9punkt - Die Debattenrundschau
Große Mengen Text
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
13.07.2024. In der FAS macht Laidlaw Peringanda vom "Swakopmund Genocide Museum" in Namibia einen Vorschlag für die Wiedergutmachung deutscher Kolonialverbrechen. Die FAZ hat schlechte Nachrichten aus der Welt des Musiktheaterbaus: Die Dinger sind recht teuer. Die taz arbeitet sich am alten Gegensatzpaar von "Lechts" und "Rinks" ab - mit unklarem Ergebnis. Ebenfalls in der taz spricht der palästinensische Demokratie-Aktivist Hamza Howidy über die internationale Solidarität mit der Oppostion im Gaza-Streifen: Es gibt keine.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
13.07.2024
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Europa
Die taz ist sich etwas uneins, was "Lechts" und "Rinks" angeht.
Die Frage ist, wie eine Gesellschaft ihre Demokratie verteidigt, ruft Peter Unfried in der taz. Der Antisemitismus und die Pro-Putin-Position der "Unbeugsamen" in Frankreich sind für Unfried jedenfalls mehr als ein "Haar in der Suppe" (wie Robert Misik in der taz geschrieben hatte). "Links" ist keine Antwort, die Unfried auf die Bedrohung von "Rechts" überzeugt: "Deshalb ist es auch sinnlos, eine Debatte darüber zu führen, ob und wo der Wagenknecht-Trupp 'links' sei. Er positioniert sich in den zentralen Fragen - Klimapolitik, EU, Nato, Russland, offene Gesellschaft - genauso gegen den Westen, wie es, in Abstufungen, Trump, Le Pen, Mélenchon, Orbán, PiS, Meloni und AfD tun. 'Linke' Sozialpolitik haben auch PiS und Orbán im Programm, nur wird Gerechtigkeit nicht inklusiv, sondern exklusiv und fossil definiert."
Den Antisemitismus in Mélenchons linkspopulistischer Partei thematisiert auch Tania Martini in ihrer taz-Kolumne: "Den jüdischen Dachverband CRIF nannte er eine 'aggressive Gemeinschaft, die den Rest des Landes belehren will'. Einer seiner Genossen fand, dass die Vergewaltigung eines jüdischen Mädchens in Courbevoie zu sehr in den Medien thematisiert wurde. Und Rima Hassan, die man oft an Mélenchons Seite sieht, verkündete, der jüdische Staat lasse palästinensische Gefangene von Hunden vergewaltigen und stehle ihre Organe." Martini verweist auch auf einen offenen Brief, der von Boualem Sansal, Georges Bensoussan, Pierre-André Taguieff sowie Daniel Knoll und anderen unterschreiben wurde und der die "Neue Volksfront" als größte Bedrohung der Juden in Frankreich bezeichnet. Ein paar Seiten weiter in der taz heißt es dann in einem Artikel von Lea Fauth um 180 Grad gedreht: "Die Stimmungsmache gegen das Linksbündnis in Frankreich ist verkappte Angst vor radikaler Umverteilung. Doch die braucht es, um den Rechtsextremismus aufzuhalten."
Wieder ein paar Seiten weiter in der taz staunt Jan Feddersen über die Verdrängungskraft der Linken in Deutschland, die noch jede Messerattacke eines Islamisten als Verbrechen eines Einzeltäters abtut: "Warum hat die Linke solche Furcht, sich auch nur in Krümeln auf real existierende Ängste in der Gesellschaft einzulassen? Warum steht der Islam nie in der Debatte?" Und er benennt den konstruktiven Beitrag der Linken zur Stärkung der Rechten: "Was den Rechten aber am meisten dient, ist nicht das öffentliche Sprechen über Attacken im Alltag, sondern das begütigende Schweigen darüber."
Nun ist durch Emmanuel Macrons Coup gegen sich selbst "ein zur Mehrheitsbildung unfähiges Parlament entstanden, das überdies ein Jahr lang nicht mehr aufgelöst werden", konstatiert wie so viele auch der Staatsrechtler Christoph Schönberger in der FAZ. Mit der "Hyperpräsidentialisierung" der Fünften Republik ist es aus. Auch Schönberger hofft, dass Frankreich nun allmählich lernen könnte, "was der Bonapartismus des Präsidentenamts vernebelt, in den parlamentarischen Demokratien des europäischen Kontinents aber seit Jahrzehnten Alltag ist: die kompromisshafte Koalitionsbildung, mit der ein Bedeutungsgewinn der Nationalversammlung und des Premierministers bei einer stärker zurückgenommenen Rolle des Staatspräsidenten einherginge."
