9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2017 - Internet

Google wird russische Desinformationsmedien wie Russia today oder Sputnik in seinen Suchergebnissen und bei Google News herabstufen, berichtet Alex Hern im Guardian und zitiert Alphabet-Chef Eric Schmidt, der sich in Kanada äußerte: "Schmidt beschrieb die bisherige Herangehensweise der Tech-Industrie bei Desinformation als 'naiv'... 'Vor zehn Jahren dachten, dass die Leute mit dem Internet umgehen können, wir alle wussten, dass es voller Lügen und voller Wahrheiten ist. Aber die Daten, die wir aus Russland 2016 und von anderen Akteuren haben, zeigen, dass wir handeln müssen.'"
Stichwörter: Russia Today, Sputnik, Google

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2017 - Internet

Facebook ist ins Gerede gekommen, weil einige, politisch womöglich missliebige Seiten ohne jede Erklärung viele Follower verloren haben (unsere Resümees). Das gilt etwa für prokurdische Seiten. Laut Facebook ist der mysteriöse Follower-Schwund nun erklärt, berichtet Markus Reuter bei Netzpolitik. Viele Konten seien wegen "Verstößen gegen die Geschäftsbedingungen" gekündigt worden: "Und das ist alles mögliche: Fake-Profile, Profile mit pseudonymen Namen, Spam-Verhalten oder Verstöße gegen die Gemeinschaftsstandards. Laut den Community-Regeln sind nicht nur Nacktbilder oder Hate Speech verboten, sondern auch die Unterstützung von Organisationen, die Facebook als 'Gefährliche Organisationen' definiert. Eine Liste dieser Organisationen veröffentlicht Facebook nicht."
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2017 - Internet

Carale Cadwalladr recherchiert für Guardian und Observer über russische Einflussnahme in der Brexit-Kampagne. Auf dem Twitter-Konto Leave.EU von Nigel Farages Ukip wird die Journalistin in einer Montage verprügelt, schreibt sie: "In einer ganze Reihe stehen Leute an und warten, dass sie drankommen. Der letzte in der Reihe trägt ein Gewehr." Wäre das Video vor ihrer Wohnung projiziert worden, so Cadwalladr, hätte sie Klage wegen Aufstachelung zur Gewalt erheben können, aber gegen Twitter und die anderen sozialen Netze könne sie so nicht vorgehen: "Im letzten Monat sind die Tech-Giganten schreiend und fuchtelnd vor verschiedene Untersuchungsaussschüsse von US-Kongress und Senat gezogen worden. In Britannien hat dieser Prozess noch nicht mal begonnen. Der fehlende öffentliche und politische Druck ist peinlich. Die kaum stattfindende Berichterstattung verstörend. Und das Video von Leave.EU ist nur ein kleines Beispiel, das zeigt, wie das funktioniert." Über russische Einflussnahme auf den Brexit schrieb Cadwalldr unter anderem hier.

"Wir können Facebook nicht sich selbst kontrollieren lassen", schreibt Sandy Parakilas, die einst bei Facebook für mehr Datenschutz sorgen sollte und diese Versuche aufgab, in der New York Times: "Facebook-Chefin Sheryl Sandberg erzählte in einem Interview mit Axios im Oktober, dass die Firma russische Propaganda-Anzeigen entdeckte, weil sie in Rubeln bezahlt worden waren. Wenn man bedenkt, wie simpel das ist, hätte diese Entdeckung schon weit früher gemacht worden können - und nicht erst ein Jahr nach den Wahlen. Aber offenbar hat Facebook bei dieser Untersuchung dieselbe Haltung eingenommen wie zu meiner Zeit: nur reagieren, wenn die Presse oder Behörden etwas zum Thema machen."
Stichwörter: Brexit, Facebook, Twitter

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2017 - Internet

Ob Trump den Wahlkampf gewinnt oder Flüchtlinge nach Europa strömen, schuld ist für rechts und links immer nur einer: das Internet. "Dieses verkürzte Verständnis von Digitalem und Demokratie führt zu einem gefährlichen Schluss", warnt Jannis Brühl in der SZ. "Wer das Silicon Valley als Verursacher innenpolitischer Probleme sieht, der erwartet auch, dass die Lösung von dort kommen muss. Aber wie soll diese aussehen? Sollen Konzerne, die bereits Daten von Milliarden Nutzern besitzen, Informationen auf Zuruf des Staates neu sortieren, filtern und löschen? Was bei Straftatbeständen wie Volksverhetzung oder Beleidigung dringend nötig ist, sollte nicht ausgeweitet werden, um allgemeine Informationsströme zu kontrollieren."
Stichwörter: Jewgeni Kaspersky

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2017 - Internet

Nicht nur der Fall Birgit Kelle zeigt, dass sich Facebook nach Heiko Maas' Netzwerkdurchsetungsgesetz zu Zensur bemüßigt fühlt. Schon letzte Woche berichtete Netzpolitik, dass türkeikritische Autoren bei Facebook auf mysteriöse Weise Follower verlieren (unser Resümee). Der Autor Kerem Schamberger verlangte darauf von Facebook Daten. Markus Reuter berichtet nun auf Netzpolitik: "Schamberger bekam nach eigener Aussage weder die E-Mail, dass die Daten nun bereitgestellt seien, noch konnte er die Daten direkt auf Facebook herunterladen. Fünf Tage nach dem ersten Versuch beantragte er sie erneut. Dann habe er noch einmal acht Tage auf die Bereitstellung seiner Daten gewartet und keine bekommen." Auch der Blogger Joachim Steinhöfel berichtet bei Tichys Einblick über Follower-Schwund.
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2017 - Internet

