9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.02.2018 - Internet

Über das chinesische Bewertungssystem dringen beinahe täglich neue Absurditäten zu uns, aber auch im Westen greift der Bewertungswahn dank Facebook, Yelp, Uber, Airbnb und Co. längst um sich und reduziert den Menschen zur individuellen Rating-Agentur und kontrollierten Ort der Rückkopplung, konstatieren Anna-Verena Nosthoff und Felix Maschweski in der NZZ: "Ziel ist es, den Nutzer zum Posten, Sharen und Kommentieren zu motivieren, seine Emotionen zu massieren, ihn so lange als möglich im Loop zu halten. 'Man kann nicht nicht kommunizieren' ist heute kein kommunikationstheoretisches Axiom mehr, sondern ein Imperativ, eine beständige Aufforderung zum Sichanschließen und Transparentwerden. Jeder gehobene Daumen, jedes wütende Emoticon bietet dabei lukrative Einsicht in die Konstitution des Einzelnen - vom ökonomischen Status über das heimliche Begehren bis zur mentalen Dissonanz."

Wollen wir wirklich so leben?, fragt die Schriftstellerin Angelika Reitzer in einem ausgewogenen Essay im Standard, in dem sie darüber nachdenkt, wie die Digitalisierung den Alltag beim Kaufen, Wohnen, Kommunizieren und Arbeiten verändert. Onlinekäufe und Sharing-Modelle sind bequem, meint sie, aber: "Wenn mehr und mehr immaterielle Güter, Dienstleistungen, Wissen unsere Welt bestimmen, ist nicht Besitz vorrangig, sondern der Zugriff auf das Superinternet der Dinge. Was höchstwahrscheinlich nicht die Nivellierung, sondern eine Verschärfung der Ungleichheiten nach sich zieht. Haben wir uns damit abgefunden, dass die meisten Dienste nur noch via App in Anspruch genommen werden können? Denn das bedeutet ja auch, dass jemand, der kein Smartphone besitzt oder bestimmte Funktionen wie die Nachverfolgung des eigenen Standortes nicht aktivieren möchte, davon ausgeschlossen ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2018 - Internet

2016 haben die USA und China gemeinsam allein zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar in die Erforschung von künstlicher Intelligenz gesteckt, schreibt der Politikwissenschaftler und Thinktanker Stefan Heumann in der SZ. Wenn Deutschland noch eine Chance im globalen Wettrennen haben will, muss es mit anderen EU-Staaten kooperieren, meint er und fordert, dass Europa sich auch den ethischen Fragen der Technologie stellt: "Angesichts der zunehmenden Bedeutung von automatisierten Entscheidungssystemen im Alltag muss die Qualität und Überprüfbarkeit dieser Systeme sichergestellt werden. Und Europa sollte klare Grenzen für den Einsatz dieser Technologie ziehen. Diese Grenzen müssen gewährleisten, dass durch den Einsatz von KI Menschen nicht diskriminiert und benachteiligt werden. Digitale Anwendungen müssen mit unseren Werten und Grundrechten vereinbar sein."

Höchste Zeit für Deutschland und die EU, die Entwicklungen in der IT-Welt der US-Konzerne wie Facebook - vor allem im Hinblick auf Datenschutz  - endlich streng zu regulieren, meint Frank-Thomas Wenzel in der FR: "Was wir an Manipulativem im US-Wahlkampf gesehen haben und was wir jetzt an Hasskommentaren durch rechte Trolle hierzulande erleben, ist erst der Anfang, wenn die Politik weiter zuschaut."

