9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2021 - Internet

In Frankfurt entstehen immer mehr Serverfarmen, die einen höheren Strombedarf haben als alle Einwohner der Stadt zusammen. Niklas Maak spricht für die FAZ mit dem Architekten Architekten Karsten Spengler über ungenutzte Potenziale dieser Kathedralen der Spätmoderne: "Wir reden über einige Hundert Megawatt Abwärme allein durch Rechenzentren für den Raum Frankfurt, also ein Mehrfaches dessen, was nötig wäre, die Stadt Frankfurt vollständig mit CO₂-neutraler Wärme zu versorgen. Um dieses Potenzial zu heben, bedürfte es aber eines klaren politischen Willens und der Schaffung eines verlässlichen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmens für mögliche Dienstleister, also kluger Regulierung."
Stichwörter: Serverfarmen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2021 - Internet

Es ist reichlich bequem, den Hass in der Gesellschaft allein auf soziale Medien wie Facebook zu schieben, schreibt Richard Herzinger in einer Intervention für den Perlentaucher: "Generell können Medien Hass steigern, ihn verbreiten und in eine bestimmte Richtung lenken - künstlich erzeugen können sie ihn jedoch nicht. Damit er virulent wird und in Gewalt umschlägt, muss er unterschwellig bereits im Bewusstsein von Teilen der Gesellschaft verankert sein. Hass ist eine konstante menschliche Emotion, die stets unter der Oberfläche zivilisatorischen Zusammenlebens brodelt, und die man kontrollieren und eindämmen muss, die man aber nicht ein für allemal aus der Welt schaffen kann."

Die brutale koreanische Netflix-Serie "Squid Game" steht in neunzig Ländern auf Platz 1 der Netflix-Charts und macht die gesamte Internetbranche nervös, berichtet Rahel Lang bei Netzpolitik: "Mit den steigen Zuschauerzahlen steigt auch die Rechnung der lokalen Breitbandanbieter. Schließlich müssen sie für den enormen Datenverkehr ausreichend Infrastruktur bieten. Damit entflammt die Debatte erneut, wer für die Datenkosten des Streaming-Booms zahlen soll. Netflix zahlt in Südkorea, ähnlich wie in der EU, keine Netznutzungsgebühren. Nun leitet der südkoreanische Breitbandanbieter SK Broadband rechtliche Schritte ein."
Stichwörter: Facebook, Hate Speech, Netflix

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2021 - Internet

The Intercept hat eine Facebook-interne Liste mit einer Liste gefährlicher Organisationen oder Personen veröffentlicht. Markus Reuter hat sie sich für Netzpolitik genauer angesehen: "Auf ihr stehen mehr als 4.000 Organisationen und Einzelpersonen, die auf Facebook gesperrt sind. Wer sich positiv über sie äußert, muss damit rechnen, dass solche Postings gelöscht werden. Neben Terrororganisationen sieht Facebook auch manche Bands als gefährlich - sowie Firmen und Personen, die schon lange tot sind." Aus Deutschland und anderen Ländern stehen vor allem rechtsextreme Organisationen auf der Liste: "Facebook sagt gegenüber The Intercept, sein Vorgehen gegen rechtsradikale (im Original: 'White Supremacy') Gruppen sei weitaus aggressiver als das jeder Regierung. Facebooks Definition von Terrorismus sei agnostisch gegenüber 'Religion, Region, politischer Einstellung oder Ideologie'."
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Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.10.2021 - Internet

Facebook ist in vielen ärmeren Ländern, in denen das Internet für die Mehrheit praktisch nicht existiert, inzwischen zu einem Ersatz geworden. Dass es diesen Ersatz zur Propagierung diverser eigener Dienste nutzt, empört - wie so viele andere Kommentatoren - auch Michael Moorstedt in der SZ. Dass Facebook kürzlich für einige Stunden nicht erreichbar war, ist für ihn der Gipfel: "Wenn der Konzern die ohnehin schon drängenden Probleme nicht gelöst bekommt, dann sollte er vielleicht nicht unbedingt kritische Infrastrukturen bereitstellen", schreibt er. Wer das sonst tun könnte, sagt er allerdings nicht. Vielleicht deutsche Medienkonzerne?
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2021 - Internet

Wird Facebook so etwas wie die Alkoholindustrie oder wie die Waffenlobby? Nein, es wird die Tabakindustrie des 21. Jahrhunderts, meint Jonathan Freedland im Guardian nach den Aussagen der Whistleblowerin Frances Haugen: "Hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg diesen Befund zugegeben, als er im März vor dem Kongress aussagte? Hat er nicht. Stattdessen sagte er: 'Die Forschung, die wir gesehen haben, zeigt, dass die Nutzung sozialer Apps, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann.' Mit anderen Worten: Rauchen ist gut für Sie. Aber wenn es um Leben und Tod geht, ist die Rolle von Facebook direkter als der psychologische Schaden allein. Haugen sagte aus, dass die Plattform in Äthiopien 'ethnische Gewalt anheizt', so wie es in Myanmar verheerende Auswirkungen hatte, wo Facebook schließlich seine fatale Rolle in der Kampagne des Militärs gegen die muslimische Minderheit der Rohingya zugab, die zu Mord, Vergewaltigung und Enteignung führte. Die Behörden in Nigeria sind ebenfalls der Meinung, dass über Facebook verbreitete Fake News Menschen töten, da Gruppen sich gegenseitig als Vergeltung für Gräueltaten angreifen, die nie stattgefunden haben."

