9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ein Schiff ohne Kapitän

29.01.2026. Die Zeit stellt 29 Intellektuellen die Frage, ob Europa mit den USA brechen sollte. Der Historiker Karl Schlögel erklärt ebenfalls in der Zeit, warum Trump so interessiert an Grönland ist: Die Nord-Ost-Passage in der Arktis, die durch den Klimawandel freigelegt wird, ist die neue Seidenstraße. In der FAZ stellt der Historiker Bodo Mrozek die megalomanischen Geheimprojekte der US-Armee während des Kalten Krieges in Grönland vor. Minderheiten leben unter der neuen syrischen Regierung in ständiger Angst, erklärt Ahmad Mansour in der Welt.  

Die Wirklichkeit überdecken

28.01.2026. Die europäischen Staaten meinen es mit der Unterstützung der Ukraine nicht wirklich ernst, kritisiert der Politologe Jeremy Morris bei Zeit Online. FAZ und taz berichten, wie Putin die Winterkälte zur Kriegswaffe macht. Der Soziologe Aladin El Mafaalani beobachtet in der SZ mit Sorge die Bildung von "Misstrauensgemeinschaften", die Populisten nutzen. Die FR fordert, die Kurden endlich als legitimen politischen Akteur anzuerkennen. Der Holocaust sollte nicht auf die Geschichte der deutschen Täter reduziert werden, fordert der Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe in der FAZ

Unheimlicher als gewöhnliche Gier

27.01.2026. Die taz erzählt die Geschichte der iranischen Revolutionsgarde: Ihr gehört der halbe Iran, sie könnte die Macht übernehmen - aber woher die religiöse Staffage nehmen? Niemand will heute noch Reformen des Regimes wie einst 2009, sagt der österreichisch-iranische Schriftsteller Amir Gudarzi  in der SZ. Intensiv wird auch über Minneapolis diskutiert: Selbst im Maga-Lager kommen die Polizeimorde nicht gut an, notieren  New York Times und FAZ. golem.de begibt sich mit Dario Amodei auf den Weg zur künstlichen Superintelligenz.

Eine Art Macht-Theater

26.01.2026.
Wieder ist in Minneapolis ein Demonstrant erschossen worden: Trumps ICE-Truppe ist keine Ordnungsmacht, sondern ein Faktor des Chaos, stellt die New York Times fest. Was in Minneapolis geschieht, ist nicht nur skandalös, sondern zutiefst "unamerikanisch", kommentiert die Welt. Im Iran sind wesentlich mehr Menschen getötet worden als bisher bekannt, berichtet Time unter Bezug auf iranische Quellen: Die Zahl geht in die Zehntausende. Eine Gruppe um Schirin Ebadi fordert in einem Aufruf internationale Unterstützung für die demonstrierenden Iraner. Morgen ist Holocaust-Gedenktag, in der FAZ erinnert die Historikerin Magdalena Saryusz-Wolska an den "Holocaust durch Kugeln". 

Europa, Welt - hört her!

24.01.2026. In der FAS bestärkt die grönländisch-dänische Schriftstellerin Nauja Lynge Dänen und Grönländer, Einigkeit gegenüber Trump zu demonstrieren. In der FR glaubt der Soziologe Wolfgang Streeck hingegen, Dänemark werde den Amerikanern so etwas wie eine "De-facto-Souveränität" über Grönland zugestehen. Zeit Online befürchtet im Iran ein Zeitalter der "absoluten digitalen Isolation". Seit den 1880er-Jahren wurde der Antisemitismus zu einem dominierenden Faktor an den Universitäten, erinnert der Historiker Matthias Stickler in der Welt.  

Abgesehen von Seltenen Erden

23.01.2026. "Wäre der Schah geblieben, hätten wir letztlich besser gelebt als unter Khomeini und Khamenei", sagt die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi im Figaro. In Deutschland wurde viel über den "autoritären Charakter" nachgedacht, aber leider nur mit Adorno, nicht mit Vaclav Havel, bedauert Marko Martin in einer in der SZ abgedruckten Rede. In Berlin ist für heute eine antiisraelische Konferenz geplant. Die SZ untersucht ein teils missratenes Programm der Berliner CDU zur Antisemitismusbekämpfung. Die NZZ beleuchtet rassistische Ausschreitungen in Marokko.

Gefäß, Auslöser, Ferment

22.01.2026. Die Entführung Nicolas Maduros war eindeutig ein Bruch des Völkerrechts, erklären die Völkerrechtler Helmut Philipp Aust und Heike Krieger in der FAZ, das sollten die Europäer im eigenen Interesse klarstellen. In Davos hat Donald Trump jetzt gnädig darauf verzichtet, Grönland mit Gewalt einzunehmen. Jetzt sollten die Grönländer ihre Unabhängigkeit vorantreiben, empfiehlt in der Welt der Politologe Michael Paul. In der NZZ erklärt Andrei Kolesnikow, wie Putin versucht, Realität durch Sprache zu kreieren: Repression heißt jetzt sanitäre Maßnahme. Die Zeit plädiert für Gratiszugang zu den Museen. In der taz erklärt eine alleinerziehende Mutter, warum sie nicht gern "bedürftig" genannt wird.

Das Gefühl eines endgültigen Scheiterns

21.01.2026. Die Truppen der Al-Sharaa Regierung haben inzwischen die größten Ölfelder Syriens zurückerobert, während die kurdischen Streitkräfte SDF mit dem Rücken zur Wand stehen, berichtet die FR. Die Waffen wollen sie dennoch nicht abgeben - aus Angst, es könnte ihnen wie den Alawiten oder Drusen ergehen, erklärt die taz. Viele Kurden, Drusen, Alawiten, Jesiden und Vertreter jüdischer Organisationen fühlen sich von der Bundesregierung im Stich gelassen, berichtet die FAZ. Und der SPD-Politiker Sercan Celik ruft bei den Ruhrbaronen: "Es ist politischer Verrat!", der Abschiebungsdeals vorbereiten soll. Der Historiker Daniel Immerwahr (Zeit) hört in den Drohungen Donald Trumps gegen Grönland das Todesröcheln der US-Hegemonie.

Von allen Seiten erschossen

20.01.2026. Die Zahlen werden immer grauenhafter: Dass die iranischen Geistlichen in den letzten Wochen mehr als 12.000 Menschen umgebracht haben, klingt inzwischen plausibel. taz und FAZ suchen nach Informationen. Der Schah muss differenzierter betrachtet werden, fordert der iranischstämmige Historiker Kijan Espahangizi in der NZZ. Die taz zieht die traurige Bilanz des ersten Jahres von Trump 2.0. Trump ist ein "Postfaschist", sagt der Zeithistoriker Sven Reichardt in der SZ.

Vereinigung der Kämpfe

19.01.2026. Die FAZ zieht eine Bilanz des Schreckens im Iran: Ayatollah Khamenei setzte auch irakische Söldner ein, um die eigene Bevölkerung abzuschlachten. Die SZ wirft einen Blick auf die gespaltene Exil-Opposition des Iran. Die taz beschreibt das gefährliche Leben von Oppositionsführern in Afrika. Die Times of Israel porträtiert die  französische Journalistin Nora Bussigny, die undercover in der linksextremen Szene Frankreichs recherchierte. Die SZ bereitet sich mit den Polen auf Krieg vor.