9punkt - Die Debattenrundschau
Ein teuflisches Dilemma
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.07.2026. Linke Kulturkritik hat Deutschland positiv verändert, aber heute ist der Kulturbetrieb so verknöchert, wie er früher war, meint in der FAZ der CDU-Politiker Rüdiger Kruse und skizziert als Gegenprogramm eine konservative Kulturpolitik. In der taz diagnostiziert der Menschenrechtsexperte John Stauffer einen Rechtsruck in Schweden. Der Tagesspiegel liest eine Studie der Soziologin Celine Teney zur Frage, warum so viele Menschen AfD wählen. Wir stehen heute vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Weimarer Republik, ist der Historiker Eckart Conze im Interview mit der Zeit überzeugt.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
02.07.2026
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Ideen
Warum wählen so viele Menschen AfD? Dieser Frage hat sich die Soziologin Celine Teney angenommen und in drei Gruppen von AfD-Wählern unterschieden: "radikal-rechte Autoritäre" (20 Prozent der Wählerschaft), "konservative Hardliner" (60 Prozent) und "moderat Konservative" (13 Prozent), fasst Hanno Rehlinger im Tagesspiegel zusammen und lässt sich die Ergebnisse von mehreren Wissenschaftlern erklären. Die letzten beiden Gruppen könnte man beim Punkt Migration wieder zurückgewinnen, sagt beispielsweise der Politikwissenschaftler Philip Manow. So gehe die Studie davon aus, dass Migration und Wirtschaft zwei verschiedene Bereiche seien. Das ist ein Problem, meint er. "'Die Migration wird regelmäßig von vornherein einem rein kulturellen Bereich zugewiesen.' Dabei handele es sich bei Migrationsfragen auch um Verteilungsprobleme. (...) Versteht man die Migrationspolitik, wie Manow, als ein im Kern ökonomisches Problem, ließen sich vielleicht auch die 'konservativen Hardliner' zurückgewinnen. Denn wenn sich hinter ihren migrationspolitischen Ansichten eigentlich ökonomische Interessen verstecken, lassen sich diese vielleicht adressieren, ohne die Rechte in Deutschland lebender Migranten zu missachten.
Wir stehen heute vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Weimarer Republik, ist der Historiker Eckart Conze im Interview mit der Zeit überzeugt: "Erstarkende Ränder zwingen die Mitte in dysfunktionale Allianzen, wovon wiederum die Ränder profitieren. Siehe Ampel und siehe die großen Koalitionen der vergangenen Jahre. Je mehr es knirscht in der schrumpfenden Mitte, je paralysierter sie wirkt, desto besser können sich Extremisten als Alternative ins Spiel bringen. Ein teuflisches Dilemma." Die Politiker sollten von den Fehlern lernen, die in der Weimarer Republik gemacht wurden: "Aus der fatalen Kompromisslosigkeit, die mitunter herrschte, und aus der krisengetriebenen Unruhe, den häufigen Regierungswechseln und Neuwahlen, die als Brandbeschleuniger wirkten. Wir dürfen zugleich nicht vergessen, wie viel besser unsere Ausgangsbedingungen sind. Wir haben keine Weltwirtschaftskrise, keine Massenarbeitslosigkeit, auf den Straßen herrschen keine bürgerkriegsähnlichen Zustände. Und anders als die Weimarer Justiz stehen unsere Gerichte und anderen Institutionen auf dem Boden der Verfassung. Das gilt es notfalls mit dem Verbot verfassungsfeindlicher Organisationen und Parteien zu bewahren. Die Wehrhaftigkeit der Demokratie wird noch auf eine harte Probe gestellt werden."
Außerdem: In der Zeit blickt der Verfassungsrechtler Dieter Grimm zurück auf 250 Jahre amerikanische Verfassung, die seiner Ansicht nach dringend eine Überholung nötig hätte: "Sie ist zwar die älteste der Welt, sie ist aber auch in mancher Hinsicht veraltet. Das hat schon vor Trump zu beträchtlichen Verwerfungen geführt".
