9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2018 - Internet

Aufruhr bei Facebook nach dem gestrigen Artikel der New York Times, der der Führung von Facebook schwere Vorwürfe macht (unser Resümee). Es geht unter anderem um die  PR-Firma Definers Public Affairs, die angeheuert wird, wenn politische Parteien oder Firmen schlechte Nachrichten über Konkurrenten oder Gegner streuen wollen. Die firma schwärzte laut Times unter anderem für Facebook George Soros als angebliche Quelle einer "Bewegung gegen Facebook" an. Zuckerberg hat sich gestern in einer Telefonkonferenz geäußert, berichtet Taylor Hatmaker bei Techcrunch: Obwohl er nicht ausführlicher zu der Times-Geschichte habe Stellung nehmen wollen, "machte er in einem Punkt ein starkes Statement und leugnete jede Kenntnis oder Verwicklung im Engagement der Firma Definers Public Affairs... 'Ich las davon zum ersten Mal in der New York Times', sagte Zuckerberg, 'gleich danach rief ich unser Team an, um zu sagen, dass wir nicht mehr mt dieser Firma arbeiten.'" turi2 verlinkt auf mehrere Artikel in amerikanischen Blogs, die die Geschichte aufgreifen. Mashable etwa untersucht die Reaktion auf den Vorwurf, Facebook habe früher als bekannt von russischer Einflussnahme gewusst und die Meldung unterdrückt.

Facebook hat allerdings auch selbst auf angeblich antisemitische Taktiken seiner Gegner hingewiesen, ergänzt Alexander Fanta bei Netzpolitik: "Soros' Stiftung unterstützt zwei Gruppen, die sich an 'Freedom from Facebook' beteiligen, einer Kampagne gegen das soziale Netzwerk. Bei einer Protestaktion von Freedom from Facebook im Juli hielten Aktivisten ein Plakat hoch, das Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Top-Managerin Sheryl Sandberg, beide jüdischer Herkunft, als Teil einer weltumfassenden Krake zeigt. Das erinnert an antisemitische Motive der Nazis. Facebook meldete das der Anti-Defamation League. Die jüdische Bürgerrechtsgruppe verurteilte daraufhin die Verwendung des Symbols." Mehr dazu auch bei golem.de.
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2018 - Internet

Die New York Times bringt eine aufwändige Recherche über das unzureichende Krisenmanagment bei Facebook, seit in vielen Ländern Vorwürfe von Manipulationen bekannt wurde - und die recherchierenden Journalisten machen von vornherein klar, dass der Fisch vom Kopf her stinkt: "Als sich herausstellte, dass die Macht von Facebook auch ausgenutzt werden konnte, um Wahlen zu beeinflussen und weltweit virale Propaganda und tödliche Hasskampagnen zu verbreiten, gerieten Zuckerberg und Sandberg ins Straucheln. Die beiden auf Wachstum zentrierten Chefs ignorierten Warnsignale und versuchten dann, sie vor der Öffentlichkeit zu verbergen. In kritischen Momenten der letzten drei Jahre wurden sie durch persönliche Projekte abgelenkt und gaben Sicherheits- und Richtlinienentscheidungen an Untergebene weiter, so aktuelle und ehemalige Führungskräfte."

Nicht nur der Perlentaucher (hier) auch Netzpolitik bittet seine Leser um Unterstützung. Anders als der Perlentaucher ist Netzpolitik gemeinnützig und verzichtet völlig auf Werbung. Im Brief an die Leser informiert das Magazin: "netzpolitik.org ist eine der wenigen Websites, auf denen man nicht merkt, ob der Adblocker aktiviert ist oder nicht. Denn es gibt keinen Unterschied. Dass wir auf Werbung verzichten, heißt auch: netzpolitik.org ist eine der wenigen Nachrichtenseiten ohne Tracking. Zwischen 80 und 300 Targeting-Cookies zählt Cookiepedia momentan auf den marktführenden journalistischen Websites. Hinter digitalen Werbeanzeigen steht heute ein komplexes Geflecht aus tausenden Firmen und automatisierter Datenverwertung. Selbst wenn sie es wollten - die Datenflüsse zwischen diesen Plattformen können die Verlage gar nicht kontrollieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2018 - Internet

Auf SZ online kritisiert Adrian Lobe Facebooks Newsfeed, der sich immer wieder durch eine Änderung der Algorithmen neu gliedert. Für journalistische Produkte sei das brandgefährlich: "Facebook kann Portale hochjazzen, aber gleichsam in die Bedeutungslosigkeit herunterpegeln - ohne dass die Algorithmen einer öffentlichen Kontrolle unterzogen werden. Es ist so, als würde jemand über Nacht die Sendefrequenzen ändern und dafür sorgen, dass manche Stationen nicht mehr senden können oder die Signale so verrauscht sind, dass sie keiner mehr hört. Facebook sitzt an den Hebeln der Macht - und kann sie jederzeit betätigen."
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Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.11.2018 - Internet

Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web, versucht eine Art Charta des freien Internets durchzusetzen und hat dafür unter anderem Mark Zuckerberg und einige Politiker getroffen, berichtet Shona Ghosh im Business Insider: "Zu den von Berners-Lee vorgeschlagenen Prinzipien gehören: Das Internet frei und für jedermann zugänglich machen, die Daten und den Datenschutz der Menschen respektieren und Technologien entwickeln, die 'das Beste der Menschheit unterstützen'. Weitere Grundsätze für die Regierung und den Einzelnen sind die Freiheit und Zugänglichkeit des Internets für alle und die Achtung des Grundrechts der Menschen auf Privatsphäre. Neben Facebook und Google hat die World Wide Web Foundation bisher die französische Regierung ... gewonnen." Im Guardian berichtet Ian Sample.

