9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Fördergelder für riesige Bierfeste in Burganlagen

04.05.2026. In Sachsen-Anhalt ist die AfD gefährlich nah an der Macht: Die FAZ warnt vor ihrer kommenden russophilen Bildungspolitik. In der SZ erklärt der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecky, warum die europäischen Rechtsextremisten Putin so lieben. Librejournal.fr analysiert die Dialektik des französischen "Antifaschismus" - er bringt die extreme Rechte an die Macht. Polen und Griechenland erinnern laut taz und FAZ die Deutschen an die Verheerungen ihres einstigen Rechtsextremismus. In der NZZ erklärt Kacem El Ghazzali , warum er kein Aushängeschild für Quotendiversität sein will.

Konkrete, öffentlich zugängliche Anhaltspunkte

02.05.2026. Die Russen haben inzwischen solche Angst vor ukrainischen Drohnen, dass sie lieber die Parade zum 9. Mai verkleinern, berichtet die FAZ. Steckt die AfD hinter dem Buchhandlungspreis-Chaos, fragt die SZ. Zum Antisemitismus empfiehlt die Vogue einen blauen Samtblazer sowie ein markantes Brillengestell. Die taz warnt vor der Kulturpolitik der AfD.  Und sie prognostiziert Keir Starmers Untergang.

Wie eine disziplinarische Maßnahme

30.04.2026. Wenn Peter Magyar in Ungarn Erfolg haben will, darf er nicht an Orbans Methoden anknüpfen, mahnt der Politologe Zoltan Adam in der NZZ. Der Berliner Finanzsenator Stefan Evers ist jetzt auch der Berliner Kultursenator. Der Berliner Kultur und dem Tagesspiegel macht diese Meldung eher Sorge. Die taz und Le Grand Contintent fragen, wer das Terrornetzwerk "Hayi" ist. Mali ist auch das Desaster des Postkolonialismus, konstatiert Laurent Joffrin in librejournal.fr.

Wird schocken!

29.04.2026. In der SZ schaut Claudius Seidl auf die Katastrophe der Berliner Kulturpolitik. Carl Schmitt war zwar nicht der "Katechon", aber die Verschwörer des 20. Juli mochten ihn auch so nicht besonders, muss die Zeit feststellen. Dort wird auch über ein "Gruppenexperiment" Adornos berichtet, das er lieber nicht veröffentlichte. Die SZ recherchiert zum Leiter einer Deutsch-Arabischen Schule in Berlin, der einen Anschlag gegen sich erfunden haben soll. Die taz vermisst die Action einstiger 1. Mai-Demos in Berlin.

Diskursives Dagegenhalten

28.04.2026. Die SZ lässt sich von Christoph Möllers erklären, warum Antisemitismus unter Kunstfreiheit fällt. Im Ukrainekrieg erkennen inzwischen selbst russische Propagandisten den Widerspruch zwischen militärischen Zielen und der militärischen Wirklichkeit, erzählt der Schriftsteller Christoph Brumme in der NZZ. In der taz beklagt der Blogger und Aktivist Emran Feroz eine "Islamophobie-Industrie" in Deutschland. Und die SZ stellt den Zuckbot vor.

Ohne unmittelbares menschliches Zutun

27.04.2026. In der NZZ fordert der Historiker Jan Grabowski einen offenen Blick auf den Holocaust - auch die Komplizen in den besetzten Ländern müssen in der Geschichtsschreibung vorkommen, fordert er. In Frankfurt wird ein Habermas-Kongress vorbereitet, und so gut wie alle Adepten fragen sich laut FAZBin ich es, der da reden soll? Die Welt beleuchtet das unheimliche, von Palantir in Aussicht gestellte Szenario eines von KI automatisierten Krieges. hpd.de beleuchtet den religiösen Aspekt am Trumpismus: Die Trennung von Staat und Religion erodiert.

Engel, Sünde, Hölle und Teufel

25.04.2026. Die sich längst abzeichnende Katastrophe der Berliner Kulturpolitik ist nun ein- und die Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson zurückgetreten - FAZ und Tagesspiegel resümieren das Trauerspiel. Auf Twitter findet Reza Pahlavi eine deutliche Antwort auf das schändliche Verhalten deutscher Journalisten. Der Tagesspiegel fragt, warum die Schöpflin-Stiftung ihre Aufgabe darin sieht, scharf israelfeindliche Veranstaltungen in Berlin zu finanzieren. Die NZZ erklärt, warum der intensive Katholizismus des Vincent Bolloré den Rechtspopulismus in Frankreich noch gefährlicher macht. 

Der Anschein, es ginge vorrangig um Machterhalt

24.04.2026. Der iranische Oppositionsführer Reza Pahlavi ist in Berlin aufgetreten und erntet den Hohn der taz. In der SZ spricht Virginie Despentes über die polarisierte Stimmung in Frankreich nach der Affäre um den Verlag Grasset. Die FR erinnert an den Genozid an den Armeniern, der von den Türken bis heute nicht als solcher anerkannt wird. In Rheinland-Pfalz will man die Landesverfassung ändern, um die politische Partizipation der stark gewordenen AfD zu begrenzen - der Rechtsprofessor Hinnerk Wißmann sieht das in der FAZ sehr kritisch. 

Aufstand der Geister und des Geistes

23.04.2026. Die AfD ist erstmals stärkste politische Kraft in Deutschland, meldet das ZDF-Politbarometer: Selbst Schwarz-Rot hätte heute keine parlamentarische Mehrheit mehr. Vor vierzig Jahren explodierte ein Reaktor im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl: Die nukleare Katastrophe ist ein Krieg, erinnert sich die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch in der Zeit. In Le Point beschreibt der Strahlungsforscher Jim T. Smith die paradoxen Folgen der Katastrophe. In der Welt erklärt der Sinologe Frank Dikötter, warum es in China keinen Kapitalismus gibt. In der FR untersucht Claus Leggewie das Verhältnis der Deutschen zum Wal.

Staatlich geförderte Verunsicherung

22.04.2026. Kaum ist Habermas tot, entbrennt Streit unter seinen Adepten: War er denn adornitisch genug? Stefan Müller-Doohm verwahrt sich in der FAZ gegen Gerhard Schweppenhäuser. Zeit online verteidigt das "Demokratie leben"-Programm gegen eine eventuelle Neuausrichtung durch die CDU-Ministerin Karin Prien. Auch Journalisten schönen ihre Memoiren, besonders, wenn sie mal Nazis waren, lernt die FAZ bei Medienhistoriker Siegfried Weischenberg. Ein Vergleich der heutigen Situation mit der Weimarer Republik führt nicht sehr weit, meint der Historiker Jörn Leonhard in der NZZ.