös. Die 'fast vollständig' rekonstruierte Kuppel wird wirken wie ein Zeichen des Läppischen. Sie degradiert das Gebäude zum Schmücke-die-Stadt-Bauwerk."

"Nur konsequent" findet hingegen Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung die Rekonstruktion der Kuppel. Dass die darin enthaltenen Symbole ihre Bedeutung verloren haben, macht die Sache für ihn überhaupt erst erträglich. Anders verhält es sich allerdings mit dem Kreuz, dessen Rekonstruktion durchaus eine mächtige Symbolik hätte: "Nichts spricht gegen eine Fahnenstange auf der Engellaterne, auf der es europäisch, deutsch, katholisch, evangelisch, hindu-oder buddhistisch oder auch regenbogenbunt wehen kann. Aber es darf keine feste Hierarchie geben. Ein goldenes Preußen-Kreuz würde eine solche Hierarchie signalisieren. Also darf es dieses Kreuz nicht geben."
Stichwörter: Berliner Stadtschloss

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2017 - Kulturpolitik

Andreas Rossmann beschreibt in der FAZ den kümmerlichen Status von Kultur- und Kulturpolitik in den Seelen der nordrhein-westfälischen Spitzenpolitiker: "Nicht, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mit der Kultur fremdelt, sondern dass sie nicht bereit ist, sie in kompetente Hände zu legen, ist das Problem. Die kulturpolitischen Sprecher haben so wenig Rückhalt in ihren Parteien, dass sie am Katzentisch sitzen und Mühe haben, sich Gehör zu verschaffen. Mit Kultur, so klagen sie im Chor, könne kein Politiker Karriere machen."
Stichwörter: Nordrhein-Westfalen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2017 - Kulturpolitik

Im Deutschen Historischen Museum gibt's Ärger. Parallel zur Installierung des neuen Direktors Raphael Gross werden die bisherigen Mitarbeiter durch das Staatsministerium für Kultur überprüft, berichtet Hans Jessen in der taz: "Im Februar verkündete das BKM, dass rund ein Viertel der Museumsmitarbeiter tarifrechtlich zurückgestuft werden sollen - mit teils erheblichen Gehaltseinbußen. Betroffene sprechen von 500 Euro weniger im Monat, das sei existenzbedrohend." Das Staatsministerium sagt, es handle auf Weisung des Rechnungshofs.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2017 - Kulturpolitik

Gabi Dolff-Bonekämper, Professorin für Denkmalpflege an der TU Berlin, plädiert in der FAZ gegen die "Einheitswippe" vor der Berliner Schlossattrappe: "Eine Denkmalanlage als Ort für spielerischen Freizeitspaß: vielleicht ein bisschen zu locker und albern für ein deutsches Freiheits- und Einheitsdenkmal, aber, als programmatischer Pathosverzicht verstanden, beinahe schon wieder sympathisch - wäre da nicht diese überdimensionierte Schrift: WIR SIND DAS VOLK. WIR SIND EIN VOLK.  (...) Wer ruft da? Und wer bleibt stumm? Wer will heute 'das Volk' oder gar 'ein Volk' sein, und wer wird sich als nicht zugehörig empfinden?"
Stichwörter: Einheitsdenkmal

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2017 - Kulturpolitik

Wenig Freude empfindet Manuel Brug in der Welt über die zusätzlichen Millionen, die die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters für die Hauptstadtkultur locker gemacht hat. Da werden nur die Satten gestopft, meint er: "In diesem Land wird die Schere zwischen den angeblichen Eliten und den Bedürfnisbefriedigern in der Provinz weiter auseinanderklaffen. Dort stehen Häuser wie das Theater Hagen oder die Dauerbaustelle Rostock am Abgrund, in Berlin aber wird geprasst. Und deshalb regt sich auch keiner so wirklich über die Fehlplanung hinsichtlich der Staatsopernrenovierung mehr auf. ... Einnahmeausfälle - offenbar egal".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2017 - Kulturpolitik

Berlins neuer Kultursenator Klaus Lederer will vor allem eins, lernt Udo Badelt vom Tagesspiegel bei einem Auftritt Lederers im Radialsystem: sich von der Wirtschaftsförderung abgrenzen. 'Kultur ist kein Standortfaktor'. Die Aufgabe seiner Verwaltung sieht er in keinster Weise darin, die Kreativwirtschaft zu unterstützen. Sondern das Grundniveau für nichtkommerzielle Kunst bereitzustellen. Ein Credo, das in dem Satz gerinnt: 'Wie kann man verhindern, dass Künstler so schnell wie möglich an den Markt streben, damit sie überhaupt Künstler bleiben können?'"
Stichwörter: Klaus Lederer, Led

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.04.2017 - Kulturpolitik

Der Glanz unserer maroden Hauptstadt wird ein bisschen aufpoliert. Unsere Berliner Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Kanzleramt hat sich für Berlin gelohnt, schreibt Christiane Peitz im Tagesspiegel über den neuen "Hauptstadtfinanzierungsvertrag": "Bei den Philharmonikern steigt der Bund erstmals mit ein, zu einem guten Drittel mit über 7 Millionen Euro. Die Opernstiftung erhält künftig 10 Millionen Euro aus der Schatulle von Kulturstaatsministerin Monika Grütters statt bislang 1,8 Millionen für die Staatskapelle. Der Hauptstadtkulturfonds wird um ein Drittel aufgestockt, auf knapp 15 Millionen Euro. Und der Bund entlastet das Land bei den anteiligen Zahlungen fürs Humboldt-Forum um weitere 5 Millionen Euro. Das macht in der Summe voraussichtlich 25,7 Millionen Euro mehr."

Gregor Dotzauer unterhält sich zugleich im Tagesspiegel mit Till Brönner über das von ihm ersehnte, aber noch weit von der Realisierung entfernte "House of Jazz".
Stichwörter: Berlin, Monika Grütters
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