Wir stehen heute vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Weimarer Republik, ist der Historiker Eckart Conze im Interview mit der Zeit überzeugt: "Erstarkende Ränder zwingen die Mitte in dysfunktionale Allianzen, wovon wiederum die Ränder profitieren. Siehe Ampel und siehe die großen Koalitionen der vergangenen Jahre. Je mehr es knirscht in der schrumpfenden Mitte, je paralysierter sie wirkt, desto besser können sich Extremisten als Alternative ins Spiel bringen. Ein teuflisches Dilemma." Die Politiker sollten von den Fehlern lernen, die in der Weimarer Republik gemacht wurden: "Aus der fatalen Kompromisslosigkeit, die mitunter herrschte, und aus der krisengetriebenen Unruhe, den häufigen Regierungswechseln und Neuwahlen, die als Brandbeschleuniger wirkten. Wir dürfen zugleich nicht vergessen, wie viel besser unsere Ausgangsbedingungen sind. Wir haben keine Weltwirtschaftskrise, keine Massenarbeitslosigkeit, auf den Straßen herrschen keine bürgerkriegsähnlichen Zustände. Und anders als die Weimarer Justiz stehen unsere Gerichte und anderen Institutionen auf dem Boden der Verfassung. Das gilt es notfalls mit dem Verbot verfassungsfeindlicher Organisationen und Parteien zu bewahren. Die Wehrhaftigkeit der Demokratie wird noch auf eine harte Probe gestellt werden."
Außerdem: In der Zeit blickt der Verfassungsrechtler Dieter Grimm zurück auf 250 Jahre amerikanische Verfassung, die seiner Ansicht nach dringend eine Überholung nötig hätte: "Sie ist zwar die älteste der Welt, sie ist aber auch in mancher Hinsicht veraltet. Das hat schon vor Trump zu beträchtlichen Verwerfungen geführt".
Kulturpolitik
In der FAZ versucht der CDU-Politiker Rüdiger Kruse auf einer ganzen Seite eine konservative Kulturpolitik zu skizzieren, die sich von einer mit autoritären Mitteln durchgesetzten Identitätspolitik abhebt, wie sie von ganz rechts und ganz links drohe. Linke Kulturkritik habe "Deutschland positiv verändert", meint Kruse. Doch inzwischen sei der Kulturbetrieb verknöchert, "aus Reforminitiativen wurde verwaltungsgerechtes Regelwerk, die künstlerische Freiheit wird durch Maßstäbe an Haltung, Solidarität, political correctness wohlmeinend eingeengt. Das ist kein guter Nährboden für Kreativität. Strukturkonservativ können insofern auch Linke sein. Bestehende Strukturen, die oft als temporäre Projekte begannen, wollen genauso auf Dauer gestellt werden wie alle anderen. Es ist also nicht überraschend, wenn die seit Langem etablierten Strukturen der staatlichen Kulturförderung und die mit ihnen verbundenen Wertesysteme sich vermehrt der Kritik ausgesetzt sehen. ... Konservatismus, recht verstanden, zügelt die gesellschaftlichen Extreme, ohne sich im Bereich der Kunst vor extremen Positionen zu fürchten. Es ist Aufgabe einer konservativen Kulturpolitik, das allgemeine Prinzip der Subsidiarität auch im staatlich geförderten Kulturbereich zu implementieren und zu leben. Hierfür bedarf es der hier beschriebenen Haltung und des Vertrauens, dass die sich ergebenden Problemstellungen auf der Ebene gelöst werden, auf der sie zunächst entstehen. Wird etwa ein Antisemitismusvorwurf im Zusammenhang mit Künstlern erhoben, so hat zunächst die Institution, die mit diesen Künstlern zusammenarbeitet, den Raum für die Auseinandersetzung mit den Vorwürfen zu ermöglichen."
