9punkt - Die Debattenrundschau
Kognitive Schulden
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
13.09.2025. In der Welt erkennt New-York-Times-Autor James Kirchick in den Reaktionen der Rechten auf den Mord an Charlie Kirk die "Geburtsstunde einer transatlantischen Rechten". Die Welt ruft der israelischen Regierung zu: Es ist Zeit für eine Einigung. In der FAS verteidigt die Philosophin Lea Ypi die Ideale der Aufklärung gegen die postkoloniale Kritik. Und in der FAS bangt der Kulturwissenschaftler Mikhail Ilchenko um Bergkarabachs Kulturerbe.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
13.09.2025
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Politik
Der Mord an Charlie Kirk "hat eines ganz deutlich gemacht: die beispiellose ideologische Annäherung zwischen der amerikanischen und der europäischen Rechten", meint in der Welt der New-York-Times-Autor James Kirchick, der hier auch mit Blick auf Mahnwachen in London, Berlin, Madrid und Rom die "Geburtsstunde einer transatlantischen Rechten" erkennt: "Es fällt schwer, sich an eine Zeit zu erinnern, in der die amerikanische und die europäische Rechte so sehr im Gleichschritt waren. Während des Kalten Krieges waren die konservativen Parteien vor allem durch den Antikommunismus vereint. Die sogenannte 'Globalisierung' hatte noch keine Wurzeln geschlagen, und so hatten die kulturellen Themen, die heute die Politik dominieren, noch nicht die Bedeutung, die sie heute haben. Die politischen Parteien waren auch ideologisch vielfältiger (es gab etwa konservative Demokraten und liberale Republikaner), und in Europa schwächte die Dominanz der Volksparteien (wie die deutschen Mitte-Links-Sozialdemokraten und Mitte-Rechts-Christdemokraten) den politischen Extremismus ab."
In seiner SpOn-Kolumne kritisiert Sascha Lobo die Linken, die nun den Mord an dem rechtsextremen Aktivisten Kirk feiern: "Wer politische Gewalt innerhalb einer liberalen Demokratie als legitim ansieht, ist faktisch gegen die liberale Demokratie. Und zwar egal, welche politische Haltung das Opfer hat oder wie abscheulich seine Äußerungen sein mögen. Genauso abscheulich ist die Haltung derjenigen, die Mord dann akzeptabel finden, wenn es die Richtigen trifft, sprich: die anderen. (…) Die Essenz des demokratischen Linksseins … ist, an die Gleichwertigkeit aller Menschen zu glauben. Wenn man aber die Ermordung von Menschen mit menschenfeindlicher Haltung gutheißt, dann ist man selbst menschenfeindlich und stürzt damit in die autoritäre, bigotte, dunkle Sphäre des antidemokratischen Linksseins."
In ihrer FAS-Kolumne ist Ronya Othmann fassungslos, dass Syriens Interimspräsident Abu Muhammad Al-Dscholani auch nach den Massakern an den Alawiten und Drusen vom Westen noch hofiert wird. Aber klar, man hat natürlich Interessen, meint sie: "Wirtschaftliche Zusammenarbeit will man, denn da, wo viel in Grund und Boden gebombt wurde, gibt es viel aufzubauen und womöglich noch mehr zu holen. Und Flüchtlinge abschieben oder zumindest zur Rückkehr bewegen… Und zuletzt will man natürlich auch den langjährigen Freund Erdogan nicht verärgern, der mit Syrien ganz eigene Pläne hat: in erster Linie die widerspenstigen Kurden wieder unter zentralistische Herrschaft bekommen und ihr klitzekleines bisschen Autonomie zerschlagen. Dass die Kurden noch vor einer Weile gegen die Islamisten gekämpft haben, die man jetzt hofiert, ist einer der vielen Pointen unserer aberwitzigen Gegenwart."
