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07.10.2024. Fast alles steht heute im Zeichen des Jahrestags der Hamas-Pogrome. Auch Deutschland wurde durch das Ereignis verändert, konstatiert Michel Friedman in der Welt: "Die hässliche Fratze des radikalen Islamismus prägt immer mehr den Alltag." In der taz hält Fania Oz-Salzberger trotz allem an einer Zweistaatenlösung fest. Selbst Israels Trauer ist kolonialistisch, findet dagegen Naomi Klein im Guardian. Im Spiegel kritisiert Dana von Suffrin den deutschen Kulturbetrieb, der mit Antisemitismus offenbar so gar kein Problem hat.
In Deutschland erreicht die Zahl antisemitischer Straftaten ein Rekordhoch, meldet Konrad Litschko in der taz. "Wieder die alte Situation: Mit leidenden oder toten Juden gab es, meist nachträglich, bestenfalls Mitleid. Neu ist seit 1948 Israel, der wehrhafte Jude", konstatiert Michael Wolfssohn trocken in der FAZ. "An diese Rolle konnte oder wollte sich die nichtjüdische Welt noch (?) nicht gewöhnen. Das beweisen die dominanten Reaktionen unmittelbar nach der Hamas-Mordorgie vom 7. Oktober. Mitleid und Beileid für Israel und die jüdische Welt. Sobald Israel mit (nur verbaler) Unterstützung der diasporajüdischen Mehrheit gegen Gaza, dann gegen die libanesische Hizbullah von der Defensive in die Offensive überging, begann der antijüdische und antiisraelische Tsunami."
In der Welt blickt Michel Friedman voller Sorge auf die Situation von Juden in Deutschland und dem Antisemitismus, der vor allem von der extremen Linken kommt: "Für jüdische Menschen, für alle Menschen, die frei leben wollen, mit Menschenrechten leben wollen, wird es enger, ungemütlicher und kälter. Und ja, auch ein Teil der arabischen Einwanderer hat ihren Hass auf Juden mitgebracht und lebt ihn auf deutschen Straßen aus. Die hässliche Fratze des radikalen Islamismus prägt immer mehr den Alltag. Unterstützt von einer linksextremen Jugend, die meint, den Feind der gerechten Welt gefunden zu haben: Israel und das 'Weltjudentum'. Wir Juden tragen nicht die Schuld und Verantwortung, dass es Judenhasser gibt. Wir Juden haben nicht den Auftrag, den Judenhass zu bekämpfen. Das wäre die Spitze der Pervertierung. Es ist der Auftrag der gesamten Gesellschaft. Und sie ist hilflos."
Im Spiegel kritisiert die Autorin Dana von Suffrin den Antisemitismus im deutschen Kulturbetrieb, und diesmal nennt sie auch Namen: Christian Watty vom Festival "euro scene leipzig", der kein Problem damit hat, antisemitische Truppen wie das britische "Freedom Theatre" einer "Ex-Dschihadisten namens Zakaria Zubeidi" einzuladen, oder die Autorin Mithu Sanyal, die "auf ihren Social-Media-Kanälen quasi rund um die Uhr Links, die von der Verworfenheit der Israelis handeln. Antisemitische Cartoons, Inhalte islamistischer Accounts, Links, die den getöteten Hisbollah-Chef Nasrallah verteidigen. Reaktionen darauf aus dem Betrieb? Keine. Gerade ist Sanyals neuer Roman erschienen, sie ziert das aktuelle Cover des queerfeministischen Missy-Magazins, gibt Interviews, auch im Spiegel erschien ein wohlwollendes Portrait. Kein Mensch scheint sich daran zu stören, dass sie auf Social Media wie der unangenehme Onkel klingt, der bei jedem Familienfest mit einem starken Hang zu Verschwörungstheorien auffällt, und bei dessen Tiraden man lieber betreten zur Seite schaut."
