Die Historikerin
Ute Frevert, Präsidentin der Max-Weber-Stiftung, hält gerade ein Gastsemester über Nietzsche an der Uni Jerusalem und erzählt in der
FAZ, wie gern sie das tut. Und wie dankbar die israelischen Kollegen für jeden internationalen Akademiker sind, der sich von den Boykottaufrufen gegen israelische Wissenschaftler und Institutionen nicht einschüchtern lässt. Noch schlimmer ist die Praxis der "
soft exclusion", die sich nicht mal offen zum Boykott bekennt: "Selbst junge Forscher aus den weniger ideologisierten
Naturwissenschaften leiden unter dem Boykott, der es ihnen schwer macht, Kontakte und Netzwerke zu knüpfen. Ausländische Postdocs kommen kaum noch ins Land. Das renommierte Weizmann-Institut weiß ein Lied davon zu singen. Aus internationalen Förderungsprogrammen sehen sich israelische Wissenschaftler zunehmend ausgeschlossen. Ihre Erfolgsquote bei den begehrten Starting Grants des European Research Council betrug 2025
acht Prozent, verglichen mit
dreißig Prozent bei früheren Ausschreibungen. Auch das fällt unter soft exclusion, ebenso wie die Aufkündigung oder Ablehnung von Kooperationen, von denen die temperamentvolle Vizepräsidentin der Ben-Gurion-Universität in Beersheba erzählt. Viele europäische Hochschulen, so Michal Bar-Asher Siegal, antworteten gar nicht mehr auf entsprechende Anschreiben oder duckten sich weg."
Die
Antisemiten haben gewonnen,
konstatiert der
Jungle-
World-Kolumnist Kolja Podkowik. Das erkenne man "am
überbordenden Selbstbewusstsein der Antisemiten, die aber alle keine Antisemiten sind. Sich keinerlei Schuld bewusst, haben sie weder etwas zu verbergen noch zu befürchten, es drängt sie in die Öffentlichkeit. Die, die nicht mal legitime Gesprächspartner sein dürften, setzen die Rahmenbedingungen eines jeden Gesprächs. Oft werden die Antisemiten allerdings auch
rassistisch diskriminiert, dürfen beispielsweise keine Pali-Tücher in der Gedenkstätte Buchenwald tragen."