9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.09.2017 - Internet

Der Literaturwissenschaftler Adrian Daub, der in Stanford unterrichtet, porträtiert in der NZZ die Silicon Valley Szene, die sich immer noch als eine Art anarchistsisch-revolutionäre Gemeinschaft darstellt, was sie aber längst nicht mehr ist, meint Daub: "Die Unternehmer im Valley bezeichnen die politische Klasse gerne als arrogant und abgehoben. Das stimmt natürlich. Aber trifft dieselbe Diagnose nicht auch auf die Digitalunternehmer zu? Die Natürlichkeit, mit der die Chefs von Facebook, Google, Paypal davon ausgehen, dass sie die Menschen, die ihre Jachten säubern, besser verstehen als irgendwelche Gewerkschaftstypen, ist jedenfalls ziemlich atemberaubend."
Stichwörter: Silicon Valley

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.09.2017 - Internet

Eigentlich sollte Chelsea Manning visiting fellow in Harvard werden. Jetzt hat die Universität die frühere Armee-Mitarbeiterin und Whistle-Blowerin wieder ausgeladen, berichtet die New York Times und findet das "feige": "It's remarkable that one of the country's premier educational institutions would bow to C.I.A. pressure and reject a person who has arguably done more to contribute to the public's understanding of world diplomacy than anyone else in modern times. In early 2010, Ms. Manning leaked a trove of hundreds of thousands of State Department and Defense Department documents, an archive that opened an unparalleled window into American foreign policy."

Bei Buzzfeed berichtet Alex Kantrowitz, dass Google Anzeigenkunden erlaubt hat, Werbung nach rechsextremen Schlagwörtern auszurichten: "Schwarze ruinieren alles" oder "jüdische Parasiten" etwa, es gab auch - ganz neutral - "Weiße ruinieren alles". Und ProPublica sekundiert: Bei Facebook durften sich Werber an "Judenhasser" richten.
Stichwörter: Chelsea Manning

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2017 - Internet

Gibt es einen Gender Pay Gap bei Google? Einige ehemalige und aktuelle weibliche Google-Angestellte verklagen den Konzern, weil er Frauen schlechter bezahle und systematisch in unterlegene Positionen stecke, berichtet Sam Levin, der Silicon-Valley-Korrespondent des Guardian: "Dieser neue Prozess könnte weitreichende Folgen haben, vor allem vor dem Hintergrund, dass Google öffentlich behauptet hatte, die schlechtere Bezahlung von Frauen beendet zu haben." Levin erinnert auch an die Debatte um den von Google gefeuerten Techniker James Damore (unsere Resümees), "der ein kritisches Memo über Affirmative Action" geschrieben hat.

Christina Felschen greift in Zeit online noch eine andere für Google peinliche Geschichte auf - die Entlassung eines Google-kritischen Forschers aus dem maßgeblich von Google geförderten Thinktank New America Foundation (unsere Resümees). In der Einflussnahme sind die Internetkonzerne immer ungenierter - und mittlerweile die größten Lobbyisten in Amerika, so Felschen: "Die fünf großen amerikanischen Technikunternehmen - Facebook, Apple, Microsoft, Amazon und allen voran Google - gaben schon 2015 zusammen 49 Millionen US-Dollar für Lobbyarbeit aus, mehr als doppelt so viel wie die fünf größten Banken. Allein in Obamas Amtszeit kamen Google-Mitarbeiter zu 427 Besuchen ins Weiße Haus, wie die Campaign for Accountability exemplarisch dokumentiert hat."