(Via turi2) Bei Youtube stehen im Moment einige Videos von Influencern ganz oben in den Trends, die dramatisch vor dem Ende des Videodienstes warnen - Hintergrund ist die EU-Urheberrechtsreform mit den geplanten Uploadfiltern. Die Influencer übertreiben ein bisschen, meint Sebastian Meineck im Motherboard-Blog von Vice, der nebenbei einen nützliche Einblick in diese Szene gibt: "Natürlich ist es gut, kritisch zu diskutieren, ob die EU ihre Maßnahmen zum Schutz des Urheberrechts sinnvoll umsetzen wird. Aber Horror-Szenarien vom Ende YouTubes stehen einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Problem doch eher im Weg: der schwierigen Balance aus Copyright, Netzkultur und Meinungsfreiheit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.11.2018 - Internet

Schon im letzten Jahr hatte Propublica nachgewiesen, dass es Facebook ohne Probleme erlaubt, mit Themen wie "Jew hater" bestimmte Teile seines Publikums anzusprechen. Sam Biddle hat das Experiment nach dem von Robert Bowers begangenen Massaker in der Synagoge von Pittsburgh für The Intercept wiederholt: Noch "Anfang dieser Woche konnte The Intercept den Begriff 'white genocide conspiracy theory' als vordefiniertes 'detailliertes Targeting'-Kriterium im sozialen Netzwerk auswählen, um zwei Artikel an eine Interessengruppe zu vermarkten, deren Größe Facebook mit 168.000 große Nutzer angab und als 'Personen, die ein Interesse im Zusammenhang mit der Theorie der Verschwörung des weißen Völkermords oder für ähnliche Seiten zum Ausdruck gezeigt haben' definierte. Die bezahlte Werbung wurde von der Werbeabteilung von Facebook genehmigt." Erst nach Kontaktierung von Facebook entschuldigte man sich und löschte die Werbemöglichkeit.

Netzpolitik bringt ein Audiogespräch mit der EU-Abgeordneten Julia Reda, die wie keine  andere gegen Uploadfilter und EU-Leistungsschutzrecht kämpfte - und bis zum letzten Moment nicht aufgeben will. Im Gespräch mit Alexander Fanta sagt sie: "Man hat Angst vor großen amerikanischen Plattformen und will die regulieren. Aber man tut das in einer Art und Weise, wo man in einen totalen Technikglauben verfällt und glaubt, diese Algorithmen können alles. Eingesetzt werden die von Plattformen, die überhaupt keiner öffentlichen Kontrolle unterliegen. Die einzigen, die vielleicht halbwegs technisch in der Lage wären, diese Filter zu entwickeln, sind Google und Facebook. Und deren Technologie machen wir jetzt verpflichtend für alle."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.11.2018 - Internet

(Via turi2) Die Organisation Freedom House stellt einen Bericht über regierungsamtliche Kaperung des Internets in der ganzen Welt vor. Das chinesische Exempel sei vielen Regimes dabei eine Inspiration. Ein Blogpost erklärt, wie Regierungen das Argument der "Fake News" benutzen, um unliebsame Äußerungen zu unterdrücken: "In Ägypten wurde eine libanesische Touristin wegen 'absichtlicher Verbreitung falscher Gerüchte' zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem sie ein Facebook-Video veröffentlicht hatte, das die sexuelle Belästigung beschreibt, die sie während ihres Besuchs in Kairo erlitten hat. In Ruanda wurde der Blogger Joseph Nkusi wegen Anstiftung zum zivilen Ungehorsam und Verbreitung von Gerüchten zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er die staatliche Darstellung des Völkermords von 1994 in Frage gestellt und den Mangel an politischer Freiheit im Land kritisiert hatte." Bewusst untergraben Regierungen Vertrauen in Online-Informationen, indem sie auf Fakten basierende Berichte, persönliche Meinungsäußerungen und falsche Berichte "alle in den Topf 'Fake News' werfen, sofern sie kritisch zur Regierung stehen", sagt Adrian Shahbaz, der beim Freedom House für Internetfreiheit zuständig ist. Mehr bei heise.de.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.10.2018 - Internet

Robert Bowers, Der Attentäter von Pittsburgh, verbreitete seinen Hass auf einer Online-Plattform namens Gab. Aber der Briefbombenleger Cesar Sayoc benutzte Twitter. Sein Konto war nicht deaktiviert worden, obwohl es vor seinen Taten Beschwerden über ihn gab, schreibt Kara Swisher in der New York Times: "Lassen Sie es mich noch einmal sagen: Social Media Plattformen - und Facebook und Twitter sind genauso schuldig wie Gab - sind so konzipiert, dass das Schreckliche doppelt so schnell zirkuliert wie das Gute. Und sie arbeiten mit schlampiger Missachtung der Folgen dieser Hassäußerungen, die zu Katastrophen führt, die sie dann beseitigen müssen."

