9punkt - Die Debattenrundschau
Trotzdem menschenverständlich
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.06.2026. Keir Starmer ist fast pünktlich zum zehnten Jahrestag des Brexitvotums zurückgetreten - Britannien sieht seit dem Brexit ziemlich anders aus, konstatiert die FAZ, denn immer weniger Europäer leben dort. Das Goethe-Institut feiert seinen 75. Geburtstag. Die SZ erzählt, wie es angesichts der weltweiten "Israelkritik" laviert. Der Perlentaucher kommt auf Ines Schwerdtners Satz "Ich habe mich entschieden, es einen Genozid zu nennen" zurück, die FAZ staunt, wie leichtfertig die Linke und erst recht Die Linke mit dem Faschismusvorwurf hantiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
23.06.2026
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Europa
Perlentaucher Thierry Chervel kommt auf Ines Schwerdtners Satz "Ich habe mich entschieden, es einen Genozid zu nennen" zurück, den sie auf dem Parteitag der Linken zum Jubel der Delegierten aussprach - und liest ihn zusammen mit Sally Rooneys Satz "Die Befreiung Palästinas bedeutet die Befreiung der Welt.": "Es ist erstaunlich, dass der Begriff des 'Genozids' mit Blick auf Israel kaum begründet wird. Er scheint viel mehr als eine Art Taufe empfunden zu werden, mit der man sich einer Religionsgemeinschaft zuordnet. Bei Rooney schwebt die quasi religiöse Hoffnung - beseitigt Israel, dann sind wir erlöst - noch deutlicher mit. Aber der Satz mit dem Genozid ist nur einen Schritt davon entfernt, denn er erteilt die moralische Lizenz. Rooneys Satz sagt nichts anderes als die 'Juden sind unser Unglück'. Oder macht es einen großen Unterschied, dass sie sagen würde 'Israel ist unser Unglück'?"
Der Faschismusvorwurf sitzt bei Linken heutzutage recht locker, findet Jürgen Kaube in der FAZ und denkt an den neuen Linken-Vorsitzenden Luigi Pantisano, der die CDU faschistisch nannte (und nun lernt, wie anstrengend es ist zurückzurudern). Kaube sieht das Faschismusgefuchtel auf dem Parteitag der Linken als Beleg für die Richtigkeit von Jan-Philipp Reemtsmas These, der Faschismusbegriff sei nur ein Triggerwort für eine geschichtsblinde Wohlfühllinke (unser Resümee). "Die Hölle liegt für die Linke derzeit sehr nah. Das entspricht ihrem Spruch 'Sozialismus oder Barbarei', der seit Rosa Luxemburg alle Gesellschaftszustände diesseits ihrer eigenen Utopien als barbarisch bezeichnet. Kann man so machen. Über die Bedingungen der Durchführung ihres Sozialismus schweigen sich seine Anhänger dabei aber ebenso aus wie über die Barbarei des ehedem existierenden Sozialismus."
Keir Starmer ist fast pünktlich zum zehnten Jahrestag des Brexitvotums zurückgetreten (hier und hier etwa die Berichte in der taz). Das Ereignis überschneidet sich mit Artikeln, die die Folgen des Brexit reflektieren. Für Britannien bedeutet er unter anderem, dass immer weniger Europäer kommen, um in dem Land eine Weile zu leben und zu arbeiten, berichtet Johannes Leithäuser in der FAZ, der auch auf Zahlen eines Oxforder Migrationsobservatoriums zurückgreift. Die Zahl der Europäer, die eines Jobs wegen über den Ärmelkanal fliegen, sei "dramatisch gesunken. Nur noch fünf Prozent derer, die Arbeitsvisa beantragen, stammen aus der Europäischen Union, geben die Oxforder Migrationsforscher an. Ähnlich stark ist die Zahl europäischer Studenten zurückgegangen. Im akademischen Jahr 2016/17 hatten die jungen Europäer einen Anteil von 27 Prozent an der Gesamtheit der internationalen Studenten in Großbritannien ausgemacht; 2023/24 waren es noch acht Prozent. Gleichzeitig wuchs die Einwanderung aus anderen Ländern massiv." Der Brexit war ein Akt eines antieuropäischen Rassismus!