Die Frage ist, wie eine Gesellschaft ihre Demokratie verteidigt, ruft Peter Unfried in der taz. Der Antisemitismus und die Pro-Putin-Position der "Unbeugsamen" in Frankreich sind für Unfried jedenfalls mehr als ein "Haar in der Suppe" (wie Robert Misik in der taz geschrieben hatte). "Links" ist keine Antwort, die Unfried auf die Bedrohung von "Rechts" überzeugt: "Deshalb ist es auch sinnlos, eine Debatte darüber zu führen, ob und wo der Wagenknecht-Trupp 'links' sei. Er positioniert sich in den zentralen Fragen - Klimapolitik, EU, Nato, Russland, offene Gesellschaft - genauso gegen den Westen, wie es, in Abstufungen, Trump, Le Pen, Mélenchon, Orbán, PiS, Meloni und AfD tun. 'Linke' Sozialpolitik haben auch PiS und Orbán im Programm, nur wird Gerechtigkeit nicht inklusiv, sondern exklusiv und fossil definiert."
Den Antisemitismus in Mélenchons linkspopulistischer Partei thematisiert auch Tania Martini in ihrer taz-Kolumne: "Den jüdischen Dachverband CRIF nannte er eine 'aggressive Gemeinschaft, die den Rest des Landes belehren will'. Einer seiner Genossen fand, dass die Vergewaltigung eines jüdischen Mädchens in Courbevoie zu sehr in den Medien thematisiert wurde. Und Rima Hassan, die man oft an Mélenchons Seite sieht, verkündete, der jüdische Staat lasse palästinensische Gefangene von Hunden vergewaltigen und stehle ihre Organe." Martini verweist auch auf einen offenen Brief, der von Boualem Sansal, Georges Bensoussan, Pierre-André Taguieff sowie Daniel Knoll und anderen unterschreiben wurde und der die "Neue Volksfront" als größte Bedrohung der Juden in Frankreich bezeichnet. Ein paar Seiten weiter in der taz heißt es dann in einem Artikel von Lea Fauth um 180 Grad gedreht: "Die Stimmungsmache gegen das Linksbündnis in Frankreich ist verkappte Angst vor radikaler Umverteilung. Doch die braucht es, um den Rechtsextremismus aufzuhalten."
Wieder ein paar Seiten weiter in der taz staunt Jan Feddersen über die Verdrängungskraft der Linken in Deutschland, die noch jede Messerattacke eines Islamisten als Verbrechen eines Einzeltäters abtut: "Warum hat die Linke solche Furcht, sich auch nur in Krümeln auf real existierende Ängste in der Gesellschaft einzulassen? Warum steht der Islam nie in der Debatte?" Und er benennt den konstruktiven Beitrag der Linken zur Stärkung der Rechten: "Was den Rechten aber am meisten dient, ist nicht das öffentliche Sprechen über Attacken im Alltag, sondern das begütigende Schweigen darüber."
Nun ist durch Emmanuel Macrons Coup gegen sich selbst "ein zur Mehrheitsbildung unfähiges Parlament entstanden, das überdies ein Jahr lang nicht mehr aufgelöst werden", konstatiert wie so viele auch der Staatsrechtler Christoph Schönberger in der FAZ. Mit der "Hyperpräsidentialisierung" der Fünften Republik ist es aus. Auch Schönberger hofft, dass Frankreich nun allmählich lernen könnte, "was der Bonapartismus des Präsidentenamts vernebelt, in den parlamentarischen Demokratien des europäischen Kontinents aber seit Jahrzehnten Alltag ist: die kompromisshafte Koalitionsbildung, mit der ein Bedeutungsgewinn der Nationalversammlung und des Premierministers bei einer stärker zurückgenommenen Rolle des Staatspräsidenten einherginge."
Medien
Im Gespräch mit Cornelius Pollmer und Claudia Tieschky von der SZ bescheibt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ganz gut das Paradox, mit dem die Institutionen - sowohl Politik als auch öffentlich-rechtliche Medien - gegenwärtig zurechtkommen müssen: "Man glaubt dem Rundfunk in Teilen der Bevölkerung nicht mehr, und uns Politikern, die die meisten Menschen nur aus den Massenmedien kennen, auch nicht. So, und jetzt können wir überlegen, ändern wir das, indem wir da noch mal mehr Quantität schaffen, erhöhen wir also die Leistungen des Staates trotz kritischer Finanzen und machen im Öffentlich-Rechtlichen noch ein weiteres Feature auf, weil das besser ist und die Leute dann zum Beispiel endlich mal begreifen, dass das schon in Ordnung ist mit der mangelhaften Steuerung der Migration?"
