Die
"Gesellschaft für Unternehmensgeschichte" (GuG) feiert im Juni ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Gegründet wurde sie einst von westdeutschen Firmen wie der Deutschen Bank, Daimler-Benz, Henkel, Karstadt, Mannesmann, Bosch oder Siemens, die der marxistischen Unternehmensgeschichtsschreibung der DDR etwas entgegensetzen wollten,
erzählt Stefan Hunglinger in der
taz. Aber es gab immer auch Kritik an diesem Zwitter, so Hunglinger: "Als die GuG 1983 von
Daimler-
Benz beauftragt wurde, anlässlich des hundertsten Geburtstags des Automobils die
Rolle der Firma in der NS-
Zeit zu erforschen, warfen unabhängige Historiker der entsprechenden Studie vor, defensiv zu argumentieren und den Einsatz von Zwangsarbeitern bei Daimler-Benz zu knapp zu behandeln. 1987 gab der Arzt und Historiker
Karl Heinz Roth eine Gegenstudie heraus mit dem Titel 'Das Daimler-Benz-Buch - ein Rüstungskonzern im tausendjährigen Reich'. Die Unabhängigkeit und Wissenschaftlichkeit der GuG war öffentlich infrage gestellt, der Skandal perfekt. Dies elektrisierte den jungen Historiker
Lutz Budraß, der 1989 zusammen mit Gleichgesinnten den 'Arbeitskreis kritische Unternehmensgeschichte' ins Leben rief, eine Gegengründung zur GuG. 'Wir fanden, dass es sich eingeschlichen hatte, unkritisch und den
Auftraggebern nach dem Munde zu schreiben', sagt Budraß heute. Der Gegenwind sorgte für eine gewisse Professionalisierung bei der GuG und ihren Publikationen."
Warum Psychoanalyse, aber auch
körperliche Erfahrungen, Körper für die Geschichtsschreibung eine immer noch unterschätzte Bedeutung haben, erklärt im Interview mit der
FAZ die feministische australische
Historikerin Lyndal Roper, gerade ausgezeichnet mit dem von Norwegen vergebenen Holberg-Preis: "Ich bin zutiefst von
Foucault beeinflusst, denn er hat einfach so viele Fragen aufgeworfen und die Erzählung vom Fortschritt zunichtegemacht. Aber ich halte ihn auch für äußerst problematisch, denn so vieles, von dem er sagt, dass es im 18. Jahrhundert geschieht, geschieht dort nicht. Er erkennt nicht, was im 16. und 17. Jahrhundert vor sich ging. Ich meine, das
Interesse am Selbst, am Ich, all das stammt natürlich aus dem 16. Jahrhundert. Es gibt eigentlich immer ein Interesse am Selbst und an der Identität, und ich glaube nicht, dass Sexualität, sexuelles Verlangen und all das ausschließlich durch Sprache konstruiert werden. Körperlichkeit muss Teil unseres Denkens sein. Wir müssen wieder ein
Gespür für Körperlichkeit entwickeln."
Ebenfalls in der
FAZ erklärt der
Staatsrechtler Paul Kirchhof auf einer ganzen Seite, warum
Symmetrie im Recht für eine Demokratie unabdingbar ist: "Recht wird als asymmetrisch kritisiert, wenn es Menschen in die Wehrlosigkeit drängt und ihnen Sicherheitsräume nimmt, wenn es dem Staat unerfüllbare Aufgaben zuweist, wenn es Ausgleichssysteme verfremdet und ihnen die Balancefunktion nimmt. ... Der freiheitliche Staat braucht in der Freiheitsvoraussetzung von Ehrbarkeit und Anstand als
Jedermannstugend die innere Gebundenheit der Menschen zu einer verantwortlichen Freiheit, die den Freiheitsargwohn und damit die Überfülle intervenierender Rechtssätze erübrigt."