Jürgen Kaube (FAZ) kann schon das Wort "Israelkritik" nicht mehr hören: Viele der Kritiker würden sich wünschen, "dieser als kolonial und rassistisch bezeichnete Staat möge verschwinden. In der Vokabel 'Israelkritik' und der Forderung, Israelkritik müsse doch möglich sein, ohne gleich als antisemitisch bezeichnet zu werden, findet dieser Wunsch seinen Ausdruck. Denn diese Vokabel ist eine Singularität. Niemand, der die italienische Regierung für ein Unglück hielte, würde das als 'Italienkritik' vortragen. Im Fall Israels wird dagegen die Kritik einer Regierung als Kritik eines Landes vorgetragen. Das Ganze muss für einen Teil herhalten. Behauptet wird damit, hinter der entsetzlichen Politik einer teils korrupten, teils fanatischen Regierung stehe eine verwerfliche Staatskonstruktion. Schon die Existenz Israels ist für viele sich als links vorkommende Aktivisten und Publizisten der Grund alles weiteren Übels. Darum soll Israel entweder 'from the river to the sea' verschwinden oder sich in ein Gebilde auflösen, in dem die Palästinenser die Bevölkerungsmehrheit stellen. Um sich vorzustellen, was das für die Juden hieße, bedarf es nicht viel Phantasie."
Seit dem 7. Oktober hat die Regierung Netanjahu ihre Macht immer weiter ausgebaut, ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht, warnen die Historiker Shimon Stein und Moshe Zimmermann in der FR. Sie geben der Regierung Netanjahu die Schuld am zunehmenden Antisemitismus. "Der Krieg, der als Antwort auf das vom Hamas verübte Massaker begonnen hat und leicht auf der internationalen Bühne zu rechtfertigen war, führt nach einem Jahr den Staat Israel immer mehr in die Isolation. Schlimmer noch: Die sich verbreitende anti-israelische Stimmung weltweit hat einen außerordentlich gefährlichen Nebeneffekt: Der latente Antisemitismus verwandelt sich in einen offenen, auch gewaltbereiten Antisemitismus, der vor allem die Juden außerhalb Israels bedroht."
In der FAZ findet die israelische Schriftstellerin Lizzie Doron scharfe Worte der Kritik an der israelischen Regierung, die sie für eine Bande von Extremisten hält. Das ändert jedoch nichts an dem Antisemitismus, den sie außerhalb Israels spürt: "In Deutschland ist es für mich nicht mehr wie vorher. Ich fühle mich nicht mehr sicher, wenn ich über die Straßen laufe, mich als Israelin vorstelle oder Hebräisch spreche. Ich sage die meisten meiner Lesungen ab, aus Angst, dass ich angegriffen werde. Ich habe immer für Frieden und Gleichheit gekämpft, und jetzt muss ich mich für meine Existenz rechtfertigen."
Der Krieg bringt keine Lösung, auch der israelische Autor Dror Mishani ist im Interview mit Zeit online davon überzeugt. Aber wie Lizzie Doron fühlt er sich mit dieser Meinung inzwischen sehr allein in seinem Land: "Selbstverständlich müssen wir uns wehren. Aber die Logik des Krieges ist zum bestimmenden Faktor geworden, wir sind nicht mehr offen für andere Wege. Wer auf Israel schaut, muss zwei Dinge sehen: Zum einen gibt es hierzulande immer mehr Menschen, die unsere Lage allein durch die religiöse Brille betrachten. Für sie ist der Konflikt mit unseren Nachbarn die Verkörperung uralter biblischer Kämpfe zwischen dem Volk Israels und den Fremden um uns herum. Wer so denkt, ist weniger bereit, Kompromisse einzugehen. Zum anderen sind wir heute stärker traumatisiert als früher. In der Tat haben wir in den vergangenen Jahren sehr gelitten, all die explodierenden Busse, die Bomben in Cafés, die vielen Israelis, die Angehörige durch Terroranschläge verloren haben. Angesichts dieses Schmerzes und der ständigen Angst vor Gewalt scheint es manchmal fast allzu verständlich, dass Menschen nicht mehr bereit sind zu vergessen, zu vergeben, ihren Gegnern, die auch Nachbarn sind, die Hand zu reichen. Doch das führt uns nicht weiter."
Im Interview mit der taz erklärt die immer wieder lesenswerte Historikerin Fania Oz-Salzberger, warum eine Zweistaatenlösung das beste ist, was man sich derzeit im Nahen Osten erhoffen kann: "'Between the river and the sea, two states for you and me'. Das ist mein Slogan. Leider gab es auch vor dem Krieg in Gaza und vor dem 7. Oktober nicht genug Palästinenser, die darüber sprechen wollten. Denn ein Teil der palästinensischen nationalen Identität besteht darin, dass sie alles wollen. Sie wollen alles vom Fluss bis zum Meer. Natürlich will auch unser rechter Flügel alles. Aber selbst heute, nach all dem Trauma und dem Horror und dem Massaker und dem Schock, sind 25 Prozent, mindestens 25 Prozent der Israelis, Juden und Araber, bereit, die Zweistaatenlösung zu akzeptieren. Ich bin Historikerin. Geschichte besteht nicht nur aus Katastrophen, sondern auch aus gelegentlichen Wundern. 1978 beschloss Anwar Sadat, der Präsident Ägyptens, fast über Nacht, dass er einen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnen würde, und flog nach Tel Aviv. Konrad Adenauer kam Ende der 1960er Jahre nach Israel ... im Laufe der Zeit schufen Adenauer und Ben-Gurion eine Dynamik, schufen ein Abkommen, das die Grundlage für die neuen deutsch-israelischen Beziehungen bildete. Wenn das mit Deutschland möglich war, warum dann nicht auch mit den Palästinensern? Die Antwort lautet: inspirierte Führung. Wir brauchen inspirierte Führung auf beiden Seiten."
