9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.01.2017 - Internet

Auf der Digitalkonferenz des Burda-Konzerns wurde viel über Freiheit, Privatsphäre und Sicherheit diskutiert, berichtet Alexandra Borchardt in der SZ. Die Konzepte dafür hängen teilweise vom Kulturkreis ab, aus dem einer stammt. Aber nicht nur, wie auf der Konferenz deutlich wurde: "Vor allem diejenigen, die sich von der Digitalisierung erhoffen, dass sie die Menschen gesünder, das Leben sicherer und die Welt sauberer macht, finden es angemessen, Menschen mithilfe von Technologie zu überwachen, zu kontrollieren und zu steuern. 'Wir müssen stärkere Einschränkungen der individuellen Freiheit akzeptieren', sagt Oxford-Professor Ian Goldin. Julian Savulescu, Neuro-Ethiker und ebenfalls Professor in Oxford, hält sogar Eingriffe in die Genstrukturen für wünschenswert, um die moralischen Defizite von Menschen auszugleichen, Empathie zu steigern und Gewaltbereitschaft zu senken. Dagegen warnt die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding davor, die Privatsphäre als europäische Modeerscheinung zu betrachten: Sie sei ein Menschenrecht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2017 - Internet

Eher nostalgisch liest sich  Patrick Beuths Zeit-online-Artikel zu zehn Jahren Iphone. "Es war in erster Linie die Kombination aus einem eleganten Design, dem für damalige Verhältnisse großen Touchscreen und der neuartigen, intuitiven Benutzerführung, die das iPhone zur Technik-Ikone werden ließ, zum Vorbild für fast alle Smartphones, die danach kamen." Das beste an dem Artikel ist der Link auf die "zehn besten Smartphones 2006".
Stichwörter: Iphone

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.01.2017 - Internet

Der Grazer Philosophieprofessor Peter Strasser warnt in der NZZ vor populistischen "PC-Meuten in moralischer Mission", vor einem "gesichtslosen Mob", "Gesinnungstrupps" und "Hetzmeuten" im Internet: "Man sagt es nicht offen, aber es wird immer offensichtlicher: Alle Anstrengungen der Nachkriegsepoche, die im Menschen allzeit bereitliegenden Hasspotenziale in einen staatsbürgerlichen Diskurs, eine demokratische Streitkultur, einzubinden und zu transformieren, kommen langsam an ihr Ende. Wohin dieser Prozess führen wird, ist ungewiss."

Unternehmen können heutzutage kaum mehr steuern, auf welchen Internetseiten ihre Werbung platziert wird, denn längst ist nicht mehr Content der King, sondern die Werbung folgt den Nutzern, wo immer sie sich befinden. Darum werben etwa honorige Unternehmen auf Breitbart, ohne es zu wissen. Dagegen hat sich jetzt eine Intiative von Nutzern gebildet, schreibt Pagan Kennedy in der New York Times: "Mitte November wurde eine Gruppe namens Sleeping Giants zum Zentrum der neuen Bewegung. Die Giants und ihre Follower haben mit mehr als tausend Unternehmen und Nonprofit-Organisationen kommunziert, deren Anzeigen auf Breitbart erschienen, und etwa 400 von ihnen haben versrprochen, diese Site aus ihren Anzeigenplatzierungen auszuschließen."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.01.2017 - Internet

Friedhelm Greis fürchtet auf golem.de, dass deutsche Politiker nach dem Wahlsieg Donald Trumps nur noch mit Panik auf das Internet reagieren. "Denn wie ist es sonst zu erklären, dass Union und SPD gemeinsam ein Gesetz durchbringen wollen, das Anbieter Sozialer Netzwerke zum Wächter über Lüge und Wahrheit im Netz machen soll? Eine absurde Vorstellung. Wie soll eine Rechtsschutzstelle von Facebook oder Twitter innerhalb weniger Stunden entscheiden, ob die Exklusiv-Meldung einer Zeitung der Wahrheit entspricht oder sich am Ende als 'Ente' herausstellt?"

Das Schlagwort von der "dritten Kultur" wurde von Frank Schirrmacher vor gut 15 Jahren populär gemacht. John Brockman, der diese Idee der Fusion von "Humanities" und avancierter Naturwissenschaft auf edge.org verficht, bringt in seinem Magazin auch dieses Jahr wieder eine Jahresumfrage, diesmal zum Thema: "Welche wissenschaftlichen Begriffe oder Ideen sollten breiter bekannt sein?" Die NZZ übernimmt einige der Antworten (leider ohne eigenen Link für das Dossier, hier nach unten scrollen). Hier René Scheus Editorial. Hier die Antwort von Ian McEwan, der über die  Navier-Stokes-Gleichungen schreibt.
Stichwörter: Dritte Kultur, Fake News

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.01.2017 - Internet

Die dänische Parlamentarierin Ida Auken hat sich in einem Blogeintrag beim Weltwirtschaftsforum mal die Zukunft ausgemalt, wie sie uns blühen könnte: Die ganze Arbeit wird von Maschinen geleistet, die Menschen können tun, wozu sie lustig sind. Privatsphäre und Privateigentum sind abgeschafft - letzteres, weil man alles kostenlos bekommen kann und es darum immer nur ausleiht, wenn man es gerade braucht. Ressourcen werden so  vorbildlich genutzt: "Once in awhile I get annoyed about the fact that I have no real privacy. No where I can go and not be registered. I know that, somewhere, everything I do, think and dream of is recorded. I just hope that nobody will use it against me. All in all, it is a good life. Much better than the path we were on, where it became so clear that we could not continue with the same model of growth. We had all these terrible things happening: lifestyle diseases, climate change, the refugee crisis, environmental degradation, completely congested cities, water pollution, air pollution, social unrest and unemployment. We lost way too many people before we realised that we could do things differently."

In der FAZ ist Adrian Lobe gründlich entsetzt von dieser Utopie: "Der Gesellschaftsentwurf, den die Politikerin skizziert, ist eine Dystopie, weil alles Politische algorithmisch wegreguliert wird und sich in einer endlosen Unterhaltungsschleife auflöst. Man kann das heute schon bei Facebook sehen: Katzenvideos verdrängen Konflikt-Themen. Die Soziologin Zeynep Tufekci notierte einmal: 'Inmitten einer Revolte fühlt sich mein Newsfeed wie Disneyland an.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2017 - Internet

Die taz veranstaltet eine Serie zu den Folgen der Digitalisierung. Der zuständige taz-Redakteur Kai Schlieter kann schon mal nichts Gutes an ihr finden: "Die kalifornische Ideologie von heute reicht ans Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Nach dem Horror der NS-Zeit glühte die Angst vor der Barbarei und der Unberechenbarkeit der Masse. Eine Antwort darauf war die Vernetzung von Computern. Und der Aufbau einer globalen Überwachung, die heute durch Regierungen und Konzerne gleichzeitig erfolgt."
Stichwörter: Digitalisierung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.01.2017 - Internet

Kreativ ist der Mensch vor allem in seiner Privatsphäre, meint Werner Meixner, Informatiker an der TU München, in der SZ. Doch seine "privaten Entscheidungsdaten" werden mehr und mehr enteignet in einer Weise, die Meixner an "koloniale Zeiten erinnert, in denen der unerschöpflich scheinende Reichtum an Rohstoffen Afrikas mit Zustimmung der dortigen Landesfürsten von fremden Mächten ausgebeutet wurde, ohne dass die dortige Bevölkerung an den Erträgen teilhaben konnte. Europa ist bei der Nutzung des Rohstoffes der privaten Daten dabei, das Afrika des Informationszeitalters zu werden. Es wurde eine Enteignung in Gang gesetzt, die medial und ernst zu nehmend als Ende der Privatheit prognostiziert wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2016 - Internet

Gesundheits-Apps sind en vogue. Herunterladen kann man sie aber in der Regel nur entweder über den Google Play Store oder über Apples iTunes - und zwar auch dann, wenn sie von Krankenkassen oder öffentlichen Instutionen angeboten werden, ärgert sich Svenja Bergt in der taz. Für die Datensicherheit ist das nicht gut, meint sie und macht einen Vorschlag: "Warum nicht sämtliche Apps, die öffentliche Institutionen in Europa entwickeln, über eine eigene Plattform zur Verfügung stellen? Eine Plattform, die es, datenschutzfreundlich gestaltet, ohne Registrierung, Nutzern ermöglicht, die Apps herunterzuladen? Und wenn man schon dabei ist - auch wenn das schon die Eins mit Sternchen wäre - ließe sich gleich noch verankern, dass Apps, wenn sie schon durch Steuergelder oder Krankenkassenbeiträge finanziert werden, - direkt als Open Source konzipiert werden müssen."
Stichwörter: Gesundheits-Apps

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.12.2016 - Internet

Das SZ-Magazin hat vor Weihnachten (leider nicht online) eine große Recherche über Arbeitsbedingungen bei Facebook veröffentlicht. Dabei erwies sich auch, dass Mitarbeiter der Bertelsmann-Tochter Arvato in Berlin für den Internetriesen arbeiten. Unter anderem geht es in dem Bericht um die Löschung grausamer Videos und und psychisch belastete Mitarbeiter, die sich diese Videos zum Teil bis zum Ende ansehen müssen: Till Krause und Hannes Grassegger resümieren bei sueddeutsche.de Reaktionen auf die Recherche: "Bei Arvato herrscht seit der Veröffentlichung des SZ-Magazins eine angespannte Stimmung, die eine dort tätige Person als 'helle Aufregung' beschreibt. Sondersitzungen wurden in Berlin angesetzt. Um die Verbesserung der Arbeitszustände gehe es dabei aber nicht: Führungskräfte suchen momentan vor allem nach undichten Stellen."
Stichwörter: Arvato, Bertelsmann, Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2016 - Internet

Der Flaneur stirbt aus und schuld sind die Smartphones, meint Adrian Lobe in der NZZ: "Smartphones mögen nützliche Navigationsgeräte sein. Doch letztlich schwindet das Explorative, das Überraschungsmoment, wenn Routen von Algorithmen determiniert sind. Datengurus träumen von perfekt regulierten Städten, in der vom Abfallmanagement bis zum Zustelldienst alles in vorgegebenen Bahnen verläuft und jeder Schritt vorhersagbar wird. Verloren geht dadurch auch ein Stück weit die Serendipität: das zufällige Auffinden von Orten und Personen, das konstitutiv für das offene, dynamische System einer Stadt ist."

Wer hier zulande lautstark nach staatlicher Kontrolle und Überwachung von Social-Media-Plattformen ruft, sollte sich die Türkei ansehen, da ist diese Form der Überwachung bereits in vollem Gange, meint Constanze Kurz in der FAZ. "Die meistgenutzten Digitalforen für Information, Nachrichten und Meinungsaustausch werden so beschnitten und teilweise ausgeblendet. Über alle Kontinente hinweg macht sich dieses Vorgehen breit. Und wenn die Plattformen gerade mal wieder nutzbar sind, werden die Nutzeräußerungen mitgelesen, praktischerweise mit den üblichen Zusatzinformationen über Alter, Geschlecht, Wohnort und Bildungsstand. Dieses Oszillieren zwischen Sperren und Lauschen hat sich als Modus operandi für autokratische Länder de facto etabliert."
Stichwörter: Google Maps, Smartphones
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