9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
14.04.2025. In der FR erklärt Anetta Kahane mit Blick auf Omri Boehm, warum ihr "Universalismus" nicht behagt. In der FAZ erzählt Heinrich August Winkler, wie die KPD vor hundert Jahren Hindenburg möglich machte. In der NZZ beschreibt der russische Journalist Andrei Kolesnikow die Pathologie des russischen Blicks auf Amerika. Und in der Jungle World spricht Wolfgang Kraushaar über linken Antisemitismus und eine Einstaatenlösung für Israel.
12.04.2025. Die taz beleuchtet mit der Figur des Russell Vought die Rolle des "Christlichen Nationalismus" im aktuellen politischen Wahn Amerikas. Die FAZ fragt, ob sich die Demokraten aus der Schockstarre lösen und aus dem Bann des Wokismus befreien können. In der FAS erklärt Evgeny Morozov , wie das neue Oligarchentum in Amerika funktioniert. Und nochmals die taz erklärt die immer schwierigere Lage von ungewollt schwangeren Frauen in Europa.
11.04.2025. Die Feuilletonchefs beugen sich über die kulturpolitischen Passagen im Koalitionsvertrag und finden nur weltanschauliche Plattheiten und Hoffnung auf Umwegfinanzierung. Die SZ wundert sich sehr über die Zeit: Anders als Jesus kommt Giovanni Di Lorenzo nicht mit zwölf Jüngern aus. golem.de rechnet aus, was ein Iphone kosten würde, wenn es in Amerika hergestellt würde. Europa ist nicht nur dadurch geschwächt, dass Amerika sich zurückzieht, konstatiert Richard Herzinger im Perlentaucher.
10.04.2025. In der Zeit diskutieren die Historiker Peter Longerich und Frank Bajohr darüber, wie geeint die Deutschen hinter der NSDAP standen. Finstere Zeiten sind für die Redefreiheit angebrochen, konstatiert Omri Boehm im Zeit-Gespräch, und auch um die Erinnerungskultur stehe es schlecht. Im Interview mit der NZZ kritisiert der Philosoph Alain Finkielkraut das Gerichtsurteil gegen Marine Le Pen und wirft der französischen Justiz vor, zu links zu sein. In der FAZ erklärt der Jurist Christoph Möllers, warum das Rechtssystem der USA gegenüber der Politik schwach aufgestellt ist.
09.04.2025. Im Spiegel verteidigt Natan Sznaider Omri Boehm und plädiert für eine Art Fließgleichgewicht zwischen Universalismus und Partikularismus. Ebenfalls in der FAZ antworten die Politikwissenschaftler Julian Nicolai Hofmann und Oliver Eberl auf Egon Flaig: Keine Opferpflicht des Bürgers ohne Ausgleich und gerechte Ordnung. In der FR stellt Aleida Assmann den palästinensischen Politologen Bashir Bashir vor, der den Nahostkonflikt durch einen egalitären Binationalismus zu befrieden hofft. Warum schweigt die sonst so mitteilungsbedürftige Annalena Baerbock zu den Protesten in Gaza gegen die Hamas, fragen die Ruhrbarone.
08.04.2025. Der Streit um Omri Boehm geht weiter: In der NZZ fragt Michael Wolfssohn mit Blick auf Boehm, warum man ausgerechnet an einem Gedenktag die Trauernden belehren will. Die FAZ hätte die Rede nicht weiter gestört, fand sie aber auch etwas unklar. Für Europas Rechte entwickelt sich Donald Trumps Wahlsieg langsam zu einem echten Problem, stellt der Spiegel fest. Die Welt fragt, was "Asylbewerbende" sind.
07.04.2025. Die SZ druckt die Rede, die Omri Boehm in Buchenwald gehalten hätte, wenn er nicht ausgeladen worden wäre. Es geht um Frieden. In der NZZ beschreibt Sergej Lebedew, wie Putin Krieg macht: Sein Sieg besteht nicht unbedingt in militärischen Eroberungen. In der SZ malt Voker Weiß ein sehr düsteres Szenario der kommenden politischen Verwerfungen im Zeichen von Trumps Machtpolitik. Die FR erzählt, wie auch die Traditionsmedien von Künstlicher Intelligenz profitieren können.
05.04.2025. In der SZ erklärt die israelische Soziologin Eva Illouz, nachdem ihr aufgrund einer Unterschrift unter einer Petition von Israels Bildungsminister Yoav Kish der Israel-Preis verweigert wurde, sich dem "autoritären Regime" weiterhin zu widersetzen. In der Berliner Zeitung bekundet Jens-Christian Wagner, Direktor der Gedenkstätte Buchenwald, indes sein Entsetzen darüber, dass er gedrängt wurde, Omri Boehm nicht sprechen zu lassen. In FAZ, Welt und taz diskutieren die amerikanischen Professoren Jason Stanley, Marci Shore und Russell A. Bermann über Trumps Kulturkampf an US-Unis. Und die taz erzählt, was Radio Free Europe für die Meinungsfreiheit in Kasachstan bedeutet.
04.04.2025. Jetzt nur nicht Realist sein, ruft Gustav Seibt in der SZ, zumindest nicht im Sinne geopolitischer Zyniker, die nur halb verstanden haben, wie "Macht" funktioniert. Nicht nur im Wirtschaftsteil der FAZ rauft man sich die Haare angesichts der Pi-mal-Daumen-Formeln, mit denen Donald Trump die Weltwirtschaft in den Abgrund reißt. FAZ und FR bedauern, dass Omri Boehm nicht in Buchenwald reden darf. Und die SZ beobachtet Habermas-Schüler, die begreifen wollen, warum ihre Theorie nicht funktioniert hat: Düster und hilflos in Nymphenburg.
03.04.2025. Gestern hat Donald Trump für alle Länder Zölle angekündigt - mit einer Ausnahme: Russland. Im Zeit-Online-Interview erklärt der Ökonom Maurice Obstfeld, warum das für die USA wirtschaftlich eigentlich schlecht ist. In der SZ hofft der Protestforscher Tareq Sydiq , dass der Widerstand in den USA zunehmen wird. In der FAZ glaubt der Historiker Joseph de Weck, dass die "europäische Wende" den europäischen Populisten ihr Handwerk erschwert. Die Welt beleuchtet den Einfluss der 68er-Rhetorik auf den Front National.