9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Mit allen Sinnen in diese verlorene Welt

03.09.2026. Die Hochschulen in Sachsen-Anhalt könnten unter einer AfD-Regierung sehr leiden, befürchtet der Jurist Christoph Möller im Tagesspiegel-Interview. Europa hat immer noch nicht begriffen, wie existenziell die Gefahr ist, die von Russland ausgeht, warnt der Politikwissenschaftler Franz-Stefan Gady in der NZZ. Die Zeit porträtiert die Linken-Politikerin Elif Eralp, die mit extremen Kräften in ihrer Partei zu kämpfen hat. Die NZZ reist nach Litauen ins Lost Shtetl Museum, wo an die Geschichte der von den Nazis ermordeten litauischen Juden erinnert wird. 

Kein Ende der Geschichte

02.09.2026. Für die Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig scheint Russland verantwortlich zu sein: Eine "Eskalationsstufe", wie es sie seit dem Kalten Krieg nicht gab, kommentiert Zeit Online. In der SZ fordert der Rechtsprofessor Tristan Barczak moderne Gesetze, um sich gegen hybride Angriffe wie diesen wehren zu können. Der Kommunikationswissenschaftler Johanns Hillje analysiert in der taz, wie sich die AfD zum "Sehnsuchtsort" für Ostdeutsche stilisiert hat. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt, befürchtet bei einer AfD-Regierung katastrophale Entwicklungen für die Unis. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide erinnert bei epd daran, wie nahe sich Judentum und Islam eigentlich stehen. 

Kipppunkt in der Bewegung

01.09.2026. Die ostdeutschen AfD-Wähler wollen dem Westen einen "übermächtigen Schlag" versetzen, glaubt der Soziologe Detlef Pollack in der FAZ. Eine AfD-Politik in Sachsen-Anhalt würde übrigens zu Einkommensverlusten in Höhe von durchschnittlich 1.600 Euro pro Person führen, rechnet der Ökonom Marcel Fratzscher in der taz vor. Wir sollten nicht von "Verdrängung", sondern von "Vergangenheitsabwehr" sprechen, sagt im SZ-Gespräch der Historiker Klaus-Dietmar Henke mit Blick auf die Nachkriegsgeschichte. Nicht viel Optimismus versprüht Adam Tooze bei den Berliner Festspielen während einer Diskussion über die Zukunft Europas, notiert Elke Schmitter im Perlentaucher.

Die kritische Grenze überschritten

31.08.2026. Der Erfolg der AfD hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Erwartungen an den Staat gestellt werden, konstatiert der Politikwissenschaftler Peter Graf Kielmansegg, der in der FAZ dennoch zu "wachsamer Gelassenheit" rät. Gerade an Gerichten sind die Spielräume der AfD größer als angenommen, meint in der Zeit indes der Jurist Maximilian Steinbeis. In seiner Eröffnungsrede zum 75-jährigen Jubiläum der Berliner Festspiele warnt Meron Mendel vor einer "Empörungsdemokratie". Der Frieden im Nahen Osten scheitert an Israel, glaubt Aleida Assmann in der FR. 

Makel des Politischen

29.08.2026. In der FAS sprechen sich Cem Özdemir und Boris Pistorius für ein Verbot insbesondere mit Blick auf den völkischen Teil der AfD aus. "Wir wissen, was geschah", warnt auch Uwe Timm, der in der SZ keinen Unterschied mehr zwischen der AfD und den Nazis sieht. Werdet ihr uns helfen, Israel zu reparieren, fragt die israelische Regisseurin Yael Reuveny in der Jüdischen Allgemeinen Juden in der Diaspora. Die Annahme, eine dem Menschen überlegene KI werde es niemals geben, ist längst überholt, warnt die SZ.

Im nächsten Jahr brennt es woanders

28.08.2026. Die FAZ fragt, wie viele Überschwemmungen und Waldbrände es noch geben muss, damit die Politik das Thema Klimawandel ernst nimmt. Ebenfalls in der FAZ ärgert sich der Soziologe Matthias Quent, dass die Demokratieförderung hierzulande vernachlässigt wird, was der AfD zu Gute kommt. In der Welt erzählt der palästinensische Aktivist Hamza Howidy, wo in der Nahostdebatte die blinden Flecken beider Seiten liegen. Die SZ erinnert die Großstädter daran, dass ihr Kokain nicht Fair-Trade ist. 

Ein sehr ambivalentes Instrument

27.08.2026. Die größte Gefahr für die AfD wäre, wenn sie tatsächlich Regierungsmacht bekommt, denn dann müsste sie liefern, meint der Politikwissenschaftler Philip Manow im Welt-Gespräch. Francis Fukuyama hält es im Interview mit der Zeit für unwahrscheinlich, dass die AfD eine Mehrheit im Bundestag erhält. Erdogans Missachtung der europäischen Gesetze schadet auch der Wirtschaft des Landes, erklärt Bülent Mumay in der FAZ. Ausländische Kultureinrichtungen wurden schon im Kalten Krieg vom KGB genutzt, um die sowjetische Opposition auszuspionieren, erinnert die SZ mit Blick auf das Russische Haus. 

Heute ist davon nichts übrig geblieben

26.08.2026. In der NZZ erzählt der russische Journalist Andrei Kolesnikow, wie wenig Perspektiven jungen Russen inzwischen noch bleiben. Der Guardian beobachtet, wie sehr sich das polnisch-ukrainische Verhältnis schon wieder abgekühlt hat. In der Jüdischen Allgemeinen empfiehlt Götz Aly, alle Subventionen zu kürzen, um von oben nach unten umzuverteilen. Alle 30 Minuten stirbt ein Mensch im Osten der Demokratischen Republik Kongo an Ebola, berichtet die SZ.  Das Russische Haus in Berlin steht im Verdacht, vom Kreml für Spionage genutzt zu werden: Der Tagesspiegel überlegt, welche Auswirkungen Sanktionen auf das Goethe-Institut in Moskau hätten. 

Das bessere System denkt länger nach

25.08.2026. Wie umgehen mit Rechten? Eine Integration ins politische System bringt jedenfalls nichts, warnen in der SZ Gustav Seibt und die Sozialpsychologin Beate Küpper, denn zerlegt werden nur die Parteien, die sich mit ihnen einlassen. Derweil plädiert Frauke Brosius-Gersdorf im Tagesspiegel dafür, dass alle Fraktionen im Bundestag ein Vorschlagsrecht für Bundesverfassungsrichter bekommen. In der Welt warnt Rüdiger Safranski vor einer Machtergreifung durch KI - das dauert aber noch, winkt in der FAZ der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl ab.

Maßlose Erlösungsversprechen

24.08.2026. In der FAZ blickt der Historiker Moritz Fischer auf die Geschichte der Parteiverbotsverfahren in der Bundesrepublik und meint: Die Prinzipien der wehrhaften Demokratie wurden zugunsten der liberalen Demokratie abgeschwächt. Im Guardian befürchtet Timothy Garton Ash ein "KI-Hiroshima". Die NZZ erklärt, warum Tschechien gerade wegen seiner Israel-Solidarität EU-Sanktionen gegen den Rechtsextremen Itamar Ben Gvir nicht blockieren sollte. Bei Zeit Online sorgt sich der ehemalige ZDF-Chefredakteur Peter Frey mit Blick auf den Geschichtsrevisionismus der AfD um die deutsche Erinnerungskultur.