Einer der Zwecke des Postkolonialismus ist die Nivellierung der Singularität des Holocaust. Die
Ausstellung "
Umstrittene Verwandtschaft - Koloniale und nationalsozialistische Gewalt" im Deutschen Historischen Museum (DHM) (
mehr hier) beschäftigt sich mit beiden Gewaltformen und zeigt laut Andreas Kilb (
FAZ) "die
tiefe Unvergleichbarkeit von Holocaust und Kolonialismus". Der postkolonialen Indoktrination versuche die Ausstellung "etwas entgegenzuhalten, das im postkolonialen Diskurs meistens ausgeblendet wird: geschichtliche Tatsachen. Dabei verweigert sie sich keineswegs dem Vergleich zwischen Kolonialverbrechen und Holocaust, so absurd er insgesamt auch sein mag. Aber sie führt ihn auf seine
historischen Ursprünge zurück. Sie blickt aus den geschichtsfremden Debatten der Gegenwart zurück auf den Moment, an dem die Gleichsetzung begonnen hat. Damit erteilt sie ihren Besuchern eine Lektion, die deutlicher und zugleich mehrdeutiger nicht sein könnte."
Auch Nicola Kuhn (
Tagesspiegel) findet die Ausstellung im
DHM trotz leichter Überforderung angenehm komplex: Sie "will nicht nur zum Nachdenken Anstöße geben, Argumente für eine eigene Meinung liefern, sondern fordert auch die künftige Forschung auf, indem sie
Leerstellen des Vergleichs aufzeigt: Das Phänomen der
Kollaboration ist für den Nationalsozialismus bekannt, ohne die Helfer in den eroberten Ländern hätten sich die Besatzer nicht halten können. Für den Kolonialismus aber müsste es noch weiter ausgeleuchtet werden. Ob die von den Kolonialmächten rekrutierten indigenen Soldaten ebenfalls dazu gehören, Kollaborateure sind, steht als Frage offen im Raum. Die geschnitzten Colonfiguren zweier stolzer 'Askari' in der Felduniform der deutschen 'Schutztruppe' zeigen ihren Bedeutungsgewinn. Sie verbreiteten Angst und Schrecken und waren
Opfer zugleich. Die schnelle Zuordnung, der forsche Vergleich verbietet sich auch hier. Und doch erhellt gerade die Gegenüberstellung, worin
die Unterschiede bestehen."