Johannes Steiling stellt in Netzpolitik eine Studie der Yale Universität vor, die sich mit der Frage beschäftigt hat, wie sinnvoll es ist, wenn "Fake News" von Facebook auch als "falsch" gekennzeichnet werden. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass "die Verbesserung, die durch die Kennzeichnung erzielt werde" sehr marginal sei: "Besonders problematisch sei dies, weil so viele Falschmeldungen auf Facebook kursieren würden, dass die Faktenprüfer kaum hinterher kommen würden. Ein Großteil der Fake News könne daher nicht gekennzeichnet werden. Somit sei zu befürchten, dass die negativen Aspekte der Kennzeichnung die positiven deutlich überwiegen." Facebook zweifelte die Studie an, weil sie "methodische Mängel aufweise".
Stichwörter: Google, Facebook, Fake News

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.09.2017 - Internet

(Via Netzpolitik) Eine Gruppe von netzaktivistischen NGOs wie die Free Software Foundation Europe und der Chaos Computer Club fordert in einem offenen Brief, dass öffentlich finanzierte Software freie Software zu sein habe, weil "Freie Software/Open Source ein modernes öffentliches Gut ist, das es jedermann erlaubt, Anwendungen, die wir täglich einsetzen, frei zu verwenden, zu verstehen, zu teilen und zu verbessern, Freie-Software- und Open-Source-Lizenzen Schutz vor einer Beschränkung auf Dienstleistungen bestimmter Unternehmen bieten, welche restriktive Lizenzen verwenden, um den Wettbewerb zu behindern und freie Software/Open Source sicherstellt, dass der Quellcode zugänglich ist, so dass Hintertüren und Sicherheitslücken behoben werden können, ohne von einem bestimmten Dienstleister abhängig zu sein."

Chelsea Manning legt in der New York Times einen Essay über digitale Überwachung und "predictive policing" vor: "Die Welt ist zu einem gespenstischen dystopischen Roman geworden. Auf der Oberfläche sehen die Dinge aus wie immer, aber sie sind es nicht. Ohne klare Grenzen dafür, wie Algorithmen Daten, die von uns gesammelt werden, nutzen und missbrauchen, wächst das Potenzial zur Kontrolle unseres Lebens immer weiter an."

Eklatantes Versagen der Literatur oder einfach Natur der Dinge? Der Wissenschaftspublizist Lawrence Krauss stellt in Slate die berechtigte Frage, warum die Science Fiction das Internet nicht voraussah: "Als Kind erwartete ich, mich später in fliegenden Autos zu bewegen oder meine Ferien in einem Raumschiff oder auf dem Mond zu verbringen. Was ich nicht erwartete, war das Internet. Aber von allen technologischen Entwicklungen, die das Funktionieren von Gesellschaft verändert haben, hat keine andere die Gesellschaft vor solche neuen Herausforderungen gestellt. Es hat alles verändert - wie wir kommunizieren, einkaufen, uns unterhalten lassen und Nachrichten bekommen, und natürlich auch die Wissenschaft. Und doch war das Internet in der gesamten Mainstream-Sicence-Fiction-Literatur nicht imaginiert worden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2017 - Internet

Dass russische Organisationen im amerikanischen Wahlkampf auf Facebook zugunsten von Donald Trump aktiv wurden, wird immer offensichtlicher. Gestern berichtete The Daily Beast über ausländerfeindliche Seiten auf Facebook, die von russischen Trollen gesteuert waren (unser Resümee). Scott Shane hat zu diesen (heute gesperrten) Seiten für die New York Times recherchiert: "Die Seite 'Secured Borders' hat sich monatelang als eine Seite amerikanischer Aktivisten ausgegeben und verbreitete provokative Botschaften auf Facebook - so wurden Einwanderer als 'Dreck' und 'Schmarotzer' bezeichnet, Flüchtlinge wurden mit Verbrechen in Zusammenhang gebracht und Trumps harte Linie beim Thema Immigration wurde gepriesen. Die Seite zog 133.000 Follower an, bevor sie geschlossen wurde."

