Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
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- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Lüstern im paradiesischen Gras
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
31.10.2009. Die Welt präsentiert die New Yiddishists. Als Ausweg aus der deutschen Fernsehfilmmisere kann sich die SZ nur eine Lösung vorstellen: die komplette Zerschlagung der Produktionskonglomerate. Die taz begreift dank Robert Crumbs endlich die Bibel. In der NZZ erinnert sich Volker Braun an eine Zeit des Handelns der Künste. FR, Welt und FAZ kommentieren den Verkauf des Suhrkamp Archivs nach Marbach.
Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 31.10.2009
Für ziemlich kongenial hält Thomas von Steinaecker die Comic-Version der "Genesis" von Robert Crumb: "Spätestens wenn sich Adam und Eva zum ersten Mal lüstern im paradiesischen Gras wälzen, beginnt deutlich zu werden, worum es Crumb geht: Nicht um die Bibel als Quelle des Spirituellen, sondern als Kraftwerk des Erzählerischen, das als Menschen-, nicht als Gotteswerk vor allem von eben solchen, von Menschen handelt. Diesen Charakter des Irdischen betont Crumb subtil durch das Fleischliche seiner Figuren. Seine Frauen sind kurvig, vom Leben gezeichnet seine faltigen Greise. Bezeichnend hierfür ist, dass Crumb die endlosen Namensaufzählungen des Stammes Abrahams nicht überspringt, sondern jedem einzelnen Familienmitglied ein eigenes individuelles Gesicht gibt."
Weitere Artikel: Katrin Bettina Müller hat den erfolgreichen Jungdramatiker Dirk Laucke getroffen und stellt ihn vor. Cristina Nord porträtiert den israelischen Filmregisseur Avi Mograbi, der den Konrad-Wolf-Preis erhält. In der "Leuchten der Menschheit"-Kolumne schüttelt Doris Akrap über linksdogmatische Israelfeinde in Hamburg den Kopf. Sabine am Orde unterhält sich mit dem nordrhein-westfälischen Integrationsminister Armin Laschet über sein Buch "Die Aufsteigerrepublik".
Besprochen werden ein Jack-Smith-Festival in Berlin, und Bücher, darunter Gerhard Henschels nicht unautobiografisches neues Werk "Jugendroman" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Und Tom.
Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Welt, 31.10.2009
David Sacks stellt einige Autoren vor, die zu den New Yiddishists gehören - das sind amerikanisch-jüdische Autoren wie Dana Horn, Nathan Englander, Michael Chabon, Nicole Krauss oder Jonathan Safran Foer, die in ihren Büchern ihr Jüdischsein gewissermaßen als Coolnessfaktor behandeln, der ihrem Amerikanischsein eine schärfere Identität verleiht. Das hat seine Tücken, denn als "jüdische Autoren" möchten sie sich auch wieder nicht beschrieben wissen, so Sacks: "Man hat Angst vor einer Selbst-Ghettoisierung, davor, den Blick so sehr nach innen zu richten, dass Perspektive und ein breiteres Publikum verloren gehen. 'Ich lehne das aus vollem Herzen ab', sagt Nathan Englander, wenn man ihn fragt, ob er sich für einen 'jüdischen Schriftsteller' halte. Warum, das erklärt Englander, der in einer orthodoxen Gemeinde aufgewachsen ist, heute aber ein großteils säkulares Leben führt, so: 'Es ist die Idee des Anderen. Nach Lesungen kommen Juden zu mir und fragen: Kann ich ihr Buch meinen nicht-jüdischen Freunden geben? Ich meine, das würde man doch nie über John Updike oder Alice Munro sagen: Was für nicht-jüdische Bücher soll ich kaufen? Es ist doch keine Genreliteratur. Ich finde das einfach total beleidigend.'"
Außerdem: Tilman Krause besucht Hanns-Josef Ortheil im Westerwald (für dessen Reize er unempfänglich bleibt: "wenn schon Landschaft, dann bitte spektakulär!"). Uwe Wittstock erinnert an den Schriftsteller Franz Fühmann. Andrea Neuhaus schickt einen Essay über die Sehnsucht nach der Langsamkeit. Besprochen werden unter anderem William Boyds Roman "Einfache Gewitter", Hugo Loetschers Erinnerungen, einige Bücher zum Fall der Mauer und Ulrich Ritzels Krimi "Beifang".
Im Feuilleton hält Uwe Wittstock fest, dass in der Meldung über den Verkauf des Suhrkamp-Archivs an Marbach eine Kleinigkeit fehlt: "Joachim Unseld, der als Mitgesellschafter zwanzig Prozent des Suhrkamp-Verlags hält, hat zu dem geplanten Geschäft seine Zustimmung nicht gegeben."
Besprochen werden die Aufführung von Schillers "Der Parasit oder die Kunst, sein Glück zu machen" am Berliner Ensemble und zwei Berliner Ausstellungen über die Kunst der Renaissance unter den Hohenzollern, im Schloss Charlottenburg und in der Marienkirche (mehr hier).
Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 31.10.2009
Der Fall Doris Heinze hat für Tobias Kniebe in aller Deutlichkeit vor Augen geführt: Die deutsche Film- und/als Fernsehfilmlandschaft liegt im Argen. Was aber hülfe? "Was wir also bräuchten in Deutschland ... wären vor allem große Produzentenfiguren. Menschen, die echte Visionen mit echtem finanziellen Geschick verbinden und dabei niemanden mehr, vor allem keine staatlichen Fördergremien, um Erlaubnis fragen müssen. ... Damit es solche Produzenten wirklich geben könnte, müssten die großen deutschen Film- und Fernseh-Konglomerate erst einmal komplett zerschlagen werden. Die Ufa müsste mit der Kettensäge von RTL getrennt, Bavaria und Studio Hamburg dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen entrissen, die Degeto am besten aufgelöst werden. Dann gäbe es einen freien Markt. Es wäre wunderbar. Aber: Es wird ungefähr dann passieren, wenn die Hölle einfriert." Vorderhand fordert Kniebe deshalb erst einmal mehr Entscheidungsbefugnis, mehr Sichtbarkeit für mutige Fernsehredakteure.
Weitere Artikel: Für durchaus konsequent, auch in der Absetzungsbewegung von Frankfurt, hält Lothar Müller den Verkauf der Suhrkamp-Archive an das Marbacher Literaturarchiv. Warum im Namen der Kunst in Pulheim nach Gold gegraben wird, weiß Holger Liebs. Von einem Kriegskindertreffen und dort vorgetragenen Forderungen nach Archiveinsicht und Staatsbürgerschaftsanerkennung berichtet Jeanne Rubner. In Russland wird, wie Sonja Zekri informiert, gerade wieder über die Todesstrafe diskutiert. Joachim Kaiser liest das Opernmagazin Max Joseph, in dem ihm zu viel spekuliert wird. Geburtstagsglückwünsche gehen an die Fotografin Herlinde Koelbl zum Siebzigsten und den Schauspieler Bud Spencer zum Achtzigsten.
Im Aufmacher der SZ am Wochenende denkt Hilmar Klute über Provokationen und die Reaktionen der Gesellschaft darauf nach - unter anderem am Beispiel des Schriftstellers Eckhard Henscheid, der sich jüngst weniger mit einer wüsten Anti-Merkel-Polemik unmöglich machte als damit, dass er sie in der rechten Jungen Freiheit veröffentlichte. Wolfgang Koydl gratuliert dem britischen Geheimdienst MI6 mit einem Porträt zum Hundertsten. In einem doppelseitigen Special geht es um die Bahn und was aus ihr wird. Auf der Historienseite erinnert sich ein Augenzeuge an die Verteidigung Großbritanniens gegen die Nazis durch die Royal Air Force. Im Interview spricht Kristin Rübsamen mit Richard Gere allen Ernstes vor allem über Hunde.
Besprochen werden das Dokumentartheaterstück "Der dritte Weg" von Nina Gühlstorff und Dorothea Schroeder, das in Jena uraufgeführt wurde, die Leipziger Aufführung von Arvo Pärts dem inhaftierten russischen Oligarchen Chodorkowskij gewidmeter vierter Sinfonie, die Comic-Ausstellung "Sexties. Ceprax/Cuvelier/Forest/Peellaert" in Brüssel, und Bücher, darunter Armin Thurnhers Roman "Der Übergänger" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 31.10.2009
Lokalpatriotismus hin oder her, nüchtern betrachtet kann man, findet Ina Hartwig, gegen die Suhrkamp-Entscheidung, die Archive nach Marbach zu geben, wenig Stichhaltiges einwenden: "Verlässt man die gewissermaßen persönlich-regionale Sphäre, verlässt man die Psychologie des Scheiden-tut-weh, sieht man den Suhrkamp Verlag und seine Archivbestände als Angelegenheit überregionalen Interesses, dann kann man die Lösung, die Marbach mit seinem Know-How, den knapp 200 Mitarbeitern, den beiden Museen - Schillermuseum und Literaturmuseum der Moderne - bietet, vernünftigerweise gar nicht ablehnen."
Weitere Artikel: Julia Kospach unterhält sich mit dem diesjährigen Büchner-Preisträger Walter Kappacher. In einer Times Mager berichtet Harry Nutt, was der Historiker Timothy Garton Ash und der Schriftsteller Cees Noteboom bei einer Berliner Veranstaltung über die Wiedervereinigung zu sagen hatten. In ihrer US-Kolumne beschäftigt sich Marcia Pally diesmal mit den Community Colleges. Arno Widmann macht sich Gedanken zum 60. Geburtstag des Konkurrenzblatts FAZ. Der Verleger Egon Ammann schreibt zum Tod des Übersetzers Fritz Vogelgsang.
