9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2022 - Internet

Vor einem Jahr verkündete Mark Zuckerberg groß, dass mit seinem "Metaverse" die Zukunft anbricht. Aber seine "virtuelle Realität" hat sich bisher nicht realisiert, im Gegenteil, berichtet Steve Rose im Guardian. Zuckerberg hat gerade 11.000 Mitarbeiter seines Konzerns entlassen: "Die Kassenschlager Facebook und Instagram verlieren Marktanteile und Nutzer der Generation Z an frischere Konkurrenten wie TikTok und Snapchat. Apples Änderungen am Datenschutz im letzten Jahr haben ebenfalls die Einnahmen dezimiert - die Einführung einer 'ask not to track'-Option auf iPhones hat Facebook effektiv um die lukrativen Daten gebracht, die es für gezielte Werbung nutzt. In der Zwischenzeit hat Meta bis heute unglaubliche 100 Milliarden Dollar in die Forschung und Entwicklung von Metaversen investiert, 15 Milliarden Dollar allein im letzten Jahr - und hat offenbar wenig vorzuweisen."
Stichwörter: Facebook, Metaverse

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.12.2022 - Internet

Twitter war so etwas wie das chaotische, aber doch höchst lebendige Hirn einer mit sich selbst diskutierenden Welt. Nun wird es zum Spielzeug eines durchgedrehten Milliardärs, schreibt Hendrik Wiedwulit für die FAZ. Aber ist Mastodon eine Alternative? "Die Welt von Mastodon wirkt etwas plüschig, aktivistisch und kommunenhaft. Sie fußt auf einer föderalen, anarchistischen und anti-datenkapitalistischen Idee: An die Stelle profitorientierter, zentral verwalteter Plattformen mit unstillbarem Aufmerksamkeitshunger und zahlungskräftigen Werbekunden tritt eine 'Föderation' (Federation) von Servern und bildet so das 'Fediverse'. 'Die Allgemeinheit' soll diese Plattformen steuern, so, wie sich Idealisten das schon lange vorstellen. Doch in der Realität regieren die Server-Administratoren - nach eigenen Regeln."
Stichwörter: Twitter, Mastodon, Soziale Medien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.12.2022 - Internet

Hate Speech ist auf Twitter seit der Übernahme durch Elon Musk drastisch angewachsen, berichten Sheera Frenkel und Kate Conger in der New York Times unter Bezug auf Studien verschiedener Organisationen: "Konten, die Twitter früher regelmäßig entfernt hat - wie etwa solche, die sich als Teil des Islamischen Staates zu erkennen gaben und die verboten wurden, nachdem die US-Regierung ISIS als Terrorgruppe eingestuft hatte - sind wieder aufgetaucht. Konten, die mit QAnon, einer weit verbreiteten rechtsextremen Verschwörungstheorie, in Verbindung gebracht werden, haben für den Verifizierungsstatus bei Twitter bezahlt und diesen erhalten, was ihnen einen Anschein von Legitimität verleiht. Diese Veränderungen sind alarmierend, sagen die Forscher und fügen hinzu, dass sie noch nie einen so starken Anstieg von Hassrede, problematischen Inhalten und ehemals gesperrten Konten in einem so kurzen Zeitraum auf einer Mainstream-Social-Media-Plattform gesehen hätten."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2022 - Internet

Es hat sich durch die Übernahme von Elon Musk herausgestellt, dass Twitter ein kapitalistisches Unternehmen ist. Nun bleiben nur noch die Alternativen des "Fediverse", des "Universums der föderierten Netzwerke", insistiert der Netzaktivist Ulf Schleth in der taz. Daran mäkeln aber prominente Linke mit Iphone herum. Die Twitter-Alternative Mastodon sei etwas für Nerds, hat Sascha Lobo etwa gesagt. Und "selbst Georg Diez von The New Institute, wo nichtkommerzielle Plattformen gefordert werden, schreibt, Mastodon funktioniere nur 'sehr holprig'. Beides Falschaussagen, aber woher kommen sie? Dezentrale, föderierte Netzwerke funktionieren anders als die bekannten Plattformen, Nachrichten können mal eine Weile brauchen, bis sie rund um die Welt sind, wenn sie nicht auf einem Server liegen." Mastodon, das Lastenfahrrad unter den sozialen Netzen.