Correctiv.org berichtet unterdessen, dass sich die AfD die Agentur Harris Media geholt hat, um durch "negative Campaigning" Wählerstimmen zu holen - die amerikanische Agentur berät Rechtspopulisten. "Zu den Themen Merkel, Union und 'Lügenpresse' bietet die Seite merkeldieeidbrecherin.com vorgefertigte Memes, die im Internet verbreitet werden sollen. Alles AfD-Themen, aber die rechtspopulistische Partei gibt sich nur im kleingedruckten Impressum zu erkennen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2017 - Internet

Letzte Woche musste Facebook zugeben, dass russische Hacker die Plattform für Propaganda im amerikanischen Wahlkampf missbrauchten (unser Resümee, Einflussnahme von Ausländern in amerikanischen Wahlkämpfen ist verboten). Nun berichtet The Daily Beast, dass Russland im Wahlkampf "Facebook benutzte um Demos gegen Immigranten auf amerikanischem Boden" zu organisieren. "Ein Facebook-Sprecher bestätigte gegenüber The Daily Beast, dass der Gigant der sozialen Medien 'einige der so beworbenen Ereignisse im Rahmen der Schließungen, über die wir letzte Woche kommunzierten, abgeschaltet haben'. Die Firma wollte nichts Näheres ausführen und bestätigte nur, dass diese Events mit bezahlten Anzeigen beworben wurden. (Dies ist das erste Mal, dass die Plattform öffentlich die Existenz solcher Ereignisse anerkannte.)"

Die Firma Equifax, die die Bonität von Kreditnehmern überprüft, musste zugeben, dass die Daten inklusive Soazialversicherungsnummer, von 143 Millionen Amerikanern durch Hacker erbeutet wurden. Es ist "die Art Verbrechen, die Identitätsdiebstahl ermöglicht", und so etwas passiere nicht zum ersten Mal, kommentiert Zeynep Tufekci in der New York Times: "Es gibt technische Faktoren, die erklären, warum die Cyber-Sicherheit so schwach ist, aber die Ursache ist politisch, und ziemlich simpel: Große Firmen haben große Summen Geld in unser politisches System gepumpt und damit dazu beigetragen, Regulierungen zu schaffen, in denen die Konsumenten immer mehr und die Firmen immer weniger Risiken tragen."

Alles, was der Medienseite der FAZ zum Wahlkampf einfällt, ist ein Text von zwei CDU-Abgeordneten, die die gerade verabschiedete Störerhaftung vermissen, weil durch die freie Benutzung von Wlan-Netzen die "Urheber" nun angeblich wehrlos dastehen: "Täter sind in der Folge nicht identifizierbar und damit faktisch nicht haftbar. Die Rechteinhaber sind deshalb auf die Haftung desjenigen angewiesen, der durch die Bereitstellung eines anonymen Wlan-Netzes zur Gefahr beigetragen hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2017 - Internet

Wer wusste überhaupt, dass dieser Laden noch existiert! Es hat sich "ausgegruschelt", berichtet Tobias Költzsch unter Bezug auf eine Meldung in gruenderszene bei golem.de. Das soziale Netzwerk StudiVZ ist pleite: "Demnach ist das hinter StudiVZ stehende Unternehmen Poolworks Germany zahlungsunfähig. Einer Schadensersatzforderung des ehemaligen Besitzers Holtzbrinck kann die Gesellschaft nicht mehr nachkommen. Bereits Ende 2015 hatte Poolworks Germany seinen US-amerikanischen Besitzern 45 Millionen Euro geschuldet. Zudem soll es das Unternehmen auch Schulden beim Finanzamt haben." Ursrpünglich eine Erfindung der auf Unternehmensplagiate spezialisierten Samwer-Brüder, war StudiVZ auch eines der weniger gloriosen Kapitel in der Geschichte des Holtzbrinck-Konzerns.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.09.2017 - Internet

Es handelt sich bisher nur um eine kleine Summe, die nachgewiesen wurde - nämlich 150.000 Dollar - dennoch diskutieren amerikanische Medien die gestrige Meldung der Washington Post als Sensation: "Russische Firmen, die mit der Propaganda des Kreml verbunden sind, haben während der Wahl auf Facebook Anzeigen geschaltet." Auf Politico erklärt Darren Samuelsohn den Hintergrund: "Unabhängig davon, ob Amerikaner an dieser Aktivität beteiligt waren, ist es für Ausländer illegal, Geld auszugeben, um die amerikanische Wahl zu beeinflussen... Facebooks Offenlegung am Mittwoch war eine Kehrtwende nach Monaten öffentliche Leugnung, dass russisches Geld hinter politischen Anzeigen auf der Plattform steht."
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.09.2017 - Internet

