9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

90 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 9
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | Vor

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.01.2018 - Wissenschaft

In der NZZ informiert uns die Biopsychologin Kate Jeffery, dass das menschliche Gedächtnis ein höchst unzuverlässiger Erinnerungsspeicher ist. Und nun noch das: Demnächst können Wissenschaftler die Erinnerungen einer Person an ihr Leben selektiv verändern. "Mithilfe der verblüffenden neuen molekulargenetischen Techniken, die in den letzten dreißig Jahren entwickelt worden sind, können wir erkennen, welche neuronale Untergruppe an der Codierung eines Ereignisses beteiligt war. Als Nächstes können wir einige dieser Neuronen in Experimenten reaktivieren, damit das Versuchstier sich (nach unserer Ansicht) an das jeweilige Ereignis erinnert. Wissenschaftlern ist es gelungen, Erinnerungen während dieser Reaktivierung zu beeinflussen, so dass am Ende etwas anderes als die ursprüngliche Erinnerung herauskommt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2017 - Wissenschaft

Vielleicht ein Trost für alle, die es weit zum Silvester-Fest haben. Moritz Honert spricht im Tagesspiegel mit Astrophysiker Hermann Nicolai über die Ausmaße unserer unmittelbaren Nachbarschaft: "Wir sind so unvorstellbar unbedeutend, wie das Universum unvorstellbar groß ist. Die Voyager-Sonde, die 1977 gestartet ist, fliegt mit 17.000 Metern pro Sekunde durchs All und ist jetzt nach 40 Jahren gerade mal am Rande des Sonnensystems. Der nächste Stern von uns ist Alpha Centauri, vier Lichtjahre entfernt, im kosmischen Maßstab also ein Katzensprung. Mit jeder realistisch denkbaren Technologie braucht man dahin mindestens 30.000 Jahre."
Stichwörter: Astronomie

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2017 - Wissenschaft

Peter Glaser fürchtet in der NZZ einen neuen Rüstungswettlauf - diesmal zwischen China und den USA um die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz, seit die chinesische Regierung im Juli einen 12-Jahres-Plan verabschiedet hat, wonach sie bis 2030 das "führende und globale Innovationszentrum für künstliche Intelligenz" werden will: "Im Juli 2015 hatte eine Gruppe amerikanischer Robotiker und KI-Forscher in einem offenen Brief ein Verbot für autonome Waffen gefordert. 'Wir haben es geschafft, chemische und biologische Waffen zu verbieten, warum sollte das nicht auch mit autonomen KI-Waffen möglich sein?' Aber anders als Anthrax-Sporen können etwa Drohnen sowohl für friedliche als auch für destruktive Zwecke eingesetzt werden. Die gleiche Technologie, die Facebook so gut darin macht, Fotos mit Tags zu versehen, kann Sicherheitsbehörden dabei helfen, Spione zu enttarnen. Privatunternehmen betreiben nun militärische Forschung, ob sie wollen oder nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2017 - Wissenschaft

Der Kampf um Rohstoffe auf dem Mond hat begonnen, berichtet Michael Pilz in der Welt. Jeff Bezos betreibt ein Start-up namens Blue Origin, Elon Musk von Tesla plant mit Spaces seine eigene Mondfahrt und auch Luxemburg sichert sich qua Gesetz Rohstoffrechte, informiert Pilz und erklärt warum: "Ohne Yttrium, das im System der Elemente weiter oben steht, aber als seltene Erde gilt, obwohl es häufiger als Blei vorkommt, wären die Farben unserer Bildschirme weniger satt. Damit ließe sich leben. Ohne die Magneten aus Dysprosium, Neodym und Praseodym bald nicht mehr. Ohne sie gäbe es keinen Strom aus Windmotoren. Ohne sie fährt kein Elektroauto, jedenfalls nicht schnell und weit, wie Tesla mit seinem magnetfreien Hybridmobil gerade beweist. Ohne die seltsamen Metalle blieben unsere Telefone, unsere Faustkeile im 21. Jahrhundert, schwarz und stumm. Ohne die seltenen Erden keine schöne smarte, grüne Welt als einzige, die uns noch bleibt."

"Mischt euch ein!" ruft Marc Tribelhorn in der NZZ den Wissenschaften in postfaktischen Zeiten zu - trotz und gerade wegen der oft wenig fundierten Kritik von antiintellektueller Seite: "Irritierenderweise spielt die jeweilige Argumentation der Experten in den Debatten oft eine geringere Rolle als deren vermeintliche Gesinnung. Als wissenschaftlich gilt damit nicht mehr, was die Fachdisziplin als solches definiert, sondern was einzelnen Kreisen politisch genehm ist. Die Ideologisierung und die Polarisierung haben mittlerweile groteske Ausmaße angenommen. Provokative Wissenschafter werden systematisch angefeindet und an den Pranger gestellt."

