9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Die bedeutendste Revolution

15.11.2025. Die Feuilletons klingen heute optimistisch: "Die neue Weltordnung wird die nachnationale Welt sein", ist sich der Schriftsteller Robert Menasse in der FAZ sicher. Der Soziologe Philipp Staab phrophezeit in der taz, dass sich rechte Klimawandel-Leugner nicht mehr lange vor der Realität verstecken können. Die FAS stellt derweil einen besonderen Unsympathen der Marke MAGA vor: Nick Fuentes, der die Bewegung mit seinem Antisemitismus spaltet. 

Tatvorwurf Falschparkieren

14.11.2025. Der Spiegel unternimmt einen Ausflug in die seltsame Welt der Öffentlich-Rechtlichen, wo es zu einem frechen Fernbleiben Daniel Günthers bei der Gala für den neuen NDR-Intendanten kam. Ein Gedenkstättenkonzept ohne Sichtbarmachung der Kolonialverbrechen hat heute keinen Sinn mehr, sagt der Historiker Jörg Ganzenmüller im Tagesspiegel. Jason Stanley wurde nicht zum Schweigen gebracht, er hat nur arg lang geredet, stellt Benjamin Graumann in der Jüdischen Allgemeinen klar. 

Für mich gab es keine anderen Kinder

13.11.2025. Und es gibt sie doch: Bürger, die AfD wählen, aber die durch Verbesserungen ihres Alltags für die Demokratie zurückgewonnen werden können, erklärt der ehemalige Verfassungsgerichtpräsident Andreas Voßkuhle in der SZ. Die NZZ besucht in Washington das "Milken-Zentrum für die Förderung des amerikanischen Traums" des Multimilliardärs Michael Milken. In der FAZ beklagt der Strafrechtler Michael Kubicielist die Abschaffung des Schuldprinzips durch die geplante Verschärfung des Terrorismusstrafrechts. In der Zeit fragt Ahmad Mansour, warum er eigentlich nachweisen muss, kein Muslimfeind zu sein.

Das taktische Zittern

12.11.2025. In der SZ warnt Pussy-Riot Aktivisten Maria Aljochina: Sie habe auch nicht geglaubt, dass es in Russland so schlimm kommen könnte: Aber "es wurde Realität". Die Diskussion um die BBC geht weiter - sie hat sich allerdings auf die Auseinandersetzung mit Trump verengt. Ein richtiger Eklat war die Rede von Jason Stanley in der Frankfurter Westend-Synagoge nicht, findet Ronen Steinke in der SZ, und intellektuell sei sie ein bisschen dürftig. Die Zeitungen trauern um Micha Brumlik

Tiefer Respekt für den Thron von Benin

11.11.2025. Widersprüchliche Berichte über das Museum of West African Art (MoWAA) in Benin City. Während laut SZ gestern eigentlich alles in Butter schien, auch wenn in dem unter anderem dafür gebauten Museum wohl nie Benin-Bronzen zu sehen werden, berichten taz und Zeit online über Tumulte und Chaos. Das Museum selbst bekennt sich untertänigst zum Oba von Benin. In der SZ spricht Martin Schulze Wessel über den deutschen Blick auf die Ukraine. Über die BBC wird diskutiert. Und über Martin Hikel.

Nicht alles daran ist angenehm oder einfach

10.11.2025. Vor zehn Jahren starb André Glucksmann. Marko Martin erinnert in der Welt an ihn. Die SZ erklärt, warum im neuen Museum of West African Art in Benin City die von Deutschland zurückgegebenen Benin-Bronzen fehlen. Die BBC ist in Aufruhr über sich selbst: Ihre Chefs sind wegen Vorwürfen einseitiger Berichterstattung zu Israel und anderen Themen zurückgetreten. Die Zeitungen befassen sich mit Rechtspopulismus in Deutschland, Frankreich, Amerika und Spanien. 

Dann aber wie ein unbeteiligter Passant

08.11.2025. 9. November, Gedenksaison.In der SZ schildert der  Historiker Volker Weiß, wie Gedenkstätten buchstäblich übermalt werden von aktueller Politik: Was rechts oder links ist an den Schmierereien, ist nicht immer zu erkennen. Man kann nicht gedenken, ohne die Rolle der eigenen Familie zu reflekieren, mahnt die Geschichtsinfluencerin Susanne Siegert in der FR. Die FAZ zeigt auf, wie massiv China eine europäische Universität unter Druck setzt. Der Tages-Anzeiger erklärt, warum in der Schweiz mehr Schülerinnen mit Kopftuch herumlaufen als in Kosovo.

Es ist wie in "Mad Max"

07.11.2025. Christian-Zsolt Varga beschreibt in der FAZ, wie sich der Krieg für die Journalisten durch die Drohnen verändert -  sie müssen selbst damit rechnen, zum Ziel zu werden. Nun steht ein Revolutionär gegen einen Reaktionär: Jeffrey Goldberg, Chefredakteur von The Atlantic, äußert sich nach der Wahl Zohran Mamdanis pessimistisch über die amerikanische Politik. Melanie Mühl beobachtet in der FAZ einen Auftritt Björn Höckes: Seine kältesten Sätze sagt er mit einem Lächeln. Susanne Schröter verteidigt in der Jüdischen Allgemeinen Ahmad Mansour.

KI kennt keine Emotionen

06.11.2025. Von Zohran Mamdani lernen, heißt siegen lernen, sind Zeit, SZ und taz überzeugt. Nur ein Häufchen New Yorker Juden fragt sich, ob sie jetzt noch beschützt werden. Die SZ überlegt, ob die Brandmauer vielleicht nur vor einer nervigen Wirklichkeit abschotten soll. Aber rechte Wähler lassen sich kaum zurückgewinnen, warnt der portugiesische Politikwissenschaftler Vicente Valentim in der Zeit. Russische Soldaten töten nicht nur Ukrainer, sondern auch ihre eigenen Leute, erzählt im Spiegel der Journalist Ivan Zhadajew. Die FAZ stellt das geplante Musée-mémorial du terrorisme vor, mit dem Frankreich den Terrorismus seit 1794 länderübergreifend beleuchten will.

Der Druck des radikalen Flügels

05.11.2025. "Herzlichen Glückwunsch an Zohran Mamdani", begrüßt das Editorial Board der New York Times den neuen Bürgermeister der Stadt, aber die Times macht auch darauf aufmerksam, dass es mit linken Bürgermeistern in amerikanischen Städten nicht immer gut lief. Deutsche Zeitungen fragen sich inzwischen, ob Mamdani nun der Anti-Trump ist. Es gibt gar keine Christenverfolgung in Nigeria, hat die taz herausgefunden. Der Sc-Fi-Autor Kim Stanley Robinson warnt in Zeit online davor, den Klimaschutz plötzlich nicht mehr so wichtig zu finden. In der Linkspartei wird es laut Tagesspiegel heftigen Ärger geben. Und im Perlentaucher startet Elke Schmitter eine neue Kolumne.