9punkt - Die Debattenrundschau
Die Zeit der Monster
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.01.2025. Auf Bluesky präsentiert der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk einen Artikel der Prawda von 1981: Schon damals war Gerhard Schröder von der russischen Außenpolitik hellauf begeistert! Gilles Deleuze ware heute hundert geworden: Die Feuilletons überschlagen sich förmlich. Er war ein Vordenker in vielen Dingen, befinden sie und thematisieren sie, bis auf eins. Der RBB erzählt eine erstaunliche Geschichte über eine Frau, die wahrscheinlich nicht existiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
18.01.2025
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Ideen
Gilles Deleuze wäre heute hundert geworden. In Frankreich interessiert das so gut wie niemanden - immerhin bringt das Philosophie Magazine ein Themenheft. Die deutschen Medien überschlagen sich dagegen geradezu mit Gedenkartikeln. Ulrich Gutmair sieht ihn in der taz als Vordenker einer "Kontrollgesellschaft", eine Analyse, die er durch die Monopolisierungstendenzen im Internet nun endgültig eingelöst sieht: "Für uns stellt sich inzwischen jedoch die Frage, inwiefern die Analyse des systemischen Charakters von Kontrolle durch die Beobachtung ergänzt werden muss, dass die fundamentalen Umwälzungen durch Vernetzung und Digitalisierung inzwischen neofeudale Verhältnisse hervorgebracht haben, in denen die Macht von Tech-Oligarchen in vielerlei Hinsicht diejenige von Staaten übersteigt."
Auch Tania Martini würdigt ihn in der FAS als einen Vorausdenker: Die Grenzüberschreibungen eines Trump oder Musk habe er bereits thematisiert und der Linken "einen Imaginationsraum geöffnet, der über Jahrzehnte in linken Subkulturen und den Künsten reich gefüllt wurde". Sie notiert aber auch: "Gilles Deleuzes älterer Bruder Georges war als Résistancekämpfer von den Deutschen verhaftet worden und auf dem Weg in ein Konzentrationslager gestorben. Oft wurde vergessen, dass die Postmodernen auch aus solcher Erfahrung heraus geschrieben haben. Dennoch ist die Schoa merkwürdig abwesend in ihren Werken."
Christoph Kann sieht Deleuze in der FR als Denker, der in Werken wie "Mille Plateaux" "der vernunftzentrierten Tendenz der einen Wahrheit, der einen Moral, der einen Weltanschauung, dem einen Sinnsystem die Pluralität gesellschaftlich relevanter Lebens- und Sozialkonzepte, Handlungs- und Sichtweisen gegenüberstellt".
Auf Deleuze' obsessiven Israel-Hass, der ihn für die heutige akademische Linke vielleicht noch mehr zum Vorläufer macht als seine oft schöne, aber kryptische Philosophie geht nach einer ersten Rundschau durch die feierlich gestimmten Artikel niemand ein. Marlon Grohn spricht im Neuen Deutschland immerhin - wenn auch natürlich zustimmend - seine tiefe Feindseligkeit gegenüber den "Neuen Philosophen" an, also "jenem als französische Denkschule kostümierten Haufen von Opportunisten, Ex-Maoisten, 68er-Renegaten und sonstigen liberalen Hampelmännern, zu denen Intellektuellendarsteller wie Alain Finkielkraut, André Glucksmann oder Bernard-Henri Lévy zählen".
Nur Martin Büsser schrieb in Jungle World über "Deleuze' schrecklich einseitigen Blick auf den Nahen Osten": "In seinem Aufsatz 'Die Größe von Jassir Arafat' (1983) schrieb er von einem 'Genozid' an den Palästinensern und von 'zionistischem Terrorismus': 'Die Komplizenschaft der Vereinigten Staaten mit Israel verdankt sich nicht allein einer mächtigen zionistischen Lobby. Elias Sansibar hat deutlich aufgezeigt, dass die Vereinigten Staaten in Israel einen Aspekt ihrer eigenen Geschichte wiederfanden: die Ausrottung der Indianer, die ebenfalls nur zum Teil eine unmittelbar physische war.' Obwohl solch krude Aufsätze nicht in Schubladen schlummern, sondern im Suhrkamp-Sammelband 'Schizophrenie & Gesellschaft' vorliegen, sind Deleuzes Angriffe auf Israel bislang selten thematisiert worden." Aber pardon, das ist ein Artikel aus dem Jahr 2009.
