9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.09.2025. It's the economy, stupid, ruft Timothy Garton Ash den Demokraten zu, die noch 400 Tage bis zu den Zwischenwahlen haben, um die amerikanische Demokratie zu retten. In der FR sieht der Historiker Bernd Greiner Neid als Hauptmotiv für die "Extremisten der Mitte" in den USA. Die FAZ fragt angesichts immer größerer Sozialausgaben: Hat niemand eine Idee für einen neuen Gesellschaftsvertrag? Der Spiegel zeigt in einer Reportage aus Hagen, wo die Reise andernfalls auch hierzulande hinführen könnte.
16.09.2025. "Iranische Frauen haben nie und werden niemals vor diesem Regime kapitulieren", sagt die Historikerin Neda Amani in der FR zum dritten Jahrestag des Tods von Jina Mahsa Amini. Friedrich Merz hat eine sehr emotionale Rede zur Wiedereröffnung der Synagoge in der Münchner Reichenbachstraße gehalten - Rachel Salamander erzählt in der Jüdischen Allgemeinen ihre Geschichte. Der Rechtspopulismus ist ein Perpetuum mobile, fürchtet Eva Ladipo in der FAZ: Er schürt die Wut, die ihn nährt.
15.09.2025. "Eine ausgesprochen miserable Bilanz" hat die Nato bei der Abwehr russischer Drohnen, die in polnisches Territorium eindrangen, vorzuweisen, meint Herfried Münkler in Zeit online. Die taz fragt nach der größten rechtsextremen Demo in der britischen Geschichte, wie es die Diskursgegner der Rechtsextremen mit der Meinungsfreiheit halten. Die Türkei befindet sich auf dem Weg in die Diktatur, fürchtet Bülent Mumay in der NZZ.
13.09.2025. In der Welt erkennt New-York-Times-Autor James Kirchick in den Reaktionen der Rechten auf den Mord an Charlie Kirk die "Geburtsstunde einer transatlantischen Rechten". Die Welt ruft der israelischen Regierung zu: Es ist Zeit für eine Einigung. In der FAS verteidigt die Philosophin Lea Ypi die Ideale der Aufklärung gegen die postkoloniale Kritik. Und in der FAS bangt der Kulturwissenschaftler Mikhail Ilchenko um Bergkarabachs Kulturerbe.
12.09.2025. Ein politischer Mord stört das ohnhin hoch polarisierte Amerika auf - der junge und extrem populäre MAGA-Aktivist Charlie Kirk wurde in Utah erschossen. Der Täter ist bisher nicht gefasst. Kirk war ein Extremist, resümieren die Medien, aber man kann nicht leugnen, dass er die Debatte suchte. Die taz findet den neuen SPD-Vorschlag für das Bundesverfassungsgericht - die Richterin Sigrid Emmenegger - eher feige.
11.09.2025. Russische Drohnen im polnischen Luftraum zeigen vor allem eins: Putin glaubt, den Westen ohne die USA nicht fürchten zu müssen, meint die SZ. Die Streichung von zwei Feiertagen war der Kardinalfehler der Regierung Bayrou, erklärt Pascal Bruckner in der Welt: Das galt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Michael Elgort wüsste gern, was der spanische Premierminister Pedro Sanchez gern mit Atomwaffen gegen Israel machen würde. Die Zeit bringt das Dilemma des Nahostkonflikts auf den Punkt: Die Zweistaatenlösung ist out, aber eine Alternative gibt es nicht. Die taz fragt, ob die NYT eigentlich überhaupt noch recherchiert.
10.09.2025. Während Polen einige russische Drohnen abgeschossen hat, versucht heute die Bewegung "Blockiert alles" Frankreich lahm zu legen. Nachdem die Franzosen den König geköpft und die Republik säkularisiert hatten, blieb ihnen nur noch die Ideologie, versucht im Spiegel der Soziologe Gérald Bronner die allgemeine Blockadewut zu erklären. Kompromisse gehören nicht zum Habitus der Fünften Republik, meint die SZ. Die FAZ fragt, was das neue Leuchtturmprojekt "Zukunftszentrum Deutsche Einheit und Europäische Transformation" in Halle an der Saale eigentlich will, außer Jobs für Wissenschaftler schaffen?
09.09.2025. In der taz analysieren Claus Leggewie und Daniel Cohn-Bendit die trübe Suppe aus linken und rechten Parolen, mit der die französische "Bloquons tout"-Bewegung auftritt. In der Welt schreibt Marko Martin über DDR-Nostalgie nicht nur der Linken. Auch Hunde sind im Iran ein Symbol, informiert hpd.de. Und was wird Bari Weiss wohl bei CBS machen, fragt die FAZ.
08.09.2025. Die Ukraine braucht keine Friedenstruppen in der Zukunft, sondern mehr Hilfe jetzt, ruft die NZZ angesichts der schweren Angriffe auf Kiew. taz, FAZ und SZ blicken nach Britannien, wo Nigel Farages rechtspopulistische UK Reform in den Meinungsumfragen inzwischen stärkste politische Kraft ist. In Frankreich sieht es nicht besser aus, dort gibt es inzwischen eine linke neue Bewegung, die auch keine Lösung verspricht: Bloquons tout. Die FAS besucht Deutschlands erstes Dokumentationszentrum zum NSU in Chemnitz.
06.09.2025. Leila Slimani ruft in Telquel zur Solidarität mit der marokkanischen Feministin Ibtissame Lachgar auf, die wegen eines T-Shirts zu dreißig Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Greta Thunberg bricht erneut nach Gaza auf. Wenn sie Pech hat, trifft sie dort laut FAZ auf Itamar Ben-Gvir. In der NZZ erzählt der Journalist vom katastrophalen Niedergang Kubas - und von der einstigen kubanischen Demokratie. In der taz warnt der finnische Militärexperte Joel Linnainmäki, dass sich die Dynamik im Ukraine-Krieg zugunsten Russlands dreht.