Gesellschaft
Auch in Deutschland muss man sich vor dem langen Arm der islamistischen Geheimdienste fürchten - Zeit, dass die deutschen Behörden die Gefahr erkennen, schreibt die Integrationsbeauftragte von Neukölln Güner Balci in der Welt. "Denn schon das Schreiben dieser Zeilen kann bedeuten, auf entsprechenden Listen zu landen. Bevor die Angst davor zu viele Menschen erfasst und zum Schweigen bringt, müssen das Bundesinnenministerium, die Landesinnenministerien sowie die Verwaltungsgerichte die Aktivitäten dieser Gruppen und ihre Infrastruktur in Form von Vereinen, GmbHs, Firmen, Moscheegemeinden und zivilgesellschaftlichen Strukturen erkennen und eindämmen, im besten Fall verbieten. Denn islamistische Normen dürfen nicht mainstreamfähig werden. Mitbürger, die mörderische Autokratien auf offener Straße feiern, müssen Konsequenzen spüren."
Es gibt progressive Theologen im Islam, aber sie sind selten und haben kaum Außenwirkung, "sie prägen nicht den Diskurs", bekennt im Interview mit der FAZ der liberale Islamtheologe Mouhanad Khorchide, Gründungsdekan der ersten Fakultät für Islamische Theologie in Deutschland. Bei der jüngeren Generation nimmt er einen religiösen Wandel wahr: "Die jüngere Generation hält sich für viel religiöser als die Vorgeneration, verbindet das aber nicht mehr so häufig mit religiösen Praktiken wie dem Moscheebesuch. Religiosität hat für sie vor allem identitätsstiftende Bedeutung. Der Islam konstruiert eine neue Wir-Identität. Die Trennlinie verläuft nicht mehr zwischen Religionen, sondern entlang der Frage: Gehörst du zum Westen, oder bist du einer von uns? Identität braucht Klarheit und Eindeutigkeit. Ich versuche, ein anderes Verständnis zu etablieren."
Es gibt progressive Theologen im Islam, aber sie sind selten und haben kaum Außenwirkung, "sie prägen nicht den Diskurs", bekennt im Interview mit der FAZ der liberale Islamtheologe Mouhanad Khorchide, Gründungsdekan der ersten Fakultät für Islamische Theologie in Deutschland. Bei der jüngeren Generation nimmt er einen religiösen Wandel wahr: "Die jüngere Generation hält sich für viel religiöser als die Vorgeneration, verbindet das aber nicht mehr so häufig mit religiösen Praktiken wie dem Moscheebesuch. Religiosität hat für sie vor allem identitätsstiftende Bedeutung. Der Islam konstruiert eine neue Wir-Identität. Die Trennlinie verläuft nicht mehr zwischen Religionen, sondern entlang der Frage: Gehörst du zum Westen, oder bist du einer von uns? Identität braucht Klarheit und Eindeutigkeit. Ich versuche, ein anderes Verständnis zu etablieren."
Europa
"Bücher, Autoren, Verlage und sogar Leser sind im heutigen Russland mit einem Gewirr an Verboten konfrontiert", beklagen in der Zeit die russischen Exilschriftsteller Filipp Dzyadko und Alexander Estis. "Etwas zu schreiben, das die Regierung für gefährlich hält, kann einen in die Strafkolonie bringen. Likes, Reposts, Seitenaufrufe, ja sogar die bloße Websuche nach bestimmten Inhalten können schon einen Tatbestand erfüllen, ein Delikt, das sich dem 'Gedankenverbrechen' annähert, wie es George Orwell beschrieben hat. So verbüßt der Dichter und Dokumentarist Wsewolod Koroljow eine siebenjährige Haftstrafe für zwei Social-Media-Posts gegen den Krieg. Der Dichter Artjom Kamardin ebenfalls - für Gedichte, die er in Moskaus Zentrum öffentlich vorgetragen hat. In der Kolonie verweigert man ihm dringende medizinische Hilfe. Für ein Gedicht wurde auch die damals siebzehnjährige Daria Kosyrewa eingesperrt: Sie hatte eine Strophe des ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko auf ein Blatt Papier geschrieben und es unter dem Denkmal des Autors in Moskau anbringen wollen", erzählen die beiden und nennen noch weitere Inhaftierte. "Das ist Willkür und Staatsterrorismus, nicht mehr bloß Zensur. Zensur war früher, als die Regierung etwas zu drucken verbot. Heute ahndet der Staat nicht nur die Veröffentlichung als solche, sondern verschiedenste Formen des Umgangs mit einem Buch: den Ankauf, das Mitführen, den Verleih, die Lektüre, das Zitat, die Übergabe."
