9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.01.2018 - Geschichte

Im Tagesspiegel schreibt Peter von Becker über eine Ausstellung im Italienischen Kulturinstitut in Berlin, die an das Schicksal italienischer Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg erinnert. Sie waren lange vergessen, auch in "Italien, weil die in Deutschland Gefangenen nicht Teil der Resistenza, des partisanischen Widerstands und so vom Gründungsmythos eines neuen antifaschistischen Italiens nach 1945 ausgeschlossen waren".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2018 - Geschichte

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli schlägt einen für Schüler verpflichtenden Besuch in KZ-Gedenkstätten vor. Die taz bringt ein Pro und Contra. Hanna Voss stimmt der Staatssekretärin zu: "An deutschen Schulen steht zum Beispiel das Lernen der Winkelberechnung zwischen zwei Vektoren verpflichtend im Lehrplan. Warum sollten wir nicht ebenso verinnerlichen müssen, wie weit Menschen aufgrund von Allmachtsfantasien und wahnwitzigen Rassenideologien bereit sind zu gehen?" Klaus Hillenbrand möcht kein Antreten zum Gedenken: "Wirklich wichtig ist es nicht, auf einem früheren Appellplatz zu stehen, sondern zu begreifen, was damals warum geschehen ist. Es geht um das Wecken von Empathie für die Opfer, darum, dass die nächste Generation diese nicht einfach als Millionenheer von Schattengestalten begreift. Das wird, zugegebenermaßen, mit dem Tod der letzten Zeitzeugen schwieriger. Aber es ist nicht unmöglich."

Außerdem: In der FAZ bilanziert der israelische Historiker Yfaat Weiss die jahrzehntelange Diskussion um die Stadt Jerusalem als Hauptstadt Israels.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.01.2018 - Geschichte

In der NZZ erinnern die Historiker Wlodzimierz Borodziej und Maciej Gorny daran, wie mit dem Ende des Ersten Weltkriegs sechs neue Staaten in Osteuropa entstanden.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2018 - Geschichte

Gibt es ein Gedenk-Overkill, fragt Welt-Redakteur mit Blick auf die in diesem Jahr drohenden Jubiläen (Dreißigjähriger Krieg, 1968 und so weiter) aber auch auf die populistischen Geschichtspolitiken in Polen und bei der AfD. Sein Ergebnis: "Ein Gleichgewicht in der Erinnerungskultur ist möglich, ohne die Last der Verantwortung etwa für die Verbrechen des NS-Systems wie ein altes Hemd abzustreifen. Verantwortung heißt, im Wissen um die Vergangenheit Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft zu gestalten." Aber: "Der Staat muss dabei seine Rolle beschränken, zivilgesellschaftliche Initiativen sind zu fördern."

Außerdem: In der FAZ widerspricht der Historiker Ronald G. Asch seinem Kollegen Magnus Brechtken, der die Erfolge der Rechtspopulisten einerseits mit der Mentalität in den Neuen Ländern und andererseits mit dem Dreißigjährigen Krieg hatte erklären wollen.
Stichwörter: Geschichtspolitik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2017 - Geschichte

Die britische Regierung hat Tausende Archivakten verschwinden lassen und gibt sie bei Anfragen von Historikern als "verloren" aus, berichtet Ian Cobain im Guardian: "Dokumente zum Falklands-Krieg, über die Unruhen in Nordirland und den berüchtigten 'Sinowjew-Brief' - ein Kompltt von MI6-Beamten in den zwanziger Jahren, das die Labour-Regierung stürzen sollte - werden alle als 'verlegt' ausgegeben. Andere fehlende Akten betreffen die britische Kolonialverwaltung in Palästina, Polioimpfungen und die Territorialstreitigkeiten zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien."
Stichwörter: Großbritannien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.12.2017 - Geschichte

In der FR unterhält sich Martin Hesse mit dem Historiker Philipp Blom über den Aufstieg des nationalistischen Populismus, verführerische Parallelen und das Taumeln der Gegenwart: "Im Moment wenden sich viele Menschen von der Demokratie ab als Gesellschaftsorganisation und als Herrschaftsprinzip. Weil sie finden, dass diese Demokratie ihnen nicht mehr dient, dass die Grundversprechen der Demokratie gebrochen werden, dass es eben nicht mehr so ist, dass man durch harte Arbeit aufsteigt. Die Menschen sehen, dass sie scheinbar ohne Grund entlassen werden, dass ihre Arbeit bedroht ist. Wer sich bildet, bekommt noch längst keinen Job und hat keine Zukunft. Dass Menschen in einer solchen Situation sagen: Dieses System funktioniert nicht mehr für mich, ich muss nur noch für dieses System funktionieren, scheint mir rational zu sein. Es scheint mir vernünftig zu sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2017 - Geschichte

Jan-Philippe Schlüter und Christiane Habermalz resümieren in einem Feature für Dlf Kultur die Diskussion um die Anerkennung des Völkermords an den Hereros und den Namas: "In Namibia wird außerdem erwartet, dass Deutschland auch materielle Entschädigungsleistungen zahlt, um die sozialen Folgen des Völkermords zu mildern, die bis heute in Namibia sichtbar sind. Denn die Deutschen beschlagnahmten damals das Land der ermordeten oder vertriebenen Herero und Nama und gaben es an deutsche Farmer, in deren Besitz es zum großen Teil noch heute ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.12.2017 - Geschichte