Außerdem schreiben: Dietmar Dath in der virtuellen Tiefdruckbeilage der FAZ. Dietmar Dath im SWR (hier). René Aguigah und Joseph Vogl unterhalten sich im Deutschlandfunk (hier). Mirjam Schaub und Catherine Newmark sprechen ebenfalls im Dlf über Deleuze (hier). Bei France Culture kann man Deleuze Stimme selbst hören - in einem sehr frühen Vortrag aus dem Jahr 1956 über David Hume.
Und hier das Monstre sacré gegen Ende seiner Laufbahn in einem Vortrag über das Wesen der Kreativität - mit englischen Untertiteln:
Auch Tania Martini würdigt ihn in der FAS als einen Vorausdenker: Die Grenzüberschreibungen eines Trump oder Musk habe er bereits thematisiert und der Linken "einen Imaginationsraum geöffnet, der über Jahrzehnte in linken Subkulturen und den Künsten reich gefüllt wurde". Sie notiert aber auch: "Gilles Deleuzes älterer Bruder Georges war als Résistancekämpfer von den Deutschen verhaftet worden und auf dem Weg in ein Konzentrationslager gestorben. Oft wurde vergessen, dass die Postmodernen auch aus solcher Erfahrung heraus geschrieben haben. Dennoch ist die Schoa merkwürdig abwesend in ihren Werken."
Christoph Kann sieht Deleuze in der FR als Denker, der in Werken wie "Mille Plateaux" "der vernunftzentrierten Tendenz der einen Wahrheit, der einen Moral, der einen Weltanschauung, dem einen Sinnsystem die Pluralität gesellschaftlich relevanter Lebens- und Sozialkonzepte, Handlungs- und Sichtweisen gegenüberstellt".
Auf Deleuze' obsessiven Israel-Hass, der ihn für die heutige akademische Linke vielleicht noch mehr zum Vorläufer macht als seine oft schöne, aber kryptische Philosophie geht nach einer ersten Rundschau durch die feierlich gestimmten Artikel niemand ein. Marlon Grohn spricht im Neuen Deutschland immerhin - wenn auch natürlich zustimmend - seine tiefe Feindseligkeit gegenüber den "Neuen Philosophen" an, also "jenem als französische Denkschule kostümierten Haufen von Opportunisten, Ex-Maoisten, 68er-Renegaten und sonstigen liberalen Hampelmännern, zu denen Intellektuellendarsteller wie Alain Finkielkraut, André Glucksmann oder Bernard-Henri Lévy zählen".
Nur Martin Büsser schrieb in Jungle World über "Deleuze' schrecklich einseitigen Blick auf den Nahen Osten": "In seinem Aufsatz 'Die Größe von Jassir Arafat' (1983) schrieb er von einem 'Genozid' an den Palästinensern und von 'zionistischem Terrorismus': 'Die Komplizenschaft der Vereinigten Staaten mit Israel verdankt sich nicht allein einer mächtigen zionistischen Lobby. Elias Sansibar hat deutlich aufgezeigt, dass die Vereinigten Staaten in Israel einen Aspekt ihrer eigenen Geschichte wiederfanden: die Ausrottung der Indianer, die ebenfalls nur zum Teil eine unmittelbar physische war.' Obwohl solch krude Aufsätze nicht in Schubladen schlummern, sondern im Suhrkamp-Sammelband 'Schizophrenie & Gesellschaft' vorliegen, sind Deleuzes Angriffe auf Israel bislang selten thematisiert worden." Aber pardon, das ist ein Artikel aus dem Jahr 2009.