Und auch der Netzaktivist und Gründer von Digitalcourage, padeluun, plädiert in der taz dafür, die Digitalkonzerne zu zerschlagen: "Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat angekündigt, gegen Behörden vorzugehen, die auf Facebook sind. Und was passiert? Die gehen teilweise zu Instagram. Instagram! Eine Plattform, auf der man noch nicht mal Links nach draußen setzen kann, ein völlig abgeschottetes System. Gleichzeitig lassen wir Kinder darauf. Auf eine Plattform, deren Algorithmus einen abwertet, wenn man auf einen Post keine Antwort von seinen 'Friends' bekommt. Das erzeugt brutalen Druck. Es sind verbrecherische Systeme, den auch die meisten Erwachsenen gar nicht gewachsen sind. Deshalb bin ich hier ein Verbieter."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.10.2021 - Internet

Hierzulande mag der Facebook-Blackout vielleicht als willkommene "Digitalaskese" hingenommen worden sein, aber für "Hunderte Millionen Nutzer in Ländern in Afrika, Asien oder Lateinamerika war der Ausfall eine Katastrophe, schreibt Andrian Kreye in der SZ, denn: "Facebook ist dort ganz buchstäblich das Internet. Dort können Menschen über die App Discover from Facebook oder das Angebot Facebook Zero für kleines Geld oder gratis ins Internet, selbst dann, wenn sie keinen Datenplan mit einem lokalen Anbieter haben. 'Zero-Rating' nennt sich diese Praxis, Nullbewertung. Das ist allerdings keine Wohltätigkeit, sondern ein Geschäftsmodell. Weil die großen digitalen Anbieter ihre Wachstumsraten in den Wohlstandsländern ausgereizt haben, bleiben nur die Entwicklungs- und Schwellenländer, um Nutzer zu gewinnen. 'Zero-Rating' gilt als digitaler Kolonialismus. Denn natürlich sind Discover und Facebook Zero Nadelöhre, die all die neuen Nutzer nicht nur an sich binden, sondern in den meisten Fällen auch verhindern, dass sie die Konkurrenz erreichen." Außerdem habe Zuckerberg Facebook aus "Personalmangel" nicht mehr im Griff, ergänzt Kreye auf den Meinungsseiten der SZ.

Wie sehr Menschen in vielen Ländern auf Facebook, Instagram und Whatsapp längst als Kommunikationsmittel angewiesen sind, konkretisiert Markus Reuter bei Netzpolitik: "Im Iran zum Beispiel, wo Instagram das letzte verbleibende westliche soziale Netzwerk ist und ganze Wirtschaftszweige mit diesem Netzwerk verknüpft sind. Da haben Leute keine Geschäfte gemacht und Geld verloren. Oder in Argentinien, wo man Unternehmen nicht mehr erreichen konnte, weil der Kundenservice über WhatsApp abgewickelt wird. Oder in Indien, wo Familien nicht mehr miteinander kommunizieren konnten. Ihnen wird der Zeigefinger nicht gerecht. Gerade wenn sie wie die meisten Menschen in Argentinien Mobilfunkverträge haben, bei denen sie WhatsApp kostenlos nutzen können, aber für das restliche Internet teuer bezahlen. Weil es keine Netzneutralität, sondern Zero-Rating gibt."

Im FAZ-Interview mit Roland Lindner sorgt sich der Anwalt John Tye von "Whistleblower Aid", der Frances Haugen vertritt, vor möglichen Vergeltungsschlägen Facebooks gegen Haugen: "Facebook könnte nun alle möglichen Anschuldigungen gegen sie erheben, sie über Medien zu attackieren versuchen oder sie verklagen. Facebook könnte sagen, sie hätte irgendwelche persönlichen Motive. Und über solche Bedrohungen machen wir uns auch Gedanken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.10.2021 - Internet

