9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.02.2017 - Internet

Julia Krüger liest bei Netzpolitik noch einmal gründlich Mark Zuckerbergs Manifest über die Rolle von Facebook in einer globalisierten Gesellschaft (unser Resümee). Sie begrüßt, dass er Zensur ablehnt und liest seine Vorschläge für eine soziale Community mit Interesse, hat aber einen Haupteinwand: "Kämen die Vorschläge zur Einordnung von Inhalten in einer Art Weltbilder-Matrix aus den Händen einer transparenten, dem Gemeinwohl verpflichteten Institution, könnten sie wohl Wesentliches leisten zur politischen Bildung und Medienkompetenz. Doch Facebook trug bislang eindeutig zur Verstärkung von Echokammern und zur Verbreitung von Fake News bei, ein Aspekt, den Zuckerberg vollständig verschweigt. Die systematische und intransparente Reduktion der Varianz von Inhalten im Newsfeed, kombiniert mit manipulativem Targeting der Nutzer, verschärfte die Polarisierung der Diskursräume entscheidend."
Stichwörter: Facebook, Mark Zuckerberg

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2017 - Internet

Christian Meier hat für die Welt Mark Zuckerbergs Manifest gelesen, in dem der Facebook-Gründer seine Vision von einer globalen Community formuliert: "Zuckerberg stemmt sich mit dem gesamten Text gegen die zuletzt dominierende Lesart, dass aus der Utopie des Netzes eine Dystopie geworden ist. All die Visionäre wie Web-Erfinder Sir Tim Berners-Lee oder John Perry Barlow, der die 'Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace' formulierte, wurden von Schwarzsehern wie Jaron Lanier und Evgeny Morozov an den Rand gedrängt. Zuckerberg predigt gewissermaßen das Hohelied der Inklusion. Nicht zufällig zitiert er an einer Stelle einen Geistlichen. Er zitiert auch Abraham Lincoln, der zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges sagte: 'Wir können nur gemeinsam erfolgreich sein.' Und: 'Weil unsere Situation neu ist, müsen wir neu denken, neu handeln.'"

Im Guardian reagiert Anne McElvoy zwiegespalten auf das Facebook-Manifest: "Businessfolk who enter the political arena need to do something that does not come easily. They need to look at themselves and their creations not just as their fans or shareholders see them, but from the viewpoint of what they threaten - and how that can be changed. A striking omission in Zuckerberg's letter is acknowledgment that the dominance of new media tech platforms is a structural threat to smaller publishers - not just niche ones, but players from the BBC to the Guardian, on both sides of the Atlantic. .... Where does public-interest journalism figure in their model and what is their view on how to support it?"

Facebook versucht auch gerade, etwas gegen Terrorwerbung und Hetze in seinem Netzwerk zu tun, droht dabei aber an seinen Widersprüchen zu scheitern, berichtet in der Zeit Eva Wolfangel: "So könnte es sein, dass die Beteiligten den Vorwurf fürchten, hier Nutzer auszuspähen. Schließlich setzt Facebook im Rahmen des Projekts sein Wissen über individuelle User ein. Deren Anfälligkeit für islamistische oder rechtsradikale Inhalte errechnet ein Algorithmus aus den Datenspuren, die bei Interaktionen im Netzwerk hinterlassen wurden. 'Wir haben verschiedene Methoden ausprobiert, um die gleichen Menschen im Netz zu finden, die auch der 'Islamische Staat' findet', erklärt Amanullah das Prinzip - und zwar, bevor sie abtauchen. Wer laut Algorithmus für Hassbotschaften anfällig zu sein scheint, dem wird Gegenrede in seinen Nachrichtenstrom eingeblendet. Etwa Warnungen von IS-Aussteigern oder aktuelle Informationen gegen rechte Hetze. ... Aber ist das nicht Manipulation, wenn die Nutzer glauben, das zu bekommen, was sie gesucht haben, aber genau das Gegenteil erhalten?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.02.2017 - Internet