Außerdem schreiben: Dietmar Dath in der virtuellen Tiefdruckbeilage der FAZ. Dietmar Dath im SWR (hier). René Aguigah und Joseph Vogl unterhalten sich im Deutschlandfunk (hier). Mirjam Schaub und Catherine Newmark sprechen ebenfalls im Dlf über Deleuze (hier). Bei France Culture kann man Deleuze Stimme selbst hören - in einem sehr frühen Vortrag aus dem Jahr 1956 über David Hume.
Und hier das Monstre sacré gegen Ende seiner Laufbahn in einem Vortrag über das Wesen der Kreativität - mit englischen Untertiteln:
Religion
Im Tagesspiegel spricht Jens Tartler mit der forensischen Psychiaterin Nahlah Saimeh über das Böse. Als einen der Rahmen, innerhalb derer das Böse für sie möglich ist, benennt sie Religion: "Zunächst möchte ich zwischen Spiritualität und Religion unterscheiden. Auf der spirituellen Ebene kommen letztlich alle Religionen zum gleichen Ergebnis. Wenn aber die Dogmatik die Oberhand gewinnt, wird ein Alleingültigkeitsanspruch erhoben. Religionen sind doch unterschiedliche Tore zu ein und derselben letzten Wirklichkeit, über die wir Menschen in aller Regel im Leben nichts wissen. Die Radikalisierung hat den Vorteil, dass sie Eindeutigkeit vermittelt. Alle fanatischen Ideologien vermitteln moralische Überlegenheit und dem Verunsicherten durch die Rigidität Orientierung. Aus diesem Absolutheitsanspruch erwächst wiederum die moralische Pflicht, Andersgläubige zu töten oder - denken Sie an glaubensfeindliche Staatsformen - überhaupt Gläubige zu verfolgen. Das Grundschema ist immer das gleiche."
Politik
Am Montag wird Donald Trump zum zweiten Mal Präsident der USA. Das amerikanische Versprechen wird selbst dadurch nicht obsolet, tröstet Sebastian Moll zugleich in der wochentaz: "Für Ralph Waldo Emerson, den Dichter Walt Whitman oder den Philosophen John Dewey bestand die große Differenz des amerikanischen Projekts darin, dass es ein fortgesetztes Werden ist. Die USA sind nicht die empirische Manifestation einer festgeschriebenen Idee, die amerikanische Geschichte kennt keinen Determinismus, keinen vorgeschriebenen Weg."
Auch Hubert Wetzel versucht im Leitartikel der SZ zu beruhigen: "In manchen Kommentaren wird bereits ein Zitat des marxistischen Philosophen Antonio Gramsci herumgereicht: 'Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren. Es ist die Zeit der Monster.' Ganz so furchtbar muss es nicht werden. Donald Trump ist, nach allem, was wir wissen, kein Monster, sondern nur ein Mensch. Er hat teils dumme, teils auch gefährliche Ideen. Aber er ist kein Hitler, Stalin oder Mao."
Trump ist noch nicht im Amt, da bricht er schon Versprechen. In der wochentaz listet Bernd Pickert auf, was Trump angeblich in den ersten 24 Stunden nach Amtsantritt erledigen wollte. "Es war ein angeberisches Versprechen: Binnen 24 Stunden würde er die Regierungen der Ukraine und Russlands an den Verhandlungstisch bringen und den Krieg sofort beenden, hatte Trump stets behauptet. Davon ist derzeit nicht mehr die Rede. Sein designierter Sonderbeauftragter Keith Kellogg spricht inzwischen von mindestens hundert Tagen, die es brauchen werde, Trump selbst von einem halben Jahr."
Auch Hubert Wetzel versucht im Leitartikel der SZ zu beruhigen: "In manchen Kommentaren wird bereits ein Zitat des marxistischen Philosophen Antonio Gramsci herumgereicht: 'Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren. Es ist die Zeit der Monster.' Ganz so furchtbar muss es nicht werden. Donald Trump ist, nach allem, was wir wissen, kein Monster, sondern nur ein Mensch. Er hat teils dumme, teils auch gefährliche Ideen. Aber er ist kein Hitler, Stalin oder Mao."