Äh, und dann noch diese Meldung, gefunden (über Twitter natürlich) bei axios.com. Musk rudert zurück: "Ye, früher bekannt als Kanye West, wurde von Twitter suspendiert, nachdem er am Donnerstagabend ein Bild mit einem Hakenkreuz in einem Davidstern gepostet hatte, teilte Elon Musk mit."

Stichwörter: Mastodon, Fediverse, Twitter

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2022 - Internet

Twitter mag nicht ideal gewesen sein, aber ein Zusammenbruch von Twitter wäre ein weiterer Schaden an jener neuen Öffentlichkeit, die erst durch das Internet entstanden ist, schreibt Goerg Diez in seiner taz-Kolumne: "Die alte Macht, Verlage, Fernsehsender, aber auch Parteien, Regierungen, Staaten bis zu autokratischen Regimen, standen einer neuen Macht gegenüber, die schwer zu definieren war und sich erst nach und nach fand: Da waren Menschen, die Revolutionen antrieben, da waren Stimmen, die eine Reichweite bekamen, die größer war als alle traditionellen Medien im jeweiligen Land zusammen. Es geriet etwas, buchstäblich, in Bewegung: Seit etwa 2010 war das Zeitalter der sozialen Medien auch das Zeitalter der sozialen Bewegungen, vom Arabischen Frühling 2011 über #MeToo 2017 bis zu #BlackLivesMatter 2013 und vor allem seit 2020 nach dem Tod von George Floyd."
Stichwörter: Twitter, Metoo, Soziale Medien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2022 - Internet

In der SZ macht sich der Fernsehmoderator Micky Beisenherz (300.000 Follower bei Twitter) wenig Sorgen um die Twitterer: "Unser Narzissmus ist ein helles Licht - und es ist dieses Licht, das uns, komme, was wolle, immer wieder zusammenführen wird!" Zur Not eben bei Mastodon.

Elon Musk hat durch eine Twitter-Abstimmung, an der sich ein winzige Minderheit beteiligte, durchsetzen lassen, dass Donald Trump wieder twittern darf - der ziert sich noch. Nebenbei ist eine andere Regeländerung kaum aufgefallen, schreibt Markus Beckedahl in Netzpolitik. "Negative Tweets", also solche, die früher als Hate Speech bezeichnet wurden, sollen per Algorithmus degradiert werden. Beckedahl glaubt nicht dran: "Das ist natürlich ein Versprechen, das er zumindest für den Moment gerne geben kann, denn Werbetreibende gibt es ja kaum noch. Aber es stellen sich natürlich viele weitere Fragen: Wer ist denn vom Personal noch übrig, um diese Regeln durchzusetzen, wenn drei Viertel der Belegschaft schon gekündigt ist und gekündigt hat? Ist das neue Modell auch konform mit den kommenden Regeln des Digital Services Act (DSA), koharänte und nachvollziehbare Moderationsregeln anbieten zu müssen? Was ist mit den zahlreichen 'negativen Tweets' von Musk, werden die jetzt auch auf digitale Trampelpfade geschickt?"
Stichwörter: Twitter, Musk, Elon, Mastodon

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2022 - Internet

Elon Musk und Mark Zuckerberg erträumen sich die sozialen Medien als Dorfplatz. Das suggeriert friedliches Beisammensitzen und Plauschen auf einer Parkbank, aber der Dorf- oder Marktplatz war so idyllisch nie, meint Joshua Beer in der SZ. "Forschende an der Medizinischen Universität in Wien - Abteilung: Wissenschaft komplexer Systeme - legten 2020 in einer Studie dar, wie Menschen sich übervernetzen. In sozial ausbalancierten Gesellschaften stärke Konnektivität den Zusammenhalt nur bis zu einem kritischen Schwellenwert, darüber hinaus 'zerfällt Gesellschaft in Gruppen von Individuen, die untereinander positive Verbindungen und zwischen den Gruppen negative haben'. Ein Weg aus der Fragmentierung sei es, 'die Anzahl der Interaktionspartner zu reduzieren (social distancing)'." Das ginge über die Twitter-Alternative Mastodon, so Beer.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2022 - Internet