In Rotterdam wurde ein Denkmal für die Mitglieder der kolonialen Armee in Niederländisch-Indien (KNIL) eingeweiht, berichtet Tobias Müller in der taz. Sie hatten für die Niederländer gekämpft und von einer eigenen, molukkischen Republik geträumt, aber die Molukken-Inseln wurden vom neuen unabhängigen Indonesien einverleibt. "Dass die niederländische Regierung die molukkischen KNIL-Mitglieder und ihre Familien ausschiffte, war als Zwischenlösung gedacht. Doch der unabhängige Staat, von dem sie träumten, kam nicht. In den Niederlanden wurden sie als Militärs entlassen, unter erbärmlichen Umständen untergebracht, etwa im früheren Konzentrationslager Vught und dem Durchgangslager Westerbork, und mit wenigen Gulden monatlich sich selbst überlassen. Die Farben der einstigen südmolukkischen Republik waren am Sonntag schon am Rotterdamer Hauptbahnhof auf vielen Fahnen oder Kleidungsstücken zu sehen. Eigentlich tauchen sie in der Öffentlichkeit kaum auf, wie auch die über 300-jährige Kolonialgeschichte in Indonesien im Alltag meist auf Reistafeln in Spezialitäten-Restaurants beschränkt ist."
Die Journalistin und Politikerin Pilar Rahola (Instagram-Profil) wendet sich in Spanien gegen Antisemitismus - und wird mit juristischen Mitteln bekämpft, berichtet Hans-Christian Rößler auf der Medienseite der FAZ: "Zwei Mitglieder der Sozialistischen Jugendorganisation Kataloniens haben sie angezeigt, weil sie 'die von Israel an der palästinensischen Bevölkerung begangenen Völkermorde geleugnet, verharmlost und öffentlich gerechtfertigt' habe, mit dem Ziel, 'durch deren Entmenschlichung ein Medienumfeld der Feindseligkeit und der Anstiftung zum Hass gegen die palästinensische Gemeinschaft zu schaffen'."
Der Faschismusvorwurf sitzt bei Linken heutzutage recht locker, findet Jürgen Kaube in der FAZ und denkt an den neuen Linken-Vorsitzenden Luigi Pantisano, der die CDU faschistisch nannte (und nun lernt, wie anstrengend es ist zurückzurudern). Kaube sieht das Faschismusgefuchtel auf dem Parteitag der Linken als Beleg für die Richtigkeit von Jan-Philipp Reemtsmas These, der Faschismusbegriff sei nur ein Triggerwort für eine geschichtsblinde Wohlfühllinke (unser Resümee). "Die Hölle liegt für die Linke derzeit sehr nah. Das entspricht ihrem Spruch 'Sozialismus oder Barbarei', der seit Rosa Luxemburg alle Gesellschaftszustände diesseits ihrer eigenen Utopien als barbarisch bezeichnet. Kann man so machen. Über die Bedingungen der Durchführung ihres Sozialismus schweigen sich seine Anhänger dabei aber ebenso aus wie über die Barbarei des ehedem existierenden Sozialismus."
Keir Starmer ist fast pünktlich zum zehnten Jahrestag des Brexitvotums zurückgetreten (hier und hier etwa die Berichte in der taz). Das Ereignis überschneidet sich mit Artikeln, die die Folgen des Brexit reflektieren. Für Britannien bedeutet er unter anderem, dass immer weniger Europäer kommen, um in dem Land eine Weile zu leben und zu arbeiten, berichtet Johannes Leithäuser in der FAZ, der auch auf Zahlen eines Oxforder Migrationsobservatoriums zurückgreift. Die Zahl der Europäer, die eines Jobs wegen über den Ärmelkanal fliegen, sei "dramatisch gesunken. Nur noch fünf Prozent derer, die Arbeitsvisa beantragen, stammen aus der Europäischen Union, geben die Oxforder Migrationsforscher an. Ähnlich stark ist die Zahl europäischer Studenten zurückgegangen. Im akademischen Jahr 2016/17 hatten die jungen Europäer einen Anteil von 27 Prozent an der Gesamtheit der internationalen Studenten in Großbritannien ausgemacht; 2023/24 waren es noch acht Prozent. Gleichzeitig wuchs die Einwanderung aus anderen Ländern massiv." Der Brexit war ein Akt eines antieuropäischen Rassismus!