Internet
Im Moment sind KI-Anfragen im Netz oft nützlicher als Suchanfragen bei Google (man probiere es etwa bei perplexity.ai). Aber wie lange wird das dauern, fragt Svenja Bergt in der taz: Die Frage stellt sich, weil immer mehr Texte im Netz inzwischen selbst KI-produziert sind und das "könnte zu einer paradoxen Situation führen. Denn die neuen KI-Funktionen in Suchmaschinen oder auch ChatGPT brauchen für das Training ihrer dahinter liegenden Sprachmodelle große Mengen Text. Den ziehen sie vor allem aus dem Internet. Nimmt die Menge an KI-generierten Inhalten dort zu, werden auch die Sprachmodelle vermehrt damit trainiert werden."
Ideen

Politik
Konstantin Nowotny führt für die taz ein sehr instruktives Gespräch mit dem Demokratie-Aktivisten Hamza Howidy, der 2019 gegen die Hamas protestiert hatte, von ihr festgenommen und gefoltert wurde und jetzt in Deutschland in einer Flüchtlingsunterkunft lebt. Mit Entsetzen verfolgt er, wie seine Familie in Gaza von einem Ort zum anderen fliehen muss. Aber er erzählt auch von seiner Erfahrung des Protests gegen die Hamas, die ihn nur durch Bestechung freiließ. Solidarität gab es keine: "Als wir freikamen, waren wir schockiert, weil niemand unsere Freilassung gefordert hatte. Wir hatten nicht erwartet, dass Menschenrechtsorganisationen, die Palästinensische Autonomiebehörde oder die arabischen Länder uns so im Stich lassen würden. Deshalb warteten wir viele Jahre, bis wir im Juni 2023 erneut protestierten." Auf die Frage, ob man die Kritik an der Hamas angesichts der israelischen Kriegsführung zurückstellen solle, antwortet Howidy: "Eigentlich bin ich nicht hier, um Israel zu verteidigen, aber wenn die Protestierenden sagen, dass Israel schlimmere Verbrechen begeht als die Hamas, sollten sie sich die Frage stellen: Was wäre, wenn die Hamas über die militärischen Kapazitäten der IDF verfügen würde? Ich glaube, es wäre ein Albtraum für alle."
Der amerikanische Journalist Franklin Foer hat nach dem 7. Oktober einen der wichtigsten Essays über den neuen Antisemitimsus gschreiben, der schon vor dem 7. Oktober da war aber seitdem ungeniert seine Fratze zeigt (unser Resümee). Im taz-Gespräch mit Sebastian Moll skizziert er die Einstellung des liberalen Judentums in den USA, das zwar Netanjahu gegenüber sehr kritisch eingestellt ist, aber entschieden am Existenzrecht Israels festhält. Das "goldene Zeitalter der amerikanischen Juden" sei vorbei, wiederholt er im Gespräch. Es hat für ihn darin bestanden, dass die Juden "nicht das Gefühl hatten, ihre Identität aufgeben zu müssen, um im Mainstream akzeptiert zu werden". Nun fürchtet er, "dass die Erfahrung, als Jude in Amerika zu leben, sich eher der historischen Norm angleicht, als dem Ausnahmezustand, in dem wir uns seit siebzig Jahren befunden haben".
Düster klingt, was der israelische Philosoph Avishai Margalit im Gespräch mit Michael Hesse von der FR über die Stimmung in Israel erzählt: "Heute sind die Menschen niedergeschlagen und depressiv. Viele haben ihre Hoffnungen aufgegeben. Der Blick auf die Zukunft Israels und die Kosten, die wir für den Krieg zahlen müssen, haben sie entkräftet. Zudem gibt es besonders bei den Unterstützern der Regierung ein sehr starkes Gefühl der Rache. Sie verstehen den Krieg als einen Revanchekrieg, wegen der Demütigung, die durch Inkompetenz begünstigt wurde. Denn alle vertrauten auf die militärische Macht Israels." Aber "Die Menschen, die entführt wurden, und jene, die an der Front in den Kibbuzen lebten, sind die Bastion der Friedensbewegung. Der Schock und das Trauma umfassen also viele Segmente der Gesellschaft, aber nicht unbedingt aus den gleichen Gründen."
