9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
10.03.2025. Warum Pazifismus nicht funktioniert, bringt der Essayist Wolfgang Matz in der FAZ am Beispiel Simone Weils in Erinnerung. Die Historiker Agnieszka Pufelska und Felix Ackermann erklären bei geschichtedergegenwart.ch, was "Postpreußen" ist. In den Zeitungen wird diskutiert, ob die Ukrainer kriegsmüde sind. Beim RBB erklärt Claus Leggewie, warum sich Algerien obenauf fühlt. Mit Schrecken hört Le Monde bei den proputinistischen Medien der "Bollosphère" rein.
08.03.2025. In der SZ denkt Herfried Münkler über eine Umorganisation der EU nach, deren Ausgangsbasis das Weimarer Dreieck ist. Auf Zeit Online fordert Robert Reich, Ex-Minister unter Bill Clinton, Europa auf, die USA gemeinsam mit anderen Nationen zu isolieren. Im Guardian schlägt der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz vor, in Europa eingefrorenes russisches Staatsvermögen in die Verteidigung der Ukraine zu investieren. In der FAS blickt der Literaturwissenschaftler Adrian Daub auf die Zensur an amerikanischen Unis.
07.03.2025. "Auch Amerika erfährt nun, dass eine demokratische Verfassung Demokraten braucht", konstatiert die FAZ mit Blick auf die Schleifung der Institutionen durch die Trump-Satrapen. Morgen ist Tag der Frau, die taz bringt eine ganze Frauen-taz und macht klar, dass "Pink Globalization" keine gute Sache ist. Die FAZ greift die Geschichte der ukrainischen Reporterin Victoria Roshchyna auf, die von den Russen zu Tode gefoltert wurde. In der Welt erklärt Philip Manow, warum ein Bündnis zwischen CDU und AfD auszuschließen ist.
06.03.2025. Die Demokratie in den USA ist noch nicht am Ende, ruft Anne Applebaum im Tagesspiegel-Gespräch. In der Welt fragt sich der Philosoph Haziran Zeller hingegen, ob der Kampf zwischen amerikanischer Verfassung und Populismus nicht doch schon verloren ist. Europa hat keine andere Wahl, als massiv aufzurüsten, warnt Joschka Fischer in der Zeit. Die FR dokumentiert Elon Musks Kampf gegen Wikipedia. Der Politikwissenschaftler Nicholas Cheeseman blickt im NZZ-Interview nach Afrika, wo ein demokratischer Frühling bevorstehen könnte. Und der Perlentaucher wird jetzt archiviert!
05.03.2025. Im Guardian ist die ukrainische Journalistin Nataliya Gumenyuk wenig zuversichtlich, dass die Ukraine der US-Regierung nach Unterzeichnung des Deals überhaupt trauen kann. Es ist an der Zeit, dass Westeuropa in Sachen Sicherheit und Verteidigung reif wird, rufen die polnischen Soziologen Karolina Wigura und Jarosław Kuisz ebenfalls im Guardian. In der FR erinnert der französische Journalist Régis Genté, wie reiche Russen Trump seit den Achtzigern aufbauten. Und auch im digitalen Raum spielen Trump und die US-Regierung nun im "Team Putin", konzediert die FAZ.
04.03.2025. "Ich glaube ja, Europa wird bald im Krieg mit Russland sein", meint Richard Sennett in der FR. Es wird wohl kein Atomkrieg, beruhigt er, "aber ich glaube, dass ganz Europa innerhalb eines Jahres gegen Russland kämpfen wird - in der Ukraine". Auch Heinrich August Winkler macht in der FAZ keine halben Sachen: Das Jahr 2025 dürfte zur tiefsten Zäsur der Weltgeschichte seit 1945 werden. Wird Selenski Trump durch eine Entschuldigung im Anzug milde stimmen können, fragt die taz.
03.03.2025. Die Zeitungen beginnen erst auf den Eklat im Weißen Haus zu reagieren. Trump hat nicht nur die Ukraine und Europa, sondern auch die Idee des Westens fallen gelassen, meint Welt-Autor Thomas Schmid. Der Krieg, den wir alle verhindern wollen, hat längst begonnen, schreiben Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie in der taz. Der kanadische Historiker Michael Ignatieff hofft in Prospect, dass der Bruch einen heilsamen Schub für Europa bringt. So sieht das auch Hubert Wetzel in der SZ. In der Financial Times skizziert Nobelpreisträgerin Oleksandra Matwijtschuk einen möglichen Frieden, der allerdings von Trumps Vorstellungen diametral abweicht.
01.03.2025. Der in diesen Dingen nicht unbegabte Donald Trump hat die obszönste Szene seiner Karriere produziert - wir bringen erste Reaktionen auf den Eklat im Weißen Haus. Schon vor dieser Szene wusste der in der FAS schreibende ukrainische Historiker Jurko Prochasko: Selenski und Europa haben es nun mit zwei "entsetzlichen Jokern der Apokalypse" zu tun. Die Szene "hätte von Putin selbst inszeniert sein können, und vielleicht war sie das auch", schreibt Garri Kasparow auf Twitter.
28.02.2025. Es hat keinen Sinn, Putins Krieg durch einen Waffenstillstand zu beenden, wenn die ukrainische Bevölkerung damit nicht einverstanden ist, sagt der Historiker Jörn Leonhard im Gespräch mit der FR. Mit Blick auf Trumps jüngstes Wüten könnte Deutschland von Polen lernen, was es heißt, ein kleines Land zu sein, sagen die Soziologen Karolina Wigura und Jarosław Kuisz in Zeit online. Die linke "Zivilgesellschaft" ist über eine kleine Anfrage der CDU über Staatsförderung empört, aber was wäre, wenn eine CDU-Regierung den Spieß umdreht, fragt die FAZ.
27.02.2025. In der taz ruft Anton Hofreiter zur entschiedenen Unterstützung der Ukraine auf. Ein Frieden ohne Sicherheitsgarantien wird katastrophale Folgen für die Ukraine haben, prophezeit der Soziologe Anton Hruschezkyj in der Zeit. Zeit online greift den Skandal um das Gedenken in Hanau auf, wo die Stadträte mehr Respekt von den Opfern forderten. Im Angesicht der unsicheren Weltlage sollte man die Kultur als einen Teil der Resilienz Europas anerkennen und sie nicht kaputtsparen, fordert VAN.