Ebenfalls in der NZZ warnt der Physiker und Philosoph Eduard Kaeser nicht nur vor der postmodernen Ideologie des "Anything goes" und der Tendenz zum zeitgeistigen Tribalisieren des Wissens, sondern auch vor "Diskursverweigerung": "Auf beiden Seiten wird der andere erst einmal zum diskursunwürdigen Gegenüber erklärt, um ihn dann Verachtung spüren zu lassen: die Hochqualifizierten, die 'Elite' hier, die Unterqualifizierten, der 'Sack von Kläglichen' dort. Als probat Kommunikationsform fungieren Shitstorming, Bashing, Mobbing. Man diskutiert nicht mit dem Gegner, man 'entfreundet' ihn."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2017 - Wissenschaft

In der NZZ berichtet Marc Felix Serrao vom Fall des Leipziger Rechtsprofessors Thomas Rauscher, der aufgrund einiger Tweets von Studenten und Lehrkräften von der Universität vertrieben werden soll: 18.000 sollen bereits eine entsprechende Petition unterschrieben haben. Rauscher hatte u.a. Sprüche polnischer Rechtsextremer, die kürzlich in Warschau für ein "weißes Europa brüderlicher Nationen" demonstrierten, als "wunderbares Ziel" bezeichnet. Serrao findet das weder wunderbar noch brüderlich, aber warum der Mann derart geächtet wird, begreift er nicht: "Die linken wie die rechten Scharfrichter eint ein unheilvoller Reinheitsfimmel: Da ist einer, dessen Weltbild ich ablehne, und deshalb muss er nicht nur aus meinem, sondern aus dem Blickfeld aller Menschen verschwinden. Und zwar selbst dann, wenn er, wie Rauscher und Schutzbach, als Privatmensch politisiert hat. ... eine Hochschule sollte sich so etwas verbieten. Wo, wenn nicht hier, sollen junge Menschen lernen, ihren Intellekt an Überzeugungen zu reiben, die ihnen fremd sind?"

Außerdem: Ebenfalls in der NZZ berichtet Felix Ackermann von der "Ausstellung der Errungenschaften der Wissenschaft" an der um ihre Existenz kämpfenden Europäischen Universität in St. Petersburg.
Stichwörter: Thomas Rauscher

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2017 - Wissenschaft

Die rationalen Naturwissenschaften. Der Stuttgarter Kulturhistoriker Roland Halfen musste über diese Vorstellung herzlich lachen, als er in der NZZ die Ausführungen des britischen Astronomen Martin J. Rees las, der unser baldiges Aufgehen in der Künstlichen Intelligenz prophezeite (unser Resümee). Mehr Gläubigkeit geht ja kaum, spottet Halfen in seiner Antwort. "Martin Rees etwa bezeichnet sich selber zwar als Atheist. Aber seine Ausführungen legen nahe, dass die von der traditionellen Religion bedienten Bedürfnisse − nach einem Ausblick auf eine Zukunft jenseits von Geburt und Tod, nach einer Verlegung des Wohnortes in den Himmel, nach ewigen Wesen, unverletzlich und ohne Makel, mit überragenden Einsichten in die Natur des Kosmos − in seinem seelischen Souterrain anscheinend noch vernehmlich wirksam sind; gleichsam sträflich unversorgte Kellerleichen, die bisher nicht durch unangenehme Gerüche auffielen, weil sie nicht wirklich tot sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2017 - Wissenschaft

Auf Zeit online porträtiert  Thomas Trescher den Wiener Kybernetiker und AI-Forscher Robert Trappl, leider ohne groß auf seine konkrete Arbeit einzugehen. Soviel steht jedenfalls fest nach der Lektüre: Ein Apokalyptiker ist er nicht. "Heute steht AI auch als Synonym für eine Bedrohung, welche die Menschheit auslöschen könnte. Davor warnt der Physiker Stephen Hawking ebenso wie die Silicon-Valley-Milliardäre Bill Gates und Elon Musk. 'Alles keine AI-Forscher', sagt Trappl, der ausrückt, um die Maschinen zu verteidigen. Trappl ist die Mensch gewordene Gegenthese zu den apokalyptischen Szenarien. Eine Superintelligenz, die - wie vom Philosophen Nick Bostrom postuliert - ein posthumanes Zeitalter einläutet, fürchtet er nicht. 'Ich weiß nicht, wie das gehen sollte. Den Leuten, die das glauben, sage ich immer, sie sollen an den Zoo in Schönbrunn spenden. Damit der gut ausgestattet ist, wenn wir Menschen dort von den Robotern besucht werden.'"