Im FR-Interview mit Daniel Bax erklärt der britische Politikwissenschaftler Timothy Williams von der International Association of Genocide Scholars (IAGS), wie der Verband zu der Einschätzung kam, Israel begehe einen Völkermord in Gaza und geht auf die Vorwürfe ein, bei der IAGS handele es sich nicht um seriöse wissenschaftliche Institution (unsere Resümees): Ein Mitgliedschaftsbeitrag sei auch bei anderen bei anderen Wissenschaftsvereinigungen üblich - und bis vor kurzem habe es "außer für seriöse Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler keinen Grund" gegeben, Mitglied zu werden. Auch dem Vorwurf, seit dem 7. Oktober sei die Anzahl der Mitglieder von 144 auf über 500 gestiegen, widerspricht er: "Diese falsche Information geht auf eine im Netz nun kursierende Liste von Mitgliedern zurück, die zu diesem Zeitpunkt für Medienanfragen bereit standen. Wir haben diese Seite aus Sicherheitsgründen aktuell offline geschaltet. Nun kursiert die Behauptung, das sei eine alte Mitgliederliste gewesen. Das ist falsch. Zu dem Zeitpunkt hatten wir zwischen 500 und 600 Mitglieder - also ähnlich viele wie zum Zeitpunkt unserer letzten Resolution."
Mit Kräften wie der Hamas "kann man nur verhandeln, wenn man dauerhaften und nicht grundsätzlich beschränkten militärischen Druck ausübt", konstatiert Daniel-Dylan Böhmer in der Welt: "Aber schießen allein hilft auch nicht. Israel hat die Hamas in Gaza so weit besiegt, wie es möglich ist. Es existieren nur noch versprengte Kleingruppen, die keine echte Gefahr mehr darstellen. Mit einer Einigung könnte Israel so viel erreichen: die Freiheit der Geiseln; ein Ende des Militäreinsatzes, der das Land bluten lässt und traumatisiert; ein Konstrukt, auf dem Beziehungen zu den Palästinensern gestaltet werden könnten; die Beseitigung des letzten Hindernisses für einen Frieden mit dem Königreich Saudi-Arabien und damit die Verankerung Israels in fast der gesamten muslimischen Welt."
Drei Jahre nach dem Mord an Jina Mahsa Amini durch die iranische Sittenpolizei fragt die iranische Journalistin Mahtab Qolizadeh in der taz bei IranerInnen nach, was sich nach den Protesten verändert hat. Immerhin: Mehr Frauen zeigen sich wieder ohne Hidschab. Die Antwort, die ihr Supermarktverkäufer Shayan via Telegram aus Teheran sendet, steht für die Desillusionierung der Iraner, so Qolizadeh: "Obwohl die Mahsa-Bewegung für die Situation der Frauen im heutigen Iran nicht irrelevant ist, war es der israelische Militärschlag, der eine funktionale und praktische Wirkung hatte. Ich hasse Krieg, aber ich glaube nicht, dass es einen anderen Weg gibt. Ehrlich, ich gehe nicht mal mehr auf die Straße. Ich möchte nicht durch die Kugeln der Streitkräfte der Islamischen Republik erblinden oder gelähmt werden. Wenn Proteste Ergebnisse bringen würden, hätten sie das inzwischen getan. Was jungen Menschen heute ein etwas freieres Leben ermöglicht, ist die Angst des Regimes. Sie gründet einzig und allein in dem militärischen Angriff und der Gefahr eines Massenaufstands."
Im Aufmacher des SZ-Feuilletons schaudert es Peter Richter, wenn er an Putins und Xi Jinpings Gespräch über Unsterblichkeit denkt, insbesondere nach Putins Aussage, "mit der Entwicklung der Biotechnologie" könnten "menschliche Organe kontinuierlich transplantiert werden". Denn: "Gerade wenn sie auf chinesischem Boden getätigt wird, muss so eine Bemerkung auch die Berichte von staatlich betriebener 'Organ-Ernte' (Forced Organ Harvesting) an inhaftierten Falun-Gong-Anhängern und Uiguren in Erinnerung rufen, die in den Nullerjahren zuerst von kanadischen Menschenrechtsaktivisten kamen - oft plausibilisiert durch die perfide Pointe, dass diese verfolgten Bevölkerungsgruppen durch ihren Lebenswandel, namentlich Alkoholverzicht, vergleichsweise gesundes Organmaterial lieferten."