Vielleicht einfach mal die AGB von Facebook lesen: 78 Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage vom Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien gaben an, diese nie gelesen zu haben, meldet Eike Kühl in der Zeit. Nicht mal jeder Zehnte glaubte, eingewilligt zu haben, dass Facebook seinen Namen, Profilbild und persönliche Informationen für Werbeanzeigen nutzt: "Die Schieflage zwischen den Erwartungen der User und den tatsächlichen Nutzungsbedingungen wird deutlich, wenn man sie nach ihrer hypothetischen Einwilligung fragt. So würden 86 Prozent einer Verwendung zu Werbezwecken nicht einwilligen, 88 Prozent nicht der Datenweiterleitung in die USA und 84 Prozent nicht dem Verzicht auf Löschung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2018 - Internet

Vom Internet als Bio-Supermarkt träumt Volker Bernhard in der SZ: Bewusster Konsum ist bei der Ernährung längst üblich und auch im Netz überfällig, meint er. Datenschutzsensible und werbefreie E-Mail-Anbieter wie Posteo machten es vor: "Das Kreuzberger Unternehmen praktiziert idealtypisch die Verzahnung von ökologischem Bewusstsein und überlegtem Konsum im Netz: Server werden mit Ökostrom betrieben, Spenden an NGOs verteilt, es kommen sozial-ökologische Banken zum Einsatz. Für anonymes Surfen im Netz kann man den Tor-Browser benutzen, die Geschwindigkeit ist durch Anonymisierung gedrosselt. Das ist unbequem, doch bei Bio-Produkten werden Unannehmlichkeiten auch akzeptiert. So kann man die Suchmaschine Startpage bewerten, mit der die Google-Suche anonymisiert wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.02.2018 - Internet

Auch in Deutschland versuchten Rechtsextreme die Wahlen mit "russischen Methoden" zu beeinflussen, hat ein Recherche-Team aus allen möglichen Sendern und Zeitungen herausgefunden, berichtet Lena Kampf in der SZ - dabei schuf man ähnlich wie die russischen Geheimdienstler Fake-Konten in sozialen Netzen und befeuerte von dort aus die Seiten gegnerischer Parteien: "So gab es eine Art Countdown vor der Bundestagswahl, mit täglichen Attacken auf Wahlkampfvideos der Grünen, der Linkspartei, der SPD und der CDU. Ein Video der Linkspartei erhielt über Nacht eine dreistellige Zahl von Hasskommentaren, das Verhältnis von positiven und negativen Bewertungen bei einem Video der Grünen-Bundestagsfraktion wurde mit Hunderten 'Dislikes' umgedreht. Wahlkampfmanager der Parteien sahen sich gezwungen, die Kommentarfunktion ihrer Youtube-Kanäle zu schließen oder Kommentare nur nach vorheriger Moderation freizuschalten."
Stichwörter: Bundestagswahl 2017

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2018 - Internet

Großes Thema bei der New York Times ist ein Twitter-Thread des Facebook-Offiziellen Rob Goldman, der nach der Anklage von 13 Russen durch das FBI bestreitet, dass Russland auf Facebook die amerikanischen Wahlen mit Anzeigen hintertrieben hätte (als hätten die Russen nur Anzeigen und nicht auch gefälschte Facebook-Seiten und -Konten eingesetzt). Kevin Roose kommentiert: "Goldmans Tweetstorm war unabsichtlich erhellend. Jahre, nachdem feindliche ausländische Akteure Facebook zu nutzen begannen, um einen Informationskrieg gegen die amerikanische Öffentlichkeit zu lancieren, zeigte er, dass einige hohe Facebook-Angestellte immer noch nicht verstehen, wie zentral Facebook für die russische Desinformationskampagne war und wie tiefgreifend die Fehler, die ihre Firma in diesem Kontext machte." Sheera Frenkel unterzieht Goldmans Twitter-Thread in einem zweiten Artikel einem Faktencheck.

Nicholas Thompson ergänzt bei Wired, dass sich Goldman inzwischen beim FBI für Fehler entschuldigt hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2018 - Internet

Das Netzwerk-DG ist verbesserungswürdig, aber nötig, um das allgemeine Persönlichkeitsrecht zu schützen, meint in der FR der CDU-Abgeordnete Tankred Schipanski: "Die Meinungsfreiheit deckt keine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ab."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.02.2018 - Internet

Halb zufrieden kommentiert Julia Krüger bei Netzpolitik die 13 Seiten zur Digitalisierung im Koalitionsvertrag: "Künstliche Intelligenz, Quanten-Computer, Plattformindustrie, Robotik und Blockchain: Die wichtigsten technischen Entwicklungen sind immerhin benannt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.02.2018 - Internet