Nach den neuesten Enthüllungen über die Kontakte zwischen Wikileaks und Donald Trump jr. (unser Resümee), bei denen vor allem herauskam, dass Wikileaks eine ganz eigene Agenda verfolgt, kommentiert Jörg Wimalasena in der taz: "Vielleicht hat sich die Idee von Wikileaks aber auch selbst überholt, seit es Journalisten gelingt, große geleakte Datenmengen selbst auszuwerten - und das nach den ethischen Standards der Branche."

Außerdem: Der Guardian berichtet, dass Russland offenbar von 400 gefälschten Twitter-Konten aus die Brexit-Kampagne beeinflusst hat.
Stichwörter: Wikileaks, Brexit

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2017 - Internet

Sam Levin, der Silicon-Valley-Korrespondent des Guardian, hat über das Fact Checking bei Facebook recherchiert, das vor ziemlich genau einem Jahr nach der Trump-Wahl mit viel Getöse initiiert wurde. Facebook arbeitet dafür mit Journalisten aus Stiftungen und Drittmedien zusammen, die sich in dem Artikel anonym und sehr unzufrieden äußern. "Einer der Factchecker sagte, dass Facebook sich weigere, die großen Zahlen von Journalisten und Experten anzuheuern, die eigentlich nötig wären für die schwireige Arbeit der Recherche. 'Ihre Beziehungen zu Organisationen in dem Feld sind längst nicht intensiv genug. Sie müssten das intern regeln. Sie müssten Armeen von Moderatoren und eigenen Factcheckern einstellen.'"

Ein Fall von Fakenews? In der FAZ erzählt Jan Grossarth, dass ein Beitrag des "obskuren Blogs" sciencefiles, der aktuelle Studien zum Insektensterben bestritt, von Bauernverbänden und Industrie begierieg aufgegeriffen wurde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2017 - Internet

In der NZZ sieht Adrian Daub die vielbeschworenen Smart Cities direkt in eine Diktatur der Daten führen: Denn es werden nicht nur die Ampelschaltungen und Fensterverdunkelungen optimal gesteuert, sondern auch die Bürger: "Der Dataismus macht alles gleichförmig: vom Abfall über den Verkehr bis hin zur Politik. Der Bürger ist im Kontrollnetzwerk der Smart City bloß ein Datenpaket."
Stichwörter: Smart Cities

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2017 - Internet

Markus Reuter berichtet bei Netzpolitik über immer häufigere "Entfreundungen" bei türkeikritischen Facebook-Seiten. Es sieht fast so aus, als würde Facebook hier eine gezielte Politik betreiben, denn es sind nicht nur doppelte oder Fake-Accounts, die gelöscht werden, auch reale Personen werden ohne ihr Zutun "entfreundet": "Intransparente Vorgehensweisen wie die bislang unerklärliche Entfreundung können die Reichweite von Personen signifikant einschränken - ohne dass klar ist, warum so etwas passiert. Die Betroffenen tappen im Dunkeln, können sich nicht richtig wehren. Gerade die Häufung bei Türkei-kritischen Personen und Organisationen führt dazu, dass viele Nutzer auf Facebook nicht von einem bloßen Kollateralschaden von Algorithmen ausgehen, sondern von einer gezielten Maßnahme."
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.11.2017 - Internet

Schön, dass es auch noch jemand anderem auffällt: Buchneuerscheinungen zur Digitalisierung qualifizieren sich fast immer fürs Horrorfach. Da wundert sich jetzt auch Bernd Graff in der SZ: "Es ist ein Chor, der von Dystopie, Disruption und Desillusionierung raunt, und man gewinnt den Eindruck, dass die Autoren uns darlegen wollen, wir taperten ausgerüstet mit nur einem brennenden Streichholz auf der dunklen Nachtschattenseite eines Digitalmondes umher. Um alle unsere früheren Hoffnungen auf die schöne neue Digitalwelt betrogen. ... Es drängt sich darum die Frage auf, warum diese stupende Fülle an digitaler Dystopie-Literatur gerade jetzt entsteht. Was motiviert die Autoren zu diesem Fanal an Überwältigung und Hilflosigkeit durch neue Technologien?"

Die Folgen dieser Unwilligkeit, sich mit der digitalisierten Welt konstruktiv auseinanderzusetzten, kann man zum Beispiel am aktuellen internationalen Städte-Ranking begreifen, so Gerhard Matzig, ebenfalls in der SZ. München ist da gerade vom 16. auf den 25. Platz abgestiegen: "Der Smart-City-Index, der Kriterien wie Internetgeschwindigkeit, Mobilitätsvernetzung, Umweltschutz und die Online-Zugänglichkeit von Behörden abgleicht, verweist auf die Zukunft. Die deutschen Städte leben aber gern von Beschaulichkeit und Tradition. Ist das klug?"
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