9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.03.2025. Wie wird eine Welt aussehen, in der die USA die letzten freiheitlichen Ideen aufgegeben haben? Trotz aller Kritik, die an amerikanischer Politik geübt wurde: auf keinen Fall besser als noch bis vor kurzem, meinen James Kirchick in der Welt und Cyrus Schayegh in der NZZ. Erdogan schafft nebenher in der Türkei Grundlagen für ein Regime, "in dem es überhaupt nicht mehr möglich ist, einen Machtwechsel durch Wahlen herbeizuführen", schreibt FAZ-Kolumnist Bülent Mumay. taz, FR und FAZ beleuchten aus völlig unterschiedlichen Perspektiven die Gleichschaltung von Unis und Forschung durch Trump.
20.03.2025. In der Welt fragt sich Deniz Yücel, ob sich Erdogan mit der Verhaftung seines ärgsten Rivalen nicht selbst eine Grube gräbt. Im Zeit-Interview warnt Donald Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton: Trump will den Friedensnobelpreis und das bedeutet nichts Gutes für die Welt. In der SZ wundert sich der Historiker Michael Brenner über eine anstehende Antisemitismus-Konferenz der israelischen Regierung, auf der vor allem Rechtsradikale vertreten sein werden. "Wenn wir nicht auf europäischer Ebene zusammenarbeiten, wird Russland einen Staat nach dem anderen in Scheibchen-Taktik destabilisieren", warnt der Kommunikationforscher Florian Töpfl in der FR.
19.03.2025. Dass Putin die Zerstörung des Westens vorantreibt, ist für den Militärhistoriker Sönke Neitzel klar. Einen Dritten Weltkrieg hält er aber für unwahrscheinlich. Der Soziologe Armin Nassehi mahnt in der SZ die Bundesregierung, mit den neuen Krediten nicht der AfD in die Hände zu spielen. Bei Zeit Online denkt die Historikerin Susan Richter über Donald Trumps "destruktiven Charakter" nach. In der FAZ wundert sich der Historiker Bert Hoppe indes über die Vergesslichkeit von Herfried Münkler.
18.03.2025. Der Geograph Michael Krell und die Soziologin Viktoria Kamuf plädieren auf Zeit Online dafür, rechte Räume differenzierter zu betrachten, als nur vom "blauen Osten" zu sprechen. Der Historiker Darius Muschiol klärt in der taz über Rechtsterrorismus in der BRD auf. Ijoma Mangold fragt sich auf Zeit Online, ob sich Trumps "Vibe-Shift" am Ende gegen ihn selber richtet. Der Politikwissenschaftler Carlo Masala versucht in der FR die feine Linie zwischen Abschreckung und Eskalationsspirale zu ziehen.
17.03.2025. Warum gibt's keine komische Oper über die Vorgänge im Weißen Haus, warum versinkt das Kulturschaffen freiwillig in Bedeutungslosigkeit, fragt Roman Bucheli in der NZZ. In Serbien kämpft eine tapfere Opposition gegen die Autokratie - warum ist es der EU egal, fragen mehrere Zeitungen. In der FAZ staunt der Jurist Jannis Lennartz über den Neokatholizismus in der Trump-Regierung. In der SZ arbeitet Martin Schulze Wessel die Unterschiede zwischen Trump und Putin heraus.
15.03.2025. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf kommt in der NZZ auf das Schweigen des Papstes Pius XII. zum Holocaust zurück: Eins ist durch die seit 2020 freigegebenen Archive klar, so Wolf: Der Papst war seit 1942 durch zahlreiche Quellen über den Holocaust informiert - und schwieg aus politischen Gründen. In der taz erklärt die Soziologin Karen Bell, warum Arbeiter mit den Ökodiskursen der Grünen nichts anfangen können. Die FAZ fordert eine digitale Souveränität Europas. Die NZZ fragt, warum die Linkspartei die Muslimbrüder so gern hat.
14.03.2025. Die Welt fragt heute schon, was Historiker in 50 Jahren fragen werden: Warum hat Europa im Jahre 2022 so erbärmlich versagt und die Ukraine geopfert? Auf Zeit Online vermisst der Politologe Stefan Meister eine grundlegende Debatte über eine europäische Russlandstrategie, die auf einen politischen Wandel in Russland zielt. In Belgien darf der Publizist Herman Brusselmans nach einem Gerichtsurteil weiter fantasieren, wie er jedem Juden, dem er begegnet, ein scharfes Messer in die Kehle rammt, berichtet die Jüdische Allgemeine. In der FR gibt die syrische Aktivistin Hind Kabawat dem Iran Mitschuld am Massaker an den syrischen Alawiten.
13.03.2025. Deutschland macht sich mitschuldig an den Massakern an den syrischen Alawiten, ruft der CDU-Politiker Ali Ertan Toprak in der Zeit. Im Welt-Interview wirft Philipp Peyman Engel dem deutschen Medienbetrieb Voreingenommenheit gegenüber Israel vor: Wo waren die großen Artikel über die deutsch-israelische Familie Bibas? Die SZ nimmt hingegen die Berichterstattung über den zweiten Anschlag von Mannheim unter die Lupe. Der russische Schriftsteller Dmitry Glukhovsky fragt sich in der Zeit, wie seine Landsleute es schaffen, vor dem Bösen die Augen zu verschließen.
12.03.2025. Im SpOn-Gespräch fragt sich Michail Chodorkowski, ob Trump nach den Verhandlungen mit der Ukraine den Friedensnobelpreis bekommen wird, oder ob Putin jetzt erst recht weiter angreift - und zwar nicht nur die Ukraine. Während Slavoj Zizek (SZ) und Sönke Neitzel (FR) zu Aufrüstung und Wehrpflicht aufrufen, rät Ilija Trojanow mit Blick auf Russland zu Nüchternheit: Zusammen sind die europäischen Nato-Staaten stärker als Russland, rechnet er vor. "Wir leben in einer digitalen Besatzungszone", konstatiert die FAZ angesichts der Abhängigkeit von US-Digitalmedien. In der FR verteidigt Aleida Assmann die Demonstrationen gegen rechts gegen Angriffe durch die CDU.
11.03.2025. Im taz-Gespräch zeichnet der Guardian-Journalist Luke Harding Trumps Russlandliebe seit 1987 nach. Der amerikanische Politologe Jeffrey Kopstein skizziert indes bei SpOn, wie Trump den Rechtsstaat aushöhlt und ein patrimoniales Regime errichtet. Das hätte der Westen verhindern könnten, seufzt Herfried Münkler ebenfalls bei SpOn. In der FAZ wirft der Althistoriker Egon Flaig der Ukraine vor, eine "postheroische Gesellschaft" zu sein. In Estland nähen alte Damen derweil bereits Uniformen für Soldaten, weiß der estnische Komponist Jüri Reinvere in der FAZ.