9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Explosionsgefahr weiter erhöht

16.07.2024. Stehen die USA kurz vor einem Bürgerkrieg? Die Parallelen mit dem Jahr 1860 sind jedenfalls beängstigend, meint in der SZ der Historiker Manfred Berg. Trump wird nach dem überlebten Attentat von seinen Anhängern wahlweise als Märtyrer oder Messias gefeiert, wissen FAZ und taz. Europas rechte Parteien marschieren mitnichten im Gleichschritt, stellt der Historiker Volker Weiss in der SZ fest, stattdessen versinken sie im Chaos. Die Architekturschule der Columbia University hat sich seit dem 7. Oktober "zum Mekka des institutionalisierten Israelhasses" entwickelt - überraschend ist das nicht, meint die taz.

Elektrisierender Trotz

15.07.2024. Die deutschen Zeitungen sind sich sicher: Das Bild vom blutigen Donald Trump, der seinen Anhängern "kämpft" zuruft, hat die amerikanischen Präsidentschaftswahlen entschieden. Die FAZ findet allerdings, dass die Demokraten zu wenig über die Motive der Trump-Anhänger diskutieren. In der Welt fragt Hubertus Knabe, warum sich so viele Menschen im Osten im Ukraine-Konflikt auf die Seite Putins schlagen. In der SZ plädiert der Politologe Christian Stecker für ein neues Wahlsystem, das die AfD aus dem Rennen werfen soll: Damit will er die Akzeptanz der Demokratie erhöhen. In der FAZ fragt Kurator Heiner Bastian fassungslos, warum die Stiftung Preußischer Kulturbesitz tatenlos den Verkäufen der wichtigsten Werke aus der Sammlung Marx zusieht.

Große Mengen Text

13.07.2024. In der FAS macht Laidlaw Peringanda vom "Swakopmund Genocide Museum" in Namibia einen Vorschlag für die Wiedergutmachung deutscher Kolonialverbrechen. Die FAZ hat schlechte Nachrichten aus der Welt des Musiktheaterbaus: Die Dinger sind recht teuer. Die taz arbeitet sich am alten Gegensatzpaar von "Lechts" und "Rinks" ab - mit unklarem Ergebnis. Ebenfalls in der taz spricht der palästinensische Demokratie-Aktivist Hamza Howidy über die internationale Solidarität mit der Oppostion im Gaza-Streifen: Es gibt keine.

Sachlich, pragmatisch, bürgernah

12.07.2024. Wer immer noch glaubt, die AfD sei zwar rechts, aber nicht rechtsextrem, dem rät die taz: Besuchen Sie doch mal eine  Sonnenwendfeier in Strahwalde, Oberlausitz, oder auch in Eschede, Niedersachsen. Auf die Frage, warum deutsche Medien nie über moderate pro-palästinensische Demonstrationen berichten, antwortet der Tagesspiegel: Weil es keine gibt. FAZ und Ruhrbarone fragen: Ist der Liberalismus erledigt? Und Hubertus Knabe erinnert  in seinem Blog an eine"Brandmauer", die einst von der SPD eingerissen wurde.

Auf die Erde stürzen und verglühen

11.07.2024. In der FAZ blickt Amir Hassan Cheheltan skeptisch auf den Wahlsieg des "Reformers" Massud Peseschkian im Iran. Die taz gratuliert der Nato nicht zum 75. Geburtstag, denn es gibt keinen Anlass zum Feiern, meint sie. In der Zeit warnt Clemens J. Setz vor Elon Musks neuen Starlink-Satelliten, die die Ozonschicht in kürzester Zeit zerstören könnten. Ebenfalls in der Zeit blickt die Autorin Anne Rabe zurück auf die Regierungszeit Angela Merkels.

Lernen zu verhandeln

10.07.2024. Putin schießt gern auf Kinderkrankenhäuser. In der FAZ beschreibt der amerikanische Künstler Clemens Poole, der in Kiew lebt, die Zerstörung der Ochmatdyt-Klinik. In Le Monde holt der Politologe Frédéric Sawick die französische Linke auf den Boden der Tatsachen zurück: Mit dem "Volk" hat sie nicht viel zu tun - das wählt extrem rechts. In der Welt antwortet der Historiker Gadi Taub auf  Etgar Keret, der Krieg mag Netanjahu nutzen - aber er wird von den Israelis auch befürwortet. Amerikanische Medien wussten von Joe Bidens Gesundheitszustand, aber sie berichten erst jetzt, konstatiert die FAZ.

Ziele in der Dreimillionenstadt

09.07.2024. Während Putin die Kinderkrankenhäuser von Kiew bombardiert, wird diese Woche die Nato tagen - wird sie die Ukraine aufnehmen, fragt Richard Herzinger. Überrascht waren sie alle von der zweiten Runde der französischen Wahlen - wir bringen erste Analysen. In der SZ fordert der Islamwissenschaftler Mathias Rohe Prävention gegen Islamismus schon in der Schule. In der Welt schildert Alan Posener die kognitiven Dissonanzen des Postkolonialismus.

Das parlamentarische Zerbröseln

08.07.2024. In Frankreich hat in der zweiten Runde der Parlamentswahlen die Neue Volksfront überraschend stark abgeschnitten - die FAZ wirft einen ersten Blick auf die Ergebnisse. Ist der "Wolfsgruß", den viele Türkei-Fans beim Viertelfinale der EM zeigten eher harmlos? Ja, meint Deniz Yücel in der Welt, nein meint Eren Güvercin bei NTV. Die Erben des Sammlers Erich Marx haben wichtige Werke aus dem Hamburger Bahnhof abgezogen, und SPK-Chef Hermann Parzinger hat es einfach geschehen lassen, so die FAZ.

Haben sie wirklich die Nase voll?

06.07.2024. In der SZ kann sich A.L. Kennedy nicht über den Ausgang der Wahl in Großbritannien freuen - denn die Populisten um Nigel Farage sind auf dem Vormarsch. Emmanuel Macron hat die politische Mitte in Frankreich zerstört, hält der Politikwissenschaftler Olivier Roy in der FR fest. Macron steht jetzt ganz alleine da, meint die FAS. Rechtsextreme müssen ausgegrenzt werden, wo es geht, ruft der Populismusforscher Jan-Werner Müller in der taz. Angesichts dessen, was uns in Zukunft durch die KI droht, wäre Panik angebracht, meint Daniel Kehlmann in der SZ.

Vorgeblich tolerant

05.07.2024. Am Sonntag findet in Frankreich der entscheidende zweite Wahlgang der Nationalwahlen statt, der die extreme Rechte an die Macht bringen könnte: Wer und was hat Frankreich dahin gebracht, fragen die Medien. Seit 25 Jahren gibt es jenes Ministerium, "das so nicht heißen darf": Die FAZ blickt auf ein Vierteljahrhundert Bundeskulturpolitik. Und alle Zeitungen fragen: Rettet Tiktok den Buchmarkt?