Im Interview mit der FR sprechen Aleida und Jan Assmann über das Holocaust-Mahnmal und wie sich das Erinnern und - mit Blick auf AfD-Mann Björn Höcke, der es ein "Denkmal der Schande" nannte - das Sprechen über den Holocaust verändert hat: "Der Begriff der 'Schande' gehört ins Vokabular der 'Ehre' und ist in post-heroischen Zeiten seit längerem aus unserem aktiven Wortschatz verschwunden. Wir benutzen nach drei Generationen auch nicht mehr den Begriff der 'Schuld', sondern verwenden zukunftsfähige Begriffe wie 'historische Verantwortung', 'Anerkennung der Opfer' und 'Empathie'. Das Wort 'Schande' drückte die Emotionen der ersten und zweiten Weltkriegs-Generation aus. Es spricht damit sehr alte Muster an. Solche Muster können über längere Zeit schweigend ruhen, gewissermaßen in der Latenz verborgen, aber dann doch in neuem Zusammenhang wieder aufgerufen werden und ihre Wirkung entfalten."

Im Kampf gegen den Kommunismus waren sich die Polen weitgehend einig. Doch seit 1989  fehlt dieser Kitt eines gemeinsamen Feindes, meint die Stettiner Literaturwissenschafterin und Schriftstellerin Inga Iwasiów im Interview mit der NZZ. Gleichzeitig mussten die Polen Kratzer am lieb gewordenen Bild des ewigen Opfers akzeptieren: "Als Gesellschaft sind wir in zweierlei Hinsicht durch eine Schocktherapie gegangen: einmal im Zusammenhang mit der Diskussion über Jedwabne, also über die Teilnahme der Polen am Holocaust; und zum Zweiten hinsichtlich der Diskussion über Wolhynien, also über die Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs, die aus dem feindlichen polnisch-ukrainischen Verhältnis resultierten, aber mehr Leben von Polen als von Ukrainern forderten. Wir lebten lange in der Gewissheit, dass wir während des Zweiten Weltkriegs nur Opfer waren, dass wir ein Recht auf Nostalgie, verbunden mit unseren verlorenen Ostgebieten, haben. ... Dieses Trauma, nicht nur Opfer zu sein, müssen wir erst einmal bewältigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2017 - Geschichte

Amerikanische Museen fangen langsam an, die Sklaverei und den Rassismus in Amerika aufzuarbeiten, berichtet Marc Neumann in der NZZ. Als Beispiel nennt er eine Ausstellung in Mount Vernon über die "Gutsherrenfamilie" George Washingtons und ihrer 500 Sklaven: "Greifbar in der Ausstellung ist das Bemühen nach Balance zwischen der bald brutalen, bald banalen Lebenswelt der versklavten Menschen und Washingtons eigener Entwicklung vom jungen Mann, der ohne große Bedenken Sklaven hielt, zum Gegner der Sklaverei. 1799 besiegelte er in seinem Testament die Freilassung aller Sklaven, die sich in seinem Besitz befanden. Der Spagat gelingt. Die Ausstellung ist zuweilen geschönt und weitgehend sicher vor Schockrisiken. ... Trotzdem ist sie für die Mehrheit der Besucher nicht leicht verdaulich. So manchem der patriotischen Touristen, die aus allen Landesteilen nach Mount Vernon pilgern, ist die Bestürzung angesichts der noch nie gesehenen Zeugnisse der Sklaverei ins Gesicht geschrieben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.12.2017 - Geschichte

In einem sehr lesenswerten taz-Interview mit Andreas Fanizadeh erzählt der Schriftsteller Eugen Ruge vom Leben in der DDR, seinem Vater Wolfgang Ruge, der fünfzehn Jahre im sowjetischen Gulag verbracht hatte und trotzdem überzeugter Kommunist blieb. Den heutigen Erfolg der AfD im Osten erklärt er sich auch mit den brutalen Brüchen, die Ostler nach der Wende erlebten: "Die Grenzen öffnen sich, der Umgang mit dem Begriff Deutsch ändert sich. Wir alle, auch diejenigen, die sich nicht mit der DDR identifiziert haben, trugen den Begriff DDR-Bürger wie ein Brandzeichen mit uns herum. Wir waren keine Deutschen, wir waren DDR-Bürger. Viele waren froh, dieses seltsame Dreibuchstabenkürzel als Identitätsbezeichnung los zu sein. Kaum sind sie es los, erfahren sie, dass deutsch zu sein etwas Schwieriges ist. Etwas was man schnell wieder vergessen soll. Das man jetzt in einer offeneren, anderen Identität aufgehen soll. Sie reagieren anders als Westdeutsche. Und es ist eine Art koloniale Überheblichkeit, wenn die Westdeutschen die Erfahrungen und Perspektiven der Ostdeutschen nicht ernst nehmen oder als primitiv betrachten."

Im Tagesspiegel sprechen Björn Rosen und Joshua Kocher mit der russischen Historikerin und Menschenrechtlerin Irina Scherbakowa von Memorial über den hundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution. Sie hatte bereits Ende der siebziger Jahre Frauen interviewt, die im Gulag interniert waren. Scherbakowa kann nur bestätigen, was Ruge von seinem Vater erzählt: "Ich habe sehr wenige Menschen erlebt, die aus dem Gulag kamen und nicht in die Partei zurückgingen. Gut, es gab praktische Gründe, man wollte wieder ins Leben. Aber manche haben sich so sehr mit der Ideologie identifiziert, andernfalls wäre ihnen das Leben sinnlos erschienen; sie hassten Stalin, doch glaubten nach wie vor an Lenin."
Stichwörter: Eugen Ruge, AfD, DDR
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