Dass es auch Palästinenser gibt, die die Hamas verabscheuen, vergisst man manchmal, Hamza Howidy ist einer von ihnen, lesen wir in der taz. Und er zahlt dafür einen hohen Preis: "2019 hatte ich die Proteste gegen die Hamas im Gazastreifen mit organisiert, im Geheimen. Wir haben uns nicht getraut, den Sturz der Hamas zu fordern, stattdessen war unser Slogan 'Wir wollen leben'. Innerhalb eines einzigen Tages nahm die Hamas 3.000 Demonstranten fest, 3.000, das muss man sich mal vorstellen in diesem kleinen Stückchen Land. Und in Hamas-Gefängnissen hat man nicht das Vergnügen, einen Anwalt zu haben oder die Familie sehen zu können; und es gibt Folter. Zum Glück konnten meine Eltern das Geld aufbringen, um mich aus dem Gefängnis frei zu kaufen. Wer das Geld nicht hatte, blieb noch lange Zeit. Einige Monate vor dem 7. Oktober, im Juni 2023, versuchten wir es noch einmal. Wir demonstrierten, die Hamas nahm uns fest, ich war alleine in einer Zelle ohne Toilette und mit einer Mahlzeit am Tag, die man nicht als Mahlzeit bezeichnen kann. Was mich wirklich frustrierte, war, dass die Medien kaum darüber berichteten. Nicht arabische Medien und nicht internationale. Auch von Hilfsorganisationen fühlten wir uns allein gelassen. Im Sommer 2023 bin ich geflohen."
Im Tagesspiegel-Interview mit Stephan-Andreas Casdorff und Stefanie Witte verteidigt der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein das militärische Vorgehen der israelischen Regierung seit dem 7. Oktober. "Israel ist ein Land, das am Völkerrecht gemessen werden will. Das Land ist angegriffen worden. Da hat Israel natürlich ein Recht auf Selbstverteidigung, das aber nicht grenzenlos gilt. Wichtig ist die Verhältnismäßigkeit. Meiner Meinung nach ist der Genozidvorwurf, der im Raum steht, absurd. Das hieße, dass Menschen im Gazastreifen nur umgebracht würden, weil sie Palästinenser sind. Israel versucht aber, Terroristen zu töten. Dabei kommt es immer wieder zu zivilen Opfern. Es ist ein schmutziger Krieg, wenn sich der Gegner nicht ans Völkerrecht hält und Menschen als Schutzschilde einsetzt."
In der tazplatzt Klaus Hillenbrand langsam der Kragen: Während viele Linke ihren "Antiimperialismus für Vollidioten" pflegen, sitzt die schweigende Mehrheit stumm und blickt höchstens vom Sofa auf judenfreundliche Demonstrationen, auf denen die Betroffenen meist unter sich bleiben: "Der deutsche Michel sitzt lieber hinter dem warmen Ofen und ängstigt sich vor dem Flächenbrand im Nahen Osten und steigenden Benzinpreisen. Es ist zum Verzweifeln. Nicht nur für Juden."
Außerdem zum 7. Oktober: Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, wünscht sich in der FAZ angesichts der antisemitischen Hetze auf TikTok und anderen sozialen Medien massive Investitionen in digitale Bildungsformate. Ebenfalls in der FAZ hebt Gil Murciano, Leiter des israelischen Mitvim-Instituts, hervor, dass eine Mehrheit in Israel nach wie vor für eine diplomatische Lösung des Nahostkonflikts ist. Und Frauke Steffens unterhält sich für die FAZ mit dem Israeli Jonathan Dekel-Chen, dessen Sohn Sagui am 7. Okober von der Hamas verschleppt wurde. Im SZ-Interview wärmt Omri Boehm zusammen mit Rula Hardal seine Idee einer Konföderation zwischen Israelis und Palästinensern auf. Dagegen sieht der Historiker Julius H. Schoeps im Tagesspiegel keine Lösung des Konflikts.
Intellektuelle wie Masha Gessen oder Judith Butler arbeiten seit dem 7. Oktober daran, den ostentativen Holocaust-Bezug der Pogrome explizit zu leugnen. Nun reiht sich auch die BDS-Ikone Naomi Klein in einem Guardian-Essay in diese Phalanx ein. Nicht die Verbrechen des 7. Oktober, auf die sie kaum eingeht, knüpfen demnach an den Holocaust an, sondern Israel benutzt sein Trauma und den Holocaust-Bezug, um selbst seinen Genozid zu begehen. "Wie Israel aus Trauma eine Kriegswaffe schmiedete", lautet die Überschrift ihres Longreads. Klein behauptet, es habe sich in Israel bereits eine wahre Gedenkindustrie um das Ereignis etabliert, um bestimmte Narrative durchzusetzen. Israel habe eine "kolonialistische Form des Trauerns entwickelt", und schmiede "Schock und Demütigung zu einer Kriegswaffe für imperiale Aggression" um. Mit Blick auf den Holocaust (nicht den 7. Oktober) macht sie der israelischen Regierung zum Vorwurf "einen Genozid in der Vergangenheit zur Rechtfertigung eines Genozids in der Gegenwart zu nutzen". Als gute Art des Gedenkens schlägt Klein dann das postkoloniale Dogma vor: Es gehe darum, "an frühere koloniale Völkermorde zu erinnern, die den Nazi-Holocaust geformt und inspiriert haben, der wiederum den Staat Israel geformt hat. Daran zu erinnern, dass Israel sich gerade in einem nuklear bewaffneten kolonialen Rachefeldzug befindet, der in der Tradition früherer kolonialer Strafexpeditionen steht."
Fania Oz-Salzberger antwortet auf Twitter:
All the talk about Israel "weaponizing trauma" may sound like criticism of the government, but in fact it's a vicious cancellation of Israeli civil society. Millions of traumatized individuals. To those aiming to police my grief I say, as I have been saying for a year: fuck you.
- Fania Oz-Salzberger 🇮🇱🟣⚖️ פניה עוז-זלצברגר (@faniaoz) October 6, 2024
Bert Pampel erinnert in "Ereignisse und Gestalten" (FAZ) an den Münchner Jungkommunisten Albert Stegerer, der insgesamt 14 Jahre in deutschen und sowjetischen Lagern saß, bevor er 1951 in Moskau erschossen wurde: "Andere, wie Margarete Buber-Neumann, Erwin Jöris, Wilhelm Grothaus und Arno Wend, traf ein ähnliches Schicksal als doppelt Verfolgte. Russland hat diesen Teil seiner Geschichte bislang kaum aufgearbeitet. Auch deshalb erlebt politische Willkürjustiz inzwischen dort ihre Wiederkehr. In Deutschland erinnern zahlreiche Gedenkstätten, Veröffentlichungen, Veranstaltungen und 'Stolpersteine' an Opfer des Nationalsozialismus. Die in Russland inzwischen verbotene Menschenrechtsorganisation Memorial setzt sich dafür ein, auch in Deutschland im Rahmen des Projektes 'Die letzte Adresse' Gedenktafeln an den letzten bekannten Wohnorten von Menschen anzubringen, die unschuldig in der Sowjetunion erschossen wurden oder im Lagersystem umkamen. Ein Erinnerungszeichen für Albert Stegerer in Weißkollm oder München, das dessen gesamte Verfolgungsgeschichte zur Sprache bringt, wäre ein kleiner Beitrag, in Deutschland das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Freiheit und Menschenwürde sowohl durch rechtsextreme als auch linksextreme Ideologien gefährdet sind."
In der Berliner Zeitungantwortet der Publizist Peter Köpf Norbert Frei auf einen Artikel in der Zeit, in dem Frei den ersten Bundespräsidenten TheodorHeuss als zu positiv dargestellt haben soll (unser Resümee). Nicht nur habe Heuss unter den Nazis weiter publizieren dürfen, so Köpf, auch seine Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz blieb für immer ungeklärt. "Was, wenn er es doch nicht gegen heftige innere Widerstände tat oder weil die Partei ihn gezwungen hatte? Wenn er wie so viele Deutsche dankbar war, dass die Folgen des Ersten Weltkriegs endlich korrigiert wurden? (...) Frei scheint Heuss' 'Fähigkeit, sich seiner Zuhörerschaft rhetorisch anzuschmiegen', zu bewundern. Das allerdings ist mit Blick auf die heutige Zeit zu diskutieren: Ist Anschmiegsamkeit inzwischen der Euphemismus für Mitläufertum, für Opportunismus und Willfährigkeit? (...) Entscheidend ist die Tat. Heuss' Flexibilität, seine 'Anschmiegsamkeit', ist alles andere als vorbildliche Charakterstärke. Diktaturen funktionieren nur, wenn Widerstand ausbleibt."
"Wir sind keineswegs in einer finanziell desaströsen Lage. Suhrkampistnicht in Not," erklärt der Suhrkamp-Chef Jonathan Landgrebe im Zeit-Online-Interview mit Thomas E. Schmidt und Adam Soboczynski in Hinblick auf den Eigentümer-Wechsel des Verlags, dessen Aktien jetzt zu hundert Prozent Dirk Möhrle gehören (unsere Resümees). Der Verlag will sich weiterhin verbessern. Zwar versammelt der Verlag einige Bestseller-Autoren in seinen Reihen, "aber der Verlag lebt in der Breite nicht nur von Bestsellern, sondern insbesondere von der Midlist, Büchern, die sich zwischen 5.000 und 15.000 Mal verkaufen. Wir wollen in beiden Bereichen mehr erreichen. Titel mit hohem Verkaufspotential werden wir in Zukunft auf einer starken finanziellen Basis einfacher akquirieren können, Dirk Möhrle hat hierfür Investitionen zugesagt. (...) Dirk Möhrle ist genau der richtige Investor für den Verlag und ich bin froh, dass es zu dieser Lösung gekommen ist."
In der Welt gibt Marc Reichwein dem Suhrkamp-Verlag Tipps, nachdem er dort eine große wirtschaftliche Krise ausgemacht hat. "Aktuell hat Suhrkamp nur zwei Titel des Soziologen Steffen Mau auf der Spiegel-Bestsellerliste, und man wüsste jenseits von Elena Ferrante und Isabel Allende wenig, was richtig Umsatz bringt. (...) Also: Ohne baldige neue Superseller und etwas Neuerfindung dürfte der träge gewordene Tanker Suhrkamp immer weniger manövrierfähig sein." In der SZ schreibt Nils Minkmar zum Thema.
Der britisch-israelische Journalist Daniel Ben-Amierzählt im NZZ-Interview mit Thomas Ribi und Lucien Scherrer über seine Erfahrungen mit Antisemitismus in London, wo es vermehrt zu propalästinensischen Massendemonstrationen gekommen ist. "Auf der Straße fühle ich mich sicher. Ich trage keine Kippa, bin also nicht als Jude erkennbar. Aber ich war als Beobachter bei den Anti-Israel-Demonstrationen und auch bei Gegendemonstrationen. Da drohte man mir offen mit Gewalt. Zuerst machten sie Gesten wie diese (fährt mit Finger über Kehle). Jetzt formen sie mit den Fingern ein Dreieck. Das ist eine klare Drohung, das Zeichen der Hamas. Und dann schreien sie einen an, dass man ein 'Kindermörder' und 'Völkermörder' sei. Nicht alle Teilnehmer sind so, aber es ist auch keine kleine Minderheit. Und niemand hält sie auf."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Zwar hat sich bei Landtagswahlen im Osten gezeigt, dass der Osten erfolgreich zum "nützlichen Propaganda-Raum des Kremls" umgebaut wurde, konstatiert die Schriftstellerin Ines Geipel, die vor Kurzem "Fabelland. Der Osten, der Westen, der Zorn und das Glück" veröffentlicht hat, in der Welt. Allerdings hat die Mehrheit dagegen gehalten. "Gegen alle Prognosen, gegen viel Druck und Strategie hat der demokratische Osten gegengehalten. Er hat sich vernetzt, Aktionen gestartet, demonstriert, neue Bündnisse ermöglicht und damit klargemacht, dass er nicht weichen wird. Das erklärte Ziel der AfD, mit 40 Prozent Wählerstimmen den Machtwechsel herbeizuführen, ist an diesem hart durchgekämpften Ja zur Demokratie zerschellt. An diesen Sommerwahlen ist nichts zu beschönigen, aber die gewachsene politische Kultur der Mitte im Osten ist auch eine Realität."
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