9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
09.04.2026. Donald Trump hat mit seinen Drohungen gegen den Iran jede Grenze überschritten, meint die SZ unter Berufung auf den Historiker Timothy Snyder. Auch innenpolitisch scheint ihm der Krieg geschadet zu haben: MAGA liegt im Sterben, zitiert die FAZ die New York Times. In der taz erzählt der Rapper Behrad Ali Konari von dem Psychoterror, dem er in iranischen Gefängnissen ausgeliefert war. Die Zeit erinnert an das "größte Kriegsverbrechen der Gegenwart": die Abschlachtung der Bewohner der sudanesischen Stadt Al-Faschir. Ebenfalls in der Zeit ermuntert Aleida Assmann die Leser, eine neue Suchmaschine für die NSDAP-Mitglieder-Kartei zu nutzen, um die eigene Familiengeschichte in der NS-Zeit zu erkunden.
08.04.2026. Im Irankrieg scheint es ein Waffenstillstandsabkommen zu geben - das behauptet jedenfalls Donald Trump, berichtet Zeit online. Wie dieser Krieg jetzt auch ausgeht, Trumps sprachliche Eskalation hat den Genozid quasi salonfähig gemacht, fürchtet die taz. In der SZ beschreibt der ukrainische Schriftsteller Jurko Prochasko, wie Russland versucht, die Ukrainer jenseits der Frontlinie zu zermürben. Bei Zeit online erklärt der Historiker Jeremy Varon, warum die Trump-Regierung die Kritische Theorie gern als Schreckgespenst zeichnet, damit aber leider auch manchmal recht hat.
07.04.2026. Die Täter kamen in Deutschland aus der Mitte der Bevölkerung, sagt Götz Aly in der SZ - aber macht die Ausstellung "Wieviel wussten die Deutschen" in der "Topographie des Terrors" diesen Aspekt wirklich deutlich? Ebenfalls in der SZ spricht der Autor Arnd Henze über die gefährliche Ideologie des "Christlichen Nationalismus" in den USA. In der FAZ warnt der Ethiker Rainer Mühlhoff vor der Ideologie des Silicon Valley. In der taz erklärt der Kriminologe Klaus von Lampe, was es mit den vielen Schießereien in Berlin auf sich hat.
04.04.2026. Um Trump zu bekämpfen, sollten sich die Amerikaner mit der Geschichte ihrer Verfassung auseinandersetzen, ruft die Historikerin Jill Lepore im FAS-Interview. Peter Sloterdijk sieht in der MAGA-Bewegung den Ausdruck eines "kontrafaktischen Minderwertigkeitsgefühls", wie er im SZ-Gespräch erklärt. Der taz wird in einer Ausstellung in Berlin mit VR-Brille das Grauen des syrischen Foltergefängnisses Sednaya vor Augen geführt. In der SZ versichert die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub: Früher war es auch nicht besser!
02.04.2026. Wer sind die Feinde der Demokratie, wer definiert sie, und wann wird man selbst dazu, fragen in der FAZ Elisa Hove, Frauke Rostalski und Philip Manow. Die AfD sollte ruhig Regierungserfahrung sammeln, meint in der NZZ Rüdiger Safranski, das habe auch die Grünen am Ende entradikalisiert. Auf Zeit online fürchtet der Historiker Moshe Zimmermann einen Backlash gegen Israel in den USA. In der SZ erklärt die Rechtsphilosophin Elisabeth Holzleithner, warum der Tatvorwurf "leichtfertige Vergewaltigung" eine Lücke im Sexualstrafrecht schließen würde.
01.04.2026. Instabilität ist der neue Normalzustand, warnt der Ökonom Eswar Prasad bei Zeit Online. Kritik gibt's am neuen Gesetz zur Todesstrafe in Israel exklusiv für palästinensische Terroristen: Die taz hat von Israel eh nichts Besseres erwartet. Die Jüdische Allgemeine hofft, dass der oberste Gerichtshof das Gesetz kassieren wird. Die SZ lässt sich von Chat-GPT bestätigen, dass Open AI gegen das Urheberrecht verstößt. In der FAZ warnt der Migrationsforscher Alexander Kustov, Forschungsergebnisse zur Migration schön zu reden: Damit spiele man den Rechtsextremen in die Hände.
31.03.2026. Der Rheinmetall-Chef hat ukrainische Drohnen verspottet. Er hat allerdings nicht mit den ukrainischen Hausfrauen gerechnet, stellen taz und FAZ fest. Der Historiker Martin Sabrow versucht in Zeit online zu ergründen, warum Honecker heute so gern verharmlost wird. Die SZ erklärt, warum es in der polnischen Stadt Zamość, der Geburtsstadt Rosa Luxemburgs, keine Gedenkplakette für sie gibt. Ist der Rechtspopulismus das Endstadium des Spätkapitalismus, fragt die taz mit Eva von Redecker.
30.03.2026. Wenn der Irankrieg andauert, könnte sich herausstellen, dass Putin durch den Krieg mehr einnimmt, als Trump dafür ausgibt, fürchtet Sergei Gerasimow in der NZZ. Zugleich schildert die FAS, wie die Ukraine für ständige Innovation bei den Drohnen sorgt. Und Sönke Neitzel stellt auf einem FAZ-Forum die Frage, ob Europa die Ukraine fallen lässt. Die taz interviewt die Bürgerrechtlerin Debbie Gild-Hayo zum Projekt der israelischen Regierung, die Todesstrafe wieder einzuführen. geschichtedergegenwart.ch und FR schildern Diskursstrategien des Rechtsextremismus.
28.03.2026. In der FAS beschreibt Götz Aly den "Wirbel von Stärke und Schwäche", der Disruptoren wie Trump und einst schon Hitler vorantreibt. War die knappe Hälfte des Menschengeschlechts ein Fehltritt der Evolution? Diese Frage muss man sich stellen, und zwar ernsthaft, mahnt die Welt mit Blick auf die Fälle Epstein, Pelicot, Ulmen. Im Senegal veschärft sich das Klima gegen Homosexuelle weiter, berichtet Le Point. In der taz fragt die chilenische Schriftstellerin Nona Fernández, wie es die Chilenen fertigbrachten, einen Pinochet-Bewunderer demokratisch zu wählen. Die FAZ erzählt, wie Orban die ungarischen Medien gleichschaltete und diese darüber in Schlummer gerieten.
27.03.2026. Der Musk-Kritiker Quinn Slobodian kommt in der FR nicht umhin zuzugeben: Es gibt auch Aspekte, die man an Elon Musk bewundern muss. "Die Klüngellösung wurde also knapp vermieden", freuen sich die Zeitungen, nachdem sich der Vertriebenenverband nicht mit seiner Personalpolitik beim "Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung" durchsetzen konnte. Le Monde bringt einen Nachruf auf Jean-Pierre Faye, der als erster Martin Heideggers Verwicklung mit dem Nationalsozialismus und Antisemitismus thematisierte.