Mit Grauen blickt Bernd Graff in der SZ auf die Software, die unter dem Namen "Deepfake" in die Welt gesetzt wurde und Gesichter in Filme kopieren kann: "Face Swap nannte man das Verfahren, als es noch nur lustig war. Im Frühjahr des letzten Jahres tauschte eine künstliche Intelligenz auf Smartphones Doppelporträts mehr schlecht als recht gegeneinander aus: Hund gegen Herrchen, Luftballon gegen Mopsgesicht, so was. Nun aber sieht man ganze Filme mit Emma Watson, Scarlett Johansson und Natalie Portman, die sehr überzeugend in Hardcore-Kontexte eingebettet sind: 'Excellent and very convincing' seien sie, wie das Magazin Forbes es vornehm formulierte." Höchste Zeit, meint Graff, dass die Hersteller von Filmkameras unmanipulierbare Wasserzeichen erfinden.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.02.2018 - Internet

Ist die Ära der Facebook-Öffentlichkeit schon vorbei? Bei jungen Leuten fängt sie vielleicht gar nicht mehr an, meint Sascha Lobo in seiner jüngsten Spiegel-online-Kolumne: "Junge Menschen sind heute zwar äußerst aktiv im sozialen Netz, allerdings sehr viel intensiver dort, wo soziale Medien nicht öffentlich oder halböffentlich sind: in privaten digitalen Räumen, allen voran WhatsApp, ab Werk nichtöffentlichen Messengern und Gruppenchats. Die frühere Erfolgsgeschichte von Snapchat war sogar angetrieben von einer ausschließenden und damit öffentlichkeitsreduzierenden Haltung."

Ausgerechnet die Transhumanisten, also jene, die das Ende des biologischen Menschen herbeisehnen, beschäftigen sich mit der Frage, wie verhindert werden könne, dass künstliche Intelligenz den Weltuntergang herbeiführt und wie man sie mit menschlichen Werte ausstatten könne, stellt der Kultursoziologe Thomas Wagner in der NZZ besorgt fest: "Sie bestimmen schon heute maßgeblich mit, wie über die Risiken der boomenden künstlichen Intelligenz nachgedacht wird - dies nicht zuletzt, weil sie von finanzstarken Geldgebern massiv unterstützt werden. Hinter dem Future of Humanity Institute steht eine Stiftung des IT-Unternehmers James Martin. Das Future of Life Institute begann seine Arbeit mit einer 10-Millionen-Dollar-Spende von Elon Musk, und der ebenfalls milliardenschwere Risikokapitalist Peter Thiel steckt sein Geld seit Jahren in das MIRI und eine Vielzahl weiterer transhumanistischer Projekte." Deshalb fordert Wagner eine kritische Untersuchung der Verflechtung von transhumanistischen Netzwerken, Digitalwirtschaft und Forschungsinstituten und mehr öffentliche Gelder für eine von der Privatwirtschaft unabhängige Expertise.

Außerdem: Cindy Kohn meldet bei eff.org, dass der Internetpionier und Mitbegründer der Electronic Frontier Foundation John Perry Barlow im Alter von siebzig Jahren gestorben ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.02.2018 - Internet

In der NZZ befürchtet Felix Simon, dass unser Hang zum technischen Komfort in Zukunft gänzlich einem Überwachungskapitalismus in die Hände fallen wird. Nachdem Amazon und Google durch Smart Speaker bereits Einzug in viele Haushalte gehalten haben, hat Consumer Watchdog, eine der größten Verbraucherschutzorganisation in den USA, aufgedeckt, dass die Konzerne durch neue Patentanmeldungen ihr Abhörsystem in Zukunft drastisch ausweiten wollen: "Dass Google und Amazon entsprechende Patente angemeldet haben, bedeutet zwar nicht automatisch, dass diese am Ende auch umgesetzt werden. Aber Patente spiegeln das Denken und die Vision eines Unternehmens für die Zukunft wider. Zu hoffen, dass sich Amazon, Google, Apple und Co. freiwillig in ihrem Tun einschränken werden, ist Wunschdenken."

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