In seiner SpOn-Kolumne kritisiert Sascha Lobo die Linken, die nun den Mord an dem rechtsextremen Aktivisten Kirk feiern: "Wer politische Gewalt innerhalb einer liberalen Demokratie als legitim ansieht, ist faktisch gegen die liberale Demokratie. Und zwar egal, welche politische Haltung das Opfer hat oder wie abscheulich seine Äußerungen sein mögen. Genauso abscheulich ist die Haltung derjenigen, die Mord dann akzeptabel finden, wenn es die Richtigen trifft, sprich: die anderen. (…) Die Essenz des demokratischen Linksseins … ist, an die Gleichwertigkeit aller Menschen zu glauben. Wenn man aber die Ermordung von Menschen mit menschenfeindlicher Haltung gutheißt, dann ist man selbst menschenfeindlich und stürzt damit in die autoritäre, bigotte, dunkle Sphäre des antidemokratischen Linksseins."
In ihrer FAS-Kolumne ist Ronya Othmann fassungslos, dass Syriens Interimspräsident Abu Muhammad Al-Dscholani auch nach den Massakern an den Alawiten und Drusen vom Westen noch hofiert wird. Aber klar, man hat natürlich Interessen, meint sie: "Wirtschaftliche Zusammenarbeit will man, denn da, wo viel in Grund und Boden gebombt wurde, gibt es viel aufzubauen und womöglich noch mehr zu holen. Und Flüchtlinge abschieben oder zumindest zur Rückkehr bewegen… Und zuletzt will man natürlich auch den langjährigen Freund Erdogan nicht verärgern, der mit Syrien ganz eigene Pläne hat: in erster Linie die widerspenstigen Kurden wieder unter zentralistische Herrschaft bekommen und ihr klitzekleines bisschen Autonomie zerschlagen. Dass die Kurden noch vor einer Weile gegen die Islamisten gekämpft haben, die man jetzt hofiert, ist einer der vielen Pointen unserer aberwitzigen Gegenwart."
Im FR-Interview mit Daniel Bax erklärt der britische Politikwissenschaftler Timothy Williams von der International Association of Genocide Scholars (IAGS), wie der Verband zu der Einschätzung kam, Israel begehe einen Völkermord in Gaza und geht auf die Vorwürfe ein, bei der IAGS handele es sich nicht um seriöse wissenschaftliche Institution (unsere Resümees): Ein Mitgliedschaftsbeitrag sei auch bei anderen bei anderen Wissenschaftsvereinigungen üblich - und bis vor kurzem habe es "außer für seriöse Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler keinen Grund" gegeben, Mitglied zu werden. Auch dem Vorwurf, seit dem 7. Oktober sei die Anzahl der Mitglieder von 144 auf über 500 gestiegen, widerspricht er: "Diese falsche Information geht auf eine im Netz nun kursierende Liste von Mitgliedern zurück, die zu diesem Zeitpunkt für Medienanfragen bereit standen. Wir haben diese Seite aus Sicherheitsgründen aktuell offline geschaltet. Nun kursiert die Behauptung, das sei eine alte Mitgliederliste gewesen. Das ist falsch. Zu dem Zeitpunkt hatten wir zwischen 500 und 600 Mitglieder - also ähnlich viele wie zum Zeitpunkt unserer letzten Resolution."
