9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

943 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 95

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2019 - Internet

Frankreich ist das erste EU-Land, das die EU-Urheberrechtsreform national umsetzt. Die EU-Abgeordnete Julia Reda liest die Paragrafen zu den Uploadfiltern und äußert sich in ihrem Blog entsetzt: Frankreich hatte sich schon während der EU-Debatte als zuverlässigster Partner der Copyright-Industrien betätigt und tut dies nun wieder. So sind die Ausführungen zu den Nutzerrechten in dem Entwurf für die Umsetzung des Artikels 17 (vormals 13) äußerst rudimentär geraten, kritisiert Reda. Denn es gibt einige Ausnahmen vom Urheberrecht, etwa wenn Videos zitiert oder zu Parodien eingesetzt werden: "Anstatt sicherzustellen, dass Plattformen bestehende Urheberrechtsausnahmen in ihren Bedingungen nicht außer Kraft setzen, wie es die Richtlinie vorschreibt, fordert der französische Vorschlag die Plattformen lediglich auf, die Nutzer über das Bestehen von Urheberrechtsausnahmen nach nationalem Recht zu informieren. Die entscheidenden Teile von Artikel 17, in denen es heißt, dass Plattformen den Nutzern ermöglichen müssen, tatsächlich von diesen Ausnahmen zu profitieren, und dass solche rechtlichen Inhalte überhaupt nicht blockiert werden dürfen, fehlen völlig."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2019 - Internet

Die geplante ePrivacy-Verordnung der EU, mit der die Datensammelei im Netz eingeschränkt werden sollte, ist vorerst gescheitert, meldet Alexander Fanta auf Netzpolitik: "Einige Staaten halten die Vorschläge für zu weitgehend - sie drängten etwa auf Ausnahme für Presseverlage." Ähnlich berichtet das auch Spon: "Gegen die Vorschläge der Kommission protestierten nicht zuletzt viele europäische Verlage, darunter auch der Spiegel, Spiegel online, die Zeit, die FAZ und die Süddeutsche Zeitung. Sie fürchteten um Einnahmen aus personalisierter Werbung, welche die wirtschaftliche Grundlage dafür ist, ihre Angebote weitgehend kostenlos ins Netz stellen zu können. Teile der Verordnung betrachteten sie als Gefahr für ihr Geschäftsmodell, während Internet-Unternehmen wie Google und Facebook davon profitieren würden." Dabei war die Verordnung schon abgeschwächt worden: Ursprünglich sollte "Do not Track" als Browserstandard eingeführt werden. Dann einigte man sich darauf, eine Ausnahme für werbefinanzierte Nachrichtenseiten einzführen, schrieb Fanta vor zwei Wochen bei Netzpolitik, "eine Art Blankovollmacht für Tracking mit Cookies oder anderen Methoden zu gewähren. Über diese Neuerung dürfte sich die Verlagsbranche freuen. Knapp achtzig Werbe-Cookies zählt Cookiepedia momentan auf Zeit Online, mehr als 300 sind es bei Spiegel Online und bild.de. Beim Aufruf fast aller deutschsprachigen Online-Medien dokumentiert trackography.org dutzende Verbindungen zu Servern von Drittanbietern. Nach dem finnischen Vorschlag hätten Besucher:innen von Nachrichtenseiten künftig nicht bessere Karten, um dem Tracking ihres Verhaltens zu entkommen, sondern schlechtere." Doch das reichte den Verlagen, die mit der DSGVO ihr Listenprivileg verloren (dass den Verlagen die Vermarktung personenbezogener Daten zu Werbezwecken erlaubt hatte), offenbar nicht, nun wurde auch dieser Kompromiss abgelehnt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.11.2019 - Internet

Auf Netzpolitik berichtete Alexander Fanta bereits gestern, dass das EU-Parlament vor der Europawahl im Mai 2019 zur Wählermobilisierung ausgerechnet auf die amerikanische Firma Nationbuilder setzte, die bei Datenschützern einen ähnlichen Ruf genießt wie Cambrdige Analytica: "Auf der zugehörigen Webseite sammelte das Parlament die Namen, E-Mail-Adressen und Herkunftsländer von Unterstützern - die Daten landeten auf den Servern von Nationbuilder in den USA. Wie die Daten dort verarbeitet wurden und ob sie rechtswidrig an andere Firmen weitergegeben wurden, ist Gegenstand der Untersuchung des EU-Datenschutzbeauftragten. Nationbuilder ist bei Datenschützern umstritten. Die Plattform lässt ihre Kunden Wählerdaten aus unterschiedlichen Quellen abgleichen und zusammenführen. Kunden können etwa in der 'Match'-Funktion die E-Mail-Adressen eines möglichen Wählers eingeben, Nationbuilder ergänzt wie von Zauberhand seine Profile in sozialen Medien."
Anzeige

