9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Die Sauerei des Sterbens beenden

05.09.2025. Bei Wladimir Putin wird es wohl auf Unsterblichkeit hinauslaufen - im Gespräch mit Xi Jinping bei der Militärparade in Peking hat er laut FAZ über seine diesbezüglichen Hoffnungen geplaudert. Damit greift er sowjetische Traditionen auf, schon damals riet man zu Transfusionen von jungem Blut, informiert Zeit online. Die SZ erklärt mit Ezra Klein, was Wachstum ist. Der Genozidvorwurf gegen Israel wird weiterhin bekräftigt und bestritten.

Lauter ratlose Linke

04.09.2025. Donald Trump ist das Beste, was Europa passieren konnte, freut sich Pascal Bruckner in der NZZ und hofft auf eine Emanzipation Europas. In der Zeit kann es die Philosophin Manon Garcia nach dem Pelicot-Prozess nicht fassen, wieviele Männer bereit sind zu vergewaltigen. In der Zeit erinnert Michael Thumann an das Pogrom gegen die Griechen von Istanbul vor siebzig Jahren. Wer selbst nicht an die Wissenschaftsfreiheit glaubt, kann sich schlecht beschweren, wenn sie angegriffen wird, meinen Alexander Bogner und Caspar Hirschi in der FAZ mit Blick auf die US-Unis.

Abwägungen zwischen moralischen Gütern

03.09.2025. In der Financial Times ruft Fania Oz-Salzberger die gemäßigten Israelis und Palästinenser auf, sich gegen die Radikalen auf beiden Seiten zu stellen. Die FAZ ist nicht ganz einverstanden mit Anne Rabes These, die Verächtlichmachung der Moral sei schuld am Rechtsruck in Deutschland. Ebenfalls in der FAZ stellt der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn fest, dass sich linker und rechter Antisemitismus inzwischen vermischt hat. Die "International Association of Genocide Scholars" bestätigt den Genozid-Vorwurf gegen Israel: Endlich, meint die taz. Times of Israel kritisiert hingegen unseriöse Methoden bei der Abstimmung. 

Zwei Denkfehler im Westen

02.09.2025. Der größte Feind der Demokratie ist Langeweile, lernt die Welt aus einem alten Buch von Francis Fukuyama. Frust mit der Demokratie diagnostiziert auch der belgische Autor David Van Reybrouck in der FR. Sein Rezept: mehr Referenden und Bürgerräte. Und Absicherung der Bundeszentrale für politische Bildung, fordert deren Chef in der SZ. In der NZZ fragt der Historiker Andreas Rödder, wie sich die Weltlage nach dem Fall der Mauer wieder derart verkrampfen konnte. Außerdem fürchtet die NZZ einen Auftrieb extremistischer Kräfte weltweit, wenn Indonesien seinen religiösen Pluralismus aufgibt.

Lamento des Niedergangs

01.09.2025. In der FAZ plädieren die Informatiker Haya Schulmann und Michael Waidner für die Entwicklung einer nationalen KI-Infrastruktur. In netzpolitik fürchtet die Philosophin Maren Behrensen, KI solle uns zu optimierten Wesen machen. Die NZZ erklärt, warum Putin vielen Russen so verführerisch erscheint: Er bietet ihnen eine negative Identität. In der SZ erinnert der Historiker Michael Brenner daran, dass der Zionismus auch ein säkulares, anderen Ethnien und Religionen zugewandtes Gesicht hat. Militärisch kann man gegen die Hamas eh nix machen, es braucht den Druck aus der palästinensischen Bevölkerung, meint Zeit online.

Die Mauer der Angst ist gefallen

30.08.2025. Der arabische Frühling ist gescheitert - aber nur vorerst, hofft der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad in der NZZ. Hinter den Kulissen des iranischen Regimes rumort es jedenfalls ziemlich, berichtet die FAS. Sie blickt außerdem nach Japan, wo der ultrarechte Politiker Sohei Kamiya Erfolge feiert. Die SZ fragt, warum die Arbeiter AfD wählen - weil es zu wenig "linken Populismus" gibt, antwortet die taz

Du bist hergekommen, um zu stören

29.08.2025. Die SZ blickt auf die Annäherung zwischen China, Indien und Russland, die angesichts Donald Trumps Zollpolitik alte Konflikte überwinden wollen. Es gibt allerdings schwer vereinbare Vorstellungen über die Machtverhältnisse in Asien, erklärt der Politologe Manoj Kewalramani ebendort. In der FAZ erzählt die israelische Schriftstellerin Sarah Levy, wie sich ein Teil der israelischen Gesellschaft nach dem 7. Oktober radikalisierte. Der schwedische Schriftsteller Richard Swartz blickt derweil in der NZZ mit Sorge auf den neuen Rechtsradikalismus in Kroatien. 

Ein Rendezvous mit der Wirklichkeit

28.08.2025. In der Zeit antworten heute unter anderen Nancy Fraser, Eva Illouz und Thomas Ostermeier auf die Frage: "Sind die Linken selber schuld?". In der FAZ beleuchtet Hermann Parzinger, wie sich die russischen Museen mitschuldig machen am kulturellen Vernichtungsfeldzug in der Ukraine. Im SZ-Interview gibt die Soziologin Sabine Pfeiffer Entwarnung: Nein, KI wird nicht alle unsere Jobs ersetzen. In der FAZ fordert Julian Nida-Rümelin Maßnahmen gegen den "Akademisierungswahn" in Deutschland. 

Zu Passivität verdammt

27.08.2025. Donald Trump versucht, seinen Einfluss nun auch auf die amerikanische Zentralbank auszuweiten - ein weiterer, massiver Angriff auf die Gewaltenteilung, warnt der US-Ökonom Rudi Bachmann bei Zeit Online. In der FAZ staunt Bülent Mumay nicht schlecht, dass die EU ein paar Zehntausend Euro an die türkische Behörde Diyanet zahlt. Die NZZ fragt, warum der rumänische Präsident Nicusor Dan ein Gesetz gegen rechtsextreme Bestrebungen in seinem Land aufhält. 

Mehr Information, mehr Auswahl, mehr Transparenz

26.08.2025. Russland hat sich mit dem Krieg gegen die Ukraine längst in eine strategische Sackgasse bugsiert, konstatiert die Politologin Hanna Notte auf ZeitOnline. In der SZ skizziert der Politikwissenschaftler Peter R. Neumann, wie Rechtspopulisten langfristig Diskursräume besetzen. Die taz blickt auf die immer katastrophalere Lage im Sudan. Würde die Neue Rechte in Deutschland versuchen, ihre Ideen in Russland umzusetzen, würde sie sehr schnell spüren, was eine Diktatur ist, konstatiert Helmut Lethen in der NZZ.