9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.08.2018 - Internet

In der SZ fordert der IT-Experte Nikolas Guggenberger eine Umweltsteuer und eine Art Emissionshandel für Facebook, Google und Co., um die kommerzielle Verwertung von Aufmerksamkeit zu begrenzen. Denn: "Mit der individuellen Aufmerksamkeit ist auch die kollektive Aufmerksamkeit begrenzt. Ohne ein Mindestmaß frei verfügbarer kollektiver Aufmerksamkeit funktioniert die demokratische Gesellschaft wiederum nicht. Die kollektive Aufmerksamkeit ist dabei Gegenstand der Tragik der Allmende: Weil die Aufmerksamkeit frei beziehungsweise zu günstig verfügbar ist, droht sie ausgeplündert zu werden, bis nichts mehr da ist und das demokratische System kollabiert. Die unregulierte Möglichkeit kommerzieller Aufmerksamkeitsausbeutung bedroht den nachhaltigen Aufmerksamkeitsbestand und schafft ökonomische Anreize zur Polarisierung der Gesellschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.08.2018 - Internet

Auf netzpolitik.org widerspricht Franz von Weizsäcker einigen verbreiteten Meinungen in Sachen Blockchain, etwa dass es dasselbe sei wie Bitcoin. Oder dass Blockchain eine Ideologie sei: "Ein Meinungsartikel von Michael Seemann in der taz beschreibt die Blockchain-Technologie als eine Ideologie. Und da hat Michael Seeman auch ein kleines bisschen Recht. Auf den zahlreichen Blockchain-Konferenzen kann dieser Eindruck entstehen, denn dort findet man Evangelisten, Liberalisten, Showmaster und Visionäre, die in der Community einen regelrechten Guru-Status erlangt haben. Aber anders als in einer Sekte ist das Spektrum der Meinungen sehr vielfältig. Wenn man eine Gemeinsamkeit in der Ideologie erkennen möchte, dann fällt mir dazu am ehesten dieser Punkt aus der Hacker-Ethik ein: 'Misstraue Autoritäten, fördere Dezentralisierung'."

Der Urheberrechtslobbyist und Blogger Volker Rieck ärgert sich in der FAZ nicht nur über die griffigen Schlagworte, mit denen die Gegner der neuen EU-Richtlinie "Linksteuer" und "Uploadfilter" belegt haben, sondern auch über die Methoden, mit denen amerikanische Internetkonzerne im Verbund mit NGOs wie die Electronic Frontier Foundation (EFF) agiert haben: "In der Woche vor der Abstimmung wurden die Mail-Postfächer der EU-Abgeordneten nämlich mit automatisch generierten Mails überflutet. Einige EU-Abgeordnete berichteten von zirka 60.000 Mails, die sie erreicht haben. Insgesamt sollen sechs Millionen Mails auf diese Weise an die EU-Abgeordneten geschickt worden sein. Man vergleiche das mit dem Grüppchen Demonstranten in Berlin. Fast alle Mails waren inhaltsgleich, vorformuliert und vorformatiert, etliche mehrfach vom selben Absender, viel soll ja viel helfen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.08.2018 - Internet

Google plant unter dem Codewort "Dragonfly" den Wiedereintritt in den chinesischen Markt und bereitet dafür die intelligente Zensur von Suchanfragen vor, hat das Internetmagazin The Intercept herausgefunden (unsere Resümees). Das Projekt war geheim. Aber nun zirkuliert ein von tausend Mitarbeitern unterschriebener offener Brief gegen das Projekt, berichtet Ryan Gallagher bei The Intercept. Das Projekt verstoße gegen Googles ethischen Code für Künstliche Intelligenz, der besage, dass KI nicht gegen Prinzipien des Rechts und der Menschenrechte verstoßen dürfe, schreiben die Autorinnen: "Dass die Entscheidung, Dragonfly zu bauen, heimlich getroffen und trotz der Prinzipien zur künstlichen Intelligenz vorangetrieben wurde, macht deutlich, dass die Prinzipien allein nicht ausreichen. Wir brauchen dringend mehr Transparenz, einen Sitz am Tisch und die Verpflichtung zu klaren und offenen Prozessen: Wir Google-Mitarbeiter müssen wissen, was wir bauen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2018 - Internet

Facebook gibt endlich "Dark Ads" frei, die im Rahmen der Brexit-Kampagne geschaltet wurden, berichtet Jannik Mertens in Netzpolitik. Bei Dark Ads handelt es sich um Anzeigen, die an ausgewählte Nutzer adressiert und die von der allgemeinen Öffentlichkeit darum schwer zu greifen sind: "Was auffällt, ist der klare Themenfokus der Leave-Kampagnen: Die offengelegten Werbeanzeigen beschäftigten sich vor allem mit dem Thema Migration, welches von den Initiatoren der Kampagnen gezielt bedient wurde. Dies bestätigte auch Arron Banks vor dem britischen Untersuchungsausschuss. Der Millionär zahlte der Brexit-Kampagne 8,4 Millionen Pfund - angeblich aus seinem Privatvermögen, obwohl er dies bis heute nicht glaubhaft darlegen konnte." (Arron Banks war neulich auch wegen seiner intensiven Kontakte zu Russland im Gespräch, unser Resümee).

Facebook-Werbung der Leave-Kampagne.