Mit Kräften wie der Hamas "kann man nur verhandeln, wenn man dauerhaften und nicht grundsätzlich beschränkten militärischen Druck ausübt", konstatiert Daniel-Dylan Böhmer in der Welt: "Aber schießen allein hilft auch nicht. Israel hat die Hamas in Gaza so weit besiegt, wie es möglich ist. Es existieren nur noch versprengte Kleingruppen, die keine echte Gefahr mehr darstellen. Mit einer Einigung könnte Israel so viel erreichen: die Freiheit der Geiseln; ein Ende des Militäreinsatzes, der das Land bluten lässt und traumatisiert; ein Konstrukt, auf dem Beziehungen zu den Palästinensern gestaltet werden könnten; die Beseitigung des letzten Hindernisses für einen Frieden mit dem Königreich Saudi-Arabien und damit die Verankerung Israels in fast der gesamten muslimischen Welt."
Drei Jahre nach dem Mord an Jina Mahsa Amini durch die iranische Sittenpolizei fragt die iranische Journalistin Mahtab Qolizadeh in der taz bei IranerInnen nach, was sich nach den Protesten verändert hat. Immerhin: Mehr Frauen zeigen sich wieder ohne Hidschab. Die Antwort, die ihr Supermarktverkäufer Shayan via Telegram aus Teheran sendet, steht für die Desillusionierung der Iraner, so Qolizadeh: "Obwohl die Mahsa-Bewegung für die Situation der Frauen im heutigen Iran nicht irrelevant ist, war es der israelische Militärschlag, der eine funktionale und praktische Wirkung hatte. Ich hasse Krieg, aber ich glaube nicht, dass es einen anderen Weg gibt. Ehrlich, ich gehe nicht mal mehr auf die Straße. Ich möchte nicht durch die Kugeln der Streitkräfte der Islamischen Republik erblinden oder gelähmt werden. Wenn Proteste Ergebnisse bringen würden, hätten sie das inzwischen getan. Was jungen Menschen heute ein etwas freieres Leben ermöglicht, ist die Angst des Regimes. Sie gründet einzig und allein in dem militärischen Angriff und der Gefahr eines Massenaufstands."
Im Aufmacher des SZ-Feuilletons schaudert es Peter Richter, wenn er an Putins und Xi Jinpings Gespräch über Unsterblichkeit denkt, insbesondere nach Putins Aussage, "mit der Entwicklung der Biotechnologie" könnten "menschliche Organe kontinuierlich transplantiert werden". Denn: "Gerade wenn sie auf chinesischem Boden getätigt wird, muss so eine Bemerkung auch die Berichte von staatlich betriebener 'Organ-Ernte' (Forced Organ Harvesting) an inhaftierten Falun-Gong-Anhängern und Uiguren in Erinnerung rufen, die in den Nullerjahren zuerst von kanadischen Menschenrechtsaktivisten kamen - oft plausibilisiert durch die perfide Pointe, dass diese verfolgten Bevölkerungsgruppen durch ihren Lebenswandel, namentlich Alkoholverzicht, vergleichsweise gesundes Organmaterial lieferten."
Ideen

Weitere Artikel: Auf den Ereignisse und Gestalten-Seiten der FAZ macht sich die Schriftstellerin Stephanie von Hayek Gedanken über das weltweite Ausladen Intellektueller, das sie als "Zeichen für eine wachsende Kulturfeindlichkeit" wertet.
Gesellschaft

In der taz schildert Caroline Smith nicht nur, wie massiv konservative Organisationen aus den USA finanzielle Mittel für Abtreibungsgegner in Europa bereitstellen, sondern auch, wie schwierig der Zugang zu Abtreibungsmedikamenten nach aktueller Gesetzeslage ist. Annika Kreitlow, Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin, erzählt: "Derzeit muss sie, um ihren Patientinnen Mifepriston und Misoprostol gemäß deutschem Recht zu verschreiben, diese Abtreibungsmedikamente aus anderen europäischen Ländern oder direkt beim Hersteller bestellen, anstatt sie in 'normalen Apotheken' zu beziehen. Die Lieferung kann bis zu sechs Wochen dauern. 'Die Situation, die wir derzeit mit Abtreibungsmedikamenten haben, ist sehr kompliziert', sagt Kreitlow. '2019 wurde beispielsweise der Import des international häufig verwendeten Medikaments Cytotec (Misoprostol) in Deutschland durch politischen Druck des damaligen CDU-geführten Gesundheitsministeriums eingeschränkt, sodass es nun nur noch schwer zu bekommen ist. Ähnliche Einschränkungen sind auch in der Zukunft denkbar.'"