In Rotterdam wurde ein Denkmal für die Mitglieder der kolonialen Armee in Niederländisch-Indien (KNIL) eingeweiht, berichtet Tobias Müller in der taz. Sie hatten für die Niederländer gekämpft und von einer eigenen, molukkischen Republik geträumt, aber die Molukken-Inseln wurden vom neuen unabhängigen Indonesien einverleibt. "Dass die niederländische Regierung die molukkischen KNIL-Mitglieder und ihre Familien ausschiffte, war als Zwischenlösung gedacht. Doch der unabhängige Staat, von dem sie träumten, kam nicht. In den Niederlanden wurden sie als Militärs entlassen, unter erbärmlichen Umständen untergebracht, etwa im früheren Konzentrationslager Vught und dem Durchgangslager Westerbork, und mit wenigen Gulden monatlich sich selbst überlassen. Die Farben der einstigen südmolukkischen Republik waren am Sonntag schon am Rotterdamer Hauptbahnhof auf vielen Fahnen oder Kleidungsstücken zu sehen. Eigentlich tauchen sie in der Öffentlichkeit kaum auf, wie auch die über 300-jährige Kolonialgeschichte in Indonesien im Alltag meist auf Reistafeln in Spezialitäten-Restaurants beschränkt ist."
Die Journalistin und Politikerin Pilar Rahola (Instagram-Profil) wendet sich in Spanien gegen Antisemitismus - und wird mit juristischen Mitteln bekämpft, berichtet Hans-Christian Rößler auf der Medienseite der FAZ: "Zwei Mitglieder der Sozialistischen Jugendorganisation Kataloniens haben sie angezeigt, weil sie 'die von Israel an der palästinensischen Bevölkerung begangenen Völkermorde geleugnet, verharmlost und öffentlich gerechtfertigt' habe, mit dem Ziel, 'durch deren Entmenschlichung ein Medienumfeld der Feindseligkeit und der Anstiftung zum Hass gegen die palästinensische Gemeinschaft zu schaffen'."
Kulturpolitik
Das Goethe-Institut feiert seinen 75. Geburtstag, ringt derzeit aber um seine Rolle in der Welt, schreibt Jörg Häntzschel in der SZ. So sei das Institut mit Mittelkürzungen und der wachsenden internationalen Unbeliebtheit der deutschen Regierung aufgrund ihrer Position gegenüber Israel konfrontiert. Deshalb scheint Goethe-Chef Johannes Ebert darum bemüht, sich von seinem Geldgeber namens Auswärtiges Amt abgrenzen zu wollen - und das im Mailverkehr mit Christina Beinhoff, zuständig für Auswärtige Kulturarbeit im AA. "Die Mails verraten aber auch, wie sehr das Goethe-Institut bemüht ist, seine Verbindung zum AA herunterzuspielen: 'Unser gemeinsames Ziel ist es, Nennungen des Auswärtigen Amts in der offiziellen Berichterstattung zu vermeiden', schreibt Ebert an Beinhoff. Die Absicht ist klar: Je stärker Goethe als Regierungsveranstaltung wahrgenommen wird, desto mehr verliert es in weiten Teilen der Welt an Glaubwürdigkeit. Man kann deshalb kaum umhin, einen gewissen Trotz mitzuhören in dem Motto der 75-Jahr-Feier, 'Wir in der Welt'."