Trump ist noch nicht im Amt, da bricht er schon Versprechen. In der wochentaz listet Bernd Pickert auf, was Trump angeblich in den ersten 24 Stunden nach Amtsantritt erledigen wollte. "Es war ein angeberisches Versprechen: Binnen 24 Stunden würde er die Regierungen der Ukraine und Russlands an den Verhandlungstisch bringen und den Krieg sofort beenden, hatte Trump stets behauptet. Davon ist derzeit nicht mehr die Rede. Sein designierter Sonderbeauftragter Keith Kellogg spricht inzwischen von mindestens hundert Tagen, die es brauchen werde, Trump selbst von einem halben Jahr."
Europa
Solche Posts findet man auf Twitter dann manchmal doch noch: Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk präsentiert einen Artikel aus der Prawda vom 13. November 1981 mit Äußerungen des jungen SPD-Politikers Gerhard Schröder. Sie zeigen, dass der spätere Mauerfall für die SPD im Grunde gar keinen Bruch darstellte, zumindest nicht, was ihr Verhältnis zu Russland anging: "Zu Fragen der Außenpolitik erklärte Schröder: 'Man muss anerkennen, dass die sowjetische Außenpolitik mit großer Rationalität betrieben wird. Wir hören aus Moskau nicht eine solche Vielzahl von völlig widersprüchlichen Erklärungen führender Persönlichkeiten, wie sie jetzt in den USA zu beobachten sind. Die Konsequenz und der Realismus der Außenpolitik der UdSSR sind ein sehr wichtiges Element. Der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew hat erklärt, er wolle die Entspannungspolitik fortsetzen, die uns viel gebracht hat. Im Gegensatz dazu haben die USA die Entspannungspolitik für gescheitert erklärt.'" Der Post findet sich auch auf dem bisher noch recht langweiligen Twitter-Clon Bluesky.
Bülent Mumay kommt in seiner FAZ-Kolumne auf das Silvester-Fest zurück, das in der Türkei inzwischen mit religiösen Begründungen als "christlich" bekämpft wird - teils mit drakonischen Angriffen der Polizei auf die Feiernden. "Das Palastregime nutzt jede Gelegenheit, streng islamische Lebensweise zu oktroyieren; was wir zum Jahreswechsel erlebten, war eines seiner Instrumente, Andersdenkende zu terrorisieren. Bevor er an der Macht war, hatte Erdogan im Fernsehen den Bürgern sogar zum neuen Jahr gratuliert, um der Wählerschaft schönzutun. Wie er selbst es einst formulierte, war Demokratie für ihn bloß eine Straßenbahn, an der anvisierten Haltestelle, also im Palast angekommen, stieg er aus dem Zug aus. Wir ahnten etwa, was uns an dieser Haltestelle blühen würde."- Ilko-Sascha Kowalczuk (@IlkoKowalczuk) January 17, 2025
1/In der Prawda vom 13.11.1981 lässt sich erfahren, was Gerhard Schröder meint: "Zu Fragen der Außenpolitik erklärte Schröder: 'Man muss anerkennen, dass die sowjetische Außenpolitik mit großer Rationalität betrieben wird. Wir hören aus Moskau nicht eine solche Vielzahl von pic.twitter.com/suSHjN442l
Medien
Eine äußerst seltsame Geschichte erzählt der RBB auf seiner Website über sich selbst. Es geht um Vorwürfe sexueller Belästigung, die dem Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar gemacht wurden - der Politiker ist nach diesen Vorwürfen von einer erneuten Kandidatur für den Bundestag zurückgetreten, stattdessen wurde Julia Schneider zur Direktkandidatin für die Bundestagswahl gewählt. die Berichterstattung des RBB über die Vorwürfe gegen Gelbhaar beruhten auf eidesstaatlichen Erklärungen von betroffenen Frauen. "Doch an der Identität einer der Frauen, Anne K., kamen jetzt Zweifel auf - nachdem diese seit einigen Tagen für den RBB nicht mehr zu erreichen war. Mittlerweile steht fest: Anne K. war nicht diejenige, für die sie sich ausgab. Mit hoher Wahrscheinlichkeit existiert diese Frau gar nicht." Auch die "Abendschau" des RBB berichtete gestern über die Geschichte.
