9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.01.2026. Armin Nassehi spricht in der FAS aus, was wir los wären, wenn wir die Mullahs los wären: einen Klerikalfaschismus, der eine ganze Region in seinem Bann hält. Aber es gibt viele pessimistische Stimmen zum Iran: Das System zeige keine Risse, meinen viele Kommentatoren - das iranische Bankensystem aber schon, ergänzt der Wirtschaftsteil der FAZ. Dänemark hat schon mal Inseln an die Amerikaner verkauft, erinnert die FR. Die SZ staunt über die Sanierung deutscher Opernhäuser, die Unsummen kostet und allseits akzeptiert wird. Die FAS erzählt, wie sich das gallische Dorf Schleswig-Holstein gegen die Cäsaren von Microsoft stemmt.
16.01.2026. "Lasst nicht zu, dass das Blut im Dunkel des Vergessens trocknet. Steht auf!", ruft der iranische Filmregisseur Jafar Panahi der Welt zu. In der FAZ kritisiert die Iran-Aktivistin Mariam Claren das Schweigen der Linken zu den Vorgängen im Iran. Im Interview mit der SZ schwanken die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt zwischen verhaltenem Optimismus und Pessimismus was die Zukunft der amerikanischen Demokratie angeht. In der NZZ erklärt der Inuit-Dichter Kelly Berthelsen, warum er Grönland lieber bei Dänemark sieht als bei den USA. Die FR gratuliert dem kleinen Wunder Wikipedia.
15.01.2026. In der FAZ setzt der Literaturwissenschaftler Hamid Tafazoli seine Hoffnungen für den Iran auf Reza Pahlavi, der einen Weg zu freien Wahlen und Säkularismus bahnen könnte. Der iranische Aktivist Hamid Akhavi (SZ) und Maryam Mardani (Tsp) sind strikt gegen Pahlavi: das iranische Volk habe vor 47 Jahren Nein zur Monarchie gesagt. In der Zeit plädiert der Historiker Andreas Rödder für rote Linien statt für Brandmauern gegen die AfD. Wir werden immer dümmer, weil wir immer weniger handeln, warnt in der Zeit der Soziologe Hartmut Rosa.
14.01.2026. Im Iran hat das Regime offenbar ein Blutbad mit Tausenden Toten angerichtet. Vielen soll ins Gesicht geschossen worden sein, berichtet die FAZ. Die Mullahs haben ihre letzten, ohnehin nur taktischen Skrupel abgelegt, schreibt Navid Kermani in der SZ. Die taz berichtet von "Kugelgeld", das die Angehörigen für die Leichen ihrer getöteten Kinder bezahlen müssen. Angesichts der Brutalität ist der Politologe Olivier Roy in der FR wenig optimistisch, dass die Iraner das Regime stürzen können. Data-Mining verstößt nicht gegen Urheberrechte, stellt der Mediziner und KI-Forscher Christof von Kalle in der FAZ klar. Und: Gibt's in Deutschland Zensur?
13.01.2026. Die FAZ erkennt den Shoggoth in Grok, auch wenn er lächelt. Die Iraner brauchen keinen neuen König, ruft in der taz Noishin Shahrokhi. Wenn er der einzige ist, der den Übergang zu einer laizistischen Ordnung moderieren kann, dann schon, meint Ali Sadrzadeh, ebenfalls in der taz. In der FR möchte der britische Historiker Brendan Simms die Amerikaner zwar nicht in Grönland, aber schon in Europa präsent wissen. In der Welt fragt Anne Applebaum, wie man Venezuela von Miami aus regiert. In der SZ möchte die israelische Publizistin Einat Wilf die Palästinenser vom arabischen Zionismus überzeugen.
12.01.2026. Im Iran sind alle fünf Bedingungen gegeben, um einer Revolution zum Erfolg zu verhelfen, analysieren die Politologen Karim Sadjadpour und Jack A. Goldstone in Atlantic. Inzwischen sind allerdings schon mehr als 200 Menschen getötet worden, berichtet die FAZ. Die taz wüsste gern, ob Deutschland nicht etwas mehr dagegen tun könnte, als nur "Besorgnis" zu äußern. Timothy Snyder sieht in seinem Substack-Newsletter kaum noch einen Unterschied zwischen Trump und Maduro. Die kenianische Anwältin Martha Karua fürchtet in der taz die übergreifende Zusammenarbeit der Regierungen von Kenia, Tansania und Uganda, um die aufbegehrende Gen Z unter Kontrolle zu halten.
10.01.2026. Welche Rolle spielt Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs, bei den Protesten im Iran, fragt die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur in der NZZ. Das iranische Regime ist so schwach wie noch nie, konstatiert die Autorin Natalie Amiri in der taz. Die Entführung Maduros war ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht, sollte die Länder Lateinamerikas aber auch anhalten, ihren Problemen ins Auge zu schauen, meint in der FAS der venezolanische Schriftsteller Rodrigo Blanco Calderón. Die taz erinnert daran, dass der Zionismus keine "rechte" Ideologie ist.
09.01.2026. Armer Westen, er sitzt sowas von auf dem absteigenden Ast, meint Daniel Marwecki in der FAZ. Und doch will jeder, der dringendst aus seinem "globalen Süden" raus will, genau dorthin, konstatiert Claudius Seidl in der SZ. Die islamische Revolution ist tot, die Post-Khamenei-Ära hat begonnen, sagt der Historiker Arash Azizi in Le Point. In der taz staunt die Feministin Tina Hartmann über ein Papier von ForscherInnen im Journal of Medical Ethics, das Genitalverstümmelung als "kulturell bedeutsame Praxis" verteidigt. Wir treten in eine Epoche der Kriege ein, meint Richard Sennett in der FR.
08.01.2026. In der FAZ sieht der Historiker Mischa Meier bei Donald Trump mehr Ähnlichkeiten mit Augustus als mit Caligula oder Nero - was er beunruhigender findet. Die NZZ denkt dagegen eher an Theodore Roosevelts Kanonenbootpolitik. In Zeit online und der taz erklären zwei Linguisten, warum sie die Bekennerschreiben der Vulkan-Gruppe für authentisch halten: Das klare Feindbild der Gruppe weise deutlich auf einen linken Hintergrund hin. In der SZ fordert der Literaturwissenschaftler Ibou Coulibaly Diop Kulturstaatsminister Weimer auf, den Kolonialismus ins aktuelle Gedenkenstättenkonzept aufzunehmen.
07.01.2026. Die SZ staunt: Während Westeuropa dem Aufstieg der Populisten ratlos gegenübersteht, regt sich in Osteuropa kräftiger Widerstand. In der taz fragt Georg Seeßlen besorgt: Können wir überhaupt noch Demokratie? Die FAZ stellt die indische Wissenschaftsphilosophin Meera Nanda vor, die darlegt, wie der Postkolonialismus rechte Ideologien stützt. 2026 könnte die AfD erstmals auf Landesebene eine Wahl gewinnen, sorgt sich Armin Nassehi und überlegt bei Zeit Online, wie die Union dies verhindern könnte.