Im Silicon Valley hat AI jetzt eine Kirche. Way of the Future heißt sie, ihr Gott ist eine künstliche Intelligenz und ihr Gründer ist Anthony Levandowski, berichtet auf Zeit online Patrick Beuth, der eine Reportage dazu in Wired gelesen hat. "'Wir reden nicht von einem Gott, der Blitze oder Wirbelstürme auf die Erde schickt. Aber wenn etwas eine Milliarde mal klüger ist als der klügste Mensch, wie soll man es anders nennen?', fragt er den Wired-Journalisten rhetorisch. So ein System werde 'garantiert' entstehen. 'Was wir wollen, ist die friedliche, gelassene Übergabe der Kontrolle über den Planeten vom Menschen an Was-auch-immer. Und wir wollen sicherstellen, dass dieses Was-auch-immer weiß, was es uns Menschen zu verdanken hat.'" (Warum, soll er etwa dankbar sein?)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2017 - Wissenschaft

Die schwedische Universität Lund fordert von ihren Dozenten, dass sie bei allen Themen mindestens zu 40 Prozent weibliche Primär- und Sekundärliteratur verwenden. Das schafft Probleme, lernt Thomas Steinfeld in der SZ. "Denn eine rückwirkend beanspruchte Frauenquote bedeutet, dass alle Geschichte eine Spiegelung feministisch geprägter Gegenwart zu sein hat. Sogar die christliche Kirche besaß in der Epoche ihrer absoluten Macht ein Bewusstsein davon, dass es Zeiten gegeben hatte, in der sie noch nicht existierte. Eine Quote selbst für Primärliteratur aber verhält sich zur Geschichte wie die Erfinder der 'Familie Feuerstein' zur Urgeschichte der Menschheit, als sie das amerikanische Suburbia der frühen Sechziger in die Steinzeit verlegten."
Stichwörter: Frauenquote

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2017 - Wissenschaft

Wir müssten viel mehr tun, um den Klimawandel aufzuhalten, meint die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Elizabeth Kolbert. Doch in den USA, die den weltweit zweitgrößten Ausstoß an Kohlenstoffen haben, kann die Mehrheit von der Dramatik der Lage nicht überzeugt werden, gibt sie im Interview mit der SZ zu: "Viele Leute in meinem Land scheinen allen Tatsachen gegenüber vollkommen immun zu sein, selbst wenn ihr eigenes Haus von einem Hurrikan zerstört wird. Wir müssen gerade in den USA lernen, dass Unvernunft und Ignoranz plötzlich nahezu unbegrenzten Einfluss haben können. Für mich als Journalistin ist das eine so deprimierende wie beängstigende Erfahrung; das ganze Ethos unseres Berufsstandes fußt ja auf der Annahme, dass die Leute bessere Entscheidungen treffen, wenn man ihnen mehr Informationen zur Verfügung stellt. Trotzdem gibt es meines Erachtens keine Alternative als zu hoffen, dass die Wahrheit irgendwann ans Licht kommt."
Stichwörter: Klimawandel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.11.2017 - Wissenschaft

Im Gespräch mit Arno Widmann von der FR empfiehlt der Wissenschaftsautor Stefan Klein besonders gläubigen Menschen, naturwissenschaftliche Erkenntnisse anzunehmen: "Sind nicht die würdigsten Gebete die, in denen einfach die Hingabe an die Wirklichkeit zum Ausdruck gebracht wird? Da nimmt der Beter sich ganz zurück und verlangt nicht von einer höheren Macht, dass die auf seine kleinen Wünsche hört oder ihn tröstet. Naturerkenntnis bringt einem, entschuldigen Sie bitte das altmodische Wort, Demut bei."

Der Wissenschaftsverlag Springer hat seine chinesische Webseite zensiert, meldet in der SZ Kai Strittmatter. "Wie der Verlag am Mittwoch mitteilte, habe er in Übereinstimmung mit 'lokalen Regularien' wissenschaftliche Artikel so blockiert, dass sie von China aus nicht mehr einsehbar sind. Es handle sich dabei allerdings um 'weniger als ein Prozent' des Verlagsangebots. Die Financial Times hatte die Zensurmaßnahme aufgedeckt und mehr als eintausend Artikel gezählt, die nun blockiert sind. Die betroffenen Akademiker waren vom Verlag selbst nicht informiert worden, viele China-Wissenschaftler reagierten mit Protest."
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | Vor