Die Sprit-Krise auf der Krim und in ganz Russland sorgt auch dafür, dass sich Putins treue Z-Blogger von ihm abwenden, schreibt Irina Rastorgueva in der SZ. "Sie sagen seit Längerem, Putin sei von der Realität abgekoppelt und verstehe nicht, was im Land geschehe. Und tatsächlich rückt die russische Armee in jeder seiner öffentlichen Reden entschlossen entlang der gesamten Frontlinie vor; gemessen an den realen Erfolgen läuft sie allerdings eher im Kreis. Die Patrioten fragen sich auch, wie es überhaupt möglich sei, dass Moskau zur frontnahen Zone geworden ist, und warum nach militärischen Fehlschlägen niemand Verantwortung trägt. Aber so richtig gegen den Krieg sind sie auch immer noch nicht. Sie sind dafür - nur eben für einen Krieg, in dem man Kiew bereits in drei Tagen eingenommen hätte und einmal pro Woche auf dem Platz der Unabhängigkeit Paraden abhielte. Und nicht für dieses ganze Elend."
Dennoch macht auch Alexandra Prokopenko, Expertin für russische Wirtschaftspolitik, im Interview mit der FAZ, keine Hoffnung, dass sich in Russland eine echte Opposition bilden könnte, obwohl es den Leuten dort immer schlechter geht: "Es gibt keinerlei Antwort auf die Fragen, wie Russland in einem Jahr, zwei Jahren, drei Jahren aussehen soll, wie das Alltagsleben, die Außenpolitik, die Wirtschaft aussehen sollen. Klar ist, dass dieses Zukunftsvakuum nicht lange bestehen bleibt, denn ein leeres Feld bleibt nie lange unbesetzt. Es werden alternative Projekte entstehen, und das könnte die russische Elite - genauer gesagt, einzelne ihrer Vertreter - mobilisieren. Aber das sind nur theoretische Überlegungen: Bislang ist die politische Landschaft im Land so stark bereinigt, dass keinerlei Alternativen in irgendeiner Form entstehen können."
Einen Rechtsruck in Schweden diagnostiziert der Menschenrechtsexperte John Stauffer im Interview mit der taz, besonders was die Migrationspolitik angeht, die er nachgerade rassistisch findet: "Zum Beispiel bei den verschärften Kriterien für einen 'ordentlichen Lebenswandel'. Da kann ein Verhalten, das nicht unbedingt strafbar ist, dazu führen, dass man seinen Aufenthaltstitel verliert. Die Folge ist eine Gesellschaft mit unterschiedlichen Konsequenzen für dasselbe Verhalten. Alle, die ihre Schulden nicht bezahlen, können in einem Inkassoverfahren landen. Aber ohne schwedischen Pass kann man dann außerdem ausgewiesen werden. Es wird auch Folgen für die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit haben. An welchen Demonstrationen jemand teilnimmt, kann in die Bewertung des Lebenswandels einfließen - also in die Entscheidung, ob man in Schweden bleiben darf oder nicht." Vorschläge, wie man Probleme mit der Migration angehen sollte, hat er nicht, gibt aber zu, dass es welche gibt: "Natürlich haben wir ein ernsthaftes Problem, wenn 13-Jährige auf Menschen schießen oder Sprengstoffanschläge verüben. Aber zu sagen, das liegt an der großen Einwanderung, vereinfacht die Wirklichkeit allzu sehr."
