9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.02.2026 - Kulturpolitik

Jeffrey Epstein liebte Frankreich. In der Pariser Avenue Foch hatte er als pied-à-terre eine 800 Quadratmeter große Wohnung. Dort empfing er Freunde, wohl auch den ehemaligen Kulturminister Jack Lang, der jetzt (im Alter von 86 Jahren) als Chef des Pariser Institut du monde arabe zurückgetreten ist. Marc Zitzmann berichtet in der FAZ. Lang werden keine sexuellen Vergehen vorgeworfen, wohl aber dubiose Geschäftsbeziehungen und eine enge Freundschaft, auch nachdem bekannt war, dass Epstein gerne minderjährige Mädchen missbrauchte. "Diese betrifft auch Langs Tochter Caroline, die 2016 mit Epstein eine auf den Virgin Islands beheimatete Offshore-Gesellschaft für den Kauf und Verkauf von Kunstwerken gegründet hatte. Beide hielten je die Hälfte der Anteile, aber nachdem der Amerikaner das gesamte Geldkapital eingebracht hatte, meldete Caroline Lang - 'aus Naivität', sagte sie gegenüber Mediapart - das Unternehmen nicht dem französischen Steueramt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2026 - Kulturpolitik

Die ehemalige Schweizer Bundesrätein Simonetta Sommaruga ist Teil einer neugegründeten Expertenkommission, die sich mit Fällen von Raubkunst aus der Nazi- und der Kolonialzeit beschäftigt. Im NZZ-Interview erklärt sie die Ziele der Kommission. Warum hat es seit der von 44 Staaten unterzeichneten Washingtoner Erklärung, in der man sich zur Rückgabe von Raubkunst verpflichtete, so lange gedauert, bis es zu diesem Schritt kam? "Wir sind von diesen 44 Staaten immerhin der sechste, der das tut. Und wir sind das erste Land, das eine Kommission einsetzt, die nicht nur die NS-Zeit, sondern auch den Kolonialkontext berücksichtigt. Das ist pionierhaft. Die Schweiz hatte keine Kolonien, war aber natürlich in die kolonialen Netzwerke eingebunden, mit Handelsgesellschaften, mit Söldnern, mit Missionaren, mit Wissenschaftern. In Schweizer Sammlungen lagern zum Beispiel mehr menschliche Überreste - etwa Schädel oder andere Skelettteile - aus dem kolonialen Kontext als in Belgien, das Kolonialmacht war."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.02.2026 - Kulturpolitik

Die neue Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Marion Ackermann, verrät im FAZ-Gespräch mit Andreas Kilb, wie sie trotz ihrer knappen Budgets Akzente setzen will. Unter anderem will sie aktueller werden und jetzt zum Beispiel die grönländische Sammlung ihrer Museen präsentieren. Und sie will, "dass das Museum Europäischer Kulturen ins Humboldt-Forum kommt. Ich kann einfach nicht vertreten, dass wir dort ein Weltkulturenmuseum haben, das ausschließlich außereuropäisch denkt. Wenn Sie sich umsehen, was gerade überall diskutiert wird - im Louvre die 'Galerie der fünf Kontinente', in Mumbai die große Ausstellung darüber, wie in der antiken Welt die verschiedenen Kulturen zusammenhingen, in Marokko ein neues Museum über die muslimisch-jüdische Kultur, die Planungen von Hartwig Fischer in Riad -, geht es überall um den Zusammenhang der Kulturen. Da können wir nicht ausgerechnet neben der Museumsinsel nach dem alten Schema verfahren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.02.2026 - Kulturpolitik

FAZ-Kritiker Matthias Alexander hat gerade eine hinreißende Repertoireaufführung des "Don Giovanni" an der Stuttgarter Oper gehört. Und geht nebenbei der misslichen Frage nach, ob der geliebte Littmann-Bau noch eine Chance auf Renovierung hat. Die Kosten werden auf zwei Milliarden Euro veranschlagt. Alexander verweist auf die Stuttgarter Zeitung, die neulich fragte, "ob der Oberbürgermeister nicht bei den zahlreichen Superreichen der Stadt vorstellig werden könnte, damit diese der öffentlichen Hand aus der Patsche helfen. Die Suche nach dem Schatz des Nibelungen dürfte aussichtsreicher sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.01.2026 - Kulturpolitik

Berlin! Angesichts der Schließung des Pergamon-Museums, die gefühlt noch einige Jahrzehnte dauern wird, ist fast gar nicht aufgefallen, dass das Zeughaus, Hauptgebäude des Deutschen Historischen Museums, mit seiner Dauerausstellung seit vier Jahren wegen einer Sanierung leer steht. Ursprünglich sollten die Arbeiten "Ende 2025 abgeschlossen sein", berichten Luis Babst und Lukas Haas im RBB, doch geschehen ist bislang nichts, "noch nicht einmal die Planungen dazu sind beendet. ... Museumsleiter Raphael Gross ist im Moment angesichts des Planungsstands nicht sehr optimistisch, was eine baldige Wiedereröffnung angeht. 'Ich fände es im Moment leider schon positiv, wenn es 2031 wirklich eröffnet werden könnte', sagte Gross gegenüber rbb24. ... Für das Museum ein herber Schlag, denn dessen Kernaufgabe ist es, die deutsche Geschichte zu vermitteln. Aktuell befinde man sich in einem historischen Bruch, zum Beispiel gegenüber den USA oder Russland, sagt Museumsdirektor Raphael Gross. 'Insofern ist historische Orientierung etwas, das eine riesige Bedeutung hat.' Genau dafür sei eine Dauerausstellung essenziell."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.01.2026 - Kulturpolitik

