9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2018 - Kulturpolitik

Hans Stimmann, Ex-Senatsbaudirektor von Berlin, kann es in der FAZ kaum glauben: Ausgerechnet der rotrotgrüne Berliner Senat will das ursprünglich geplante - autofreie - Bürgerforum streichen und eine Straße, die nur als provisorische Anlage gedacht war, bis der Tiergartentunnel fertig ist, "dauerhaft" rechtlich sichern (mehr dazu im Tagesspiegel): "Der mit den Ansprüchen des Autoverkehrs begründete Bau einer Straße anstelle des Forums ist ein erbärmlicher, für Berlin aber typischer Umgang mit großen städtebaulichen Ideen. Die Form des klammheimlichen Abschieds vom Band des Bundes mit einem B-Plan für eine Straße, als handele es sich um eine x-beliebige Erschließungsmaßnahme eines Gewerbegebietes am Stadtrand, ist nicht nur planungsrechtlich bedenklich, sondern markiert einen Tiefpunkt der Kultur städtebaulichen Planens."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2018 - Kulturpolitik

2014 haben erstmals weniger als die Hälfte der Deutschen Bücher gekauft. Insgesamt ist die Zahl der Buchkäufer zwischen 2013 und 2017 um fast achtzehn Prozent zurückgegangen. Der Umsatzrückgang konnte größtenteils durch höhere Buchpreise aufgefangen werden. Schuld ist natürlich das Internet, wie eine Studie des Börsenvereins ergab, berichtet Sandra Kegel in der FAZ: "Die Flut einstürzender Informationen, die blinkend und piepsend unentwegt Aufmerksamkeit einfordern, führe zu einem Gefühl der Abhängigkeit und des Ausgeliefertseins, sagen die Exleser, eben weil es ihnen kaum noch möglich sei, sich aus der digitalen Dauerbeschäftigung loszureißen", so Kegel. "Teile der potenziellen Buchkäufer leiden unter einem kollektiven Aufmerksamkeitsstörungssyndrom", diagnostiziert Volker Breidecker in der SZ.

In Georgien wächst der Buchmarkt unterdessen stetig - nicht zuletzt, weil die georgische Gesellschaft nach Jahrzehnten der Zensur und der Gerüchte wissen will, was national und international  passiert, weiß Claudia Mäder in der NZZ. Und auch mit Blick auf Frauen in Führungspositionen ist der georgische dem deutschen Buchmarkt voraus: "Anders als etwa im deutschsprachigen Buchwesen, wo ein Heer von Mitarbeiterinnen die Presse- und Administrationsarbeit der meist von Männern geleiteten Verlage erledigt, wird in Georgien nicht nur der größte Verlag, sondern auch das nationale Buchzentrum, das Literaturhaus und der Buchhändler- und Verlegerverband von einer Frau geführt."

Weitere Artikel: In der NZZ hat Judith Leister mit der neuen Direktorin des NS-Dokumentationszentrums in München, Mirjam Zadoff, gesprochen, die das Haus thematisch öffnen will, auch für Zielgruppen, "die das Land vielleicht erst in Zukunft mitprägen werden, wie die Migranten der jüngsten Zeit. Hier gelte es, Erfahrungen wie Flucht und Diktatur in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu integrieren."
Stichwörter: Buchmarkt, Georgien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.06.2018 - Kulturpolitik

In einem von der Zeit online nachgereichten Artikel macht Thomas E. Schmidt auf die vielen gesetzlichen Hürden aufmerksam, die die Rückgabe von Kolonialkunst nicht gerade erleichtern - laut Kulturgutschutzgesetz ist etwa der gesamte Bestand öffentlicher Museen nationales Kulturgut, das nur nach einem Genehmigungsverfahren ausgeführt werden darf.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.06.2018 - Kulturpolitik

Was tun mit den Bauten der sechziger und siebziger Jahre, die jetzt renovierungsbedürftig werden? Abreißen? Umbauen? Eins steht für den Architekten Andreas Hild jedenfalls fest. Mit Denkmalschutz allein kommt man dem Problem nicht bei. Er schlägt in der SZ deshalb ein neues Umbaurecht vor: "Beispielsweise kann man dem Bauherren ja folgenden Deal anbieten: Du erhältst an dieser Stelle ein Gebäude, aus Gründen der Ökologie, des Denkmalschutzes und des sozialen Miteinanders, aber weil du dadurch weniger Rendite erzielst, gewähren wir dir zum Ausgleich an anderer Stelle ein höheres Baurecht. Insgesamt rechnet sich das. Und die Stadt kann bestimmte stadtbildprägende Bauten besser schützen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2018 - Kulturpolitik

Hilmar Hoffmann ist im Alter von 92 gestorben, der Doyen aller Kulturpolitiker, der in einer glücklichen Zeit agieren konnte, als es immer mehr umzuverteilen gab. Claus-Jürgen Göpfert würdigt ihn in der FR: "Er hat der Nachwelt einen Auftrag hinterlassen, den er Zeit seines Lebens umzusetzen versuchte: 'Kultur für alle'. Kultur nicht länger als ein Privileg der Bessergestellten und Wohlhabenden in der bürgerlichen Gesellschaft, als Zeitvertreib für mächtige Müßiggänger." Außerdem nimmt Christian Thomas Abschied. Im Tagesspiegel schreibt Ulrich Amling, in der FAZ schreibt Jürgen Kaube.
Stichwörter: Hoffmann, Hilmar