CNN hat die Tweets von Cesar Sayoc analysieren lassen und herausgefunden, dass er seit April dieses Jahres von Hasstiraden zu Bedrohungen einzelner Personen übergegangen war. "Die Bedrohungen und die offensichtliche Untätigkeit von Twitter werfen neue Fragen zu Social Media und Radikalisierung auf. Social Media Plattformen wie Twitter sind 'Radikalisierungsmaschinen', sagte Jonathon Morgan, der CEO von New Knowledge, zu CNN. Morgans Firma verfolgt Desinformation im Internet und befasst sich seit Jahren mit Online-Radikalisierung. Auf der Seite findet sich auch ein Video-Interview mit der Journalistin Rochelle Richie, die Twitter schon vor einiger Zeit auf Sayoc aufmerksam gemacht hatte.
Stichwörter: Hate Speech, Twitter, Facebook, Cnn

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2018 - Internet

Constanze Kurz warnt in ihrer FAZ-Kolumne von der Allgegenwart des Trackings, mit dem das Verhalten der Nutzer ausspioniert wird, besonders bei Mobiltelefonen, wo man sich weniger dagegen wehren kann als bei Computern. Die EU bereitet eigentlich ein Gesetz dagegen vor, die ePrivacy-Verordnung - eigentlich: "Zwar hätten die Europäer allen Grund, sich vorbeugend gegen Manipulationen der EU-Wahlen im Mai 2019 zu wappnen. In der Realität jedoch blockieren und verzögern nationale Regierungen, einschließlich der deutschen und der österreichischen, seit Monaten die Konsensbildung bei der ePrivacy-Verordnung." Gegen die ePrivacy-Verordnung machen nicht nur Google und Facebook, sondern auch die Zeitungen Druck, berichtete neulich Netzpolitik (unser Resümee).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.10.2018 - Internet

In Brüssel fand eine hochrangig besetzte Datenschutzkonferenz statt, in der Tim Cook höchstpersönlich und die Chefs von Google und Facebook per Videozuschaltung ihre Hommagen an die DSGVO darbrachten, berichtet Mark Scott in politico.eu: "Cooks Warnung vor dem 'daten-industriellen Komplex' und sein Ruf nach amerikanischen Gesetzen war wesentlich prononcierter als die Statements der Google- und Facebook-Bosse, deren Geschäftsmodell weitgehend aus dem Sammeln großer Mengen von persönlichen Daten besteht. Noah Phillips, ein Beamter der US-Handelskommission hat im Gespäch mit Politico anerkannt, dass die neuen Datenschutzregeln der EU eine Debatte in den USA ausgelöst haben. 'Die DSGVO hat einen Einfluss auf die nationale Debatte in den USA.'"
Stichwörter: DSGVO

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2018 - Internet

Screenshot aus sueddeutsche.de
Schon erstaunlich, dass ein (allenfalls mäßig kritischer) Artikel über Google, "die Antwortmaschine", auf sueddeutsche.de gleich mit mehreren Google-Anzeigen gespickt ist! Simon Hurtz kündigt darin an, dass Google zusehends von seiner einst so angenehm minimalistischen Homepage abgehen wird, um den Verbraucher gleich von vornherein mit aufdringlichen Hinweisen und natürlich Werbung zu bombardieren: "Wer dann Google.com oder Google.de auf seinem Smartphone eingibt, sieht das gewohnte Suchfeld - und darunter eine lange Liste mit Artikeln, Videos und anderen Vorschlägen. Dieser Feed erinnert an soziale Netzwerke, und ähnlich wie Facebook und Twitter könnte Google auch Werbung darin anzeigen, erste Experimente laufen bereits."

Ebenfalls auf sueddeutsche.de fordert Valentin Dornis einen Ethik-Kodex für Algorithmen. Anlass ist der Versuch Österreichs, Arbeitslose per Algorithmus zu verwalten. Der Kodex soll die mögliche Diskriminierung von Frauen, Alten und Langzeitarbeitslosen verhindern: "Die größte Sorge ist, dass ... das Leistungsprinzip zum ultimativen Grundsatz wird: Wer schlechte Kennzahlen in der Akte stehen hat, der wird nicht gefördert und weiß im Zweifel nicht einmal, warum. Diese Sorge ist berechtigt, aber kein Grund, auf automatisierte Systeme zu verzichten. Nötig sind klare Regeln, wenn staatliche Institutionen Algorithmen einsetzen."