Intensiver hatte vor einigen Tagen schon Cristina Helberg bei correctiv.org über die Brexit-Dark Ads berichtet, auch darüber, wie ungern Facebook mit dem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments zusammenarbeitete: "Speziell über die mögliche russische Einmischung habe Facebook bewusst Informationen zurückgehalten. 'Immer wieder hat Facebook bis hin zur Verschleierung vermieden, unsere schriftlichen und mündlichen Fragen zu beantworten', schreiben die Abgeordneten." Hier der Bericht des Untersuchungsausschusses als pdf-Dokument.
Stichwörter: Brexit, Facebook, Dark Ads

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2018 - Internet

Nutzen Sie RSS-Feed!, ruft Simon Hurtz bei sueddeutsche.de, erklärt noch einmal geduldig, warum es eine gute Ergänzung zu Facebook ist, wenn man sich den Feed von Medien und Bloggern in Feedreadern selbst zusammenstellt (ganz einfach!) Und er glaubt an die Zukunft von RSS, das gewissermaßen ein Kommunikationsstandard im Netz ist. Dass Mozilla den eingebauten RSS-Reader in Firefox abgeschafft hat, ist für ihn darum keine Katastrophe. Keiner seine Freunde habe dieses Angebot je genutzt: "Stattdessen verwenden sie spezialisierte Dienste wie Feedly, Inoreader oder The Old Reader, die eigene Apps und Webseiten dafür anbieten. Im Frühjahr stellte die Wired die drei Unternehmen vor und sprach mit den Gründern. Uns geht es prächtig, sagten sie, wir wachsen. "
Stichwörter: RSS, RSS-Reader

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2018 - Internet

Google scheint einen Wiedereintritt in den chinesischen Markt vorzubereiten und bereitet sich technolgisch auf die Erfüllung der Zensurbestimmungen vor (unsere Resümees). Ryan Gallagher, der dies Thema in The Intercept aufgebracht hat, unterhält sich mit dem ehemaligen Free-Speech-Beauftragen von Google für die Region, Lokman Tsui: "'In den letzten Jahren hat sich die Lage in China so stark verschlechtert - man kann da nicht hingehen, ohne sich selbst zu gefährden', sagt Tsui. Eine zensierte Suchmaschine in diesem Land zu starten, 'wäre ein moralischer Sieg für Peking. Peking hat nichts zu verlieren. Wenn Google also zurückgehen will, dann unter den Bedingungen, die Peking für sie festlegen würde. Ich kann nicht sehen, wie Google hier einen Deal finden soll, der positiv wäre.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.08.2018 - Internet

The Intercept hat neulich enthüllt, dass Google zurückwill auf den chinesischen Markt und sich darum vorbereitet, zensierte Suchergebnisse zu liefern (unser Resümee). Ryan Gallagher liefert nun neue Details, wie Google das macht. Es nutzt die Site 265.com, die letzte verbliebene kleine Site des Konzerns, die nicht selbst als Suche funktioniert, sondern Suchanfragen an die chinesische Site Baidu weiterleitet. Diese Anfragen wurden offenbar nach Brenzligkeit sortiert: "Man stellte so eine Liste von Tausenden verbotenen Websites zusammen, und integrierte diese Information in eine zenseirte Version der Google-Suche, die die Ergebnisse dann automatisch manipulierte und verbotene Seiten von den ersten Ergebnisseiten entfernte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.08.2018 - Internet

(via turi2) Google plant in einem radikalen Bruch mit seiner bisherigen Politik eine Such-App in China, die die vom Regime gewünschte politische Zensur einhalten wird, schreibt Ryan Gallagher vom Online-Magazin The Intercept, dem geheime Google-Papiere vorliegen. "Von The Intercept eingesehene Dokumente mit dem Vermerk  'Google confidential' besagen, dass die Such-App von Google Websites die von der 'großen Internetmauer' gesperrt sind, automatisch filtern und blockieren wird. Wenn jemand sucht, werden verbotene Websites von der ersten Suchseite entfernt, statt dessen wird mitgeteilt, dass 'einige Ergebnisse aufgrund gesetzlicher Vorgaben entfernt wurden." Zu den gesperrten Seiten gehören etwa die BBC und die Wikipedia.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.08.2018 - Internet

Facebook hat mitgeteilt, dass man einige dubiose Seiten geschlossen hat, die im Vorfeld der "Mid-Term"-Wahlen im November bei Reizthemen einfluss nehmen wollten, berichten Nicholas Fandos und Kevin Roose in der New York Times: "Das Unternehmen brachte die Konten nicht direkt mit Russland in Verbindung, aber Facebook-Sprecher sagten, dass einige der von den Seiten genutzten Tools und Techniken jenen der  Internet Research Agency ähnelten, also der mit dem Kreml verbundenen Agentur, die im Zentrum der Anklage wegen Wahlbeeinflussung im Jahr 20156 stand."
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.07.2018 - Internet

Gestern hat der Bundesgerichtshof zwar in einem Urteil bestätigt, dass die Abschaffung der "Störerhaftung" rechtens ist, so dass Anbieter von freiem WLAN nicht mehr fürchten müssen, wegen Urheberrechtsverletzungen selbst haftbar gemacht zu werden. Aber es bleiben bürokratische Hemmnisse, weil der deutsche Gesetzgeber den Verwerterindustrien zuviele Zugeständnisse gemacht hat, kommentiert Lisa Hegemann in Zeit online: "Natürlich ist der Schutz des Urheberrechts grundsätzlich notwendig und wünschenswert. Allerdings vermeidet man Verstöße dagegen nicht, indem man Sperren verhängt und freies WLAN mit einem Passwort schwieriger zugänglich macht. Wer irgendwo etwas hoch- oder runterladen will, der wird einen Weg finden, ob über ein öffentliches Netz oder ein privates. Zumal sich die Frage stellt, ob die Debatte um illegale Uploads und Downloads nicht ohnehin an der heutigen Realität der meisten Internetnutzerinnen und -nutzer vorbeigeht." Ähnlich kommentiert Simon Rebiger bei Netzpolitik.
Stichwörter: Störerhaftung