Digitalisierung
Demnächst wird KI neue KI programmieren. Und die Menschen laufen Gefahr, sie nicht mehr zu verstehen, warnt der Informatiker Robert West im Gespräch mit Piotr Heller von der FAZ, denn schon jetzt löst KI viele Programmieraufgaben schon besser als Menschen. Die Hauptfrage ist für ihn darum: "Kann KI neue KI bauen, die trotzdem menschenverständlich bleibt? Als Analogie können wir uns ein Parlament vorstellen, das eine Expertenkommission einberuft, die bei der Ausarbeitung neuer Gesetze hilft. Die Parlamentarier haben das Verständnis nicht völlig aufgegeben. Sie haben wahrgenommen, dass andere mehr wissen. Und sie können sich die Entscheidungen von den Experten erklären lassen. Das sollte auch das Ziel bei KI sein." West hat im Science Magazin einen Artikel zu dem Thema verfasst.
Gesellschaft
In Cafés herrscht heutzutage Selbstbedienung - und Kartenzahlung. Reinhard Müller wundert sich doch sehr, dass auf den Kartenlesegeräten dann auch noch Trinkgelder in Höhe von bis zu 20 Prozent voreingestellt sind - und widmet diesem Thema glatt den Leitartikel der FAZ: "Heute besteht der Service darin, dass der Gast sich den - unbestreitbar oft guten - Kaffee an der Theke abholt. Es wird auch erwartet, dass er die Tasse wieder zurückstellt. Und ein 'Danke' für das eingegebene Trinkgeld ist eher selten. Klar: Der Kunde darf auch auf 'Kein Trinkgeld' drücken. Dann fährt zwar kein Fallbeil herunter, aber: Es fällt auf." Müller ärgert die Anspruchshaltung: "Man stelle sich den Soldaten vor, der zusätzlich zu seinem Sold vorab gleich noch ein Tapferkeitsabzeichen verlangt."
Geschichte
Der Historiker und von den Deutschen ermordete Resistance-Kämpfer Marc Bloch wird heute Abend in einer feierlichen Zeremonie ins Pariser Pantheon aufgenommen, die höchste Auszeichnung für einen Toten in Frankreich, schreibt Marc Tribelhorn in der NZZ. Blochs Nachkommen haben dabei klare Vorstellungen, wer bei den Feierlichkeiten dabei sein darf. "Seine Familie hat in einem Schreiben an Präsident Macron vorsorglich verlangt, 'dass die extreme Rechte in all ihren Erscheinungsformen von jeder Teilnahme an der Zeremonie ausgeschlossen wird'. Sie wehrt sich auch gegen eine chauvinistische Vereinnahmung Blochs: Er sei Patriot gewesen, aber kein Nationalist." In der FAZ schreibt Marc Zitzmann.
Der Historiker Tim B. Müller schreibt in der FAZ über das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten "Zeugen Jehovas" beziehungsweise "Bibelforscher", das heute in Berlin eingeweiht wird. Etwa 1.800 "Bibelforscher" wurden von den Nazis in Lagern umgebracht, viel mehr waren verfolgt. Das Problem mit dem Gedenken ist, dass es hier eine mangelnde Kontinuität gibt, denn die heutigen "Zeugen Jehovas" stehen nicht einfach in der Nachfolge der einstigen "Bibelforscher", erläutert Müller: "Das Profil der Zeugen Jehovas, wie es später sichtbar wurde, ist mit ihrem Ausbau zur globalen Organisation durch eine 'leitende Körperschaft' in den Vereinigten Staaten nach 1945 verknüpft. Die verfolgten Bibelforscher unterschieden sich in markanten Punkten von den späteren Zeugen Jehovas - ob sie sich nun nach 1945 weiter zu dieser Gemeinschaft bekannten oder nicht."
Die höchste polnische Auszeichnung - der Orden des Weißen Adlers wurde Wolodimir Selenski von dem rechtsnationalen Präsidenten Polens Karol Nawrocki aberkannt. In der NZZ blickt Ulrich M. Schmid auf die Geschichte des Ordens zurück, dessen bisherige Träger neben polnischen Nobelpreisträgern auch Diktatoren waren. "Der Staatsgründer Pilsudski", erster Träger des Ordens nach dem ersten Weltkrieg, "zeigte wenig Sympathie für die parlamentarische Demokratie und nannte die Verfassung in Anlehnung an 'prostytutka' eine 'konstytutka'. Sein politischer Gegenspieler Roman Dmowski liebäugelte mit einer faschistischen Diktatur in Polen... Dmowski wurde erst 2018, knapp achtzig Jahre nach seinem Tod, postum mit dem Orden des Weißen Adlers ausgezeichnet. Zeit seines Lebens hatte er sich in einer nationalkonservativen Opposition zum autoritären Regime der Pilsudski-Leute befunden. Seine späte Renaissance erlebte Dmowski unter der rechtspopulistischen PiS-Regierung und dem patriotischen Präsidenten Andrzej Duda."