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2018 - Kulturpolitik

Die Monopolkommission, die die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät, empfiehlt die Abschaffung der Buchpreisbindung, berichtet u.a. der Tagesspiegel mit der dpa. Kulturministerin Monika Grütters hat das schon mal weit von sich gewiesen: "'Die Empfehlung der Monopolkommission macht mich fassungslos', sagte Grütters laut Mitteilung. Sie unterhöhle die jahrelangen Bemühungen der Bundesregierung, den unabhängigen Buchhandel und die Verlage als Garanten der literarischen Vielfalt zu schützen. Sie werde sich weiterhin mit aller Kraft für den Erhalt der Buchpreisbindung einsetzen, sagte die Politikerin."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.05.2018 - Kulturpolitik

Neben der gelungenen Rassismus-Ausstellung im Dresdner Hygienemuseum lobt Christian Schröder im Tagesspiegel auch deren Vorbereitung, in der man sich der Herausforderung stellte, rassistische Stereotype nicht weiter zu reproduzieren: "Weil alle mit der Ausstellung beschäftigten Wissenschaftler weiß sind, wurde während der Vorbereitungen ein Beirat gegründet, dem auch schwarze Aktivisten und Künstler angehören."
 
Außerdem: Die Diskussion über die "Einheitswippe" geht in die nächste Runde, meldet Reinhart Bünger im Tagesspiegel. Der Preis für die Grundstücksfläche sei noch unbestimmt, es stehen offenbar auch neue Diskussionen über den Standort an.
Stichwörter: Einheitswippe, Rassismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.05.2018 - Kulturpolitik

Leicht amüsiert beobachtet Jörg Häntzschel (SZ) den Wettstreit deutscher Politiker um die Position des eifrigsten Rückgebers von Raubkunst aus der kurzen deutschen Kolonialzeit. Zuletzt tat sich Andreas Görgen vom Auswärtigen Amt hervor mit einer Konferenz in Hamburg, die vom Postkolonialismus-Theoretiker Achille Mbembe eröffnet wurde: "Wie schon einige andere in den letzten Monaten forderte er, man dürfe die Objekte aus der Kolonialzeit und die afrikanischen Flüchtlinge der Gegenwart nicht getrennt betrachten. Zustimmendes Nicken. Dann aber verschreckte er die Zuhörer, als er ihr Engagement für die Rücksendung von Objekten an Herkunftsländer mit dem Engagement derer in Verbindung brachte, denen es eher um die Rücksendung von Menschen geht. 'Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der jeder und alles wieder nach Hause zurück muss?' Stattdessen, so Mbembe, sollten wir uns eingestehen, dass die Verstrickung der Welt unumkehrbar sei."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.05.2018 - Kulturpolitik

Ein wenig deutlicher als in anderen Gesprächen (Unser Resümee), vor allem mit Blick auf die anstehenden Restitutionsfragen im Humboldt-Forum wird Hartmut Dorgerloh im Interview mit Harry Nutt von der Berliner Zeitung: "Restitution ist eine Möglichkeit, aber das Humboldt-Forum soll auch ein Ort sein, an dem Alternativen ausgelotet werden. (…) Es kann ja nicht die Lösung sein, dass mexikanische Kunst nur noch in Mexico gezeigt wird und italienische nur noch in Italien."

Ein Blick nach Frankfurt könnte sich lohnen, wo sich vier Museen ab Juni in einem Kooperationsprojekt unter dem Ausstellungstitel "Gekauft, gesammelt, geraubt? Vom Weg der Dinge ins Museum" der Erwerbsgeschichte ihrer Objekte stellen. In der taz berichtet Rudolf Walther von der Schau.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.05.2018 - Kulturpolitik

Hartmut Dorgerloh auf allen Kanälen. Im Tagesspiegel-Interview mit Nicola Kuhn läutet der designierte Intendant das Ende der Gründungsintendanz ein und erklärt, wie er mit mehr Populismus eine "corporate identity" schaffen will: "Ich habe ein großes Vorbild: Humboldts 'Kosmos'-Vorlesungen. Da strömte ganz Berlin hin, trotz komplexer Themen. Diesen Geist brauchen wir. Wir wollen Geschichten aus vielen Perspektiven erzählen. Es geht nicht, dass einer sagt: 'Das ist meine Ausstellung in meinem Haus, so wie ich sie will.' Ein solches Museumskonzept wird es in Zukunft nicht nur am Humboldt-Forum schwer haben." In jedem Fall soll es kein Ort zum "Wohlfühlen" sein, fügt Dorgerloh im Welt-Gespräch mit Marcus Woeller hinzu.
 
Auch im SZ-Interview mit Jörg Häntzschel will Dorgerloh lieber noch keine konkreten Ideen für das Humboldt Forum benennen und äußert sich entsprechend zu dem Vorwurf, dass überwiegend Berliner Männer zwischen 50 und 60 Jahren Schlüsselpositionen besetzen: "Es wird noch viel Personal eingestellt werden, und dabei werden Genderbalance und Internationalität wichtige Kriterien sein. Ich muss aber auch sagen: Ein guter Friseur muss nicht viele Haare haben. Das betrifft auch meine Person. Ich kann nichts daran ändern, dass ich ein weißer Mann bin."