9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.11.2025. Die Brandmauer bröckelt, aber stärkt sie nicht ohnehin die AfD, fragen Philipp Manow im Stern und Jürgen Kaube in der FAZ. Darf Ahmad Mansour nach Antisemitismus bei muslimischen Schülern fragen, oder ist das nicht wissenschaftlich? Der Streit geht weiter. Streit dürfte es demnächst auch in der Linkspartei geben, wo die Jugendorganisation laut Welt einen strikt israelfeindlichen Kurs einschlägt, dem die Partei als ganze folgen soll.
03.11.2025. Herfried Münkler will unser Ruhebedürfnis ja nicht stören, aber er macht in der SZ doch darauf aufmerksam, dass die Trennlinie zwischen Krieg und Frieden zerschlissen ist. Wer den Holocaust als singulär betrachtet, ist der eigentliche Leugner, fürchten Masha Gessen und Marianne Hirsch in der New York Times. Es ist für junge Frauen nicht mehr angesagt, sich mit ihrem Freund in sozialen Medien zu zeigen, informieren taz und Vogue. In der Welt warnt Ahmad Mansour vor ostentativen religiösen Praktiken an Schulen.
01.11.2025. "Eine starke Klimapolitik schafft erst die Möglichkeit, in der Entwicklungspolitik voranzukommen", betont der Ökonom Ottmar Edenhofer im Zeit-Online-Interview als Reaktion auf einen Kommentar von Bill Gates zum Klimawandel. Die Massaker, die die RSF im Sudan begeht, kann man sogar aus dem All sehen, berichtet die taz. Die Demokratie braucht die Wirtschaft und die Wirtschaft braucht mehr Frauen, erklärt die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln im taz-Interview. Die FAS blickt auf die Freundschaft zwischen Alexandr Lukaschenko und Donald Trump, die allerdings von Putin gestört wird.
31.10.2025. In der NZZ spricht Juri Andruchowytsch über die Ukraine nach über drei Jahren Krieg. Hurra die Brandmauer steht wieder, zumindest in den Niederlanden, freuen sich die Zeitungen. Die "Gesellschaft für Freiheitsrechte" klagt für muslimische Gebete an Berliner Schulen, berichtet die hpd.de - das Problem mit dem Islamismus könne man ja mit pädagogischen Mitteln klären. Golem.de wirft einen sehr ernüchternden Blick auf China: Es hat uns überrundet, zumindest technologisch. taz und FAZ thematisieren Antisemitismus an den Uni.
30.10.2025. In der FAZ plädiert der Präsident des Verfassungsgerichtshofs Rheinland-Pfalz, Lars Brocker, für eine Ausgestaltung des Sozialstaatsprinzips durch die Gerichte - und zur Not auch für Umverteilung. The Free Press zeichnet ein Porträt der Democratic Socialists of America, denen auch Zohran Mamdani angehört. In der Zeit erinnert Moshe Zimmermann an den Mord an Izchak Rabin vor dreißig Jahren, der den Osloer Friedensprozess beendete. Dennoch gibt es stille Erfolge im Nahen Osten, meint Yuval Harari in der SZ. Die taz überlegt, warum der Klimaschutz gerade so in der Defensive ist. Die unbequeme Antwort: Zu viel Ideologie.
29.10.2025. Die islamistische RSF-Miliz hat die Stadt El Fasher im Sudan erobert und tausende Menschen getötet: Die taz hofft, dass der Rest der Welt nun endlich etwas unternimmt. Geld und Waffen für den Krieg im Sudan kommen vor allem aus arabischen Ländern, berichtet der Spiegel. Die FAZ fragt, wie das ZDF nicht merken konnte, dass einer seiner Mitarbeiter Mitglied der Hamas war. backstageclassical dokumentiert, wie Wolfram Weimer die Kultur "schwarz lackiert."
28.10.2025. Von wegen "Stadtbild". Auch die extreme Rechte funktioniert über die Eroberung von Räumen, erklärt der Rechtsextremismusforscher Daniel Mullis in der FAZ. Die NZZ erzählt, wie Spanien mit Algorithmen und einem Überwachungssystem Gewalt gegen Frauen reduziert. Jungle World fragt, warum der 7. Oktober bei einer gewissen Linken eine solche Euphorie auslöste. Dank "Blaupause" können wir hoffen, keinem "Slop" aufgesessen zu sein.
27.10.2025. Es gibt immer mehr Deutsche, die keiner geregelten Erwerbsarbeit nachgehen - die taz ist empört. In der NZZ prangert der Ökonom Branko Milanovic die wachsende Ungleichheit in der Welt an. Trump kann ganz schön raffiniert sein, meint Michael Wolffsohn ebenfalls in der NZZ. Die FAZ klärt über die Piratenflagge aus der Mangaserie "One Piece" auf. Die Welt informiert über Antisemitismus in der deutschen Nahostwissenschaft.
25.10.2025. Algerien ist nahezu unsichtbar. Aber Kamel Daoud macht es in der FAS sichtbar. Der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern besteht fort, weil er Funktionen erfüllt, schreibt der ägyptisch-amerikanische Essayist Hussein Aboubakr Mansour in der NZZ. Wehrdienst war mal nicht Zwang, sondern Partizipation, erinnert sich die SZ.
24.10.2025. Die Franzosen wollen nicht arbeiten, aber immerhin sind sie solidarisch mit denen, die an ihrer Stelle arbeiten, stellt Pascal Bruckner in der NZZ fest. Nochmals in der NZZ erklärt der Politologe Joseph Torigian, warum Xi Jinping bis heute an die Vorteile der Planwirtschaft glaubt. Die Zeitungen sind uneins über die Effekte volkstümlicher Rhetorik bei Friedrich Merz. Staatsgeld für die Zivilgesellschaft ist laut taz gut bei NGOs, laut SZ schlecht bei Wolfram Weimer.