9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.01.2018 - Kulturpolitik

2019 soll das Humboldt-Forum in Berlin schrittweise eröffnet werden. Doch wer wofür zuständig ist, bleibt auch nach der jüngsten Pressekonferenz nebulös, stellt unmutig Nicola Kuhn im Tagesspiegel fest. Auch, ob Ines de Castro  die Humboldt-Sammlungen leiten wird, ist noch nicht geklärt. "Wer macht was beim Humboldt-Forum? Wer hat welche Kompetenzen? ... Während das Personal bei der Stiftung Humboldt Forum enorm anwachsen wird - 350 Stellen sollen für Bildung, Projekte und Programmgestaltung besetzt werden- , fehlt es den Sammlungen an Kuratoren, um die zusätzlichen Aufgaben (Provenienzforschung!) zu leisten. Noch eine Frage: Was wird aus der Gründungsintendanz, wenn Neil McGregor nach der offiziellen Eröffnung gegangen ist? Wer bleibt vom ursprünglichen Trio mit Preußenstiftungs-Chef Hermann Parzinger und dem Kunsthistoriker Horst Bredekamp? Die Pressekonferenz trägt nicht dazu bei, den Verdacht von Doppelstrukturen und unklarer Aufgabenverteilung beim Humboldt-Forum zu entkräften."

In der Berliner Zeitung wünscht sich auch Nikolaus Bernau, dass diese Fragen endlich geklärt werden, damit man über Inhalte reden kann.
Stichwörter: Humboldt-Forum

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.01.2018 - Kulturpolitik

Bénédicte Savoy begrüßt in der FAZ klare Worte Emmanuel Macrons, gesprochen bei einem Besuch in Ouagadougou, wo er eine Restitution afrikanischen Erbes forderte, das sich in französischen Museen befindet. Mit Seitenhieb auf "die koloniale Amnesie, von der die Gestalter des zukünftigen Humboldt-Forums befallen zu sein scheinen", schreibt die Berliner Forscherin, die letztes Jahr mit Eklat aus dem Beirat des Humboldt-Forums austrat: "Was nun? Zuerst einmal und vor allem anderen gilt es, unverzüglich und ohne falsche Vorspiegelungen afrikanische Persönlichkeiten an den Diskussionen zu beteiligen, die sich jetzt in Frankreich entwickeln werden: Stimmen von Aktivisten, Intellektuellen, politisch Verantwortlichen und Vertretern der Museen; von Afrikanern aus Afrika und solchen aus der Diaspora; von solchen, die eine Rückgabe wollen, und solchen, die sie nicht wollen; von Kunstförderern, Lehrenden, Künstlern." Manch einer wird hoffen, dass diese Gespräche sehr lange dauern.

Savoy verweist übrigens auf einen offenen Brief einiger postkolonialer Organisationen an Angela Merkel in dieser Sache.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.01.2018 - Kulturpolitik

In einem Grundsatztext im Tagesspiegel besingt Hermann Parzinger die Verdienste und Großartigkeit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der er vorsteht, und verteidigt sie auch mit dieser Ankündigung gegen den Vorwurf, sie sei ein Tanker: "Wir müssen uns auch in unseren internen Strukturen neu ausrichten. Wir arbeiten daran, unsere Verwaltung effizienter und reaktionsschneller zu machen, Doppelstrukturen aufzulösen und übergreifende Planungen transparenter und kooperativer zu gestalten. Eine Institution wie die SPK muss einem permanenten Modernisierungsprozess unterworfen sein, der die kleinen Aufgaben ebenso umfasst wie die großen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2018 - Kulturpolitik

In Hamburg wurde das Europäische Kulturerbejahr eingeläutet. Gefeiert werden soll - alles. Musik, Dichtung, Philosophie, sogar die "europäische Idee". Letzteres stößt Dankwart Guratzsch in der Welt sauer auf: "Die gemeinsame europäische Kultur ist eine Leerformel, wenn man nicht weiß, das ihre Besonderheit in der Vielfalt und sogar Widersprüchlichkeit von Hunderten selbstständiger Einzelkulturen liegt. Eine rein technokratische, verwaltungstechnische Grundlegung des neuen Europa bleibt abstrakt und seelenlos, wenn sie nicht, wie es der Geschäftsführer des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, Uwe Koch, für das Kulturerbejahr formuliert hat, verstärkt die Sinn- und Identitätsstiftung in den Vordergrund stellt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.01.2018 - Kulturpolitik