Der Thinktank New America Foundation, der maßgeblich von Google unterstützt wird, hat den Google-Kritiker Barry Lynn gefeuert, der Monopolisierungstendenzen des Konzerns angeprangert hat (unsere Resümees) - die Lage für die in Amerika so diskursbestimmenden Thinktanks wird damit schwieriger, schreibt Daniel W. Drezner in politico.eu. Dennoch glaubt Drezner an einen paradoxen Wiederaufstieg von Thinktanks durch Trump: "Je häufiger sich der Kongress den Vorlagen der Trump-Regierung widersetzt, desto mehr wird er sich auf Think Tanks wie New America als Reservoirs von Fachwissen  stützen, um schlechte Vorlagen zu bekämpfen. Zeitungen und NGOs entdeckten, dass der Sieg Trumps ihnen neues Interesse an ihrer Arbeit einbrachte. Das gleiche Potenzial haben Thinktanks, die sich der Regierung widerstzen."

Der gefeuerte Google-Kritiker Barry Lynn ist allerdings bester Dinge, wann man Josh Marshall in Talking Points Memo glauben darf: "Ein unbeabsichtigter Effekt von Google plumpem Versuch, Barry Lynn und sein Open-Market-Programm bei New America zum Schweigen zu bringen, ist, dass Googles Monopolmacht und die skrupellose und unsympathische Art, sie durchzusetzen, nun in hellem Licht erstrahlt. Zum Glück ist Lynns Gruppe auf den Füßen gelandet, mit neuen und sogar größeren Finanzquellen."

Lynn meldet sich in der sehr bunt und effektsicher designten Seite citizensagainstmonopoly.org zurück (Screenshot).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2017 - Internet

Gestern zirkulierte die New-York-Times-Meldung, dass ein Google-kritischer Autor aus einem von Google mitfinanzierten Thinktank, der New America Foundation, gefeuert wurde (unser Resümee). In Netzpolitik resümiert  Simon Rebiger die Geschichte. Bei Gizmodo meldet sich die Journalistin Kashmir Hill zu Wort, die nur bestätigen kann, dass Google Druck auf Google-kritische Autoren ausübt: Sie wollte in Forbes im Jahr 2011 eine Geschichte darüber publizieren, dass Google Verlegern bessere Platzierungen in der Suche gäben, wenn sie ihre Artikel mit dem Google-Plus-Signet zum Teilen versehen. So erzählten es Google-Marketing-Leute in einem Treffen mit Forbes-Redakteueren. Hill machte nach mehren Nachfragen daraus eine Geschichte - die nicht lange publik blieb: "Google stellte die Akkuratheit des Berichts niemals in Frage. Stattdessen sagte mir ein Google-Sprecher, ich solle die Story zurückziehen, weil das Treffen vertraulich gewesen sei und die Information unter eine Verschwiegenheitsklausel falle (aber ich hatte nie eine solche Vereinbarung unterzeichnet, mir war nicht gesagt worden, dass das Treffen vertraulich sei, und ich hatte mich als Journalistin zu erkennen gegeben)." Hill bedauerte damals zwar, ihren Arbeitgeber durch die Geschichte in Verlegenheit gebracht zu haben, aber "da ich vor der Publikation mit dem Google- PR-Team gesprochen hatte, und die Geschichte in der Welt war, dachte ich, es sei besser, die Geschichte so stehen zu lassen. Am Ende zog ich die Geschichte allerdings nach dauerhaftem Druck durch meine Chefs zurück, eine Entscheidung, die ich immer bereuen werde. Forbes möchte diese Geschichte nicht kommentieren."
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