Am Sonntag gab die Whistleblowerin Frances Haugen in der CBS-Sendung "60 Minutes" ein Interview, in dem sie ihre Identität preisgab und über die Gefährdung Facebooks für Gesellschaft und Demokratie sprach, heute wird Haugen im Unterausschuss für Verbraucherschutz, Produktsicherheit und Datensicherheit des US-Senats als Zeugin auftreten. Auf Seite 3 der SZ reiben sich Lena Kampf, Andrian Kreye und Georg Mascolo nach Sichtung der Unterlagen die Augen: "Liest man die Dokumente, die Haugen aus der Firmenzentrale mitgenommen hat, die internen Studien, Präsentationen aus Konferenzen, die Chats, ist man verblüfft, mit welcher Akribie Facebook die Probleme von Facebook durchleuchtet. Ausführlich werden da etwa die Schwierigkeiten diskutiert, die man bei der Überwachung von Posts aus Krisenherden in Syrien oder im Jemen hat, weil die Moderatoren nur marokkanisches Arabisch sprechen. Man liest, dass Facebook weiß, dass mexikanische Drogenkartelle über seine Plattform neue Auftragskiller suchen und moderne Menschenhändler im Nahen Osten ihre Ware anbieten. Und da ist die wissenschaftliche Genauigkeit, mit der Facebook erforscht hat, welche psychischen Auswirkungen es hat, wenn sich Teenager rund um die Uhr mit den digital geschönten Idealbildern auf Instagram vergleichen."

Der gestrige Blackout hatte aber keineswegs damit zu tun, dass Facebook seine Dienste aus Scham abstellte. Es gab lediglich Netzwerkprobleme, wie unter anderem Spiegel Online meldet: "Facebook-Technologiechef Mike Schroepfer hatte sich vier Stunden nach dem Ausfall über den Konkurrenzdienst Twitter für die Probleme bei Facebook, Instagram und WhatsApp entschuldigt. 'Wir haben Netzwerkprobleme, und Teams arbeiten so schnell wie möglich an der Fehlerbehebung und Wiederherstellung', schrieb er."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.10.2021 - Internet

Wikileaks hat "durch Transparenz und Zugänglichkeit zu den Quellen die Glaubwürdigkeit von Journalismus gestärkt. Bis dahin saß die Branche auf einem ganz schön hohen Ross, was den exklusiven Umgang mit Quellen anging", sagt Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, zum 15. Geburtstag von Wikileaks im FR-Gespräch mit Bascha Mika. Mit dem Fall Julian Assange soll ein "Signal der Einschüchterung" gesendet werden, fährt er fort: "Zum einen kämen die USA dann mit der Anschuldigung durch, dass die Veröffentlichungen von Assange und Wikileaks nichts mit Journalismus zu tun haben. Das ist ein Angriff auf die Pressefreiheit, denn diese Arbeit ist ja eine großartige Leistung für den Journalismus gewesen. Zum anderen: Wenn diese Praxis Schule macht, könnte sich jedes Land, das sich durch eine Veröffentlichung in einem anderen Land beleidigt fühlt, auf Assanges' Auslieferung berufen. Das würde Pressefreiheit und Journalismus grundsätzlich schwächen. Deshalb geht es hier um einen Präzedenzfall." Er fordert deshalb eine völkerrechtliche Konvention zum Schutz von Whistleblowern.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.09.2021 - Internet

In der FAZ berichtet Lilly Bittner von einem Bericht des Wall Street Journals, demzufolge Facebook interne Forschungsergebnisse zurückhalte, die schwere psychische Probleme bei jugendlichen Instagram-Nutzern festgestellt haben: "Wir verschlimmern bei jedem dritten Mädchen im Teenageralter die Probleme mit dem Körperbild', heiße es in einer Präsentation des Konzerns von 2019. Daten aus dem letzten Jahr bestätigten das Ergebnis. Eine Umfrage aus dem Jahr 2020 zeige, dass es jungen Männern ähnlich gehe: Vierzig Prozent der befragten männlichen Teenager gaben an, dass Vergleiche auf Instagram ihr Körperbild negativ beeinflussten. Eine weitere Studie zeige, dass junge Nutzer Instagram die Schuld für das Anwachsen der Angst- und Depressionsrate gäben. Hinzu kämen negative Auswirkungen auf das Vertrauen in Freundschaften, Essstörungen sowie suchtähnliche Verhaltensweisen der App-Nutzer. Die Daten zeigen laut Wall Street Journal, dass diese Probleme spezifisch für Instagram und nicht repräsentativ für soziale Medien im Allgemeinen seien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.09.2021 - Internet

Auf 54books denkt der Literaturwissenschaftler Simon Sahner über die Codes und Kommunikationsstrategien in den sozialen Medien nach, die zwar allen offenstehen, aber zugleich eine "Zugehörigkeit zur Kultur der Digitalität" markieren und eine "Ausschlussdynamik" in Gang setzen: "Digitale Kultur ist längst nicht mehr die Spielwiese einiger, vermeintlich nerdiger Menschen, es ist ein Feld kulturellen Handelns geworden, das durch eine anders strukturierte Form des Zugangs und der Partizipation gesellschaftliche Gruppen in einen kulturellen Diskurs geholt hat, die über Jahrzehnte und teilweise Jahrhunderte von Gate-Keepern herausgehalten wurden. Dabei ist kein kultureller Raum entstanden, der durch Diskriminierungsfreiheit und Gleichheit allen die gleiche Stimme verleiht und unbeschränkte Teilhabe ermöglicht, aber ein Raum, in dem relevante Gegenwartskultur entsteht, die nicht mehr allein durch eine bestimmte Gruppe mit klassischem kulturellem Kapital dominiert wird."