9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Kein Vermittler, sondern ein Verbündeter

09.06.2026. Nicht nur die Ukraine, auch ihre europäischen Partner zeigen größeres Selbstbewusstsein gegenüber Putin, freuen sich die Zeitungen. Die deutschen Yad-Vashem-Dépendancen sind, anders als Meron Mendel unterstellt, keine Agenturen der israelischen Regierung, insistiert Deborah Hartmann im Spiegel. In der Politik haben sich längst viele Männer als schwul bekannt, warum nicht im Fußball, fragt die taz. Und was ist Niedersachsen, fragt die FAZ.

Die Chance wäre gewaltig

08.06.2026. Caroline Fetscher liest für die Frankfurter Hefte das kulturpolitische Programm der AfD für die Wahlen in Sachsen-Anhalt: Man fordert mehr Russisch. Die SZ fragt, bis wann eine Frau ein Mädchen ist. Die Stadt Düsseldorf kassiert ihren Plan für einen Opern-Neubau ein: So könnte es vielen Projekten ergehen, fürchtet die FAZ. Wenn es den Iranern gelingt, ihr islamistisches Regime abzuwerfen, wird eine weltpolitische Wende eintreten, meint der Historiker Kijan Espahangizi in der NZZ.

Es ist für euer Schweigen

06.06.2026. In der FR fürchtet der belarusische Schriftsteller Alhierd Bacharevič den Dritten Weltkrieg und auch der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew schließt in der Welt nicht aus, dass Putin einen Atomkrieg einer Niederlage vorzieht. Dabei halten ihn selbst die ultranationalistischen Militärblogger für wahnsinnig, weiß der russische Journalist Iwan Filippow im Tagesspiegel. Europäische Regierungen hätten längst mit Russland verhandeln müssen, meint Angela Merkel indes in der FAS. KI wird keine Fachkraft ersetzen, nur mehr Arbeit machen, glaubt der Soziologe Florian Butollo in der SZ.

Er klimpert so mit den Augen

05.06.2026. Wer wird Frankreichs nächster Präsident? Jordan Bardella jedenfalls nicht, da ist sich der Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt im Welt-Interview ganz sicher. In der Türkei liegt die Nachfolgerin der CHP schon vor Erdogan, obwohl sie noch gar nicht gegründet wurde, berichtet Bülent Mumay in der FAZ. Ein Umzug der Zentralen Landesbibliothek an den Alexanderplatz könnte diesen verlorenen Ort vielleicht noch retten, ruft die taz. Und dass Deutschland seinen Platz im UN-Sicherheitsrat wegen seiner Israel-Solidarität verloren hat, ist keine Schande, findet die Welt

Es ist wie ein Hütchenspiel

04.06.2026. Im Interview mit FAZ und SpOn erzählt der neue ungarische Regierungschef Péter Magyar, wie es in Ungarn weitergehen soll. Wenn die Ukraine die Waffen niederlegt, wird Putin direkt in den nächsten Krieg ziehen, warnt Garri Kasparow in der Welt. Die SZ blickt auf die mit Millionen geförderte Hilfsorganisation Islamic Relief, die Beziehungen zur Muslimbruderschaft und der Hamas haben soll. Im Iran bestimmt eine kleine, extrem radikale Gruppe die Verhandlungen mit den USA, berichtet die NZZ, dabei spielen auch religiöse Erlösungsfantasien eine Rolle, ergänzt die taz.

Tanzen auf zwei Hochzeiten

03.06.2026. Die Zeit blickt nach Armenien, wo am Samstag gewählt wird und Putin kräftig mitmischt. In der SZ fürchtet der ukrainische Schriftsteller Sergey Maidukov, dass der von den Russen gesäte Hass die ukrainische Gesellschaft vergiftet. In der Welt kritisiert der Althistoriker Michael Sommer die Abhängigkeit von Drittmitteln an deutschen Universitäten.In der Zeit hält der italienische Philosoph Angelo Bolaffi die Rede vom "Faschismus" für einen "Popanz der Linken".

Berlin liefert nicht

02.06.2026. In der taz erklären der Historiker David Satter und der Schriftsteller Sergej Lebedew, weshalb Stalin in Russland seit Kriegsbeginn so beliebt ist wie nie zuvor. Ebenfalls in der taz fragt Jonathan Spangenberg, Vorsitzender des Zentralrats der Armenier in Deutschland, weshalb die EU vermehrt mit Aserbaidschan zusammenarbeitet. In der NZZ ruft Pascal Bruckner die französische Politik auf, Vincent Bollores Alleinherrschaft ein Ende zu setzen. Und im täglichen Francis-Fukuyama-Interview, heute in der FAZ, hat der Politikwissenschaftler mit Blick auf China plötzlich Zweifel, ob die liberale Demokratie wirklich alternativlos ist.

Alles Ideologen, nur wir nicht

01.06.2026. In der SZ befürchtet Francis Fukuyama, dass ein schwächelnder Trump umso gefährlicher wird. Universalismus schließt auch Juden mit ein, erinnert Klaus Lederer die Linke bei menawatch. Auf Zeit Online fordert die Historikerin Kristina Milz, dass auch der Genozid an den Armeniern Teil der deutschen Erinnerungskultur werden muss. Der russischen Armee gehen die Ressourcen aus, aber sie wird sich schneller erholen, als viele erwarten, befürchtet der Militärexperte Michael Kofman ebenfalls auf Zeit Online. Bei Spon befürchtet Meron Mendel, dass sich die israelische Regierung bei den Außenstellen der Yad Vashem-Gedenkstätte einmischen wird.  

Grundlegendes Realitätsverständnis

30.05.2026. In der Welt hält Francis Fukuyama am Ende der Geschichte fest. Das iranische Regime kann sich einen längeren Internet-Blackout nicht mehr leisten, berichtet die taz. Von Los Angeles aus unterstützt ein iranischer Tech-Unternehmer die Opposition mit geschmuggelten Starlink-Terminals, weiß derweil die NZZ. Die Welt überlegt, wie die nächsten Wahlen in Israel ausgehen könnten. Bei der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" soll in Zukunft "insbesondere" das Schicksal von deutschen Vertriebenen hervorgehoben werden, findet das Bundesinnenministerium - Zeit Online erklärt, warum das problematisch ist.  

Aus der Logik des Ortes heraus

29.05.2026. Die SZ fragt, nach den jüngsten Entwicklungen in der Türkei: "Wie Erdogan loswerden, wenn der keine demokratischen Mittel mehr zulässt?" Die taz fragt, warum die Stadt Hamburg bei der Aufarbeitung der NSU-Morde eine so blamable Rolle spielt. Auf Twitter attackiert die Exiliranerin Masih Alinedschad die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez, der es Spaß macht, sich mit Kopftuch zu zeigen. Nichts gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes, so die Welt, aber es kommt drauf an, wie.