Mark Zuckerberg hat auf Facebook ein riesiges Manifest veröffentlicht, in dem er vor allem eines klar macht: dass er uns mit Facebook nicht in Ruhe lassen wird: "In Zeiten wie diesen ist das wichtigste, was wir bei Facebook tun können, eine soziale Infrasstruktur zu entwickeln, die den Menschen die Fähigkeit gibt eine für uns alle funktionierende globale Community zu entwickeln." Ach, gäbe es nur eine Alternative zu Facebook! Ein Resümee von Zuckerbergs Beitrag findet sich bei sueddeutsche.de.
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Stichwörter: Facebook, Mark Zuckerberg

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.02.2017 - Internet

Wenn eine Unternehmensseite auf Facebook angeklickt wird, kann man immer zuverlässiger davon ausgehen, dass das Unternehmen bezahlt hat - eine virale Verbreitung von Facebook-Postings wird immer seltener, schreibt Netzökonom Holger Schmidt. "Entsprechend erhöhen auch die Unternehmen ihr Engagement. '2015 haben die Unternehmen etwa 30 Milliarden Dollar in Social-Media-Werbung investiert. 2016 waren es etwa 50 Milliarden Dollar', schätzt Robert Lang, CEO von Socialbakers... Der Anteil der Impressions, die von den Unternehmen bezahlt wurden, ist in diesem zwei Jahren von 52 auf 83 Prozent gestiegen. Und dann noch eins: "Allerdings profitieren nur zwei Online-Unternehmen von dem Boom. In den USA sind zuletzt etwa 60 Prozent des Wachstums im Online-Werbemarkt an Google geflossen, 40 Prozent an Facebook. Der gesamte Rest stagniert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.02.2017 - Internet

In der Berliner Zeitung ist Melanie Reinsch einigermaßen empört, dass deutsche Richter keinen Schimmer von Facebook haben. Konkret geht es um den Fall des Syrers Anas Modamani, dessen Fotos mit Angela Merkel auf Facebook mit nie begangenen Straftaten verknüpft wurden, Facebook diese Einträge jedoch nicht löschen will. In der Verhandlung musste den Richtern erst mal erklärt werden, wie Facebook funktioniert: "Es geht nicht darum, dass ein Richter Facebook 'nutzt', seine Urlaubsfotos hochlädt, seine Zustimmung oder Ablehnung von Einträgen durch Smileys kundtut oder sich mit Verve an Debatten in den Kommentarspalten beteiligt. Man kann aber durchaus erwarten, dass ein Richter, der Recht in einem Prozess sprechen soll, der deutschlandweit Aufsehen erregt und der weitreichende Folgen für den künftigen Umgang mit sozialen Netzwerken haben kann, sich ein Grundlagenwissen zulegt, was ihn ermächtigt, ein faires Urteil zu sprechen."
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.02.2017 - Internet

Ein interessantes Interview führt Valerie Höhne für die taz mit Benedikt Franke, der die Plattform Helpling zur Vermittlung von Reinigungskräften gegründet hat und sich gegen den Vorwurf wehrt, mit der neuen Art dieser Vermittlungs- und Plattformökonomie neue Ausbeutungsverhältnisse zu schaffen: "Jeder, der Vollzeit als abhängig Beschäftigter in der Dienstleistungsbranche tätig sein will, kann morgen irgendwo anfangen. Wir spezialisieren uns mit Helpling auf den Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen. Dieser Markt ist heute zu 80 Prozent ein Schwarzmarkt. Sie kritisieren, dass wir nicht als Arbeitgeber auftreten. Wir holen aber mit unserem Angebot Tausende Menschen aus der Schwarzarbeit und legalisieren ihre Arbeitsverhältnisse. Das hat vor uns in diesem Ausmaß noch niemand geschafft."
Stichwörter: Plattformökonomie

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.02.2017 - Internet

Die großen Internetuntenehmen haben die Struktur des Netzes, das auf Links basiert, schon weitgehend zentralisiert - viele nutzen das Netz nur noch per App auf dem Mobilfon. Nun machen zwei Gerichtsurteile Webseiten und Nutzer für Links verantwortlich, die sie auf andere Seiten setzen, zum Beispiel wenn diese Seiten Urheberrechtsverstöße enthalten. Svenja Bergt warnt in der taz vor einer Fragmentierung des Netzes: "Wenn Abmahnanwälte erst einmal das Potenzial der Entscheidungen erkannt haben und sich herumspricht, dass ein arglos gesetzter Link ziemlich teuer werden kann, beginnt der vorauseilende Gehorsam. Wer einen teuren Rechtsstreit vermeiden will, wird auf Links verzichten. Und wenn diese Auswirkungen nicht von anderen Gerichten mit gegenteiligen Entscheidungen gestoppt werden, dann werden die Urteile zum letzten Baustein. Zum letzten Baustein, der eine Entwicklung, die sich schon seit einigen Jahren abzeichnet, beschleunigt und schließlich zum Ende bringt. Und bei der das Netz immer mehr in Einzelteile zerfällt."

Außerdem: Zum Thema Fake News regt der Medienwissenschaftler Karl-Heinz Ladeur im Interview mit René Martens in der taz Schiedsgerichte an.
Stichwörter: Internet, Hyperlinks, Links

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.01.2017 - Internet

Während Carta-Autor Till Wäscher den amerikanischen Fernsehsendern zwar durchaus einen Anteil am Wahlsieg Donald Trumps zuspricht -  sie widmeten ihm teils dreimal so viel Sendezeit wie Hillary Clinton, weil er Werbeeinnahmen brachte -, geht er  bei Carta doch lieber kritisch mit den Internetplattformen ins Gericht - sie sind ihm nicht reguliert genug: "Trump benötigt die tech companies, insbesondere Google, Twitter und Facebook, da sie neben ihrer geostrategisch nicht zu unterschätzenden Bedeutung als nahezu komplett unregulierte Ökosysteme die Verbreitung seiner 'alternativer Fakten' ermöglichen. Nur durch die sozialen Netzwerke konnten Krawalljournalismus-Seiten wie Breitbart und The Gateway Pundit eine größere Leserschaft erreichen -und deren Vertreter schließlich im Pressekorps des Weißen Haus landen."

Gegen mehr Regulierung spricht sich dagegen  Markus Reuter in Netzpolitik aus, auch weil es in Deutschland bisher gar nicht so häufig zu "Fake News" gekommen sei: "Die meisten Falschmeldungen hierzulande kommen aus dem fremdenfeindlichen Spektrum und sind Versuche, Ausländer und Geflüchtete als Kriminelle darzustellen. Gesammelt werden sie unter anderem von einer Initiative, die auf Hoaxmap.org diese Fake News dekonstruiert. In der teilweise hysterisch geführten Diskussion kommt erschwerend hinzu, dass der Begriff der Fake News mittlerweile zum Kampfbegriff mutiert ist, den alle Seiten benutzen, um ihnen nicht genehme Nachrichten zu diskreditieren."
Stichwörter: Fake News

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.01.2017 - Internet

Correctiv-Chef David Schraven verteidigt gegenüber Stefan Winterbauer von Meedia das  - vorerst nicht bezahlte - Engagement des von einer Stiftung finanzierten Recherchedienstes bei Faceboook, wo es "Fake News" kenntlich machen soll: "Wir arbeiten nicht für Facebook, sondern auf Facebook. Wir kümmern uns darum, dass Lügen und Falschmeldungen als solche markiert werden. Das ist eine Kernaufgabe von Journalismus, vielleicht sogar der zentrale Kern." Definitionsschwierigkeiten hat er nicht: "Im Kern geht es aber darum, dass wir nicht nach Meinungen suchen, sondern nach nachprüfbaren Fakten. So etwas wie: Die Kirche wurde angesteckt. Das kann man nachprüfen und wenn die Kirche noch unbeschädigt da steht, war es eine Lüge."
Stichwörter: Correctiv, Facebook, Fake News

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.01.2017 - Internet

Adrian Lobe widmet sich heute in der NZZ dem Internet der Dinge und den damit entstehenden neuen Überwachungsmöglichkeiten: "Durch das Internet der Dinge spannt sich ein neuer Kontrollraum auf, ein digitales Panoptikum, in dem der Mensch nur eine unter vielen Maschinen ist. Jede Regung, jeder Blick wird registriert. Man kann freilich gar nicht so viele Überwachungskameras installieren, wie nötig wären, um ein lückenloses Bewegungsprofil eines Menschen zu erstellen. Also überwacht sich der zu Überwachende selbst - zum Beispiel mithilfe eines vernetzten Lautsprechers. Der Bürger wird, wie es Michel Foucault in 'Überwachen und Strafen' beschrieb, zum Komplizen seiner eigenen Polizeigewalt."
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