9punkt - Die Debattenrundschau

Emergent und kaum vorhersagbar

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.08.2017. Die Täter der RAF schweigen, wie die Deutschen einst über die Verbrechen der Nazis schwiegen, schreibt die Berliner Zeitung. Die Welt erzählt, wie sich Tayyip Erdogan Respekt in der islamischen Welt holen will. Der Economist erinnert die Deutschen daran, dass Wahlkampf ist. In der SZ schildert der venezolanische Autor Alberto Barrera Tyszka das Ausmaß der Korruption des Regimes.  Die Zeit porträtiert den rechts-nationalen Verleger tz Kubitschek.
Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.08.2017 finden Sie hier

Gesellschaft

Vierzig Jahre ist der Deutsche Herbst her. Und noch immer sind einzelne Morde der RAF nicht aufgeklärt, weil die Täter nicht reden. Jochen Arntz kann es in der Berliner Zeitung schwer fassen: "Heute schweigen die terroristischen Mörder genauso über ihre Taten wie die Generation vor ihnen über den Holocaust geschwiegen hat. Das ist das eigentlich Ungeheuerliche: Die Überlebenden der RAF verweigern sich eines Wortes der Aufklärung und des Bedauerns, so wie schon einmal deutsche Täter sich verweigerten, für ihr Leben einzustehen. Und es ist das wirkliche Armselige an den Terroristen jener Zeit, die sich ja als Revolutionäre und nicht als Mörder sahen, dass diese Menschen heute zu den verstocktesten Mördern überhaupt gehören."

Die größte Gefahr für die Demokratie liegt derzeit in der Digitalisierung und den Daten, die Staaten über ihre Bürger sammeln, meint Dirk Helbing, Professor für Computational Social Science an der ETH Zürich, in der NZZ. Dabei könnten datengestützte Optimierungen für alle ein Gewinn sein, vorausgesetzt, man kennt die "richtige Zielfunktion": "Außerdem müsste sich die Welt genügend langsam verändern, und die Dinge müssten hinreichend einfach und vorhersagbar sein. Diese Bedingungen sind nicht erfüllt. Während wir die Welt weiter vernetzen, wächst ihre Komplexität schneller als das Datenvolumen und geht über die Kapazitäten zur Verarbeitung und Übermittlung der Daten hinaus. Viele Aspekte unserer Welt sind emergent und kaum vorhersagbar."

Außerdem:  Rudolf Stumberger besucht für die NZZ Utopia, ein Dorf in Texas, in dem sich seit Ewigkeiten kaum was verändert hat. Und natürlich Trump-Land.
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