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2019 - Internet

Auf Netzpolitik berichtet Alexandra Fanta, dass sich die Länder der Europäischen Union wieder nicht auf eine neue ePrivacy-Verordnung haben einigen können: "Kommission und Parlament schlagen vor, den Schutz der Privatsphäre als Standard im Browser festzulegen. Das soll dabei helfen, den Datenabfluss durch Cookies und andere Formen des Trackings auf Webseiten einzuschränken. Der strenge Datenschutz, der in der EU heute für Telefon, SMS und Fax gilt, soll zudem auf Messengerdienste wie WhatsApp oder Telegram, Webmaildienste wie GMX oder GMail und Internettelefonie wie Skype ausgeweitet werden. Auch sie dürften ihre Nutzer:innen nur dann analysieren, wenn es ein klares Einverständnis gibt. Doch das Gesetz hat viele Feinde: Ein ungewöhnliches Bündnis aus US-Internetkonzernen wie Google oder Facebook und deutschen Medienunternehmen wie RTL oder Springer lobbyiert gegen die Vorschläge. Denn wenn Nutzer:innen selbst entscheiden könnten, ob sie das Tracking ihres Surfverhaltens zulassen, könnte das ihr Geschäft mit personalisierter Online-Werbung empfindlich treffen. Auch die Telekommunikationsfirmen, in Europa oft ehemalige Staatsfirmen mit gutem Draht zur Regierung, sind gegen das Gesetz." Hier die Kernpunkte des bisherigen Vorschlags.

Der Guardian berichtet von einem Offenen Brief, in dem sich sechzig Ärzte nach seinem Auftritt vor Gericht besorgt über die Gesundheit von Julian Assange aussprechen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2019 - Internet

Auf dem sozialen Netzwerk Tiktok teilt man lustige Videos. Das Netzwerk gehört einem chinesischen Unternehmen, auch die deutsche Filiale wird chinesisch geleitet. Politische Inhalte kommen nicht vor und werden von einem riesigen Team wohl gelöscht, berichten  Markus Reuter und Chris Köver, die mit einem Moderator von Tiktok sprechen konnte, bei Netzpolitik: "Nicht nur Inhalte können ausgebremst werden, auch ganze Hashtags, erzählt uns die Quelle. Überhaupt scheint TikTok ein System des Promotens und Ausbremsens zu fahren, bei dem bestimmte Inhalte sichtbar und viral sind, andere hingegen nie durchstarten und keine Sichtbarkeit erhalten. Die Kontrolle über das, was Menschen auf TikTok sehen, liegt vor allem in der Hand des Unternehmens."
Stichwörter: Tiktok

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2019 - Internet

Viel retweetet wird eine Rede, die der Comedian Sacha Baron Cohen vor der Anti-Defamation League (ADL) gehalten hat und in der er die sozialen Netzwerke scharf attackiert - der Guardian druckt sie ab: "All dieser Hass und diese Gewalt werden gefördert von einer Handvoll Internetfirmen, die zusammen die größte Propagandamaschine der Geschichte bilden... Nehmen wir die Frage der politischen Anzeigen. Glücklicherweise hat Twitter sie endlich verboten, und auch Google nimmt Änderungen vor. Aber Facebook wird, wenn du bezahlst, jede 'politische' Anzeige schalten, die du willst, auch wenn es eine Lüge ist. Und sie werden dir sogar helfen, diese Lügen mit Micro-Targeting an ihre Benutzer weiterzugeben, um einen maximalen Effekt zu erzielen. Diese verdrehte Logik hätte es Hitler in den Dreißigern erlaubt, 30-Sekunden-Videos über seine 'Lösung' der 'Judenfrage' zu schalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2019 - Internet