Besprochen werden eine Inszenierung von Yasmina Rezas "Der Gott des Gemetzels" am Frankfurter Gallus-Theter, eine Ausstellung mit Möbelkunst von Andre Charles Boulle im Frankfurter Museum für angewandte Kunst (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2009
Der Schriftsteller Volker Braun erinnert sich an den Zusammenbruch der DDR und schreibt: "Das war eine Zeit des Handelns der Künste, der Arbeit auf eine Wende zu, die lange vorher als Ernüchterungsarbeit begann. Ihr einsamer Prolog war Hermlins Gedicht von 1947, 'Die Zeit der Wunder ist vorbei', ihre größte Wirkung hatte sie in jenem an Wundern reichen Jahr 1989. Handeln hieß: in die Widersprüche zu dringen und nicht nur die Symptome zu zeigen, sondern das Verhängnis, das die Gesellschaft zerreisst. Wir haben uns vielleicht vorzuwerfen, nicht das Gute an ihr gewürdigt, nicht für sie gutgesprochen zu haben."
Weiteres: Autorin Sibylle Lewitscharoff erklärt ihren Stil. Besprochen werden eine große Aussstellung zu Louis XIV in Versailles und Bücher, darunter Andrej Kurkows Roman "Der Milchmann in der Nacht", Peter Roseis Roman "Das große Töten" und Alois Hotschnigs Erzählungen "Im Sitzen läuft es sich besser davon" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
In Literatur und Kunst porträtiert Karl-Markus Gauss den Schriftsteller Walter Kappacher, dem heute der Büchnerpreis verliehen wird: "Ein Mann, den man sich in einer literarischen Fernseh-Soiree schlichtweg nicht vorstellen kann, dem man ansieht, welche inneren Widerstände er überwinden muss, wenn es nur darum geht, seine eigenen Texte in der Öffentlichkeit vorzutragen, und der, kaum dass zehn Leute beisammenstehen, sich immer wie ein freundlicher Fremdling unter ihnen ausnehmen wird. Kurz, Walter Kappacher ist ein herrlich unzeitgemäßer Schriftsteller."
Hans Ulrich Gumbrecht fragt, was die Geisteswissenschaften in Zeiten der Krise helfen können. Uwe Justus Wenzel erkundet das Geheimnis der Philosophie.
Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2009
"Nie standen die Sterne höher und heller über unserem Haus", freut sich Ulrich Raulff, Leiter des Literaturachivs, über die Entscheidung des Suhrkamp Verlags, sein Archiv nach Marbach zu verkaufen, wie Felicitas von Lovenberg berichtet. Eigentlich geht die Entscheidung für sie in Ordnung. "Besorgnis erregt aber der Umstand, wie offen die Geldnot des Verlags inzwischen zutage tritt. Dem Vernehmen nach wird im Kunsthandel bereits nach neuen Besitzern für einige verlagseigene Kunstwerke gesucht, zu denen unter anderem der berühmte Goethe von Warhol zählen soll. Währenddessen ist Uwe Tellkamps 'Turm', der sich als Gewinner des Deutschen Buchpreises im vergangenen Jahr eine halbe Millionen Mal verkauft hat, jetzt bei Weltbild als Softcover in einer Art Clubausgabe zu Weihnachten für 14,95 Euro zu haben."
Außerdem im arg zusammengestampften Samstagfeuilleton: Wiebke Hüster berichtet mit recht gedämpfter Begeisterung vom Holland Dance Festival. Jürgen Dollase isst in der Trattoria dell'Alba in Piadena. In der Randglosse hätte Patrick Bahners gern klare Worte von der neuen EKD-Chefin Margot Käßmann zur Sterbehilfe. Und die Anne-Dore Kohn erinnert sich an ihre Schulfreundin aus dem Osten.
Bilder und Zeiten bringt einen Auszug aus Helmut Kohls Erinnerungen an Mauerfall und Wiedervereinigung: "Es war der Triumph der Freiheit." Jan Noeventhien erzählt von seiner Jugendfahrt in die DDR im Herbst 1989. Kerstin Holm berichtet von der Moskauer Millionärsmesse, auf der in diesem Jahr eine Nummer kleiner geprasst wurde. Irene Bazinger unterhält sich mit dem Linzer Komponisten und Lärmverächter Peter Androsch.
Besprochen werden Einspielungen von Beethovens und Haydns Volksliedbearbeitungen, Richard Hawleys Album "Truelove's Gutter" und Rammsteins neue CD "Liebe ist für alle da", Orhan Pamuks Roman "Das stille Haus", Thomas von Steinaeckers "Schutzgebiet" und Kinderbücher zum Mauerfall (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
In der Frankfurter Anthologie stellt Rüdiger Theodor Storms Gedicht "Das ist der Herbst" vor:
"Das ist der Herbst; die Blätter fliegen,
Durch nackte Zweige fährt der Wind..."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Notschrei eines blutjungen Originalgenies
09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen
Härteste Türpolitik
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen
Verhängt die Fenster
06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen
Pneumatische Prozesse
05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Wie Einbrecher in der Nacht
04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen
So viel wie ein junges Nashorn
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen
Irgendwo in einer fernen Wolke
02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen
Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio
01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen
Circa anderthalb goddamns pro Seite
30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt. Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen
Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit
29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen
Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie
28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen
Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor
27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen
Mit einem Martini und einem Orden
26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen
Menschenfreundliche Wortwundverbände
25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann. Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen
Tempel des digitalen Zeitalters
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen



