9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
24.09.2026. In der Zeit blickt Clemens J. Setz misstrauisch auf die Bedrohungsszenarien, die KI-Hersteller so lustvoll ausmalen. Der Islamist Ibrahim Ibrahim verweist bei Facebook stolz auf seinen Anteil am Wahlerfolg der Linken. Zugleich will die Linke die Befugnisse der Polizei einschränken und den Verfassungsschutz in Berlin abschaffen: Laut SZ schreckt das einige Grüne ab, die taz wittert hingegen eine Kampagne gegen die Linkspartei. Die FAZ kann sich einen Remmo gut als Kultursenator vorstellen: ihre Liebe zu Museen ist ja bekannt. Die AfD ist unterdessen so stark geworden, dass Barrieren nicht mehr halten, fürchtet die FAZ.
23.09.2026. Der Antisemitismusvorwurf hat nur die Funktion, die Linke zu schwächen, findet der Soziologe Peter Ullrich in der taz heraus. Die FAZ sieht das anders. In der Welt denkt Mirna Funk über Gemeinsamkeiten zwischen AfD und der Partei Die Linke nach. Für beide sei "das Erlösungsversprechen der Kern ihrer politischen Ausrichtung". Im Standard prangert Eva Illouz die israelische Regierung an: Der "Siedlerterrorismus hat das, was Israel eigentlich erreichen sollte, zutiefst kompromittiert".
22.09.2026. Die FAZ verliert den Glauben an CDU und FDP und wünscht sich eine neue bürgerliche Partei mit einer Zukunftserzählung. In der Zeit fürchtet der Publizist Roger de Weck um die Westbindung Deutschlands, die er von rechts, links und der SPD angeknabbert sieht. Güner Balci fragt sich im Spiegel beklommen, warum sich die Remmos und die Islamisten auf der Wahlparty der Linken so wohlfühlen konnten. Wer Antisemiten nicht mehr widerspricht, wird in Strategie und Methode der AfD immer ähnlicher, warnt die SZ. Außerdem: Wolfgang Kraushaar kommt im Perlentaucher auf den Mordanschlag auf das jüdische Altenheim in München 1970 zurück.
21.09.2026. Ok, zumindest war's das für dieses Jahr mit historischen Wahlen. In Mecklenburg-Vorpommern sinkt die CDU erstmals in allen Landtagswahlen unter 5 Prozent. In Berlin könnte die Partei Die Linke nach 37 Jahren wieder das Ruder übernehmen. Die taz feiert mit, andere Stimmen sind distanzierter. Außerdem: Srebrenica war nur die letzte Episode einer genozidalen Kampagne, erinnert Hasan Nuhanović, Überlebender des Massakers, in der FR. Auch die NZZ kommt auf den serbischen Nationalismus zurück. KI-Warnungen haben weiterhin Hochkonjunktur.
19.09.2026. In einer Demokratie kann keine Wahl eine siegreiche Partei dazu autorisieren, die Grundsätze der Gleichachtung zu missachten, meint in der FR der Politologe Rainer Forst mit Blick auf die AfD. Ein AfD-Verbot würde wohl eine Staatskrise auslösen, warnt Heinrich August Winkler indes in der FAS. Im Guardian rät Timothy Garton Ash dazu, von Artikel 37 des Grundgesetzes Gebrauch zu machen. KI macht uns dümmer, glaubt der Medienphilosoph Roberto Simanowski ebenda. Pessimismus aber auch, sagt der Soziologe Aladin El-Mafaalani in der SZ. In der NZZ skizziert die Politikwissenschaftlerin Elham Manea das feministische Dilemma um das Kopftuch.
18.09.2026. In der SZ stellen die Journalisten Shahrzad Osterer und Richard C. Schneider keine gute Prognose für die USA nach den Midterms und Israel nach den Wahlen. Analysen reichen nicht, wir brauchen Visionen: FAZ-Autor Simon Strauß schlägt ein neues "Fahnenwort" vor, um den Zwiespalt in Deutschland zu heilen. Die Welt fragt: Wie geht Labour mit Antisemitismus um in einem Land, wo zwanzig Prozent der Jugendlichen den 7. Oktober gerechtfertigt finden? Wer ist eigentlich "Campact", fragen die Ruhrbarone. Und jetzt haben sogar die Spatzen die Nase voll von Berlin, seufzt die FAZ.
17.09.2026. "Russlandversteher! Ich verstehe euch nicht", ruft in der SZ der russisch-schweizerische Schriftsteller Alexander Estis. In FAZ und taz singen der Schweizer Historiker Thomas Maissen und der Ethnologe Olaf Zenker je ein Liebeslied auf Deutschland und seine Demokratie. In der Welt fragt sich Güner Balci, welche Brücken die Spitzenkandidatin der Berliner Linken Elif Eralp in einer Hamas-freundlichen Moschee bauen will. In der Zeit erklärt Mouhanad Khorchide, warum er einen liberalen Islam lehrt - zur Not auch unter Polizeischutz. Die FAZ berichtet von einem bizarren Streit um das Kennedy-Center in Washington.
16.09.2026. Das Angebot an Erklärungen für den Erfolg der AfD ist inzwischen unüberschaubar - die Zeitungen überbieten sich auch heute. Die prominentesten Deuter sind heute Gertrude Lübbe-Wolff, Elisa Hoven, Frauke Rostalski, Marco Vöhringer, Ines Hackethal, Deniz Yücel, Boris Palmer und Detlef Pollack. Außerdem: Putins Angriffe auf die EU und Deutschland haben eine neue Qualität, warnt die Zeit. Dort spricht auch Bill Gates über die Gefahren von KI. Kamel Daoud kommt in Le Point auf Zohran Mamdanis blumige Rhetorik beim Gedenken an den 11. September zurück.
15.09.2026. Alle fragen, wie der Erfolg der AfD zu erklären sei und wie man sie am besten bekämpft. Ganz einfach, sagt Carolin Amlinger in der taz, mit "antifaschistischer Politik", und natürlich indem man Wohnungen zum Zehnfachen des Preises zurückkauft, zu dem man sie einst verkauft hatte, ergänzt der Historiker Uwe Fuhrmann ebenfalls in der taz, und mit "mehr Teilhabe, keiner Kapitulation der Politik vor der Ökonomie", fordert Ingo Schulze in der NZZ. Außerdem: KI muss nicht das Ende der Demokratie bedeuten, erklärt Taiwans Ministerin für Digitales Audrey Tang in Zeit Online.
14.09.2026. Die FAZ beschreibt die Sorgen der Ukraine vor dem Winter - währenddessen fordern Trump und Kushner die Ukraine auf, endlich klein beizugeben. Im Freitag will Mithu Sanyal nicht kriegstüchtig werden. In Zeit online befürwortet der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide das österreichische Kopftuchverbot an Schulen für Mädchen unter 14 Jahren. In der taz erklärt Güner Balci, warum sie sich von Linken total im Stich gelassen fühlt. In der FAZ ist sich Steffen Martus sicher: Der Literaturbetrieb hat keine Wahl außer Caroline.