9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Eine unheilige Allianz

22.05.2025. Es sieht ganz danach aus, als wolle die israelische Regierung die Palästinenser zwangsumsiedeln, meint der israelische Rechtsanwalt Michael Sfard in einem Kommentar für Haaretz, den die FAZ abdruckt. "Antisemitismus wird von Parteien und Organisationen immer dann kritisiert, wenn es ins eigene Narrativ passt", kritisiert der neue Präsident der Jüdischen Studentenunion Ron Dekel im taz-Interview mit Blick auf die Links-Partei. Der Kurator und Filmemacher Hans-Peter Riegel erklärt im Welt-Interview das haarsträubende Geschichtsbild der Anthroposophen.

Gerechtigkeit nur mit minimalen Kosten

21.05.2025. Die Linke braucht wieder eine Vorstellung von nationaler Gemeinschaft, wenn sie den Rechten das Wasser abgraben will, meint Kenneth Roth, ehemaliger Director von Human Rights Watch, in Foreign Policy. Wenn die linke Brandmauer fällt, dann fällt auch die rechte, warnt die FAZ. In der NZZ erklärt der amerikanische Soziologe Musa al-Gharbi, wie leicht sich soziales Bewusstsein in Doppelmoral auflöst. In der FR warnt der Unternehmer Sebastian Klein vor toxischen Reichen.

Differenzierung, Vernunft und Menschlichkeit

20.05.2025. Erleichterung nach den rumänischen Wahlen: Die Zeitungen bringen einige interessante Analysen. Marc Knobel schreibt in La Règle du Jeu über einen Streit unter französischen Juden: Natürlich geht's um Israel. hpd.de erklärt, was "kulturell intime Fotos" sind und warum ihr Besitz in Großbritannien verboten werden könnte. Dem Abbau der Rechtsstaatlichkeit in Amerika haben Juristen leider Vorschub geleistet, meint die Historikerin und Juristin Rebecca Roiphe in Persuasion. Warum kümmern sich Christen nicht um Christenverfolgung, fragt die NZZ.

Die letzten Reste von Freiheit

19.05.2025. Die Grünen fordern einen Untersuchungsausschuss zu Angela Merkels Gaspolitik - an der waren allerdings mehr Kräfte beteiligt als Merkel, meint der SPD-Politiker Michael Roth auf Twitter. Die NZZ ist erleichtert, dass der Pro-Europäer Nicusor Dan die rumänischen Wahlen gewonnen hat. Die SZ zeichnet den Niedergang der Washington Post unter Jeff Bezos nach. Es wird weiter über die "Jerusalemer Erklärung" gestritten.

Ein gutes Klima unter Putin?

17.05.2025. Das "Zeitalter einer neuen Wirklichkeit" ist angebrochen und es wird beherrscht von "Panzermenschen" wie Trump und Musk, meint der Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit im Zeit-Online-Interview. Der Osteuropa-Historiker Oliver Jens Schmitt fragt in der NZZ, warum die massiven Proteste in osteuropäischen Ländern keinen dauerhaften politischen Wandel herbeiführen. FAZ und taz blicken auf die morgigen Wahlen in Rumänien und Polen.

Dieses Vakuum aus Phrasen

16.05.2025. Am Sonntag könnte ein Rechtsextremist zum Präsidenten Rumäniens gewählt werden - die taz erklärt, was die unaufgearbeitete Vergangenheit des Landes damit zu tun hat. In der NZZ schreibt Richard C. Schneider über die Krise der jüdischen Identität angesichts des rasenden Antisemitismus weltweit und einer israelischen Regierung, die zugleich zentrale Elemente dieser Identität preisgibt. hpd.de fragt bei deutschen Islamverbänden nach: Betrachten Sie die Fatwa der "International Union of Muslim Scholars (IUMS)", die zum Dschihad gegen "das zionistische Gebilde" aufruft, als bindend? Keine Antwort.

Begründeter Alarm

15.05.2025. Big Data hat viel Ähnlichkeit mit großen Kolonialunternehmen wie der Britischen Ostindien-Kompanie, meint in der taz der Afrikanist Joel Glasman. In der NZZ flirtet der rumänische Ultranationalist und Favorit bei den Präsidentschaftswahlen George Simion mit dem Gedanken einer Monarchie in Rumänien. Die taz begutachtet den faschistischen Kampf gegen den Faschismus, der Serben und Russen eint. Bei uns träumen nicht nur Rechtsextreme von einem besonderen Verhältnis zu Russland, warnt Gerd Koenen in der Zeit. Die Bauernkriege vor 500 Jahren wären ohne neue Medien nicht möglich gewesen, schreibt Uta Ruge im Perlentaucher.

Besser als Puschkin

14.05.2025. Bestimmen die Hohenzollern die öffentliche Geschichtspolitik mit, fragt die SZ. Die taz empfiehlt der Koalition die gerade in Österreich erprobte Rhetorik der Vernünftigkeit als Mittel gegen Rechts. Der Spiegel fragt die Linke, warum sie lieber über Antisemitismusdefinitionen spricht als über Antisemitismus. Rupture-mag.fr erzählt, wie Algerier in Frankreich vom algerischen Geheimdienst unter Druck gesetzt werden. Nius veröffentlicht das Gutachten des Verfassungsschutzes über die AfD.

Die schiere Menge leuchtender Punkte

13.05.2025. Offenbar zeichnet sich ein Kompromiss im Hohenzollern-Streit ab. Die Familie darf genug Memorabilien verscherbeln, um damit Millionen zu machen - wenn auch nicht den Watteau -  und dafür in künftigen Ausstellungen über die deutsche Geschichte kräftig mit kuratieren, resümiert die FAZ. In Zeit online kritisiert Martin Puchner den Begriff der "kulturellen Aneignung". Nochmal die FAZ thematisiert mit Deborah Schnabel und Eva Berendsen von der Bildungsstätte Anne Frank die allseitige Relativierung des Holocaust. Und hpd.de stellt fest: Die Bundesregierung ist weitaus  frommer als ihr Volk.

Sogenannte dunkle Fabriken

12.05.2025. Das Treffen von Emmanuel Macron, Friedrich Merz, Keir Starmer und Donald Tusk in der Ukraine war denkwürdig. Damit es historisch wird, müssen die Politiker allerdings auch ihre Drohungen gegen Putin wahrmachen, falls er  nicht reagiert, meinen taz und SZ. Die Linkspartei hat sich bei ihrem Parteitag zur "Jerusalemer Erklärung" bekannt - Andrej Hermlin ist in der Jüdischen Allgemeinen empört darüber. Die SZ zeichnet den Weg Roger Koeppels von einem als seriös geltenden Journalisten zum haltlosen Putin-Groupie nach.