Kulturpolitik
Seit Aserbaidschan die Kontrolle über Bergkarabach übernommen hat, ist das kulturelle Erbe des armenischen Karabachs zu einem "Phantom" geworden, schreibt der Kulturwissenschaftler Mikhail Ilchenko auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ. Das Problem ist: "Das Völkerrecht verfügt über keine wirksamen Instrumente zum Schutz des kulturellen Erbes nicht anerkannter Staaten. Bergkarabach wurde von der Weltgemeinschaft stets als Teils Aserbaidschans betrachtet, weshalb das karabachische Erbe rechtlich als Eigentum Aserbaidschans gilt. Normen, auf die man sich zum Schutz des dortigen armenischen Erbes berufen könnte, existieren faktisch nicht."
Wissenschaft
"Es gibt keine kritische Islamforschung mehr an den Universitäten in Deutschland", sagt die Ethnologin Susanne Schröter im NZZ-Gespräch mit Len Sander. Hintergrund: Das von ihr geleitete Forschungszentrum Globaler Islam an der Goethe-Universität Frankfurt soll mit ihrer Emeritierung ebenfalls abgewickelt werden. Der Universität wirft sie mangelnde Rückendeckung vor: "Neben ihr und den von ihr betreuten Doktoranden seien es zunehmend ehrenamtliche Mitarbeiter gewesen, die Konferenzen organisiert und für das Zentrum gearbeitet hätten, erzählt Schröter. Zudem habe die Universität Schröters wichtigsten Mitarbeiter auf eine andere Stelle versetzt, erklärt sie, da er Angestellter der Universität gewesen sei. Gleichzeitig hatte sich die Bedrohungslage verschärft. Schröter spricht von einem 'Klima der Anfeindungen'. Weil sich das Zentrum keinen Sicherheitsdienst leisten konnte und Störungen vermeiden wollte, wurde seine letzte, internationale Konferenz Ende August dieses Jahres gar nicht erst öffentlich beworben. Das Universitätspräsidium wehrt sich gegen den Vorwurf, es habe das FFGI nicht ausreichend gegen Anfeindungen geschützt. Man habe sich 'stets für die Wissenschaftsfreiheit und gegen Boykottaufrufe positioniert', erklärt ein Pressesprecher. Jedoch müssten Wissenschafter auch verantwortungsvoll mit dieser Freiheit umgehen. Der Tenor: Protest gegen Veranstaltungen müsse man aushalten."
Auch in Frankreich sorgt ein Israelboykott-Skandal für Empörung. Einige eingeladene Wissenschaftler weigern sich an einem Kolloquium des Pariser Musée d'Art et d'Histoire du Judaïsme über die Geschichte der Juden in Paris teilzunehmen, weil Teilnehmer aus israelischen Universitäten anreisen. Die Reaktion in Frankreich ist recht dezidiert, auch Kulturministerin Rachida Dati äußerte sich in wünschenswerter Klarheit, berichtet Baudouin Eschapasse in Le Point: "Die fünf Forscher bereiten ihrerseits die Veröffentlichung einer Erklärung vor, um ihre Abwesenheit bei diesem Kolloquium zu rechtfertigen. Darin werden sie wiederholen, dass die Unterstützung dieser beiden Tage des Austauschs durch eine öffentliche israelische Einrichtung, in diesem Fall die Hebräische Universität Jerusalem, für sie ein Ausschlusskriterium darstellt. Ein Argument, das für die Organisatoren dieses Kolloquiums nicht akzeptabel ist. Sie betonen, dass es unfair sei, israelische Wissenschaftler mit ihrer Regierung in Verbindung zu bringen, da sie die ersten seien, die die Handlungen ihrer Führer kritisieren."