Gesellschaft
Stefan Laurin kommt in den Ruhrbaronen auf den zehnten Jahrestag der Morde an Charlie-Hebdo-Zeichnern zurück und resümiert sarkastisch: "Der Westen hat die Lektionen, die ihm durch die Morde von Paris und viele andere Anschläge von Islamisten erteilt wurden, gelernt. Spott über den Islam wird vermieden, zu gefährlich sind Witze über Mohammed. Und seit Kritik am Islam als Islamophobie diskreditiert wurde und für viele eine Form von Rassismus ist, nahm die Vorsicht weiter zu."
In der französischen Bevölkerung ist die Zustimmung der Bevölkerung zum Recht auf Satire hingegen stark gestiegen, berichtet FAZ-Korrespondentin Michaela Wiegel: "76 Prozent der Franzosen wollen das Recht auf Satire und Religionskritik als Teil der freien Meinungsäußerung geschützt sehen." Nur eine Ausnahme gibt es, die Wähler des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon und seiner Partei "Unbeugsames Fankreich". Mélenchon war ursprünglich ein Laizist und hielt sogar die Trauerrede für den Charlie-Zeichner Charb. Aber inzwischen hat er ein neues Wählerpotenzial entdeckt: "Eine Ifop-Umfrage nach der Europawahl im vergangenen Juni hat zutage gefördert, dass 62 Prozent der muslimischen Franzosen für LFI stimmten. Dieses Ergebnis ähnelt dem einer Umfrage nach den jüngsten Präsidentenwahlen 2022. In der ersten Runde wählten 69 Prozent der muslimischen Franzosen Mélenchon."
Auf Twitter ist das eine große Geschichte, die Christian Rath in der taz erläutert: "Die rechtsextremistische Provokationsfigur Sven Liebich hat ihren Personenstand von männlich auf weiblich ändern lassen. Als neuen Vornamen wählte Liebich Marla-Svenja. Da Liebich möglicherweise bald ins Gefängnis muss, stellen viele Medien die Frage, ob Liebich nun ins Frauengefängnis müsste. Doch das ist unwahrscheinlich. Wer das Geschlecht nur zu Provokationszwecken ändert, wird im Strafvollzug voraussichtlich weiter als Mann behandelt." Für Gutachter ist das sicher ein leichtes Spiel!
In der französischen Bevölkerung ist die Zustimmung der Bevölkerung zum Recht auf Satire hingegen stark gestiegen, berichtet FAZ-Korrespondentin Michaela Wiegel: "76 Prozent der Franzosen wollen das Recht auf Satire und Religionskritik als Teil der freien Meinungsäußerung geschützt sehen." Nur eine Ausnahme gibt es, die Wähler des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon und seiner Partei "Unbeugsames Fankreich". Mélenchon war ursprünglich ein Laizist und hielt sogar die Trauerrede für den Charlie-Zeichner Charb. Aber inzwischen hat er ein neues Wählerpotenzial entdeckt: "Eine Ifop-Umfrage nach der Europawahl im vergangenen Juni hat zutage gefördert, dass 62 Prozent der muslimischen Franzosen für LFI stimmten. Dieses Ergebnis ähnelt dem einer Umfrage nach den jüngsten Präsidentenwahlen 2022. In der ersten Runde wählten 69 Prozent der muslimischen Franzosen Mélenchon."
Auf Twitter ist das eine große Geschichte, die Christian Rath in der taz erläutert: "Die rechtsextremistische Provokationsfigur Sven Liebich hat ihren Personenstand von männlich auf weiblich ändern lassen. Als neuen Vornamen wählte Liebich Marla-Svenja. Da Liebich möglicherweise bald ins Gefängnis muss, stellen viele Medien die Frage, ob Liebich nun ins Frauengefängnis müsste. Doch das ist unwahrscheinlich. Wer das Geschlecht nur zu Provokationszwecken ändert, wird im Strafvollzug voraussichtlich weiter als Mann behandelt." Für Gutachter ist das sicher ein leichtes Spiel!
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