In Wien wird das umstrittene Denkmal für den ehemaligen antisemitischen Bürgermeister Karl Lueger umgebaut. Genauer: es wird abgebaut, gereinigt und dann um 3,5 Grad gekippt wieder aufgebaut. Mit dieser Idee hatte der Künstler Klemes Wihlidal schon 2010 einen Wettbewerb gewonnen. Jetzt wird sie tatsächlich umgesetzt, erzählt im Standard Katharina Rustler, die sich mit dem Künstler unterhalten hat: "Ich wollte das Denkmal von Anfang an in irgendeiner Form neigen", erklärt Wihlidal. "Wobei nicht gleich klar war, wie stark der Winkel ausfallen sollte. Als ich das mit Fotomontage ausprobiert habe, war die Wirkung bei einer relativ überschaubaren Neigung wie 3,5 Grad mit Abstand die verstörendste. Das hat bei mir ein Unwohlsein und eine Ungewissheit ausgelöst. Man fragt sich, was da passiert. Wie kommt es zu dieser Instabilität der Statue? Die ihr entgegengebrachte Würde wird somit gebrochen. 3,5 Grad haben für mich die brutalste Aussagekraft." Daneben ist eine Infotafel geplant, die "ein wesentlicher Teil meines Konzepts" ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.01.2026 - Kulturpolitik

Paul Jandl stellt in der NZZ verschiedene Fälle vor, in denen die Stadt Wien mit umstrittenem historischen Erbe im öffentlichen Raum umgeht. Ein zunächst geplantes Denkmal zur Erinnerung an "den Sieg habsburgischer, deutscher und polnischer Truppen gegen die Osmanen im Jahr 1683" auf dem Wiener Kahlsberg wurde letztendlich nicht gebaut, um Rechtsextremen keinen Vorschub zu geben, die an dem Ort alljährlich protestieren: "Die Vorgeschichte des ursprünglich geplanten Denkmals ist kurios. Schon im Jahr 2013 wurde der Sockel dafür errichtet. Fünf Jahre später äußerte sich die Expertenkommission kritisch über die bereits fertiggestellte Skulptur. Sie zeigt Jan III. Sobieski im Kampfgetümmel und hoch zu Ross. Der polnische König und Oberbefehlshaber des christlichen Entsatzheers von 1683 in heroischer Kampfpose (...) Die Wiener christlichsoziale ÖVP war für die Aufstellung des Denkmals, genauso wie die FPÖ. Die regierenden Sozialdemokraten der SPÖ waren dagegen. Man hat sich einen sehr österreichischen Trick ausgedacht. Der leere Sockel wurde zum Denkmal erklärt."
Stichwörter: Wien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2026 - Kulturpolitik

In der Zeit plädiert Hanno Rauterberg für einen kostenfreien Eintritt in alle (Kunst-)Museen Deutschlands. Die meisten Museen seien sowieso in öffentlicher Trägerschaft - also von uns allen finanziert -, Ticketverkäufe machten nur zehn Prozent der Gesamteinnahmen der Museen aus und es würde die Bindung zu den einzelnen Museen erhöhen. "Denn mit dem teuren Ticket fällt auch der Druck weg, den viele Besucher in Bezahlmuseen verspüren. Sie wollen etwas haben für ihr gutes Geld, eilen also von Saal zu Saal, innerlich längst erschöpft, doch fest entschlossen, sich kein Kunstwerk entgehen zu lassen. Am Ende haben sie alles erblickt und nichts gesehen. (...) Es geht im Museum ja nicht ums Besserwissen, schon gar nicht ums Durchhalten, auch nicht um den raschen Aha-Effekt. Es geht um die Kraft der Vorstellung. Darum, sich selbst zu befremden, jedenfalls versuchsweise. Oder sich etwas einzubilden, damit die eigentlich toten Bilder im Kopf ein Eigenleben führen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.01.2026 - Kulturpolitik

Sonja Zekri berichtet in der SZ, wie sich polnische Kulturinstitutionen auf das Szenario eines russischen Angriffs vorbereiten. Wie schnell kann ein Museum evakuiert werden, wo sind die Werke sicher vor Bomben? Diese Fragen stellt sich zum Beispiel der Kunsthistoriker Andrzej Betlej, Direktor des Wawel-Schlosses in Krakau: "Und während man ihm zuhört, spürt man Kampfgeist und eine Dringlichkeit, die aus deutscher Perspektive gleichermaßen mitreißend wie fremd wirkt. Bei aller Sorge über den russischen Expansionismus: Probe-Evakuierungen der Berliner Museumsinsel für den Fall eines Angriffs? Schwer vorstellbar. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.01.2026 - Kulturpolitik

Die zu sanierenden Opernhäuser Deutschlands erweisen sich sämtlich als lauter "Stuttgarts 21": Unter einer Milliarde Euro ist da gar nichts zu machen. Da muss Peter Richter in der SZ schon staunen: "Wir sprechen hier immerhin von Ausgaben, die sich landauf, landab allmählich den sogenannten Sondervermögen für Bundeswehr und Infrastruktur entgegensummieren, ohne dass jemand ernsthaft Einwände laut werden ließe. Das ist in diesem sonst so nörgeligen Land vielleicht das Allerverblüffendste an der großen Verblüffungsmaschine Oper. Sie gilt offenbar immer noch als so wichtig und staatstragend (früher wurde fürs Opernhaus gern der fürstliche Baustil Barock gewählt), dass auch die, die selber nicht hingehen, sie als teuer, aber notwendig abnicken - so wie Krankenhäuser, Kernforschungsinstitute oder ähnliche Respektsinstitutionen."