Der amerikanische Journalist Franklin Foer hat nach dem 7. Oktober einen der wichtigsten Essays über den neuen Antisemitimsus gschreiben, der schon vor dem 7. Oktober da war aber seitdem ungeniert seine Fratze zeigt (unser Resümee). Im taz-Gespräch mit Sebastian Moll skizziert er die Einstellung des liberalen Judentums in den USA, das zwar Netanjahu gegenüber sehr kritisch eingestellt ist, aber entschieden am Existenzrecht Israels festhält. Das "goldene Zeitalter der amerikanischen Juden" sei vorbei, wiederholt er im Gespräch. Es hat für ihn darin bestanden, dass die Juden "nicht das Gefühl hatten, ihre Identität aufgeben zu müssen, um im Mainstream akzeptiert zu werden". Nun fürchtet er, "dass die Erfahrung, als Jude in Amerika zu leben, sich eher der historischen Norm angleicht, als dem Ausnahmezustand, in dem wir uns seit siebzig Jahren befunden haben".
Düster klingt, was der israelische Philosoph Avishai Margalit im Gespräch mit Michael Hesse von der FR über die Stimmung in Israel erzählt: "Heute sind die Menschen niedergeschlagen und depressiv. Viele haben ihre Hoffnungen aufgegeben. Der Blick auf die Zukunft Israels und die Kosten, die wir für den Krieg zahlen müssen, haben sie entkräftet. Zudem gibt es besonders bei den Unterstützern der Regierung ein sehr starkes Gefühl der Rache. Sie verstehen den Krieg als einen Revanchekrieg, wegen der Demütigung, die durch Inkompetenz begünstigt wurde. Denn alle vertrauten auf die militärische Macht Israels." Aber "Die Menschen, die entführt wurden, und jene, die an der Front in den Kibbuzen lebten, sind die Bastion der Friedensbewegung. Der Schock und das Trauma umfassen also viele Segmente der Gesellschaft, aber nicht unbedingt aus den gleichen Gründen."
Kulturpolitik
"Schlechte Nachrichten aus der Welt des Musiktheaterbaus" verkündet Matthias Alexander im Aufmacher des FAZ-Feuilletons. Die deutschen Städte sind in einer paradoxen Situation, denn einerseits sinken in fast allen Opern die Besucherzahlen (mehr hier) und andererseits sind in sehr vielen Städten Opernhäuser wie auch Theater sanierungsbedürftig, und die Kosten, die für solche Sanierungen veranschlagt werden, sind exorbitant. Mit 400 Millionen Euro fängt es in Städten wie Augsburg überhaupt erst an, es kann aber auch gern mal eine Milliarde kosten, schreibt Alexander. Manche Häuser werden dran glauben müssen. "Die Opernhäuser in Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg haben einen Umstand gemeinsam: Es handelt sich um Nachkriegsbauten. Diese Tatsache scheint also die Voraussetzung dafür zu sein, dass ein Standortwechsel in Betracht gezogen wird, der faktisch dem Abriss des Altbaus gleichkommt, denn dessen Unterhalt ohne Nutzung ist finanziell für keine Kommune zu leisten. Für ein Haus, das vor 1914 errichtet worden ist, wäre das undenkbar; man stelle sich den Aufschrei vor, wenn von der Politik die Idee verfolgt würde, die Staatsoper Unter den Linden, das Nationaltheater in München (dessen Sanierung in zehn Jahren ansteht) oder eben die Staatsoper Stuttgart aufzugeben."
Der ehemalige Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier hat vorgeschlagen, die "Beratende Kommission" zur Rückgabe von Raubkunst in eine Bundesbehörde umzuwandeln. Aber Bundeskulturministerin Claudia Roth ist darauf nicht eingegangen, sie möchte Schiedsgerichte, in denen die Frage der Rückgabe von Kunstwerken an die Familien von NS-Opfern geregelt wird. Hubertus Butin ist im Tagesspiegel sehr skeptisch. Unter anderem ist "unklar, ob die geplante Verwaltungsvereinbarung mit allen Bundesländern zustande kommt. Sollten sich im September bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen die politischen Machtverhältnisse massiv verschieben, könnte es sein, dass diese Länder dem Plan von Roth nicht zustimmen. Eine flächendeckende Lösung mit allen Bundesländern würde damit nicht mehr gelingen."