Die Sprit-Krise auf der Krim und in ganz Russland sorgt auch dafür, dass sich Putins treue Z-Blogger von ihm abwenden, schreibt Irina Rastorgueva in der SZ. "Sie sagen seit Längerem, Putin sei von der Realität abgekoppelt und verstehe nicht, was im Land geschehe. Und tatsächlich rückt die russische Armee in jeder seiner öffentlichen Reden entschlossen entlang der gesamten Frontlinie vor; gemessen an den realen Erfolgen läuft sie allerdings eher im Kreis. Die Patrioten fragen sich auch, wie es überhaupt möglich sei, dass Moskau zur frontnahen Zone geworden ist, und warum nach militärischen Fehlschlägen niemand Verantwortung trägt. Aber so richtig gegen den Krieg sind sie auch immer noch nicht. Sie sind dafür - nur eben für einen Krieg, in dem man Kiew bereits in drei Tagen eingenommen hätte und einmal pro Woche auf dem Platz der Unabhängigkeit Paraden abhielte. Und nicht für dieses ganze Elend."
Dennoch macht auch Alexandra Prokopenko, Expertin für russische Wirtschaftspolitik, im Interview mit der FAZ, keine Hoffnung, dass sich in Russland eine echte Opposition bilden könnte, obwohl es den Leuten dort immer schlechter geht: "Es gibt keinerlei Antwort auf die Fragen, wie Russland in einem Jahr, zwei Jahren, drei Jahren aussehen soll, wie das Alltagsleben, die Außenpolitik, die Wirtschaft aussehen sollen. Klar ist, dass dieses Zukunftsvakuum nicht lange bestehen bleibt, denn ein leeres Feld bleibt nie lange unbesetzt. Es werden alternative Projekte entstehen, und das könnte die russische Elite - genauer gesagt, einzelne ihrer Vertreter - mobilisieren. Aber das sind nur theoretische Überlegungen: Bislang ist die politische Landschaft im Land so stark bereinigt, dass keinerlei Alternativen in irgendeiner Form entstehen können."
Einen Rechtsruck in Schweden diagnostiziert der Menschenrechtsexperte John Stauffer im Interview mit der taz, besonders was die Migrationspolitik angeht, die er nachgerade rassistisch findet: "Zum Beispiel bei den verschärften Kriterien für einen 'ordentlichen Lebenswandel'. Da kann ein Verhalten, das nicht unbedingt strafbar ist, dazu führen, dass man seinen Aufenthaltstitel verliert. Die Folge ist eine Gesellschaft mit unterschiedlichen Konsequenzen für dasselbe Verhalten. Alle, die ihre Schulden nicht bezahlen, können in einem Inkassoverfahren landen. Aber ohne schwedischen Pass kann man dann außerdem ausgewiesen werden. Es wird auch Folgen für die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit haben. An welchen Demonstrationen jemand teilnimmt, kann in die Bewertung des Lebenswandels einfließen - also in die Entscheidung, ob man in Schweden bleiben darf oder nicht." Vorschläge, wie man Probleme mit der Migration angehen sollte, hat er nicht, gibt aber zu, dass es welche gibt: "Natürlich haben wir ein ernsthaftes Problem, wenn 13-Jährige auf Menschen schießen oder Sprengstoffanschläge verüben. Aber zu sagen, das liegt an der großen Einwanderung, vereinfacht die Wirklichkeit allzu sehr."
Geschichte
Die NSDAP hat mit ihren ganzen Untergliederungen und Organisationen die ganze deutsche Gesellschaft durchdrungen, konstatiert der Historiker Dietmar Süß im SZ-Interview mit Robert Probst und Joachim Käppner. Das zeige sich an "Buchtiteln wie 'Herrschaft und Gesellschaft im Dritten Reich'. In solchen Titeln liegt das eigentliche Problem, denn beide Elemente waren unmittelbar miteinander verflochten. Der Nationalsozialismus war keine Form des Fremdkörpers, sondern integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft - und keine Art von Ufo, das in Deutschland eingeflogen ist. Darum ist es ganz wichtig, Herrschaft und Gesellschaft nicht als getrennte Welten zu denken. Sonst sitzt man dem Bild von einer schwachen NSDAP auf, wie es nach 1945 während der Entnazifizierung von den Beteiligten gezeichnet worden ist. Denn weil die Alliierten zunächst stark auf die NSDAP-Mitgliedschaft schauten, bemühten sich viele, ihre Mitgliedschaft als einen Ausdruck einer nicht besonders großen Form der Mobilisierung darzustellen, als bloße Formalie."
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