Der Historiker Peter Hoeres erzählt in der FAZ, wie langsam die amerikanische Unabhängigkeitserklärung in Deutschland überhaupt nur wahrgenommen wurde: "Während die US-Verfassung von 1787 ab den 1820er-Jahren, im Vormärz, 1848 und dann wieder anlässlich der Reichsgründung gelegentlich diskutiert und gewürdigt wurde, wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung auch in Deutschland erkannt."
Der Historiker Tim B. Müller schreibt in der FAZ über das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten "Zeugen Jehovas" beziehungsweise "Bibelforscher", das heute in Berlin eingeweiht wird. Etwa 1.800 "Bibelforscher" wurden von den Nazis in Lagern umgebracht, viel mehr waren verfolgt. Das Problem mit dem Gedenken ist, dass es hier eine mangelnde Kontinuität gibt, denn die heutigen "Zeugen Jehovas" stehen nicht einfach in der Nachfolge der einstigen "Bibelforscher", erläutert Müller: "Das Profil der Zeugen Jehovas, wie es später sichtbar wurde, ist mit ihrem Ausbau zur globalen Organisation durch eine 'leitende Körperschaft' in den Vereinigten Staaten nach 1945 verknüpft. Die verfolgten Bibelforscher unterschieden sich in markanten Punkten von den späteren Zeugen Jehovas - ob sie sich nun nach 1945 weiter zu dieser Gemeinschaft bekannten oder nicht."
Die höchste polnische Auszeichnung - der Orden des Weißen Adlers wurde Wolodimir Selenski von dem rechtsnationalen Präsidenten Polens Karol Nawrocki aberkannt. In der NZZ blickt Ulrich M. Schmid auf die Geschichte des Ordens zurück, dessen bisherige Träger neben polnischen Nobelpreisträgern auch Diktatoren waren. "Der Staatsgründer Pilsudski", erster Träger des Ordens nach dem ersten Weltkrieg, "zeigte wenig Sympathie für die parlamentarische Demokratie und nannte die Verfassung in Anlehnung an 'prostytutka' eine 'konstytutka'. Sein politischer Gegenspieler Roman Dmowski liebäugelte mit einer faschistischen Diktatur in Polen... Dmowski wurde erst 2018, knapp achtzig Jahre nach seinem Tod, postum mit dem Orden des Weißen Adlers ausgezeichnet. Zeit seines Lebens hatte er sich in einer nationalkonservativen Opposition zum autoritären Regime der Pilsudski-Leute befunden. Seine späte Renaissance erlebte Dmowski unter der rechtspopulistischen PiS-Regierung und dem patriotischen Präsidenten Andrzej Duda."
Der Historiker Peter Hoeres erzählt in der FAZ, wie langsam die amerikanische Unabhängigkeitserklärung in Deutschland überhaupt nur wahrgenommen wurde: "Während die US-Verfassung von 1787 ab den 1820er-Jahren, im Vormärz, 1848 und dann wieder anlässlich der Reichsgründung gelegentlich diskutiert und gewürdigt wurde, wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung auch in Deutschland erkannt."
Medien
Sorgen machen muss man sich um den Deutschlandfunk, wo die Hierarchen laut Reiner Burger in der FAZ eine radikale Programmreform planen. "Im Zentrum des Vorhabens steht, dass die bisherigen Fachsendungen in ihrer derzeitigen Form entfallen. Dazu zählen Sendungen wie 'Tag für Tag - aus Religion und Gesellschaft', 'Wirtschaft am Mittag', 'Forschung aktuell', das Bildungsmagazin 'Campus und Karriere', der 'Büchermarkt' und die Sendung 'Deutschland heute'."
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