9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.12.2025. Die SZ schildert Wolodimir Selenskis einsamen Kampf gegen Donald Trump. In der FR fürchtet Arno Widmann mit Blick auf die Allianz von Trump und Putin: "Wir werden uns rüsten müssen." Die Konferenz wehleidiger Intellektueller, die in der Schweiz tagen, weil sie in Deutschland ihre weit verbreitete Meinung angeblich nicht sagen dürfen, beschäftigt die Zeitungen weiter. Die Kopplung von KI und Macht besorgt FR und SZ. Die taz porträtiert die Feministin Jacinta Katiany, die in Kenia gegen Genitalverstümmelung kämpft.
10.12.2025. In der SZ fordert Navid Kermani eine Föderation europäischer Staaten, warum nicht gleich ein transnationaler Sozialismus, fragt Lea Ypi in Zeit online. Auch vor hundert Jahren haben sich Intellektuelle gefetzt, damals hießen sie Siegfried Kracauer und Martin Buber - die FAZ erinnert. Mit Europa geht's unterdessen laut FAZ und SZ weiter bergab, sowohl in Frankreich als auch in Britannien. Aber es besteht Hoffnung: Die taz hat bei Wolfram Weimer einen Gottesbeweis gefunden.
09.12.2025. Was nur fasziniert die liberale Linke so am radikalen Islam, fragt sich in der FAZ der kroatische Historiker Ivo Goldstein. Wer den Ukrainekrieg gewonnen hat, wird nicht in einem "Friedensplan" entschieden, sondern in der Zeit danach, meint Timothy Garton Ash in der SZ. Warum neuerdings in der Türkei Fotojournalisten verhaftet werden, erklärt in der taz der Fotograf Yasin Akgül. Im Spiked Magazine plädiert der polnisch-nigerianische Autor Remi Adekoya nicht für eine Dekolonisierung der Geschichte, sondern für eine Erweiterung des Lehrplans, die das Osmanische Reich, das Mogulreich und das Königreich Ashanti neben dem britischen Empire einbezieht.
08.12.2025. Für Amerika ist jetzt "Europa der Feind Nummer 1", fürchtet die taz nach Lektüre von Donald Trumps Papier zur "Nationalen Sicherheitsstrategie", ein wahrhaft "bedrohliches Pamphlet", stimmt die NZZ zu. SZ und Zeit online beobachteten deutsche Intellektuelle in der Schweiz bei selbstmitleidiger Selbstzerpflückung. In der Jüdischen Allgemeinen appelliert Jeffrey Herf an die Unis: Die Nahostforschung muss neu aufgestellt werden.
06.12.2025. In der taz kann die Schriftstellerin Sofi Oksanen nicht verstehen, warum der Westen zu den Entführungen ukrainischer Kinder schweigt. Wir leben in einer Zeit des Übergangs, aber das Neue ist noch nicht in Sicht, meint in der FR der Historiker Christopher Clark. In der taz fordert die Politikwisschenschaftlerin Martyna Linartas, eine höhere Erbschaftssteuer - sonst geht's direkt zurück ins Kaiserreich. In der FAS diagnostiziert die Philosophin Seyla Benhabib Elemente' des Totalitarismus in den USA. In der SZ sieht die Schriftstellerin Karina Sainz Borgo, wie es Nacht wird in Venezuela.
05.12.2025. Die SZ veröffentlicht Ergebnisse aus dem "Damascus-Dossier", in dem in weltweiter Zusammenarbeit die Geheimdienst-Archive der Assad-Regierung ausgewertet werden: Es geht unter anderem um das syrische Militärkrankenhaus Harasta, in dem in großem Stil gefoltert und getötet wurde. Deniz Yücel sieht in der Welt die Pressefreiheit in Gefahr - nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande. Georgien erlässt nun Presse-Gesetze nach russischem Vorbild, berichtet die FAZ.
04.12.2025. Die Feuilletons diskutieren weiter über die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann: Die FAZ findet die Vorwürfe übertrieben, die SZ prangert Druck von Seiten der israelischen Regierung an. Der syrische Schriftsteller Yassin al-Haj Saleh blickt in der Zeit mit Hannah Arendt auf die Assad-Diktatur in Syrien. Der Soziologe Natan Sznaider fragt derweil in der SZ, was Arendt den Juden heute noch zu sagen hätte. Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge wundert sich, dass im "Armuts- und Reichtumsbericht" der Bundesregierung die Reichen gar nicht vorkommen.
03.12.2025. Die Europäer müssen resilienter werden, fordert die Politikwissenschaftlerin Claudia Major in der SZ. Die Gespräche zwischen den USA und Russland führten keinen Schritt weiter in Richtung Frieden, melden die Zeitungen. Die FAZ sehnt sich angesichts von "Raubtieren" wie Trump und Putin nach europäischen Politikern mit Format. Die FR begrüßt eine Statue Walter Lübckes in Sichtweite der CDU-Bundesgeschäftstelle.
02.12.2025. In der FAZ geht die Autorin und Filmemacherin Esther Schapira hart mit der Nahost-Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen ins Gericht: "tendenziös" und "verzerrt" lautet ihr Urteil. In der NZZ zeichnet die Politologin Kholood Khair nach, wie es zum Bürgerkrieg im Sudan kam. Außerdem interessiert sich die FAZ für die irritierenden Ansichten von Zhoran Mamdanis Vater Mahmood, etwa mit Blick auf islamistischen Terror. Im Perlentaucher untersucht der New Yorker Publizist Mitchell Cohen die Schwächen der amerikanischen Verfassung, die Trump zur Macht verhalfen.
01.12.2025. In Berlin treffen sich heute der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und Bundeskanzler Merz - die FAZ schildert den deprimierenden Stand der deutsch-polnischen Beziehungen. Die BBC erzählt, wie es dazu kam, dass ein Park in Dublin nicht umbenannt wurde. Die SZ wundert sich über Amazon Prime, wo recht gewagte Theorien über UFOs eins zu eins verbreitet werden. Die taz weiß, wann das Interesse an Raubdrucken in der deutschen Linken nachließ.