9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.03.2024. Die FAZ folgt den Blicken Alexander Lukaschenkos und seines adipösen Spitzes und legt einen Finger in die Suwalki-Lücke. Die taz ist gegen einen Einbürgerungstest mit Fragen zu Israel - muslimische Einwanderungswillige könnten sich ausgegrenzt fühlen. Ebenfalls in der taz fürchtet Adrian Lobe: "Die digitalen Klärwerke sind überfordert." Die Welt fragt: Warum sollen nicht ein paar jüdische Propheten auf dem Dach des Stadtschlosses stehen?
27.03.2024. Wüssten die Westeuropäer, was die Russen über sie sagen, wären sie auf die eigene Sicherheit ernsthafter bedacht, warnt die litauische Schriftstellerin Kristina Sabaliauskaitė in der FAZ. In der FR setzt Olivia Mitscherlich-Schönherr indes auf eine Doppelstrategie, die militärischen Einsatz und politische Verhandlungen verbindet. In der Zeit erklärt der Terrorismus-Experte Guido Steinberg, weshalb der afghanische IS-Ableger ISPK Russland angegriffen hat: Dschihadisten denken pragmatisch. Nicht mal eine Wahlniederlage Putins hätte in Russland etwas geändert, glaubt der russische Journalist Vladimir Esipov bei Spon.
26.03.2024. Der UN-Sicherheitsrat fordert eine sofortige Waffenruhe in Gaza: Die FAZ erinnert daran, dass kein anderes westliches Land in den vergangenen Jahrzehnten in einen ähnlich existenziellen Kampf verwickelt war. In seinem Newsletter Thinking about hat Timothy Snyder keinen Zweifel daran, dass der Anschlag in Moskau auf den "Islamischen Staat" zurückgeht. Richard Herzinger hält es indes für möglich, dass das Attentat von Putin inszeniert wurde. Die taz blickt auf die finstere Redner-Liste beim "Palästina-Kongress". Und in der Berliner Zeitung glaubt Katja Lange-Müller: Der Wessi hat den "Jammerossi" aus Neid erfunden.
25.03.2024. Putin wird den Terroranschlag in Moskau zweifellos für seine Zwecke nutzen, prophezeit Viktor Jerofejew in der FAZ. Schon weil er das Versagen seiner Sicherheitsapparate verschleiern muss, sekundiert die taz. Für viele muslimische Kaukasier ist es besser, "unter der Flagge des Propheten zu sterben als unter der von Putin", erklärt der Politikwissenschaftler Olivier Roy im Interview mit der FR. Die taz sieht den Konflikt zwischen Hutu und Tutsi auf den Kongo und Burundi übergreifen. Populismus schadet der Wirtschaft, verkündet die FAZ. In der NZZ erwartet der Militärhistoriker Edward Luttwak einen baldigen Rückzug Netanjahus aus der Politik.
23.03.2024. Es ist "absoluter Unsinn", dass die arabische Seite im Krieg von 1948 nur Opfer der Israelis war, sagt der Historiker Benny Morris in der taz. In der FR behauptet der Nahostexperte Olivier Roy, die zivilen Opfer in Gaza seien der israelischen Regierung egal. Auch die Welt analysiert das Gutachten Christoph Möllers' zur Kunstfreiheit. Die FAS fragt, warum Frauenfeinde attraktiv für Jugendliche sind. Die pädagogische Rhetorik, mit der Steinmeier und Scholz bei ihren Leipziger Reden auf Zwischenrufer reagierten, ist nicht demokratisch, sondern bieder repressiv, meint auch die FAS.
22.03.2024. FAZ und Zeit online versuchen Christoph Möllers' Gutachten über mögliche Klauseln gegen Antisemitismus oder Rassismus zu verstehen. In der taz erklärt Louna Sbou vom Neuköllner Kulturzentrum Oyoun, warum sie Subventionen für israelfeindliche Positionen haben will. Putin wird nicht verhandeln, wenn der Ukraine die Patronen ausgehen, warnen SZ und Zeit online.
21.03.2024. Die Zeit stellt Omri Boehms Dankesrede für den "Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung" und Eva Illouz' Laudatio online: Mit Lessing und Mendelssohn empfiehlt Boehm auch Juden und Arabern Freundschaft, nicht Brüderlichkeit. Die Jüdische Allgemeine erzählt, warum man Hillel Neuers Intervention zur UNRWA im Europaparlament nicht sehen kann. Warum kommt das mit den rechtsextremen Spendern für das Berliner Stadtschloss eigentlich erst raus, wo das ganze Schloss schon fertig ist, fragt sich der Tagesspiegel (aber nicht an die eigene Adresse). Regieren ist nicht Verwaltungshandeln, sagt der Historiker Gerd Krumeich im Spiegel.
20.03.2024. "Einfrieren"? Eine sehr deutsche Sehnsucht, findet die FAZ, aber weder die Ukraine noch Russland sind daran interessiert, ergänzt Politologe Gerhard Mangott im Tagesspiegel. Ebendort nennt Olaf Scholz die Debatte "lächerlich", lässt aber offen, ob er die Erfinder des Begriffs "Einfrieren" kritisiert oder nur die Debatte darüber. Tablet erzählt die superfinstere Geschichte des Hamas-Chefs und Mörders Yahya Sinwar.
19.03.2024. Gesellschaft im Aufruhr: Der "Meinungskorridor" für antiisraelische Äußerungen werde immer enger, beschwert sich die taz. Israel betreibt in Gaza einen Rachefeldzug, schreibt Joseph Croitoru in der FR. Susan Neiman wirft Deutschland in der Irish Times MacCarthyismus vor. Die Sozis sind "Munichois" ruft FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube der "Gruppe der Schwesigs, Stegners und Scholzens" zu. Ein charmanter Zahnarzt aus Düsseldorf organisiert den Rechtsextremismus in Deutschland, berichtet die SZ: "sogar Sahra Wagenknecht"! Das Berliner Stadtschloss wird zur Festung für den Kulturkampf, fürchtet ebenfalls die SZ.
18.03.2024. Die Krim ist auf den Tag genau vor zehn Jahren besetzt worden. In der taz spricht Tamila Taschewa, die "Ständige Vertreterin des ukrainischen Präsidenten in der Autonomen Republik Krim", darüber, wie die Krim nach dem ukrainischen Sieg wieder demokratisiert werden soll. Auch an Stalins Genozid an den Krimtataren erinnert die taz. Im Spiegel zeichnet Karl Schlögel in einigen kräftigen Strichen das Porträt des Putinismus. Und Jan Fleischhauer informiert im Focus über das "Berliner Register" für missliebige Äußerungen.