Europäische Antiquariate verzeichnen einen
auffälligen Anstieg der Verkaufszahlen, berichtet Leonie C. Wagner in der
NZZ. Eine frohe Botschaft ist das nicht unbedingt, viele Händler vermuten
KI-Firmen hinter den Bestellungen (unser
Resümee). Ziel könnte es sein, wie im sogenannten "Panama"-Projekt von
Anthropic, das die
Washington Post Anfang des Jahres
aufdeckte, Bücher "
destruktiv zu scannen", so Wagner, sie also zu kaufen, zu digitalisieren und anschließend
zu vernichten. Eine neue Methode der Informationsbeschaffung für KI, mit dem die Firma Gesetze umgeht: "Laut dem Gericht liegt der Rechtsbruch nicht darin, dass Anthropic seine KI mit Texten füttert, sondern darin, wie das Unternehmen zu den Texten gekommen ist. Deshalb hat sich Anthropic neuerdings auf den Kauf und das anschließende Zerlegen von Büchern verlegt. Hinter dem Vorgehen könnte eine Bestimmung aus dem amerikanischen Urheberrecht stehen. Während das Kopieren digitaler Texte Schadenersatzklagen nach sich ziehen kann, können sich Unternehmen mit dem Kauf und der anschließenden Vernichtung von physischen Büchern auf das sogenannte
Fair-Use-Prinzip berufen. Dieses erlaubt die Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material ohne ausdrückliche Erlaubnis - solange es Forschungs- oder Bildungszwecken dient."
Auch
Markus Brandis, Kunsthistoriker und Vorsitzender des Verbandes Deutscher Antiquare (VDA), äußert sich im
Welt-Interview zu dem Phänomen. Kollegen von ihm hätten plötzlich vermehrt riesige Bestellungen für bis zu 50.000 Euro zu verzeichnen. Es gibt Muster: "Weniger Belletristik, hauptsächlich wissenschaftliche Literatur oder Sachliteratur. Und kein klassisches älteres Antiquariat, sondern das, was wir als 'Modernes Antiquariat' bezeichnen. Es sind Bücher aus dem
20. Jahrhundert, vornehmlich aus der zweiten Hälfte, sprich: Bücher, die eine
ISBN haben. Denn erst durch diese internationale Buchnummer kann man sie finden. Das ist ein Hinweis darauf, dass sich ein Bot, eine KI-gesteuerte Maschine dahinter befindet, um jedes existierende Buch auf dieser Welt genau
ein einziges Mal zu bestellen. Der Bot kauft keine Themenfelder, das wäre viel zu ungenau und würde Mehrfachkäufe auslösen, sondern nach ISBN."