9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Schwitzen wie Nilpferde im Whirlpool

26.03.2026. Wer sich auf das drohende Ende des Friedens vorbereiten will, dem empfiehlt Peter Sloterdijk in der Zeit die Lektüre von Machiavellis "Der Fürst" - und eine Suche nach den 27 Streitkräften der EU. Deutschland hat die Entwicklung des Drohnenkriegs verschlafen, warnt in der FAZ der Militärhistoriker Sönke Neitzel. In der taz und bei Beck aktuell erklären die Anwälte Johannes Eisenberg und Jörn Claßen am Beispiel Fernandes/Ulmen, wo die Grenzen der Verdachtsberichterstattung liegen. In der NZZ fragt sich der der Historiker Peter Techet, warum ausgerechnet so viele osteuropäische Länder heute in großen Teilen prorussisch sind.

Zwischen Verdacht und erwiesener Schuld

25.03.2026. Ist ein Gedenken im ehemaligen KZ Buchenwald überhaupt noch möglich? Nun wenden sich Nachfahren ehemaliger Insassen gegen eine Rede Wolfram Weimers am Gedenktag, berichten mehrere Zeitungen. Die taz fürchtet, dass missliebigen Gruppen der "Zivilgesellschaft" die Subventionierung gestrichen wird. Zeit online fragt, ob das iranische Regime aus dem Krieg gar gestärkt hervorgehen könnte. Das wäre alles nicht passiert, wenn man sich an seine "kluge Diplomatie" gehalten hätte, schimpfte Frank-Walter Steinmeier unterdessen im Auswärtigen Amt.

Rein rationaler öffentlicher Diskurs

24.03.2026. Die Welt erklärt mit Stewart Brand, dem Erfinder des "Whole Earth Catalogue", warum die Umwelt nur mit Urbanisierung zu retten ist. Die SZ erklärt dem neuen grünen Bürgermeister von München, Dominik Krause, mehr oder weniger das gleiche. Die taz erinnert an die argentinische Militärdiktatur, die sich vor fünfzig Jahren an die Macht putschte. In der FAZ erklärt Philip Manow, wofür die Populisten ein "Problemanzeiger" sind. Und ein Habermas-Nachruf ist nachzutragen - von Palantir-Gründer Alexander C. Karp in Politico.

Großer Unmut in der Fraktion

23.03.2026. Das Palästinensertuch ist in der Gedenkstätte Buchenwald nicht verboten, versichert Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner in der SZ, eine "Kufija-Demo" aber schon. Ines Geipel beleuchtet zugleich in der FAZ ein besonders düsteres Kapitel in Buchenwald: die mögliche Kollaboration der KPD mit der SS, wenn's ums Töten ging. Der Rückhalt für Wolfram Weimer bröckelt selbst in der CDU, berichtet die FAZWelt und taz berichten mit unterschiedlicher Akzentsetzung über die von der Regierung geplante Revision des Programms "Demokratie leben". 

Man hat sie den Tauben überlassen

21.03.2026. Auf ZeitOnline glaubt HVG-Chefredakteur Marton Gergely an eine Abwahl Orbans: Während dieser von einer internationalen Revolution träumt, ist Ungarn gescheitert. Vergesst Belarus nicht, ruft die Menschenrechtlerin Marina Kolesnikowa Europa in der FAS zu. In der NZZ fordert die Philosophin Veronica Zanetti Europa auf, sich deutlich zum Völkerrecht zu bekennen. Nicht der Islam, sondern die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland, sagt der Journalist Hasnain Kazim in der SZ. Die FAZ schlägt indes einen gesetzlichen islamischen Feiertag vor. Wird Berlin überhaupt noch regiert, fragt die SZ außerdem.

Die Schwächung der Gegengewichte

20.03.2026. Giorgia Meloni hat zwei Gesichter, stellt die SZ fest, und eines davon ist nicht so nett. Die von ihr geplante Justizreform soll die italienische Demokratie schwächen, fürchtet auch die taz. In Zeit online erklärt Andreas Büttner, Antisemitismusbeauftragter in Brandenburg, warum er aus der Linkspartei ausgetreten ist: wegen Antisemitismus. Wolfram Weimer liefert den Feuilletons zuverlässig weiter Stoff - die taz sieht in der Affäre um den Buchhandlungspreis einen Kulturwandel, die Welt gerade nicht.

So unerträglich kompliziert

19.03.2026. Die taz schildert das Massaker der sudanesischen Miliz RSF in El Fasher, das  langsam auch den Internationalen Strafgerichtshof bewegt. Wenn ein Staat von einem anderen in seinem Existenzrecht bedroht wird, dann hat er auch das Recht sich zu verteidigen, erklärt der Völkerrechtler Jürgen Bröhmer in der FAZ. Einen Vernichtungskrieg führt aber Israel, eine iranische Gefahr gibt es nicht, versichert  Bahman Nirumand in der taz. Bei den Salonkolumnisten blickt Ilko-Sascha Kowalczuk von Osten auf Habermas - das ist aber nicht seine vorteilhafte Seite. Er wolle keinen Kulturkampf, erklärt Wolfram Weimer in der Zeit, wo Thea Dorn auch fragt, ob der Verfassungsschutz wirklich die Hauptwaffe gegen Extremismus sein sollte.

Solches Digitaldenken ist toxisch

18.03.2026. Ekrem İmamoğlu soll nach dem Willen der türkischen Staatsanwaltschaft zweitausend Jahre in Haft. Im Briefinterview mit der SZ gibt er sich optimistisch: Die Türkei könne noch eine demokratische Vorreiterrolle in der Welt spielen. Im Libanon überlebt die Hisbollah, weil die Schiiten keine demokratische Alternative finden, meint in der taz der politische Ökonom Joseph Daher. In der FR sieht WDR-Redakteur Arnd Henze Heilige Krieger des Christentums für die US-Armee marschieren. Im Guardian fürchtet die Autorin Ana Schnabl, dass es nach den Wahlen in Slowenien eine rechte Regierung mehr in Europa geben wird.

Und dabei Protestlieder singen

17.03.2026. Der Libanon hat es auch wegen der Hisbollah und der daraus resultierenden ständigen Kriegsdrohung nicht geschafft, seine internen Konflikte zu bewältigen, sagt der Autor Charif Majdalani in der FAZ. Die Linkspartei hat ein Antisemitismusproblem, meint taz-Autor Nicholas Potter nach dem Antizionismusvotum des Landesverbands Niedersachsen. Die SZ unterbreitet der Welt publizistische Ideen: Wie wär's mit einer Kolumne von Wladimir Putin? Driftet die "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" ab, fragt die FAZ. Im Standard diagnostiziert Navid Kermani eine deutsche Neurose im Blick auf Israel.

Ein solches intellektuelles Erbe

16.03.2026. Jürgen Habermas ist tot. Aus der Überfülle der Texte wählen wir einige Highlights aus: Le Grand Continent bringt ein letztes Interview, in dem Habermas nochmal die Ideen der Aufklärung verteidigt. Michael Krüger  veröffentlicht in der FAZ eine sehr persönliche und liebevolle Erinnerung.  Viele erinnern wie Arno Widmann in der FR oder Thomas Schmid in der Welt  an den Historikerstreit. Außerdem Statements von Eva Illouz, Herfried Münkler, Stefan Müller-Doohm und Seyla Benhabib. In Frankreich waren Kommunalwahlen: Laurent Joffrin fürchtet in Lejournal.info ein Schreckensszenario für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr.