9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2019 - Internet

Die DSGVO findet erstmals ein prominentes Opfer: Die französische Datenschutzbehörde CNIL verurteilt Google zu einer Strafe von 50 Millionen Euro, berichtet unter anderem Nicholas Vinocur in politico.eu: "In einer Erklärung, hat die CNIL angegeben, dass sie Google wegen 'mangelnder Transparenz, unzureichender Informationen und mangelnder klarer Zustimmung zur Personalisierung der Anzeigen' sanktioniert. Google suche nicht nach einer 'eindeutigen' Einwilligung für alle Arten der Datenverarbeitung, sondern lasse standardmäßig bestimmte Optionen angeklickt - unter Verletzung des DSGVO-Prinzips, nach dem Nutzer jede spezifische Nutzung ihrer Daten genehmigen müssen."
Stichwörter: DSGVO, Google

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.01.2019 - Internet

(Via turi2) Google wehrt sich zur Zeit mit einer Werbekampagne gegen das drohende europäische Leistungsschutzrecht (das von Mathias Döpfner neulich in einem Interview noch wärmsten begrüßt wurde, mehr hier). Das googlewatchblog präsentiert einige Suchergebnisse bei Google und Google News, wie sie aussehen könnten, wenn das Leistungsschutzrecht eingeführt ist. Zum Beispiel so: "Was aussieht wie eine nicht vollständig geladene Google-Suchergebnisseite ist derzeit tatsächlich bei vielen Nutzern zu sehen: Die Websuche zeigt sowohl im News-Karussell als auch bei den normalen Ergebnissen keine zusätzlichen Informationen mehr an."




In der NZZ geißelt Slavoj Zizek die Zensur im Netz, die sich von Russland bis Amerika verbreite: "Insofern sollten wir uns freuen über jeden Datendiebstahl, über jeden Datenskandal, über jeden Hackerangriff. Wikileaks war erst der Anfang - lasst hundert Wikileaks blühen!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.01.2019 - Internet

Als Dark Social wird jener Internettraffic bezeichnet, der von außen kaum einsehbar ist, weitergeleitet etwa über persönliche Mails, geschlossene Gruppen in sozialen Netzwerken oder Messenger-Dienste wie Whatsapp, erklärt Dirk von Gehlen in der SZ und verweist auf die Brisanz der Kanäle, die nicht zu kontrollieren seien: "Das Aufkommen der Gelbwesten-Bewegung soll in beträchtlichem Maß durch private Gruppen auf Facebook organisiert worden sein, in denen sich private Nachbarschaften verbunden haben. Weite Teile des brasilianischen Präsidentschaftswahlkampfs sollen über den im Land äußerst populären Dienst Whatsapp geführt worden sein. Jedenfalls deckte die Zeitung Folha de São Paulo auf, dass der mittlerweile gewählte rechtsnationale Kandidat Jair Bolsonaro mehrere Agenturen beauftragt haben soll, Falschnachrichten in die Kanäle von Whatsapp zu posten. Whatsapp hat keine Einsicht in die Chats seiner Nutzer, da diese stark verschlüsselt sind. Der Dienst reagierte nur langsam auf die sich rasant verbreitenden Falschmeldungen und handelte sich damit eine Menge Kritik ein."
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Stichwörter: Dark Social

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2019 - Internet

Die Digitalisierung lässt sich nicht rückgängig machen, aber vielleicht etwas klüger gestalten, denkt sich die Netzaktivistin Katharina Nocun in der SZ nach dem jüngsten Hack der Daten von Politikern. Wenn wir unsere Privatsphäre schützen wollen, sollte "Datensparsamkeit statt Sammelwut" das neue Leitbild von Behörden und Unternehmen werden: "Es braucht keinen Staat, der in puncto Datensammlung Facebook Konkurrenz macht. Es braucht einen Staat, der zur digitalen Selbstverteidigung ermutigt, statt sichere Verschlüsselung und anonyme Kommunikation zu verteufeln. Es sollte keinem Menschen verwehrt werden, seinen innersten Kernbereich der privaten Lebensgestaltung angemessen zu schützen. Niemand kann ernsthaft wollen, in einer Welt ohne Geheimnisse zu leben. Es wäre ein langweiliger Ort voller aufgezwungener Konformität."

Scharf wendet sich die Electronic Frontier Foundation nochmal gegen das europäische Leistungsschutzrecht für Presseunternehmen und die Uploadfilter, die von der EU wohl demnächst beschlossen werden und den traditionellen Inhalteproduzenten größere Macht verleihen: "Zusammengenommen werden diese beiden Regeln riesige Felder von Online-Ausdrucksformen einer Überwachung und willkürlichen Zensur aussetzen und den größten Nachrichtenunternehmen in Europa die Entscheidungsbefugnis geben, wer ihre Berichterstattung diskutieren und kritisieren darf, und den Open-Access-Journalismus im öffentlichen Interesse untergraben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.01.2019 - Internet

Im Gespräch mit Friederike Haupt und Frank Pergande von der FAS begründet der Grünen-Politiker Robert Habeck, warum er Twitter verlässt und doch lieber in Talkshows geht:"Es gibt aber auch einen fundamentalen Unterschied zu Twitter: Die Talkshows sind moderiert. Sie funktionieren nur deshalb einigermaßen, weil da Frau Illner oder Frau Will sitzt und sagt: Jetzt ist aber die oder der mal dran! Große Zeitungen, der öffentlich-rechtliche Rundfunk funktionieren, weil da Journalisten sitzen, die gezielt nachfragen, moderieren, Aussagen überprüfen, Fakten checken. Bei Twitter ist das eben nicht der Fall."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.01.2019 - Internet

Nach den jüngsten Datenleaks, die Prominente und Politiker betrafen und vor allem zeigten, dass sie ohne großen Aufwand möglich waren, reflektiert Friedhelm Greis bei golem.de nochmal Forderungen nach strengeren Authentifizierungen der Nutzer, die paradoxer Weise durchaus übers Ziel hinausschießen können: "Denn nicht hinter jedem Account stecken wichtige Daten, die mit hohem Aufwand geschützt werden müssen. Zudem bedeutet ein zusätzlicher Faktor häufig, dass beispielsweise eine Telefonnummer angegeben werden muss. Doch damit steigt wiederum die Gefahr, dass personenbezogene Daten missbraucht werden. (...) Sinnvoll ist auf jeden Fall die Pflicht für sichere Passwörter."

Recht originell und interaktiv aufgemacht ist ein Online-Dossier des Guardian über das Internet in Indien, China, Kuba und Russland. Die Conclusio ist so einfach wie unheimlich: "Zum ersten Mal in der Geschichte ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung online. Aber diese Informationsquelle ist nicht für jeden gleich. Wenn man bedenkt, wie das Internet die Art und Weise prägt, wie wir die Welt sehen; wie es unsere Vorstellung von Realität beeinflusst, sind diese Unterschiede mehr als nur digitales Window Dressing - sie haben die Macht, das zu beeinflussen, was wir für wahr halten."

Stichwörter: Datenleaks, Datenschutz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.01.2019 - Internet

Nach dem gegenwärtigen Stand der Verhandlungen sieht es so aus, dass die Uploadfilter kommen werden - das Internet wird sich zu seinem Nachteil verändern, warnt die EU-Abgeordnete Julia Reda in ihrem Blog: "Dies wird die Plattformen zu drastischen Maßnahmen zwingen, da sie nie mit Sicherheit sagen können, welche unserer Beiträge oder Uploads sie einer kostspieligen Haftung aussetzen werden. Sie müssen möglicherweise einschränken, wer überhaupt Inhalte posten/hochladen darf, von den Uploadern eine persönliche Identifizierung verlangen und/oder die meisten Uploads mit zu strengen Filtern blockieren, um auf der sicheren Seite zu sein." Bis in den März soll das Gesetz laut Reda durchgepaukt werden.
Stichwörter: Uploadfilter

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2019 - Internet

In der FAZ fürchtet der bekannte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, dass sich die EU in Regelungen zur Künstlichen Intelligenz zu stark von den Interessen der großen Plattformkonzerne leiten lässt und allzu laxe Vorschriften formuliert: "Aus technischer Sicht ist Datenschutz nämlich Gift für die lernwilligen Algorithmen, denn ohne opulente Datenfütterung sind die neuronalen Netzwerke nutzlos. Erst durch die Lerndaten entfalten diese Systeme ihre magische Intelligenz. Wer KI weiterentwickeln möchte, ist angewiesen auf den direkten Zugriff von Bewegungs- oder Gesundheitsdaten, auf Gesichter, Texte oder Sprache." Ähnlich sieht es der Theologe Erny Gillen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.01.2019 - Internet

Bei Meedia unterhält sich Stefan Winterbauer mit dem IT-Experten und Blogger Felix von Leitner alias Fefe, der die von Datenlecks betroffenen Politiker nicht bemitleidet. Denn alle sammeln ja Daten, gerade auch die Politik, "aber keiner tut damit sinnvolle Dinge. 'Künstliche Intelligenz' soll jetzt helfen. Der Innenminister ist natürlich auch sofort aufgesprungen und macht Feldversuche mit Gesichtserkennung. Diese Verlogenheit ärgert mich. Du kannst nicht die Opferrolle für dich einfordern, wenn du selbst Täter bist. Hört auf, Daten über mich zu sammeln; dann habe ich auch Mitleid, wenn jemand eure Daten sammelt."

Die deutsche Öffentlichkeit hat sich von einem Schüler narren lassen, schreibt Kai Biermann in Zeit online mit Blick auf den jetzt festgenommen Urheber der Datenleaks: "In der IT-Sicherheit werden Menschen wie Johannes S. Cracker oder Script Kid genannt. Die englischen Ausdrücke sollen sie von Hackern unterscheiden. Oft können Script Kiddies nicht wirklich programmieren, versuchen aber trotzdem, in fremde Systeme einzudringen. Dafür nutzen sie Software und Scripte, die andere verfasst haben." Mehr zu dem "Lausbuben" im Tagesspiegel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.01.2019 - Internet

Wikileaks hat eine Mail an Agenturen gesandt, um sie zu informieren, was man alles über Julian Assange nicht behaupten darf. Die Bloggerin Emma Best leakt dieses Scheiben. Die Liste der Dinge, die man über Assange nicht sagen darf, umfasst 140 Punkte. Ein Auszug, nicht übersetzt: "It is false and defamatory to suggest that Julian Assange is an anti-semite. It is false and defamatory to suggest that Julian Assange is a mysogynist or sexist. It is false and defamatory to suggest that Julian Assange is a paedophile. It is false and defamatory to suggest that Julian Assange is a rapist."

"Die Bewusstseinslage des vernetzten Menschen" ist vor allem von Ungewissheit geprägt, von Kontrollverlust, meint der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen in der NZZ anlässlich des jüngsten Hackerskandals. "Die Frage bleibt, wie die Gesellschaft langfristig auf die Unkalkulierbarkeit von Kommunikationseffekten und den Terror der Transparenz reagieren wird. Durch Mitleid mit den Betroffenen, die auf einmal im grellen Licht der Öffentlichkeit zu sehen sind? Durch eine neue Gelassenheit, die die Ad-hoc-Enthüllungen über Privates und Peinliches achselzuckend als Kollateralschaden einer vernetzten Medienwelt akzeptiert? Durch eine wieder aufflammende Verherrlichung des Geheimnisses, eine reaktive Romantik des Verbergens? Oder aber durch eine zunehmende Unruhe und Enttäuschungswut, weil doch offensichtlich wird, dass der Mensch aus krummem Holz geschnitzt und alles andere als perfekt ist, man aber gleichzeitig die eigenen Verehrungssehnsüchte und ein idealistisches Konzept von Autorität unbedingt aufrechterhalten möchte?"