Auch in Frankreich sorgt ein Israelboykott-Skandal für Empörung. Einige eingeladene Wissenschaftler weigern sich an einem Kolloquium des Pariser Musée d'Art et d'Histoire du Judaïsme über die Geschichte der Juden in Paris teilzunehmen, weil Teilnehmer aus israelischen Universitäten anreisen. Die Reaktion in Frankreich ist recht dezidiert, auch Kulturministerin Rachida Dati äußerte sich in wünschenswerter Klarheit, berichtet Baudouin Eschapasse in Le Point: "Die fünf Forscher bereiten ihrerseits die Veröffentlichung einer Erklärung vor, um ihre Abwesenheit bei diesem Kolloquium zu rechtfertigen. Darin werden sie wiederholen, dass die Unterstützung dieser beiden Tage des Austauschs durch eine öffentliche israelische Einrichtung, in diesem Fall die Hebräische Universität Jerusalem, für sie ein Ausschlusskriterium darstellt. Ein Argument, das für die Organisatoren dieses Kolloquiums nicht akzeptabel ist. Sie betonen, dass es unfair sei, israelische Wissenschaftler mit ihrer Regierung in Verbindung zu bringen, da sie die ersten seien, die die Handlungen ihrer Führer kritisieren."
Geschichte
In der NZZ gibt der Sozialwissenschaftler Matthias Messner Chinas Staatspräsident Xi Jinping, der bei der Militärparade auf dem Tiananmen-Platz vor einigen Tagen vom "80. Jahrestag des Sieges des chinesischen Volkes im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression und im weltweiten antifaschistischen Krieg" sprach, Nachhilfe in Geschichte: "Acht Jahre lang hatte China gegen das Kaiserreich Japan gekämpft. Allein hätte China gegen die industrielle, technologische und militärische Übermacht Japans kaum gewinnen können. Schließlich war es die japanische Kapitulation im Gefolge der amerikanischen Atombombenabwürfe, die diesen grausamen Krieg beendete. Andererseits waren es gerade die Japaner mit ihrem Angriffskrieg gewesen, die in China ein Vakuum geschaffen hatten, in das die Kommunisten eindrangen, als Chiang Kai-shek die Kräfte ausgingen. Der amerikanische Historiker und Diplomat George Kennan schrieb 1962: 'Es ist kaum anzunehmen, dass Mao Zedong ohne den Zweiten Weltkrieg erfolgreich gewesen wäre.' Die von den Potentaten Xi Jinping, Wladimir Putin und Kim Jong Un am diesjährigen 80. Gedenktag zelebrierte Solidarität im Zeichen des 'antifaschistischen' Sieges im Zweiten Weltkrieg ist blanker Zynismus."
Internet
Mit KI entlasten wir uns vom Denken, warnt in der taz der Politikwissenschaftler Udo Kords: "Geistige Bequemlichkeit führt zu einer technologisch induzierten kognitiven Regression. Kognitive Regression bedeutet nicht, dass wir über Nacht dümmer werden. Es ist ein subtiler und schleichender Prozess: Wir verlernen, komplexe Sachverhalte selbstständig zu strukturieren, zu durchdringen und in Worte zu fassen. Wir verlernen, Widersprüche auszuhalten. Wir verlernen, schöpferisch zu denken. Ein Forscherteam am Massachusetts Institute of Technology (MIT), das sich mit den Folgen der Nutzung von KI auf das menschliche Gehirn beschäftigt, spricht von 'kognitiven Schulden', die wir mit jeder Verwendung externer KI-Anwendungen machen. 'Kognitive Schulden verschieben mentale Anstrengung kurzfristig, führen aber zu langfristigen Konsequenzen wie verringertem kritischem Denken, erhöhter Anfälligkeit für Manipulation und verringerter Kreativität.'"
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