9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Das Trauma reicht nicht aus

29.09.2025. In der FAZ fragt Sönke Neitzel: Kann eine Bundeswehr funktionieren, die 10.000 Oberstleutnants hat - und gleichzeitig nur 10.000 Obergefreite? Die SZ ist empört: Wenn Comedians wie Dave Chapelle und C.K. Louis eine Gage von 1,6 Millionen Dollar bekommen, dann treten sie auch in Saudi Arabien auf. Für die NZZ liest der niederländische Schriftsteller Arnon Grünberg Hitlers "Mein Kampf", das vor hundert Jahren erschien, und bescheinigt dem Buch eine unheimliche Aktualität. taz und Spiegel online berichten von der Berliner Gaza-Demo.

Das Leben selbst wurde zur Story

27.09.2025. In der FR fragt Giuliano da Empoli: Wenn wir die Azteken sind, wer sind dann die Männer mit den FeuerstäbenTimothy Snyder weist in seinem Blog auf einen ziemlich unheimlichen Vorgang hin: Der amerikanische Verteidigungsminister hat sämtliche Generäle aller Streitkräfte nach Virginia einbefohlen. Warum? Mit Blick auf die Zukunft Europas warnt die FAZ: Vieles hängt von Gagausien ab. Queernations fragt: Warum identifiziert sich eigentlich ausgerechnet die queere Szene so verzückt mit dem blutigen Machismo der Hamas?

Mit deinen Sachen zum Ausgang

26.09.2025. Tayyip Erdogan ist es nie gelungen, die türkische Kulturszene auch nur im mindesten auf seine Seite zu ziehen. Dafür bestraft er sie nun mit immer neuen Festnahmen, erzählt Bülent Mumay in seiner FAZ-Kolumne. Politischen Gefangenen in Russland ergeht es noch schlimmer, erfahren wir in der SZ. Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy ist zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden, und das ist richtig so, meint Lejournal.info. In den 683 Tagen seit dem 7. Oktober 2023 gab es in Berlin 865 Demonstrationen gegen Israel. Aber das reicht laut taz nicht aus - morgen folgt die größte aller Zeiten.

Das Schicksal Amerikas selbst

25.09.2025. Die Welt druckt aus unklaren Gründen die Rede Donald Trumps vor der UN-Generalversammlung. Die SZ benennt, was man aus dieser Rede schließen kann: nichts, gar nichts. Ebenfalls in der SZ legt Timothy Snyder dar, dass es jetzt auf die demokratischen Bundesstaaten in den USA ankommt, falls man dort die Demokratie noch retten will. Die taz hat eine entsetzliche Entdeckung gemacht: Es gibt Linke, die für Israel sind, aber das "passt einfach nicht zusammen". In der NZZ ruft Karl Schlögel die Europäer auf, "Abschied zu nehmen von einer Welt, die es so nicht mehr gibt".

Die Diffusion des Feindbegriffes

24.09.2025. In der UN-Sitzung zur Anerkennung Palästinas ging es in erster Linie doch darum, Israel zu verurteilen, kritisiert die SZ. Die Zeit diskutiert pro und kontra einer Anerkennung Palästinas. Die NZZ beleuchtet Peter Thiels Endzeitvisionen. Sozialwissenschaftler, die sich mit dem Nahen Osten beschäftigen, trauen sich kaum mehr den Mund aufzumachen, lernt die FAZ  aus einer Studie der FU Berlin. Und: Alle berichten über die Rückkehr Jimmy Kimmels ins Fernsehen.

Eine Brücke an einer Wolke

23.09.2025. Der Disney-Konzern nimmt seinen ganzen Mut zusammen und macht die Absetzung des Comedian Jimmy Kimmel rückgängig - Druck von Hollywood-Gewerkschaften hat laut New York Times geholfen. In der SZ erklärt Eva Illouz, wie die Postmoderne die Welt zu Text machte und dabei die Wahrheit opferte. In der FR macht Josephine Quinn klar, dass Ägypten, Persien und Indien zum "Westen" gehören. Die vorauseilende Anerkennung eines Staates Palästina bleibt umstritten.

Teil der offiziellen Politik

22.09.2025. In der Nacht wurde Charlie Kirk in einer gigantischen Trauerzeremonie sozusagen heilig gesprochen. Die Verschmelzung zwischen Evangelikalismus und Politik war nie inniger, notiert die New York Times, aber das religiöse Gesäusel schließt den Hass keineswegs aus, machte Donald Trump mit seiner Rede klar. In Zeit online erklärt Völkerrechtler Andreas Zimmermann, was eine Anerkennung Palästinas als Staat durch Frankreich oder Britannien für konkrete Auswirkungen hat. Die taz lernt auf dem Deutschen Historikertag Neues über antisemitische Kontinuitäten. Ruhrbaron Stefan Laurin beobachtet, wie der Antisemitismus in den Mainstream einsickert. 

Eine andere Qualität

20.09.2025. Die taz liest Eva Illouz' Essay "8. Oktober" und entdeckt, wo Links- und Rechtsextremismus konvergieren. In den USA unterwerfen sich Medien einem "autoritär-faschistischen Angriff", während es in Deutschland keine Cancel Culture gibt, meinen taz und FR. Zeit online sieht es anders. Jemand musste Judith B. verleumdet haben, fürchten die NZZ und diese selbst in The Nation. Was bringt ein Fortschritt, der auf "Singularität" hinausläuft, fragt die Welt.

Gefühl des inneren Widerstands

19.09.2025. In der Welt bittet die israelische Autorin Zeruya Shalev die Europäer, "sich der Komplexität bewusst zu sein, in der wir hier leben".  In der FAZ fragt der Fimproduzent Martin Moszkowicz, warum gerade seine Branche Israel fallen lässt. In der NZZ lotet der Schriftsteller Christoph Brumme das kulturelle Missverständnis zwischen dem Westen und Russland aus. Die Absetzung des Late-Night-Comedian Jimmy Kimmel beschäftigt die deutschen Medien weiter. 

Das ist eher Mafia-Stil

18.09.2025. In der FAZ plädiert der Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz für einen progressiven Kapitalismus, um die Demokratie zu retten. Im Spiegel überlegt der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, wie man Populisten Paroli bietet. Die Zeit telefoniert mit Steve Bannon, der sich beschwert, dass nach dem Mord an Charlie Kirk nicht zwei Drittel der FBI-Beamten entlassen werden. Ausländische Journalisten, die Donald Trump kritisieren, müssen jetzt um ihr Visum fürchten, berichtet die NZZ.