Da Elon Musk Twtter zu zerstören droht, muss sich die Öffentlichkeit nach Alternativen umsehen. Johannes Drosdowski fragt in der taz, ob mit der Open-Source-Idee eine ähnlich lebendige Szenerie entstehen kann und erklärt den Dienst Mastodon, zu dem viele Twitter-Nutzer abgewandert sind, und das "Fediverse", in dem sich Mastodon mit anderen alternativen Diensten verbindet. Noch klingt, was er über Mastodon erzählt, ein wenig trocken aktivistenhaft: "Die Server dieses Dienstes werden von vielen Einzelpersonen und Gruppen betrieben und betreut. Sie werden Instanzen genannt und wer sich auf Mastdon rumtreiben will, muss sich bei der Registrierung für eine Instanz entscheiden. Manche dieser Instanzen haben ein bestimmtes Interessengebiet, das die Teilnehmenden teilen, sind regional oder bieten Schutzräume etwa für LGBT*QI. Die Instanzen sichern auch, dass die Last des Dienstes auf vielen verschiedenen Schultern ruht."

In der New York Times schreibt Yoel Roth, ehemals Chef von "Trust and Safety" bei Twitter, der nach der Übernahme durch Elon Musk gekündigt hat. Noch hält das alte System der Sicherungen, wenn auch notdürftig: "Die Werbetreibenden haben bisher die stärkste Rolle dabei gespielt, die Ambitionen von Herrn Musk in Bezug auf die Meinungsfreiheit zu bremsen. Solange 90 Prozent der Einnahmen des Unternehmens aus Anzeigen stammen (wie es der Fall war, als Musk das Unternehmen kaufte), hat Twitter kaum eine andere Wahl, als so zu agieren, dass die Einnahmequellen, die das Unternehmen am Leben erhalten, nicht gefährdet werden. Dies hat sich bereits jetzt als Herausforderung erwiesen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.11.2022 - Internet

Man fragt sich ja fast, ob Elon Musk von Putin geschickt wurde, um Twitter zu zerstören - oder von den Mullahs, denn Twitter ist für die iranische Protestbewegung sehr wichtig. Alex Heath and Mia Sato informieren bei The Verge über den deprimierenden neuen Stand: Musk stellte dem Rest des Personals per Google Vote ein Ultimatum: Entweder sie machen bei "Twitter 2.0" mit, oder sie gehen. "Twitter hatte vor dem Stichtag am Donnerstag noch etwa 2.900 Mitarbeiter, da Musk bei seinem Amtsantritt kurzerhand etwa die Hälfte der 7.500 Mitarbeiter entließ und spontane Kündigungen folgten. Verbleibende und ausscheidende Twitter-Mitarbeiter sagten gegenüber The Verge, dass sie angesichts des Ausmaßes der Entlassungen in dieser Woche davon ausgehen, dass die Plattform bald zusammenbrechen wird. Einer sagte, dass sie 'legendäre Ingenieure' und andere, zu denen sie aufblicken, einen nach dem anderen haben gehen sehen."

Hannah Murphys Artikel in der Financial Times lässt ebenfalls nur den Schluss zu, dass hier ein Terminator am Werk ist: "Musk warnte vergangene Woche auch die Mitarbeiter, dass ein Konkurs nicht ausgeschlossen sei. 'Wie macht man ein kleines Vermögen in den sozialen Medien? Fang mit einem großen an', twitterte Musk, als die Kündigungen eintrudelten. In der Zwischenzeit wird Musk von Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt verstärkt unter die Lupe genommen." Mehr zum Thema bei Reuters.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2022 - Internet

Der Soziologe Armin Nassehi macht es mal anders als alle anderen und schimpft in der Zeit nicht einfach über die sozialen Medien, sondern denkt über sie nach. Besonders interessiert ihn natürlich vor dem aktuellem Hintergrund, wie Twitter funktioniert, das Elon Musk zu demontieren droht. Nassehi bleibt trotzdem: "Twitter dürfte die Plattform sein, in der die Logik der sozialen Medien am deutlichsten sichtbar wird: Es sieht in der Kommunikation so aus, als setze man etwas in die Welt und bekomme darauf Antwort. Oder man antwortet selbst, und es sieht aus wie ein Zwiegespräch. Aber es sieht nur so aus, denn jegliche Form der Kommunikation auf Twitter lebt davon, dass es stets einen dritten Adressaten gibt, die Beobachterposition: Man sieht den anderen beim Zusehen zu. Man beobachtet Beobachtungen." Und übrigens: "Auf Twitter stoße ich auf Dinge, die ich nicht gesucht habe. Ich hätte sie aber gesucht, hätte ich gewusst, dass es sie gibt. Das ist eins der produktivsten Urteile, die man über ein Ärgernis formulieren kann." Genauso hat man früher über Zeitungen geredet.