Zusehends wollen soziale Medien wie Twitter, Google und teilweise auch Facebook politische Werbung einschränken. Mark Scott bezweifelt bei politico.eu, ob das etwas bringt. Die entscheidende Frage seien die Inhalte in den Netzen, und ob die Netze dafür verantwortlich gemacht werden. "So kann es beispielsweise sein, dass ein Kandidat nicht mehr in der Lage ist, jemanden online mit einer Anzeige nahezu punktgenau anzusprechen. Aber nichts würde denselben Kandidaten (möglicherweise mit einer signifikanten Gefolgschaft in den sozialen Medien) davon abhalten, Posts zu veröffentlichen, die dann weithin unter potenziellen Unterstützern verbreitet wurden, selbst wenn diese Nachrichten entweder falsche oder irreführende Informationen enthielten. Alle Unternehmen haben Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung von Fehlinformationen ... zu reduzieren, und die Freiheit der Menschen, sich online zu äußern, sollte zu Recht geschützt werden. Aber zu sagen, dass ein politisches Werbeverbot... einen sinnvollen Unterschied zu dem machen wird, was die Menschen online sehen, ist schwer mit der Realität vereinbar." Mehr zur Einschränkung politischer Werbung bei Google hier.

Wolfgang Kleinwächter, emeritierter Professor für Internetpolitik der Universität Aarhus, berichtet in der FAZ über Bestrebungen einer "Global Commission on the Stability of Cyberspace", einen möglichen Cyberkrieg zu begrenzen: "Politisch wäre ein Vertrag zum Schutz des öffentlichen Kerns des Internets vergleichbar mit den Briand-Kellogg-Pakt von 1928. Dieser Kriegsächtungsvertrag wurde nach 1945 herangezogen, um die Kriegsverbrechen Deutschlands und Japans juristisch zu verurteilen. Ein Cyberkrieg kann nicht gewonnen werden, argumentierte unlängst ein Delegierter in der UN-Vollversammlung, daher sollte er nicht geführt werden. Und man sollte ihn ächten, bevor er ausgebrochen ist."

Außerdem: Christopher Hamich  berichtet bei Netzpolitik, dass die Bundesregierung an einem "Influencer-Gesetz" arbeitet, das die Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung bei Posts verbessern soll.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2019 - Internet

Russland will durch ein neues Gesetz die staatliche Kontrolle über das Internet erhöhen, berichtet Felix Richter bei Netzpolitik, der unter anderem auch mit dem bekannten russischen Investigativjournalisten Andrei Soldatov gesprochen hat. Der bezweifelt zwar, dass sich das russische Internet so abriegeln lässt wie das chinesische, gibt aber auch zu bedenken, dass über 90 Prozent des russischen Verkehrs bereits inländisch seien: Dazu passt, so Richter, "dass die russische Internetservicefirma Yandex, die unter anderem die größte russische Suchmaschine betreibt, vor kurzem im Zuge einer Umstrukturierung zugestimmt hat, der Regierung in Moskau weitreichende Vetorechte bei der Ausübung ihrer Geschäfte einzuräumen. Im Iran kann momentan anschaulich besichtigt werden, wie ein Land komplett vom Internet abgeschnitten wird. Man kann davon ausgehen, dass das Vorgehen Teherans in Moskau aufmerksam verfolgt wird."
Stichwörter: Russland, Internetzensur

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2019 - Internet

Politische Online-Werbung muss gesetzlich reguliert werden, fordert Julian Jaursch vom Thinktank Stiftung Neue Verantwortung in der SZ und schlägt unter anderem vor: "Direkt im Newsfeed müsste ersichtlich sein, woher die Werbung kommt, wer sie finanziert, welche Eigenschaften für das Targeting wichtig waren und welche Menschen somit ausgeschlossen wurden. Neben den Plattformen sind hier die Parteien gefragt, Verantwortung für eine offene politische Kommunikation zu übernehmen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2019 - Internet

Turi2 weist auf ein wirklich verlockendes Angebot hin, das SZ meldet: Google will künftig Girokonten anbieten: "Da Google keine eigene Bankenlizenz hat, kooperiert der Konzern mit der Citigroup Bank, die die Geschäfte letztendlich abwickelt. Im Kern von Googles Interesse stehen allerdings die Nutzerdaten. Girokonten sind dafür ein ideales Produkt, da die Kunden selten wechseln."