9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.08.2025. Wir stehen zwar nicht kurz vor 1933, konstatiert Götz Aly im SpoN-Gespräch, dennoch brauche es dringend Reformen. Was die Ukraine für Russland so gefährlich macht, ist ihre funktionierende Demokratie, hält der Politikwissenschaftler Janos I. Szirtes in der NZZ fest. In der Welt blickt Michael Wolffsohn kritisch auf die politische Geschichte der deutsch-israelischen Freundschaft. Und hpd schaut auf die Doppelmoral der Kirchen in Deutschland.
23.08.2025. Die Pax Americana ist endgültig vorbei, konstatieren die Zeitungen heute einstimmig: Es kommt jetzt auf einen neuen Schulterschluss Europas gegen Russland an, ruft Herfried Münkler in der Welt. Auch der Westbalkan muss endlich politisch als Teil Europas betrachtet werden, ermutigt der serbische Schriftsteller Gojko Božović in der FAZ. Zehn Jahre nach Angela Merkels "Wir schaffen das" will die SZ von Migrationsforschern wissen: Haben wir es geschafft? In der FAZ schildert der Schriftsteller Hans-Christoph Buch den Niedergang Haitis. Und in der FR erklärt der Politologe Wolfgang Merkel den "Sultanismus" von Donald Trump.
22.08.2025. Donald Trumps Herrschaft ist vor allem durch ein Phänomen geprägt, konstatiert der Soziologe Harald Welzer bei Zeit Online: die Ersetzung der Diplomatie durch den Deal. Doch bei Putin wird er damit nicht weit kommen, meint wiederum der Philosoph Volodymyr Yermolenko in der Welt, denn dem geht es nicht ums Geld, sondern nur um Macht. Am "wilden" Donbass werden sich auch die Russen die Zähne ausbeißen, prophezeit die SZ. Der RBB ist mit seiner Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe gescheitert - gut so, meint die FAZ.
21.08.2025. Kurz vor dem Krieg war ein Staatsbankrott des NS-Staates fast unvermeidbar, hält der Historiker Götz Aly im FAZ-Gespräch fest. Andreas Molitor räumt in der Zeit mit dem Mythos von Hermann Göring als "dem freundlichen Gesicht des Nationalsozialismus" auf. Der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerasimow zeigt sich in der NZZ hoffnungslos, was die Zukunft der Ukraine angeht. Die Zeit erklärt, worum genau es bei den Verhandlungen über Gebietsabtretungen geht.
20.08.2025. Die USA verfügen über die Macht, die Richtung des Krieges in der Ukraine zu ändern, und könnten sie auch einsetzen - wenn Trump endlich aus seiner Fantasiewelt aufwacht, ruft Timothy Snyder in der SZ. Der ukrainische Autor Sergey Maidukov ist ebenfalls in der SZ fassunglos, wie Trump die Ukraine an Putin verscherbelt. Trump hat durchaus eine Strategie, ist sich indes Ivan Krastev in der Zeit sicher. Und der Politologe Stephan Bierling rät den Europäern in der Welt dringend, sich nicht vom Kreml einschüchtern zu lassen.
19.08.2025. Das gestrige Treffen mit Trump brachte keinen Durchbruch, auch weil Trump wie Putins "Unterhändler" agierte, resümiert SpOn. Schon am Freitag verhielt sich Trump wie ein glücklicher Welpe, der keine Trümpfe mehr in der Hand hat, kommentiert Anne Applebaum bei The Atlantic. Auf ZeitOnline erzählt Irina Rastorgueva, wie eine Bande "professioneller Witwen" in Russland Obdachlose und Drogenabhängige anwirbt, um sie in den Krieg zu schicken. Die FAZ sorgt sich in zwei Artikeln um die Demografie in Deutschland und Frankreich.
18.08.2025. Nach dem Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin ist nun vor allem klar, was es nicht geben wird: einen Waffenstillstand. Ein "Frieden" nach russischem Geschmack enthält zwangsläufig Gebietsabtretungen, resümiert die taz. Russland und die USA spielen Kalter Krieg, konstatiert Zeit Online, dabei ist Putin nur ein Scheinriese. Beim Gipfel war er jedenfalls Ehrengast von Trump, hält Viktor Jerofejew in der FAZ fest. In der taz ist der Politikwissenschaftler Daniel Marwecki nicht überrascht über die Empörung, die auf Merz Ankündigung eines Waffenstopps für Israel folgte.
16.08.2025. Die NZZ und die FAZ erzählen, wie Trump die Wissenschaft und die Unis abwickelt: Rache ist das Motiv. Von dem Treffen in Anchorage scheinen wohl nicht viel mehr als die pompöse Inszenierung und ein paar verrutsche Mienen Wladimir Putins in Erinnerung zu bleiben. Ja, antwortet Richard Sennett in der FR auf die Frage, ob der Trumpismus ein Faschismus sei. Vor fast zehn Jahren rief Angela Merkel: "Wir schaffen das" - die taz zieht eine positive Zwischenbilanz.
15.08.2025. Heute treffen sich Donald Trump und Putin in Alaska, um über die Zukunft der Ukraine zu entscheiden. Die Europäer, die 2014 Putin kein Paroli geboten haben, machen jetzt erstmals die Erfahrung vieler Ostmitteleuropäer, dass "über sie, aber ohne sie" entschieden wird, notiert in der FAZ der Historiker Martin Schulze Wessel. Die NZZ empfiehlt die Lektüre von Karl Marx, der bereits im 19. Jahrhundert das Appeasement der Europäer gegenüber dem russischen Expansionismus kritisierte. In der FR versteht der israelische Historiker Adam Raz nicht, wie der 7. Oktober die Israelis verhärten konnte. Die taz kritisiert, dass dem Westen Frauenrechte in Afghanistan wichtiger sind als der Hunger dort.
14.08.2025. In der SZ erinnert Irina Rastorgueva, dass auf den ukrainischen Gebieten, die Russland besetzt, Menschen leben, denen Haft und Folter drohen. Im Interview mit der Zeit bittet der Rabbi Meir Azari um Vorschläge, wie die Hamas ohne Krieg vom Töten abgehalten werden kann. In der NZZ setzt Richard C. Schneider auf nach wie vor existierende kulturelle Überschneidungen zwischen Israeli und Palästinensern. In der FAZ diskutieren die Herren Horst Dreier und Christian Hillgruber über den Abtreibungsparagrafen. Welt und Zeit fragen sich, wie das Predigen von Vielfalt und Toleranz mit dem Rüchzug in Safe Spaces und Vorwürfen des Kulturkampfes zusammenpasst.