Der ehemalige Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier hat vorgeschlagen, die "Beratende Kommission" zur Rückgabe von Raubkunst in eine Bundesbehörde umzuwandeln. Aber Bundeskulturministerin Claudia Roth ist darauf nicht eingegangen, sie möchte Schiedsgerichte, in denen die Frage der Rückgabe von Kunstwerken an die Familien von NS-Opfern geregelt wird. Hubertus Butin ist im Tagesspiegel sehr skeptisch. Unter anderem ist "unklar, ob die geplante Verwaltungsvereinbarung mit allen Bundesländern zustande kommt. Sollten sich im September bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen die politischen Machtverhältnisse massiv verschieben, könnte es sein, dass diese Länder dem Plan von Roth nicht zustimmen. Eine flächendeckende Lösung mit allen Bundesländern würde damit nicht mehr gelingen."
Geschichte
Friedrich Conradi führt für die FAS ein sehr interessantes Gespräch mit dem Künstler Laidlaw Peringanda, der in Namibia das "Swakopmund Genocide Museum" gegründet hat, um die Erinnerung an die Kriegsverbrechen deutscher Soldaten an den Ovaherero und Nama im heutigen Namibia wachzuhalten. Dazu gehört auch die Restaurierung namenloser Gräber der Ovahererok, was nicht unproblematisch ist: "Ich finde es ermutigend, dass sich immer mehr deutsche Touristen, Studenten und junge weiße Menschen aus Swakopmund an der Pflege der Gräber beteiligen", erzählt er. Doch: "Ein großer Teil der deutschen Gemeinde in Swakopmund steht unserer Arbeit ablehnend gegenüber und verhält sich mir gegenüber feindselig. Ich habe sogar Morddrohungen erhalten." Peringanda macht auch einen sehr interessanten Vorschlag für eine Wiedergutmachung der Deutschen: Statt Reparationszahlungen an die namibische Regierung zu leisten, "sollte Deutschland das Land unserer Ahnen" von den weißen Farmern, die 70 Prozent des besten Ackerlands besäßen, "kaufen und umverteilen. Schließlich waren es deutsche Soldaten, die es uns genommen haben. Und unsere Regierung hat schon genug finanzielle Probleme, es ist verständlich, dass sie nicht in der Lage ist, ausreichend Land zurückzukaufen."
Arno Widmann rät in der FR Thomas Müntzers Fürstenpredigt zu lesen, die vor genau 500 Jahren gehalten wurde. Ein gewisses Gefühl der Fremdheit dürfte dabei jeden Leser beschleichen: "'Außlegung des andern unterschyds Danielis, deß propheten, gepredigt auffm Schlos zu Alstet vor den tetigen, thewren herzcogen und vorstehern zu Sachssen durch Thomam Muntzer, diener des wordt gottes. Alstedt MDXXIIII' Heute würde man Leser mit einem solche Titel zutiefst verschrecken. Aber damals war das Buch des Propheten Daniel in aller Munde." Und was stellt sich heraus? Nichts was den Klischees entspricht. Unter anderem "predigt Müntzer die Vernichtung von allem, das sich zwischen ihn und seinen Gott schiebt. Es geht in der 'Fürstenpredigt' um nichts anderes. Wir erfahren nichts über Gott, nichts über das Himmelreich."
Arno Widmann rät in der FR Thomas Müntzers Fürstenpredigt zu lesen, die vor genau 500 Jahren gehalten wurde. Ein gewisses Gefühl der Fremdheit dürfte dabei jeden Leser beschleichen: "'Außlegung des andern unterschyds Danielis, deß propheten, gepredigt auffm Schlos zu Alstet vor den tetigen, thewren herzcogen und vorstehern zu Sachssen durch Thomam Muntzer, diener des wordt gottes. Alstedt MDXXIIII' Heute würde man Leser mit einem solche Titel zutiefst verschrecken. Aber damals war das Buch des Propheten Daniel in aller Munde." Und was stellt sich heraus? Nichts was den Klischees entspricht. Unter anderem "predigt Müntzer die Vernichtung von allem, das sich zwischen ihn und seinen Gott schiebt. Es geht in der 'Fürstenpredigt' um nichts anderes. Wir erfahren nichts über Gott, nichts über das Himmelreich."
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