Zehn Jahre nachdem die Banlieues um Paris brannten, versuchen die Behörden, die schlimmsten Missstände zu beseitigen, berichtet Joseph Hanimann in der SZ aus Paris: Die Vorstädte werden mit neuen Zugstrecken besser eingebunden, Viertel werden per Verdichtung saniert und eine Kulturpolitik wird gefördert, die sachte die Hochkultur in die Vorstädte trägt. Beispiel die Micro-Folie in Sevran: "Kinder spielen mit ihren Müttern an kleinen Tischen Gesellschaftsspiele, Jugendliche drucken selbstentworfene Designmotive auf ihre T-Shirts, ein Mann stellt per 3-D-Drucker einen Lampenständer her. Und die Kultur? Auf einem großen Bildschirm ziehen unentwegt und wenig beachtet Ansichten von Mona Lisa, Picassos 'Guernica', Géricaults 'Floß der Medusa' vorbei. Ab und zu schnappt ein Besucher sich ein Tablet und vertieft sich in eines der Werke. 'Wir müssen die Leute hier in ihrer kulturellen Abgeschiedenheit abholen und sachte zu den Kunstwerken hinführen', sagt Phaudel Khebchi, der Leiter dieser Kulturinsel. Der Franzose algerischer Herkunft ist selber in diesem Viertel aufgewachsen."
Stichwörter: Frankreich

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.01.2018 - Kulturpolitik

Der Berliner Historiker Manfred Gailus erinnert die Befürworter des heftig umstrittenen Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche im Interview mit dem Freitag an die Tradition, für die die Kirche steht: Hindenburgs Handschlag mit Hitler und Hitlers Rede in der Kirche 1933, "Kriegspredigten 1914-18; kirchlich abgesegnete politische Agitation gegen die erste deutsche Demokratie, die Weimarer Republik, von 1919 bis 1933; schließlich lupenreine NS-Kultveranstaltungen der Hitlerpartei im Laufe des 'Dritten Reiches'. Das waren nicht mehr Kundgebungen eines völkisch-antisemitischen Christentums seitens der 'Deutschen Christen', sondern Zeremonien der politischen Religion der NS-Bewegung."
Stichwörter: Garnisonkirche

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2017 - Kulturpolitik

Die häufig problematische "Aneignung" ethnologischer Objekte muss im Humboldt-Forum stets zum Thema gemacht werden, Absichtserklärungen reichen nicht aus, schreibt der Ethnologe Hans-Jürgen Heinrichs in der FAZ: "Die Leitung und die Mitarbeiter künstlerischer und ethnologischer Institutionen müssen das Wagnis eingehen, an sich selbst das Abgründige von lustbesetzten kolonialen Besitzergreifungen zu erforschen. Wie weit manche noch davon entfernt sind, wird in Formulierungen deutlich, die die historische Aneignungspraxis in die Gegenwart verlängert wissen wollen: Die Besucher, heißt es, sollen das Humboldt-Forum 'in Besitz nehmen'."
Stichwörter: Humboldt-Forum

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2017 - Kulturpolitik

Gianna Niewel schildert auf einer Seite 3 in der SZ die Schwierigkeiten der Kölner mit Renovierung von Oper und Theater. Einziger Trost - sie sind nicht allein: "Als Nächstes redete einer über die Stimmung im Land. Die Berliner bauten am Flughafen BER. Und bauten. Und bauten. In Stuttgart mussten sie einsehen, dass 3,1 Milliarden Euro für den Bahnhof nicht reichen würden. Die Deutschen versuchten sich an Großprojekten und scheiterten an Kabelanschlüssen. Die Kölner würden nicht wollen, dass irgendwann auf ihre Kabelanschlüsse geschaut wird."
Stichwörter: Köln

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2017 - Kulturpolitik

Stefan Locke schildert im politische Teil der FAS die erstaunlichen Umstände am Militärhistorischen Museum in Dresden, das in Querelen untergeht und wo das aufwendige und vielversprechende Ausstellungsprojekt über "Gewalt und Geschlecht" kurz vor Eröffnung  schlicht und einfach abgesagt wurde: "Das alles verwunderte auch externe Beteiligte, Katalogautoren ebenso wie private Leihgeber und internationale Museen wie die Eremitage in Sankt Petersburg, das Veterans Museum in Chicago oder das Spielemuseum im amerikanischen Rochester. Einige zogen ihre Ausstellungsobjekte auch aufgrund anderer Verpflichtungen bereits zurück, der Ruf des Hauses in der Branche ist nun zumindest ramponiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.12.2017 - Kulturpolitik

Martin Niewendick berichtet in der Welt von der ziemlich bizarren Preisverleihung für Ken Jebsen im Berliner Kino Babylon-Mitte, die das Kino auf Geheiß des Kultursenators Klaus Lederer zunächst abgesagt hatte, die dann aber wegen eines Gerichtsbeschlusses doch stattfinden musste (unsere Resümees). Der Preisträger fehlte. Die Laudatio wurde nicht von dem ursrpünglich genannten tazler Mathias Bröckers gehalten. Den Tiefpunkt erreichte die Veranstaltung mit einem Auftritt Evelyn Hecht-Galinskis: "'So wie die Nazis die Juden getötet haben, töten die Juden heute die Palästinenser', rief sie. Später auf der Kinobühne wird sie angesichts der angeblichen Zensur durch Klaus Lederer fragen, ob es in Berlin bald wieder Bücherverbrennungen geben werde. Dann warnt sie vor einer drohenden 'totalen Israelisierung' und beschuldigt 'eine kleine jüdische Lobbyistin', die ARD zu manipuliert zu haben."
Stichwörter: Ken Jebsen, Ard
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